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Musik und so weiter

Ist schon klar, heute geht es um die Fernsehserie "Vier Frauen und ein Todesfall". Darauf gekommen bin ich durch ein Marketingfoto für den DVD-Verkauf: das ist ein Gesicht, dachte ich. Aber eigentlich dachte ich nichts, sondern war einfach nur neugierig. Die Serie ist der übliche Schmu von den starken Frauen, die es den Männertrotteln zeigen; Augenkokain also für all die grauen Mäuse, denen Selbstbewußtsein zu anstrengend ist. Aber mit Witz gemacht und sehr unterhaltsam.

Das Gesicht, ach ja. Adele Neuhauser siehst du an, daß sie gelebt hat (und noch lebt!). Dabei könnte sie längst tot sein: mehrere Selbstmordversuche zwischen 10 und 20. Sie selbst meint rückblickend, wenn sie es ernst gemeint hätte, gäbe es sie nicht mehr. Wie dem auch sei, sie hat unter der Scheidung ihrer Eltern gelitten, und was sonst noch war, Pubertät, Identitätskrise, Außenseitertum, übersensibel bis zur Autoaggressivität. Wobei, angesichts der Dominanz von PKW im Straßenbild kommt man bei "Autoaggressivität" auf ganz andere Gedanken. Danach eine Tour de Force durch Theater Deutschlands (als Wi-enerin). Sechs Jahre lang hat sie dabei den Mephisto (androgyn) gespielt. Kampferprobt, könnte man sagen.

Und dann wurde sie für besagte Serie verpflichtet (mit zunächst Gaby Dohm als Zugpferd) und wurde und ist die zentrale Figur, die den ganzen Schmarrn trägt und ihm Glaubhaftigkeit verleiht. "Also I glaub net, daß des ein Unfall gewesen ist" wird von Historikern dereinst als typische Aussage weiblicher österreichischer Dorfbewohner angeführt werden. Dorf? Wenn Dorf Ilm wirklich Dorf wäre, hätte es keine vierzig Folgen gegeben, in denen über die Zeit genügend Figuren für eine Kleinstadt zu sehen waren und jede Menge Leute ins Jenseits gehen mußten. Sei's drum, Adele bzw. die Zirbner Julie leitet die Untersuchungen der "Begräbnisweiber", macht die härtesten Sprüche, verliebt sich ausgerechnet in den neuen Pfarrer, legt sich heftig mit einer jungen Zugereisten an, die sich als ihre (zur Adoption gegebene) Tochter entpuppt, während sich das depperte Dorf Ilm komplett in ein Irrenhaus verwandelt, die Charaktere sich untreu werden und die Autoren von ihrer Kunstfertigkeit besoffen allmählich alles nihilieren, oder müßte es "negieren" heißen.

Was bleibt, ist Adele Neuhauser, die eine großartige Schauspielerin ist, der ich gerne zusehe, die seit 2011 auch im Wiener Tatort als feste Problemfigur einen Platz hat, die ich wegen ihres ausdruckstarken Gesichtes liebe und ihrer Lebendigkeit dahinter, die sich aber - so ist das heute - ans Fernsehen verkauft. Nu, Schauspieler müssen auch essen, und ohne Engagements gibt's keine Kohle. Kein Vorwurf, liebe Adele, genieße deine Rollen und vor allem dein Leben. Du hast meines bereichert.

die im Original "The Philadelphia Story" heißt und 1940 in die Kinos kam. Zur Erinnerung: Katherine Hepburn ist die Ex-Frau von Cary Grant und will einen beflissenen Emporkömmling heiraten. James Stewart und Ruth Hussey vom Spy-Magazine sind per Erpressung ins Haus eingeschleust worden, um von der Hochzeit im Milieu der Erbreichen zu berichten. Grant umwirbt weiterhin Hepburn, Stewart verliebt sich in sie, und unter Mißbrauch gewaltiger Mengen Champagners kommt es beinahe zu - na, was auch immer. Dem Emporkömmling ist die Freude an der Braut verdorben, Grant springt ein, happy end.

Es gibt eine Menge komischer Dialoge, wie es sich für eine screwball comedy gehörte; "Es geschah in einer Nacht" (1934) war angeblich die erste, "Is was Doc" (1970) ein später Nachhall. Peinlich - und spaßtötend - war in der "Philadelphis Story" allerdings, daß die Frau sowohl für die Trunksucht ihres Mannes als auch für die Seitensprünge ihres Vaters verantwortlich gemacht wurde. Ich kapiere einfach nicht, wie sich Katherine Hepburn dafür hergeben konnte. Aber das ist nicht das schlimmste.

1956 wurde ein remake unter dem Titel "High Society" gedreht, mit Grace Kelly, Bing Crosby und Frank Sinatra, und zwar als Musical. Wo der Film witzig ist, hat er sich beim Original bedient, wo er peinlich ist, ebenfalls. Aber ganz entsetzlich sind die Gesangseinlagen, die ich deshalb weitgehend gemieden habe. Gelungen sind nur die Auftritte von Louis "Satchmo" Armstrong, geben aber leider nicht seine Brillianz als Jazztrompeter wieder. Schade.

Ich muß mir unbedingt wieder das Original ansehen, um den schlechten Geschmack im Mund loszuwerden. Und euch empfehle ich das auch. Peinlichkeiten hin, Peinlichkeiten her: "The Philadelphia Story" ist großes Hollywood und eine funkensprühende Komödie.

Zwei Hügel fangen meinen Blick
Und sie zu schauen mich ergötzet
Doch Labsal finde ich im Tal
Wo Tau des Mooses mich benetzet

Dort will ich weilen, heiter, matt
Und teilen meinen freudgen Fund
Mit dir, mein Herz, mein Rosenblatt
Zusammen bis zur Morgenstund

Und tragen will ich dich auf Händen
Als Diener deiner Lustbarkeit
Bis uns das goldne Licht der Sonne
Erweckt und für den Tag entzweit

Des Abends zieht's uns zueinander hin:
Mich Diener und dich Dienerin

bzw. "Hopscotch", wie dieser 35 Jahre alte Film im Original heißt. 1978, das ist noch die Zeit des kalten Krieges zwischen USA und UdSSR, durch die jüngsten Enthüllungen über die digitale Totalüberwachung aber hochaktuell. Eröffnet wird der Streifen mit dem Trachtenumzug für das Oktoberfest in München. In der Folge werden wir Zeuge, wie die Leute des CIA-Agenten Kendig (Walter Matthau) einen sowjetischen Spionagering hopsnehmen. Matthau selbst nimmt dem sowjetischen Agentenführer (Herbert Lom) das Geheimmaterial ab, läßt den Mann aber laufen. Gegenüber seinem neuen Abteilungsleiter ("Weshalb sind Sie so klein, Myers, ich dachte Sie wären größer") begründet er das damit, daß man diesen Mann und seine Art kenne, die Sowjets sofort einen neuen Führer einsetzen würden, es allein sechs Monate dauerte, bis man wüßte, wer das ist, und ein weiteres Jahr, bis man seine Methoden kenne. Myers, humorlos und beißfreudig, versetzt Matthau auf einen Büroposten, dieser läßt erst seine Akte verschwinden und verschwindet dann selbst.

Und zwar nach Salzburg, wo er eine frühere (Agenten)Affäre besucht (Glenda Jackson), die das Erbe ihres verflossenen Ehegatten genießt. Lom hat Wind vom Zwist um Matthau bekommen und macht diesem ein Angebot, die Seite zu wechseln, doch Matthau lehnt ab. "Was willst du denn machen, deine Memoiren schreiben?" fragt Lom. Das bringt Matthau auf die Idee und er schreibt seine Memoiren, das heißt, er beginnt all die kleinen und großen schmutzigen Geheimnisse, von denen er Kenntnis hat, aufzuschreiben und kapitelweise an alle geheimnisdienstmäßig wichtigen Regierungen zu verschicken - Washington, Paris, London, Peking, Moskau ... -, und Myers schnappt nach dem Köder und läßt Matthau verfolgen. Der allerdings ist ihm immer einen Schritt voraus, denn niemand kann Geheimdienste besser austricksen als ein Angehöriger eines Geheimdienstes. Das ist an sich schon symphatisch, aber Matthau bringt zusätzlich sein Knautschgesicht und seine Liebe zur Oper mit in den Film.

Besonders zufriedenstellend ist die Episode, an deren Beginn Matthau die Sommerresidenz seines Ex-Chefs Myers anmietet, um dort weitere Kapitel zu schreiben. Er sorgt dafür, daß er entdeckt wird, und verläßt das mit China-Krachern präparierte Haus, als ein FBI-Aufgebot eintrifft; vorher zündet er die Lunte. Die Kracher krachen, und das FBI ballert. Myers beschwört den Offizier, das Feuer einzustellen, was dieser auch tut, nicht ohne seine Leute vorher zu einer weiteren Salve aufzufordern. Die Sommerresidenz wirkt ziemlich durchlöchert. Matthau ist derweil in einem Pickup auf der Flucht, läßt in einer Kurve die Olfässer auf der Ladefläche umkippen, und die Verfolger glitschen in den Straßengraben.

Es gibt eine Fülle von Details, die alle nur ein Ziel haben: die beflissenen Diener der Geheimdienstgesetze als die Idioten hinzustellen, die sie zweifelsohne sind. Allerdings läßt das Drehbuch außer acht, daß es sich bei diesen Typen auch um "Eichmanns" handeln könnte, zurecht, denn über (menschenähnliche) Roboter kannst du dich nicht lustig machen; Grauen und Komödie schließen einander aus.

Das Finale spielt auf einem küstennahen englischen Sportflugplatz. Als Zuschauer werden wir dabei betrogen, denn wir müssen glauben, daß Matthau im Fluchtflugzeug sitzt, das abgeschossen wird, explodiert und ins Meer stürzt. Danach sehen wir, wie Matthau eine Fernsteuerung in ein Ölfaß gleiten läßt. Erfolg der Aktion: Matthau gilt als tot, Ende der Verfolgungsjagd.

In der letzten Szene fragt ein Maharadscha in einer britischen Buchhandlung nach den Memoiren von Kendig, die der aktuelle Bestseller sind, das ist natürlich Matthau. Aber Glenda Jackson, Matthaus Komplizin in der ganzen Scharade, ist zur Stelle, um ihren eitlen Gockel an die Leine zu nehmen. Schluß. Und, ich muß es leider sagen, ein Punkt Abzug wegen des erwähnten Betrugs. Ansonsten: großes - analoges - Kino. Dank moderner Technik auch digitalisiert verfügbar ...

Dieser Film ist zwar von 1949 und mit seiner Nachkriegsatmosphäre im alliiert sektorierten (West-, und dort Süd-)Deutschland (später auch Bremerhaven) eine olle Kamelle, aber mittlerweile wieder hochaktuell: wer sehen will, wie Cary Grant nach allen Regeln der US-Armee und des US-Kongresses durch-gegen-dert wird, darf den Streifen nicht verpassen.

Cary Grant soll zum "OICAMG Abteilung AC" und klappert die Türen eines Flurs ab, die jeweilige Aufschrift - z.B. "SOSDPPDD" oder "WAIRCO" - interpretierend. Auch bei "LADIES" versucht er sein Glück: für "Labour Administration Department Inter..." reicht es noch, dann kommt eine Frau heraus, die ihm den richtigen Weg weist.

Damit kommen wir zur Sache. Nach dem Motto "was sich liebt, das neckt sich" können sich Capitan Henri Rochard (Cary Grant) und Lieutenant Catherine Gates (Ann Sheridan) nicht ausstehen, werden aber auf einen gemeinsamen Dienstauftrag hinausgesandt. Um die Irrungen und Wirrungen in Kürze zu veranschaulichen, sei nur erwähnt, daß Grant rekordverdächtig oft Trottel genannt wird und er bei der Aufzählung zukünftiger Gewaltanwendungen nur die sensibleren Körperteile Sheridans ausläßt, also Achselhöhlen und so weiter.

Aber wir kennen das aus der Chemie: entgegengesetzte Ladungen ziehen sich an. Wobei es hier Geschlechteropposition bzw. "boy meets girl" statt Chemie heißen muß (Goethe nannte diesen Vorgang elegant, aber naiv "Wahlverwandtschaften", es bleibt in Wahrheit keine Wahl - Liebe ist von Natur aus undemokratisch und deshalb überhaupt nicht mit einer modernen, pluralistischen Gesellschaft vereinbar). Nach den genreüblichen Mißverständnissen funkt es zwischen den Beiden und es wird geheiratet, streng nach Vorschrift und Glauben. Das bedeutet erstens eine zivilrechtliche Eheschließung, zweitens eine Trauung durch den US-Militärkaplan, und drittens eine kirchliche Heirat vor einem französischen Geistlichen. Dann endlich: die Hochzeitsnacht.

Doch bevor die richtig losgeht, bekommt Lieutenant Gates den Marschbefehl nach Heidelberg, um via Frankfurt und Bremerhaven in die (nach USA verlegte) Dienststelle zurückzukehren. Wie kann sie ihren frischangetrauten Mann mitnehmen? Die Bestimmungen sind gegen ihn, weder Einreise noch Besuchervisum sind möglich. Der Ausweg ist ein Passus in den Vorschriften. Dort ist nämlich von "Gatten" die Rede, also ohne ausdrückliche Nennung des Geschlechts. Gemäß Dienstvorschrift ist Grant nunmehr eine männliche Kriegsbraut, der aufgrund Verordnung 2-7-1-A des Kongresses seinen "Mann" in die USA begleiten darf.

Mag dies auch Irrsinn sein, so ist es doch Gesetz, dem sich alle Behörden und Dienststellen zu fügen Willens sind. Dumm nur, daß Grant unter den vielen Kriegsbräuten das einzige männliche Exemplar ist. Und die Schlafprobleme - auf einem Stuhl, in einer Badewanne - gehen jetzt erst richtig los. Das Bremerhavener Hotel, in dem die Kriegsbräute untergebracht sind, darf Grant nicht aufnehmen, weil er keine Frau ist, das Hotel für Militärangehörige nicht, weil er nicht dem US-Militär angehört und so weiter und so fort, bis die Nacht um ist. Und an Bord kommt er nur durch eine grobe Maskerade: in die Uniform eines weiblichen Kameraden seiner Frau gesteckt und mit einer aus Roßhaar improvisierten Perücke versehen, gelingt es, die letzte Sperre zu überwinden. Und endlich, endlich, die Hochzeitsnacht - aber da ist der Film schon in New York angekommen und es heißt "The End".

Was lernen wir daraus? Gendern mag gut gemeint sein, funktioniert aber nur, wenn man die Wirklichkeit auf den Kopf stellt. Willkommen in der Gegenwart.

Weshalb eigentlich Komödie - weil Burt Lancaster den Elmer Gantry mit seinem typischen Strahlegebiß versieht? Eher schon Schelmenroman. Jedenfalls: Elmer Gantry ist ein mäßig erfolgreicher Handlun Handelsreisender, der sich aber nie unterkriegen läßt. Im Kreis seiner (Zech)Kollegen erzählt er schmutzige Witze, in der Kirche ist er sangesfreudig, bibelfest und tugendhaft, für sich selbst hat er immer eine Flasche Schnaps in Reichweite. Es ist die Zeit der Prohibition in den USA.

Bei jeder Gelegenheit kommt er auf die Liebe zu sprechen und fragt: Was ist die Liebe? Sie ist der Morgen- und der Abendstern. Am liebsten sagt er das zu Frauen. Auf seinem Weg über die Dörfer und durch die Drugstores, Hotels und Kneipen verschlägt es ihn eines Tages in die Zeltmission von "Sister Sharon Falconer" (die eigentlich Katie Jones und im wirklichen Leben Jean Simmons heißt). Er ist wie vom Donner gerührt, von einer Himmelserscheining wenn man so will. Er nutzt allen Charme, alle Tricks und alle Unverschämtheit, um an sie heran- und mit ihr ins Gespräch zu kommen. Als er das geschafft hat und merkt, daß Prahlerei bei ihr nicht ankommt, gesteht er seine Erfolglosigkeit. Und schlägt ihr vor, darüber in der nächsten Andacht zu reden. Sie verlangt allerdings, daß er Rauchen und Trinken aufgibt. Für diese Frau? Immer! Denn was ist die Liebe? Sie ist der Morgen- und der Abendstern.

Er ist nicht nur gern unter Menschen, er braucht auch ein Publikum, um es in Laune zu bringen. Und dann geht es mit ihm durch, er hält der Gemeinde eine Predigt, daß es nur so raucht, rückt dem Teufel im Publikum mit dem Höllenfeuer seiner Beredsamkeit zu Leibe und wird zu einer festen Einrichtung in der Zeltmission. Denn was ist die Liebe? Sie ist der Morgen- und der Abendstern. Allmählich übernimmt er die Organisation des Betriebes (jawohl, Betrieb, denn Gott schafft zwar die Gaben der Natur, aber kein Geld herbei; das muß von der Zuhörerschaft durch Spenden eingetrieben werden) und hilft Sister Falconer mehrmals aus Schwierigkeiten, zuletzt setzt er bei einer lokalen Rundfunkstation Sendezeit für sich durch (mit Erpressung und Überredung, schadet nicht, ist doch für die Sache Gottes).

Sister Falconer, von Beginn an beeindruckt von seiner - durchaus charmanten - Dreistigkeit und nicht viel später in ihn verliebt - ohne es zu wissen - verfällt ihm schließlich, und beide schwelgen im Glück einer frischen Liebe. Und was ist die Liebe? Richtig, der Morgen- und der Abendstern. Gantry, nun vollends von der Leine (oder von der Rolle?), organisiert einen Mob gegen Spelunken und Bordelle. Pech nur, daß er in vollem Missionseifer gleich im ersten Puff auf seine erste Liebe stößt, eine Pfarrerstochter, die er verführt und sitzengelassen hatte, worauf sie von ihrem Vater verstoßen wurde. Die beiden erkennen sich, er sieht sie überrascht an, sie lacht ihn hemmungslos aus. Wie hatte er damals zu ihr gesagt? Die Liebe ist der Morgen- und der Abendstern.

Dann beginnt ihr Rachefeldzug. Sie lockt ihn in eine Falle, läßt ihn in einer keineswegs anrüchigen, aber doch kompromittierenden Situation fotografieren, erpresst ihn mittels der Bilder und schafft dann noch Leute in die Zeltmission, die mit matschigem Gemüse und Eiern schmeißen. Er eilt ihr nach und bittet sie, noch völlig verdreckt, sie möge ihm verzeihen. Ja, wo ist da die Komödie? Es kommt noch besser, also schlimmer. Während der nächsten Andacht läuft ein Tauber zu Sister Falconer und bittet um Hilfe. Und wird geheilt! Gantry glaubt es nicht, die Gemeinde schon. Nun eilen auch die Blinden und die Lahmen zur Sister, doch es bricht ein Feuer aus. Die Sister, von ihrer göttlichen Sendung überzeugt, ruft der panischen Menge zu, Gott werde für alle sorgen, alles werde gut. Und dann kommt sie in den Flammen um.

Also doch keine Komödie? Am nächsten Morgen, vor den rauchenden Trümmern, bitten die Leute Gantry um Trost und Verzeihung. Der alte Schlehmil blickt zum Himmel, ruft Sistter Falconer an, und behauptet dann, sie hätte allen verziehen, ja, sie liebe alle. Und was ist die Liebe? Eben, der Morgen- und der Abendstern. Und jenem gleich bewegt er sich zum Horizont. Komödie oder nicht, auf jeden Fall großes Star-Kino.

Martin Scorcese's Dokumentarfilm über The Life and Times of Robert Zimmerman a.k.a. Bob Dylan heißt "No Direction Home" und mag vielleicht bedeuten, daß Bobbys Schiff viele Häfen angelaufen hat, aber nirgendwo zuhause war. Diesen Eindruck gewinne ich aus dem Vergleich seiner Gegenwart mit der diverser seiner Zeitgenossen, darunter natürlich Joan Baez und seiner ersten New Yorker Freundin: sie alle haben ihren Frieden mit sich selbst und ihrer Rolle in der Musikgeschichte - lokal bis global - gefunden, nur Dylan sieht aus wie jemand, der keinen Frieden finden kann. Der Eindruck mag täuschen, aber er ist enttäuschend. Es wirkt, als ob er über den vielen Geschichten, die er uns erzählt hat, vergessen hätte, irgend jemandem seine eigene Geschichte zu erzählen; als ob er nur ein Medium und kein selbst sei. In diesem Fall wollte ich nicht mit ihm tauschen.

Dabei bewundere ich seine assoziativen Texte; die Art, wie er sich dem Klang und den Bedeutungen der Worte hingegeben hat; wie er Texte schrieb, weil er in einer Sprache singen wollte, die er nie zuvor gehört hatte. Angeblich war er ein US-Linker, aber das war nur Wunschdenken der US-Linken. Sein Maßstab war nicht das Geschehen des Augenblicks, sondern die Unendlichkeit, wie es sich für Künstler gehört. Die Ungerechtigkeit des Augenblicks inspirierte ihn zu Worten, die in ferner Vergangenheit wurzelten und in ferner Zukunft Gültigkeit behielten.

Sie haben ihn gehaßt, als er "Hey, Mister Tambourine Man" und "It Ain't Me Babe" und "Mr. Jones" sang, aber damit kam er zu sich selbst: denn das Leben findet nicht in der Theorie statt, sondern in Jedermanns Erleben. Der Klassenkampf löst nicht deine persönlichen Probleme, besonders dann nicht, wenn du dich als Frau dem politischen Kampf unterordnen sollst.

Die Puritaner buhten ihn sogar aus, weil er eine vollelektrisierte Band einsetzte, was doch längst Standard in der populären Musik war - 1965 - und allemal bei den Bands, die seine Songs hitparadenträchtig interpretierten (Byrds, Turtles, Manfred Mann etc,). Er war das Original, also mußte er eine Band haben, um noch zu Wort zu kommen. - Die Linken mochten ihn nicht, weil er sich nicht vereinnahmen lassen wollte. Das ist gewiß nicht sein Problem. Was sein Problem war? Ich weiß es nicht. Er mag mit allen Gefährten im Reinen sein. Der Film vermittelt mir den Eindruck, daß sie allemal im Reinen mit ihm sind. Und das ist überaus enttäuschend für einen beispiellosen Dichter.

Oh, ist es schon wieder soweit!? Was schenke ich denn dieses Jahr bloß der Tante, dem Großvater, den lesewütigen Kindern der Geschwister. Weihnachtsstress, Geschenketerror, Gedränge in der Innenstadt, man kennt es. Hier eine kleine Empfehlung.

Zwei Wochen lag das Buch bei mir herum; weshalb, ich wußte nicht, ob es mich interessieren würde. Noch ein Roman von Anne Tyler, mag ich in einem hinteren Winkel meines Bewußtseins gedacht haben, und: was hat sie nach dreißig Jahren Schriftstellerei (angefangen hat sie in den Sixties, besagtes Buch ist von 1998) noch zu sagen, daß ihr Publikum nicht kennt?

Der früheste mir bekannte Roman trägt den Titel "Mrs. Emersons Hausmeisterin" und ist eine wilde Geschichte gemessen an ihren späteren Veröffentlichungen. "Atemübungen" beispielsweise beginnt mit einem Paukenschlag (in Zeitlupe) um dann eher dahinzuplätschern und uns gelegentlich mit gutbeobachteten Alltagsszenen zu erfreuen. "Fabelhaft gemacht", hätte es im literarischen Quartett geheißen, was ich nicht selbst sagen möchte; in Anführungszeichen bekommt es den richtigen Unterton.

Verschiedene Geschichten sind verfilmt worden, etwa "Die Reisen des Mr. Leary" (The Accidential Tourist) oder "Von Schuld getrieben" (Fast ein Heiliger/ Saint Maybe) oder auch "Atemübungen" (Breathing Lessons). Immer geht es um Menschen mit einer gewissen Verrücktheit oder um Familienprobleme, und meistens um beides, aber action enthalten sie keine, sie sind eher europäisch, und wenn Francois Truffaut nicht das Pech gehabt hätte, schon mit fünfzig Jahren von seinen Krankheiten dahingerafft zu werden, würde er vielleicht eine dieser Geschichten als Stoff für einen neuen Film gewählt haben, denn er liebte die kleinen Verrücktheiten, die so normal sind, daß sie uns Normalen einen Spiegel vorhalten, aber auch verrückt genug, um nicht banal und allgegenwärtig zu sein.

Hinzu kommen die kleinen Beobachtungen, eine Art Situationskomik, für die nicht jeder einen Sinn hat. In "Mr. Morgan und die Puppenspielerin" wollen der Ehemann und der Freund des Hauses sich aussprechen, tun aber beide so, als wollten sie nur gemeinsam den Hund ausführen. Man redet unverbindlich, zieht den Mantel an, setzt den Hut auf, öffnet die Wohnungstür und tritt ins Treppenhaus, da ruft die Ehefrau hinter ihnen her: "Ihr habt den Hund vergessen."

Zurück zum anfangs erwähnten Buch. "Engel gesucht" (A Patchwork Planet) ist aus der Sicht eines soeben dreißig werdenden Mannes erzählt, dessen Urgroßvater Besuch von einem Engel hatte (so hat er das jedenfalls berichtet), daraufhin er eine Erfindung machte, zum Patent anmeldete und ein Vermögen erwarb. Seitdem ist es Tradition in der Familie, einem Engel zu begegnen und dies in der Familienchronik mehr oder minder poetisch zu verewigen. Barnaby - der junge Mann - sieht das als Humbug an, doch da er der Versager der Familie ist, klammert er sich an die Hoffnung, seinem Engel zu begegnen, ja, er führt die Begegnung mit einer Frau herbei, von der er eine Engelsbotschaft, seine Engelsbotschaft, erwarten zu können glaubt. Das ist der Stand nach achtzig von 320 Seiten, die Geschichte ist voller Details und Lebendigkeit, voller Komik und obendrein im Tyler-typischen Ton freundlicher Melancholie verfaßt, so daß ich von Vorfreude auf den Rest erfüllt bin.

Nachdem ich im Theater der hiesigen Shakespeare Company den "Mittsommernachtstraum" gesehen hatte, dachte ich, dieser Truppe liegt Komödie mehr als Drama, und weil ich zur selben Zeit Life and Opinion of Tristram Shandy, Gentleman las, war die Frage, ob aus diesem Buch ein funktionierendes Theaterstück entstehen könne. Ja, sagte ich, denn es gibt ja nur drei Geschichten zu erzählen, wenn man auf viele der Schnurren eines Romans, der die Romane seiner Zeit persifliert, verzichtet. Und ich sah das vor mir, wie die Rahmenhandlung auf der Empore gespielt wird, die jeweilige Geschichte aber auf der Bühne. - Ganz nebenbei: es handelt sich um eines jener nichtausgeführten Projekte, zu denen auch der Roman "Meine Reisen mit Kara Ben Nemsi" unter dem Pseudonym Hadschi Halef Omar gehört, den ich noch als Student entworfen hatte. Denn wozu ausarbeiten, was doch nie veröffentlicht oder aufgeführt wird - da genügt mir die Vorstellung, der Rohentwurf im Geiste.

Heute unternahm ich ein ähnlich geartetes Gedankenspiel: wie ließe sich Die Löwenskölds von Selma Lagerlöf verfilmen? Schon das erste Buch, eigentlich nur Vorgeschichte, umfasst drei Generationen und ein Vielfaches an Personen, so daß ein eigener Film dafür nötig wäre. Auch im zweiten und dritten Buch, das immerhin auf den selbstverliebten und selbstgerechten Karl Artur Ekenstedt, Abkömmling der Löwenskölds, konzentriert ist, sind so viele wichtige Nebenpersonen und -handlungen enthalten, daß es unmöglich scheint, alles in einem einzigen Kinowerk, dauerte es auch drei Stunden, unterzubringen. Sicher: weglassen, kürzen, straffen; anders geht es bei Literaturverfilmungen niemals. Aber wie erzählen?

Chronologisch verbietet sich, denn durch die lange, vielgestalte Vorgeschichte wäre das Publikum nicht auf den roten Faden der eigentlichen Erzählung eingestimmt; was als Spukgeschichte anhebt, ist in der Hauptsache das Portrait eines Narzissus (dazu dessen Gegenentwurfs, dazu einer verderbenbringenden grauen Maus, dazu einer einfachen, aber sehr vernünftigen Frau vom Lande, dazu eines reichen Mannes, der durch Entbehrungen gegangen ist und sich vor allen irdischen Gütern nach Liebe sehnt). Nein, zumindest die Episoden des Fluchs, der mit dem Siegelring des alten Löwensköld zusammenhängt, müßte in Rückblenden gezeigt werden. Auf diese Weise ließen sich vielleicht auch die für den Ton des Romans typischen inneren Monologe als Stimme aus dem Off (in gekürzter Fassung) verwenden.

Schön. Einer der Höhepunkte ist der erste, unversöhnliche Streit zwischen Karl Artur und seiner Verlobten Charlotte (sie ist der besagte Gegenentwurf), als Folge dessen er auf die Straße hinausstürzt und die erste beste Frau, die ihm begegnet, ehelichen will (er, der Hilfsgeistliche mit dem Ehrgeiz, Jesus nachfolgen zu wollen, nennt das: sein Schicksal in Gottes Hand legen); er tut es wirklich, und damit nimmt das Unheil seinen tragischen, aber auch vergnüglichen Lauf. Beispielsweise sitzt er am nächsten Morgen stolzgeschwellt am Frühstückstisch und bildet sich sontwas auf sein Gottvertrauen ein, Charlotte aber fragt ihn: "Du bist doch wohl nicht hingegangen und hast allerlei Torheiten angestellt?" Genau das hat er selbstverständlich getan, und genauso holen Frauen auch nach den höchsten geistigen Flügen der Manner diese auf den Boden der Tatsachen eines irdischen Lebens zurück.

Aber auch das muß noch Rückblende sein. Immerhin nimmt der Film Gestalt an; eine ältere, reifere, selbstbewußtere Charlotte unterhält sich mit ihrem Mann, oder ihrem Vetter aus der Stammlinie der Löwenskölds, über die Vergangenheit. Dramaturgisch muß dieses Gespräch am Kreuzweg von Vergangenheit und Gegenwart stehen; als ein Ruhepunkt, bevor die Gegenwart von der Vergangenheit eingeholt und in ein dramatisches Finale getrieben wird, in dem die Hauptpersonen Karl Artur, Charlotte, die graue Maus und der reiche (Ehe)Mann gleichermaßen vertreten sind. Hier müßte die Geschichte ein wenig umgeschrieben werden, um den Ehemann Charlottes, Schagerström, in die aktuelle Handlung einzubeziehen. Jenen Schagerström, der immer wieder glaubt, Charlotte sei nach wie vor in ihren Ex-Verlobten Karl Artur verliebt und auf immer drastischere Art nach Beweisen ihrer Liebe zu ihm selbst heischt. Und auf keinen Fall darf Karl Arturs tatsächliche Ehefrau, die einfache Frau vom Lande, beiseite stehen. Jene Anna Svärd, die sich die Pflegekinder wegnehmen läßt, von denen Karl Artur sich sehr gestört fühlt, denn wer ist sie schon im Vergleich zu ihrem gebildeten Ehemann, die es aber ohne die Kinder nicht aushält und genau erkennt, daß die erwähnte graue Maus Karl Artur von allem trennen will, das ihm am Herzen liegt, und, um ihn für sich zu haben, bei seiner Eigenliebe zu packen versteht.

Das müßte sorgfältig ausgearbeitet werden, um Tonfall und Inhalt des Romans auch dann treu zu bleiben, wenn der Film von der Vorlage abweicht. Das Ende könnte wieder eng am Roman bleiben; versöhnlich, aber mit einem Fragezeichen. Ist Karl Artur wirklich geläutert, ist er zu sich gekommen, und wird er seiner Frau endlich ein guter Mann sein, wird sie ihn nach Jahren der Demütigung und weiteren Jahren der Trennung noch lieben können. Am Ende also ein Monolog der Anna Svärd, worin Charlottes Worte reflektiert werden: "Was sie [Charlotte] noch weiter gesagt hatte, war, daß er {Karl Artur] jetzt gelernt habe, die Menschen zu lieben. Das sei sehr wichtig, denn gerade das habe ihm gefehlt. Er habe Christus geliebt und gezeigt, daß er alles auf der Welt opfern konne, um ihm nachzufolgen. Aber die rechte Menschenliebe habe er nie gekannt. Und wer ein Nachfolger Christi sein wolle, ohne die Menschen zu lieben, müsse durchaus nicht nur sich selbst, sondern auch andere ins Elend führen."

Ja, wer war sie, was wollte sie? Wußte sie denn, was sie wollte?
Sie hatte wahrhaftig etwas Herzklopfen. Es war ihr so seltsam zumute, Sie konnte nicht vergessen, daß er der Mann war, dem sie einstmals mit den Zugvögeln Grüße geschickt hatte
.

Heute ist wieder so ein Abend, an dem alle Geschichten miteinander verbunden sind; und während ich beginne, eine davon zu erzählen, drängen sich andere dazwischen und es wird ein endloser Sermon ohne Mittelpunkt und Struktur. Aber für alles gibt es ein paar einfache Grundregeln, und denen des Fußballspiels ("Der Ball ist rund", "Das Spiel dauert 90 Minuten") entsprechen jene des Erzählens ("Beginne mit dem Anfang, und höre auf, wenn du ans Ende gelangt bist"); versuchen wir es also. Am Anfang ist das Singlesalbum meiner Schwester - ich habe es noch -, in welches mit dickem Filzstift geschrieben steht: I love Ringo. Mit Stecknadeln an die Tapete gepinnt hingen in ihrem Zimmer Kinks, Animals, und vor allem Beatles, sämtlich aus der "Bravo" ausgeschnitten (und Lex Barker im Old-Shatterhand-Gewand als nach und nach vervollständigter "Starschnitt"), später schwärmte sie für Bee Gees und vor allem für Michel Polnareff, allerdings vermute ich, daß die Musik nur durch die Musiker für sie von erhöhtem Interesse war.

Mich interessierten die Beatles als Personen gar nicht (das kam erst viel später, als Punk für mich wurde, was Beat für meine Geschwister gewesen ist), aber ihre Musik habe ich wieder und wieder gehört: drei Singles von 1964 (die meinem Bruder geschenkt worden waren) und das Seargent Pepper Album (das meiner Schwester gehörte), dazu kam noch, was aus den allwöchentlich verfolgten Hitparaden tönte, kurz, ich hatte eine unbewußte, aber sehr genaue Vorstellung von Sound und Musik der Beatles, und dann hörte ich "Within You, Withou You" auf Seargent Pepper, interessant, aber sehr fremdartig und überhaupt nicht Beatles - kein Wunder, George Harrison hatte es mit befreundeten indischen Musikern zusammen aufgenommen. - Oh, ich bin tatsächlich bei George angekommmen, ich dachte schon, daß ich es nicht schaffen würde.

Jeder und vor allem Jede, welche einen der Fab Four anschwärmte, hatte recht, Ringo z.B. war niedlich, komisch und weckte Muttergefühle; George hingegen war einfach süß, ohne daß er hätte bemuttert werden müssen (John und Paul sowieso nicht), er schien immer in sich selbst zu ruhen; ziemlich bemerkenswert für den Jüngsten in einer jungen Band, man bedenke, daß John gerade 24 wurde, als die Beatlemania um die Welt ging (George war noch 16, als die Band ihr erstes Engagement in Hamburg hatte, anno 1961). Zeit, zum Thema zu kommen: Martin Scorcese hat einen Dokumentarfilm über George Harrison gedreht (oder eher zusammengestellt, selbst beigesteuert hat er eine Reihe von Interviews, mit Geordes Brüdern, mit Paul und Ringo, mit George Martin, Eric Clapton und vielen Freunden und Bekannten), den man sich ansehen muß, ich kann und will diesen Film nicht nacherzählen, nur so viel sei gesagt, daß dieses Werk George Harrison gerecht wird, und das beginnt schon mit dem Titel: living in the material world.

Denn dieser Junge aus Liverpool, working class wie John, Paul und Ringo, war im katholischen Glauben erzogen, fühlte sich darin aber nicht zuhause. Als er Ravi Shankar, den indischen Sitarspieler, kennenlernte, wurde er mit Aussagen konfrontiert, die ihm sofort einleuchteten: du kannst nicht glauben, wenn du nicht eine Glaubenserfahrung gemacht hast. George war tief gläubig und hatte bereits Erfahrungen gemacht, aber nicht im Rahmen der Kirche, also begann er, sich mit Buddhismus und Meditation zu beschäftigen, und zwar nicht als Selbstsuche, sondern um unmittelbar mit dem Jenseitigen in Kontakt zu treten. Sagen wir es mal so: George Harrison war ein liebevoller Mensch - liebevoll, nicht liebestoll). Der Film zeichnet in Musik und Lebensweg diese Entwicklung in all ihrer Widersprüchlichkeit nach, denn auch der spirituellste Mensch steckt in einem menschlichen Körper mit diesseitigen Bedürfnissen und Sehnsüchten. Genug, du solltest dir diesen Film über einen ungewöhnlichen Menschen und wirklichen Christen ansehen, es lohnt sich in vielerlei Hinsicht, musikalisch, historisch, menschlich, spirituell. und du elebst dort nebenbei den Maharishi ("Sexy Sadie"), einen Scharlatan, der aber auch richtige Dinge sagt, denn die Welt ist nicht in schwarz und weiß unterteilt, sondern voller Schattierungen, und auch das bedeutet "living in the material world".

Zum Schluß noch eine der vielen Nebengeschichten: als die - noch unbekannten - Beatles in Hamburg gastierten, wurde zunächst Klaus Voormann, dann durch ihn Astrid Kirchherr auf die vier Jungs aufmerksam ([Nachtrag] Papperlapapp - damals spielten Pete Best Schlagzeug und Stuart Sutcliffe Bass, Ringo war nur Wunschbeatle, es waren also fünf Beatles und noch nicht die Idealbesetzung): wegen der Musik, ihres Live-Auftritts, und vor allem, weil sie unübersehbar Persönlichkeit hatten. Ähnlich geschah es Ende der 70er in Manchester, dokumentiert in einem Film von 2007 über Manchester zwischen 1976 und 1980, in dessen Mittelpunkt Joy Division steht. Noch bevor die Band einem breiten Publikum bekannt war, hatten sich Künstler für sie begeistert; wegen der Power ihrer Musik, ihres Auftritts und ihrer Persönlichkeit. Weshalb? Menschen suchen Menschen, nicht Mittelmaß.

 

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