Musik und so weiter
bzw. Sie kannten kein Gesetz. Ein Trupp Texasranger reitet auf den Eisenbahngleisen in eine Kleinstadt (Antiquiertheit), vorbei an einer Gruppe Kinder, die Skorpione mit Stöcken in Ameisengewimmel schubsen und sich auf das Gemetzel freuen (Grausamkeit), während ein paar Ecken weiter eine Temperenzlergemeinde dem Alkohol abschwört (Gesundheit), als ob das die Probleme der Zeit wären (Aktualität). Auf den Dächern lauert eine Horde schießwütiger Kopfgeldjäger darauf, daß ihnen die Bande in die Falle geht. Die Ranger betreten die Bank und der Überfall ist im Gange. Irgendwie bemerken sie die Kopfgeldjäger und brechen aus, als die Temperenzlerprozession mit Gesang und Kapelle die Bank passiert; es folgt ein Geballer, dem mehr Zivilisten zum Opfer fallen als Häscher und Banditen zusammen: peng peng peng! in Großaufnahme.
Die Banditen haben aber nur Unterlegscheiben statt Silbermünzen erbeutet und so weiter und so fort. Ein Zug wird überfallen, eine Brücke gesprengt, das Übliche eben. Kommen wir zum Finale. Die vier verbliebenen Banditen, ein ziemlich wilder Bunch, hatten mit einem mexikanischen Provinzfürsten Geschäfte gemacht und dabei einen der ihren - der zuviel mit seinen unschuldigen Landsleuten sympathisierte - an die Rachlust des Provinzfürsten verloren. Sie erwachen im Lager jenes Ganoven, verlassen die Frauen, mit denen sie die Nacht verbracht hatten, der Anführer sagt: "Also, gehen wir." Augengegucke, dann erwidert einer: "Warum nicht?" Angeblich träumten sie vom letzten Coup, um sich danach zur Ruhe zu setzen, in Wahrheit - sie schießen den Provinzfürsten nieder und begeistern sich an der Verwirrung seiner Truppen. Dann wird geballert, was das Zeug hält; Winchesters, Granaten, Maschinengewehr solange sich noch ein Muskel regt, die Geier warten schon, bzw. A mule for Sister Sarah, aber das ist wieder ein anderer Film und ebenfalls ganzwildes großes Kino (mit gesprengter Brücke). Zurück bleiben cirka 250000 Tote; nicht schlecht für einen einzigen Film, das wird nur von der Wirklichkeit noch übertroffen.
Die Banditen haben aber nur Unterlegscheiben statt Silbermünzen erbeutet und so weiter und so fort. Ein Zug wird überfallen, eine Brücke gesprengt, das Übliche eben. Kommen wir zum Finale. Die vier verbliebenen Banditen, ein ziemlich wilder Bunch, hatten mit einem mexikanischen Provinzfürsten Geschäfte gemacht und dabei einen der ihren - der zuviel mit seinen unschuldigen Landsleuten sympathisierte - an die Rachlust des Provinzfürsten verloren. Sie erwachen im Lager jenes Ganoven, verlassen die Frauen, mit denen sie die Nacht verbracht hatten, der Anführer sagt: "Also, gehen wir." Augengegucke, dann erwidert einer: "Warum nicht?" Angeblich träumten sie vom letzten Coup, um sich danach zur Ruhe zu setzen, in Wahrheit - sie schießen den Provinzfürsten nieder und begeistern sich an der Verwirrung seiner Truppen. Dann wird geballert, was das Zeug hält; Winchesters, Granaten, Maschinengewehr solange sich noch ein Muskel regt, die Geier warten schon, bzw. A mule for Sister Sarah, aber das ist wieder ein anderer Film und ebenfalls ganz
Dicki - am Fr, 29. August 2008, 23:30 - Rubrik: Musik und so weiter
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Einige Tagende zuvor belauschte ich wiedermalmal eine Drehplatte, hinter deren Tarnung als namensverlorener Small Faces eigen eine nachgepresste Ogdens' Nut Gone Flake gesteckt gehat. Auf der Hinternseite ganz erzählt eine Erzählperson - "und wer auch sonst" hätte die Raupe zu Alice gesagt gehabt - das Märchen von Happiness Stan, der zum Mond hinauf hinaufblickt und eine Hälfte ist von Dunkelheit verschlungen und wie Mad John ihm von den Mondphasen erzählt und. Die sechs Songs sind teils überraschend hübsch, aber der Sprecher ist Spleen, es ist Stanley Unwin und ein Vergnügen ganz. Sprechen ist Musik im Gelungenen und jenes (nicht dieses) singt und klingt köstlichenst briticallymost!
Dicki - am Sa, 09. August 2008, 22:20 - Rubrik: Musik und so weiter
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In der Ortschaft, die mich durch die Ankündigung ihrer Summer Dream Party - also Sommer-Traumparty oder Sommertraum-Party, das ist noch immer nicht geklärt - für sich eingenommen hat, liegen Altertum und Moderne nah beieinander. Von der Stelle, wo ich gerne raste - an einem murmelnden, klingenden Bach in einem kleinen Forst - hat man freien Blick auf ein wassergetriebenes Schaufelrad, Teil einer alten Mühle (an der Straße ein Schild: "Ährensache"), und wenn man ein paar Schritte dem Bächlein folgt, stößt man auf ein knallgrünes Etwas, möglicherweise ein aufblasbares Gummitier ehedem, das mit Steinen beschwert am Grunde liegt; Fingerübung eines lokalen Künstlers wohl, der Tristo oder ähnlich heißen mag.
Was mich an einen Bremer Künstler erinnert, an den ich angesichts jeder Baustellenabsperrung denken muß, denn er pflegte seine Objekte - unbedarfte Menschen hätten dazu vielleicht "Baum" oder "Parkbank" gesagt - in rotweißes Absperrband zu wicklen; durchaus dynamische Kunstwerke, die im Auge des Betrachters nach einiger Zeit kontemplativen Schauens ein Flimmern hervorriefen. - Was mag aus ihm geworden sein, ob er nach New York gegangen ist, nachdem ihn Passanten schnöde für einen Bauarbeiter hielten?
Was mich an einen Bremer Künstler erinnert, an den ich angesichts jeder Baustellenabsperrung denken muß, denn er pflegte seine Objekte - unbedarfte Menschen hätten dazu vielleicht "Baum" oder "Parkbank" gesagt - in rotweißes Absperrband zu wicklen; durchaus dynamische Kunstwerke, die im Auge des Betrachters nach einiger Zeit kontemplativen Schauens ein Flimmern hervorriefen. - Was mag aus ihm geworden sein, ob er nach New York gegangen ist, nachdem ihn Passanten schnöde für einen Bauarbeiter hielten?
Dicki - am So, 20. Juli 2008, 23:44 - Rubrik: Musik und so weiter
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Durch Filmbesprechungen auf Ihr gleichnamiges Buch aufmerksam geworden, habe ich mit der Lektüre von Oliver Twist begonnen und will Sie über das Mißbehagen nicht im Unklaren lassen, in das mich der Verfolg dieses Romans von der ersten Seite an ausgelöst hat. Um Ihnen aber Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, will ich anerkennen, daß in einer Zeit, da Autoren sich auf historische wie aktuelle Schauplätze (London, Venedig, Athen, Rom) spezialisiert haben, Sie nicht dafür zu schelten sind, daß Sie ihre Erzählungen in das London bzw. England zwischen 1840 und 1860 verlegt wurden, zumal der Sachkenntnis und Detailtreue Ihrer Schilderungen gewiß fleißige Recherche zu Boden liegt.
Aber wie Sie mit dem Knaben Oliver umspringen, das schlägt doch leibhaftig dem Faß die Krone ins Gesicht: einen Vater gestehen Sie ihm nicht zu, die Mutter rauben Sie ihm gleich nach der Geburt im Armenhaus, setzen ihn auf magere Kost und noch weniger, lassen den Kirchspieldiener immer wieder dessen Knotenstock an ihm erproben, geben ihn - noch keine zehn Jahre alt - einem Leichenbestatter in die Lehre und lassen das arme Kind obendrein in einem Sarg übernächtigen. Sie bringen es wohl gar noch fertig, der gepeinigten Seele einen Glimmstengel in den Hals zu stecken. Da ist es frelich kein Wunder, daß der Junge unter dem Eindruck der Grausamkeiten fortwährend weint und greint und ihm kaum je ein verständliches Wort entlockt werden will.
Herr Dickens! Entweder geloben Sie öffent- und feierlich, diese Mißhandlungen sofort einzustellen, oder ich verspreche Ihnen, nicht nur die Lektüre stante pede zu beenden, sondern obendrein Anzeige gegen Sie einzureichen wegen Kinderschändigung. Bitte sehr, Sie haben die Wahl, aber behaupten Sie nicht, Sie seien nicht gewarnt gewesen worden.
mit gar nicht so freundlichen Grüßen
Der wahre Dicki
Aber wie Sie mit dem Knaben Oliver umspringen, das schlägt doch leibhaftig dem Faß die Krone ins Gesicht: einen Vater gestehen Sie ihm nicht zu, die Mutter rauben Sie ihm gleich nach der Geburt im Armenhaus, setzen ihn auf magere Kost und noch weniger, lassen den Kirchspieldiener immer wieder dessen Knotenstock an ihm erproben, geben ihn - noch keine zehn Jahre alt - einem Leichenbestatter in die Lehre und lassen das arme Kind obendrein in einem Sarg übernächtigen. Sie bringen es wohl gar noch fertig, der gepeinigten Seele einen Glimmstengel in den Hals zu stecken. Da ist es frelich kein Wunder, daß der Junge unter dem Eindruck der Grausamkeiten fortwährend weint und greint und ihm kaum je ein verständliches Wort entlockt werden will.
Herr Dickens! Entweder geloben Sie öffent- und feierlich, diese Mißhandlungen sofort einzustellen, oder ich verspreche Ihnen, nicht nur die Lektüre stante pede zu beenden, sondern obendrein Anzeige gegen Sie einzureichen wegen Kinderschändigung. Bitte sehr, Sie haben die Wahl, aber behaupten Sie nicht, Sie seien nicht gewarnt gewesen worden.
mit gar nicht so freundlichen Grüßen
Der wahre Dicki
Dicki - am Fr, 11. Juli 2008, 21:44 - Rubrik: Musik und so weiter
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heißt es in einem Song von X-Ray Spex und das fiel mir sofort ein, als ich vorhin The Essential The Stranglers hörte, eine bei Capitol erschienene CD zu Marketingzwecken, eher willkürlich zusammengestellt denn essentiell, die aber einige wichtige Songs enthält. Die Power der Stranglers ist unüberhörbar, doch dachte ich fast die ganze Zeit, ich hätte Watte in den Ohren: alle Instrumente fein säuberlich voneinander getrennt, kein Rauschen, kein Knacken, keine Schärfe - clean!
Wenn mein Plattenspieler nicht gerade auf einem Ohr krank wäre, hätte ich sofort die beiden Live-Tracks aus dem Hope&Anchor von Ende 1977 gehört; "Straighten out" und "Hangin' around", danach die LP "No more Heroes" und dann "La Folie" - obwohl gesagt werden muß, daß The Stranglers auch viel Dutzendware aufgenommen haben. Aber der Sound, der Sound! Das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug einerseits (dieser unerhörte, unerträglich gute Bass!) sowie Gitarre und Keyboards andererseits und wie das einen einheitlichen, unverwechselbaren und bisweilen unwiderstehlich gemeinen Ensembleklang ergab: auf dieser CD ist es nur zu erahnen. Schade. Punk war nicht clean, wollte im Gegenteil dreckig sein, und The Stranglers waren genau das, selbst als sie sich in den 80ern zum Pop bekannten.
Um sie aber auch heute verkaufen zu können (one of the most influential blah ...), müssen sie dem "modernen" Sound angepasst werden. Fuck you Jack, who needs ya. - Bei Nice 'n' sleazy mußte ich lachen: denn The Stranglers wurden immer mit The Doors verglichen - hier aber klingen die keyboards verdammt nach Keith Emerson in der Zeit von Brain Salad Surgery. Nice n sleazy, nice n sleazy, does it, does it, does it everytime.
Wenn mein Plattenspieler nicht gerade auf einem Ohr krank wäre, hätte ich sofort die beiden Live-Tracks aus dem Hope&Anchor von Ende 1977 gehört; "Straighten out" und "Hangin' around", danach die LP "No more Heroes" und dann "La Folie" - obwohl gesagt werden muß, daß The Stranglers auch viel Dutzendware aufgenommen haben. Aber der Sound, der Sound! Das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug einerseits (dieser unerhörte, unerträglich gute Bass!) sowie Gitarre und Keyboards andererseits und wie das einen einheitlichen, unverwechselbaren und bisweilen unwiderstehlich gemeinen Ensembleklang ergab: auf dieser CD ist es nur zu erahnen. Schade. Punk war nicht clean, wollte im Gegenteil dreckig sein, und The Stranglers waren genau das, selbst als sie sich in den 80ern zum Pop bekannten.
Um sie aber auch heute verkaufen zu können (one of the most influential blah ...), müssen sie dem "modernen" Sound angepasst werden. Fuck you Jack, who needs ya. - Bei Nice 'n' sleazy mußte ich lachen: denn The Stranglers wurden immer mit The Doors verglichen - hier aber klingen die keyboards verdammt nach Keith Emerson in der Zeit von Brain Salad Surgery. Nice n sleazy, nice n sleazy, does it, does it, does it everytime.
Dicki - am So, 06. Januar 2008, 0:27 - Rubrik: Musik und so weiter
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Bald steht das Christkind vor der Tür, hat aber noch nicht alle Geschenke beisammen. Da fühlt sich ein wahrer Dicki zum Beistand aufgerufen und empfiehlt Bücher.
Als erstes ein sehr lesenswertes Werk über Leben und Streben der Rose von Martinique, der späteren Kaiserin Josephine. Diese Biografie (2003 veröffentlicht) bringt uns ganz nebenbei die Zeit vor, während und nach der französischen Revolution nahe, und damit auch die Jahre des Terreur, die so viele Zeitgenossen - gerade auch die Anhänger von Aufklärung und Republik - bis ins Mark erschütterten. Anders als in den üblichen, von Männern geschriebenen Napoleonbiografien läßt uns Andrea Stuart am täglichen Leben teilhaben, statt uns mit Strategiediskussionen zu belästigen; ich meine, vorbei ist vorbei, Hunderttausende sind unter der Guilloutine und auf den Schlachtfeldern für eitle Machtträume geopfert worden, wen interessiert da noch wenn und aber, hätte und wäre.
Zweite Empfehlung: Kurt Kusenbergs "Gespräche ins Blaue", Dia- und Trialoge ins Absurde, von einer Grundidee ausgehend improvisierend auf Band gesprochen, abgeschrieben und veröffentlicht (1969). Enthält unter anderem "Die Schlafschule", "Die Flasche Schnaps", "Berufsberatung", "Der vergessene Auftrag", "Kreuzworträtsel". Nicht spektakulär, nicht schrill, sondern skurril, auch sonderlich, manchmal dickiesk(!).
Schließlich "Werte in Zeiten des Umbruchs" (2005) von - für Manchen ist das ein rotes Tuch, na und - Joseph Kardinal Ratzinger, mittlerweile geistliches Oberhaupt der katholischen Kirche, stellvertreter Jesu auf Erden, il Pappa die Roma und - Humanist. Wo er irrt, da irrt er; aber ERRARE HUMANUM EST, da müssen wir uns schon an die eigene Nase fassen. Der Benedikt ist ist ein gebildeter Mensch; dabei kein verstaubter Professor, sondern warmherzig; keine modern-kalte Pragmatikerfresse, sondern ein vom moralischem Gesetz in und dem gestirnten Himmel über ihm Geleiteter. Hundertfünfzig gedankenvolle Seiten gegen die Verwahrlosung unserer Zivilisation.
Dazu Pfefferküchlein, Spezereien und Markepano, Tannengrün und Kerzenschein - nun mag das Christkind uns bescheren.
Als erstes ein sehr lesenswertes Werk über Leben und Streben der Rose von Martinique, der späteren Kaiserin Josephine. Diese Biografie (2003 veröffentlicht) bringt uns ganz nebenbei die Zeit vor, während und nach der französischen Revolution nahe, und damit auch die Jahre des Terreur, die so viele Zeitgenossen - gerade auch die Anhänger von Aufklärung und Republik - bis ins Mark erschütterten. Anders als in den üblichen, von Männern geschriebenen Napoleonbiografien läßt uns Andrea Stuart am täglichen Leben teilhaben, statt uns mit Strategiediskussionen zu belästigen; ich meine, vorbei ist vorbei, Hunderttausende sind unter der Guilloutine und auf den Schlachtfeldern für eitle Machtträume geopfert worden, wen interessiert da noch wenn und aber, hätte und wäre.
Zweite Empfehlung: Kurt Kusenbergs "Gespräche ins Blaue", Dia- und Trialoge ins Absurde, von einer Grundidee ausgehend improvisierend auf Band gesprochen, abgeschrieben und veröffentlicht (1969). Enthält unter anderem "Die Schlafschule", "Die Flasche Schnaps", "Berufsberatung", "Der vergessene Auftrag", "Kreuzworträtsel". Nicht spektakulär, nicht schrill, sondern skurril, auch sonderlich, manchmal dickiesk(!).
Schließlich "Werte in Zeiten des Umbruchs" (2005) von - für Manchen ist das ein rotes Tuch, na und - Joseph Kardinal Ratzinger, mittlerweile geistliches Oberhaupt der katholischen Kirche, stellvertreter Jesu auf Erden, il Pappa die Roma und - Humanist. Wo er irrt, da irrt er; aber ERRARE HUMANUM EST, da müssen wir uns schon an die eigene Nase fassen. Der Benedikt ist ist ein gebildeter Mensch; dabei kein verstaubter Professor, sondern warmherzig; keine modern-kalte Pragmatikerfresse, sondern ein vom moralischem Gesetz in und dem gestirnten Himmel über ihm Geleiteter. Hundertfünfzig gedankenvolle Seiten gegen die Verwahrlosung unserer Zivilisation.
Dazu Pfefferküchlein, Spezereien und Markepano, Tannengrün und Kerzenschein - nun mag das Christkind uns bescheren.
Dicki - am Mi, 12. Dezember 2007, 23:00 - Rubrik: Musik und so weiter
nannte Edda Seippel ihren (Film)Sohn Walter. Wann war das? 1980 in R.s erster Wohnung, wo H. zwischen den Jahren übernachtete? Wir hatten uns getroffen, um über Musik und so weiter zu reden, und H. beschwor uns aufgeregt, wir müßten unbedingt "Tadellöser&Wolff" gucken, um viertel nach Acht oder um Neun, ich weiß die Zeit nicht mehr, den Sender nicht (ARD? ZDF?) und nicht die Worte, die H. gebrauchte. Eher widerwillig fügten R. und ich uns diesem Wunsch, aber dann waren wir sofort im Geschehen drin, in dieser filmischen Bearbeitung von Walter Kempowskis Familiengeschichte, die auch eine Chronik des (Rostocker) Bürgertums ist (Eberhard Fechner ist nicht nur für dieses Filmwerk unsterblich).
Dann ging ich los, dieses Buch, diese Bücher mußte ich lesen. - Gelesen habe ich heute zwei Nachrufe auf den am Freitag verstorbenen Kempowski. Spät fand er Anerkennung, und genannt werden nun immer die Familienchronik, seine Collage "Echolot" und die drei veröffentlichten Tagebücher, hervorgehoben wird sein immerwährendes Bestreben, Erinnerung(en) zu bewahren. Zu kurz kommt dabei, daß er auch einige Romane veröffentlicht hat, in die er manches Zeitgeschehen in Form von Beobachtungen hat einfließen lassen, zum Beispiel "Mark und Bein", das ich nun endlich einmal komplett durchlesen muß. Große Literatur? Nebenwerk? Das ist mir sowas von egal. Allein der hübsche Einfall, von den "Demonstranten in ihrer Demonstrantenkleidung" zu sprechen, macht mir das Buch lieb - und dessen Autor, wenn ich ihn nicht schon lieb hätte.
Heute vormittag ging ich in einen großen Buchladen der Innenstadt; ich hatte die vage Hoffnung, das vor einiger Zeit neuaufgelegte "Im Block" zu finden, in dem Kempowski seine Zeit im Bautzener Gefängnis (1948 bis 1956) literarisch verarbeitet hat, sein erstes Buch, aber der Buchhandel wird wohl erst nächste Woche ein Kempowski-Eckchen einrichten, um posthum vom Publikumsinteresse zu profitieren. Gute, interessante Bücher führt man heute nur noch, wenn sie schnell verkauft werden können; als Feigenblatt hat man eine Klassikerabteilung.
Im Sinne der Bildung rechne ich Kempowski zu den Klassikern: er gehört in die Schulbücher für den Deutschunterricht. Nicht zuletzt sind seine Bücher lebendiges Zeugnis deutscher Vergangenheit. Und in einem Deutsch geschrieben, das Tadellöser&Wolff ist. Wie viele Gegenwartsautoren sind dagegen Miesnitzdörfer&Jensen!
Dann ging ich los, dieses Buch, diese Bücher mußte ich lesen. - Gelesen habe ich heute zwei Nachrufe auf den am Freitag verstorbenen Kempowski. Spät fand er Anerkennung, und genannt werden nun immer die Familienchronik, seine Collage "Echolot" und die drei veröffentlichten Tagebücher, hervorgehoben wird sein immerwährendes Bestreben, Erinnerung(en) zu bewahren. Zu kurz kommt dabei, daß er auch einige Romane veröffentlicht hat, in die er manches Zeitgeschehen in Form von Beobachtungen hat einfließen lassen, zum Beispiel "Mark und Bein", das ich nun endlich einmal komplett durchlesen muß. Große Literatur? Nebenwerk? Das ist mir sowas von egal. Allein der hübsche Einfall, von den "Demonstranten in ihrer Demonstrantenkleidung" zu sprechen, macht mir das Buch lieb - und dessen Autor, wenn ich ihn nicht schon lieb hätte.
Heute vormittag ging ich in einen großen Buchladen der Innenstadt; ich hatte die vage Hoffnung, das vor einiger Zeit neuaufgelegte "Im Block" zu finden, in dem Kempowski seine Zeit im Bautzener Gefängnis (1948 bis 1956) literarisch verarbeitet hat, sein erstes Buch, aber der Buchhandel wird wohl erst nächste Woche ein Kempowski-Eckchen einrichten, um posthum vom Publikumsinteresse zu profitieren. Gute, interessante Bücher führt man heute nur noch, wenn sie schnell verkauft werden können; als Feigenblatt hat man eine Klassikerabteilung.
Im Sinne der Bildung rechne ich Kempowski zu den Klassikern: er gehört in die Schulbücher für den Deutschunterricht. Nicht zuletzt sind seine Bücher lebendiges Zeugnis deutscher Vergangenheit. Und in einem Deutsch geschrieben, das Tadellöser&Wolff ist. Wie viele Gegenwartsautoren sind dagegen Miesnitzdörfer&Jensen!
Dicki - am Sa, 06. Oktober 2007, 22:20 - Rubrik: Musik und so weiter
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Soeben lese ich "... scharf wie eine Messerkante." Doch wer bin ich, daß ich die Richtigkeit dieser Übersetzung anzweifeln könnte. Wenn die Kante eines Messers scharf ist, muß wohl der Schleifer einen Fehler gemacht haben.
Dicki - am Do, 27. September 2007, 22:21 - Rubrik: Musik und so weiter
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schreibt Goethe inDichtung und Wahrheit: "Seekatz übernahm ländliche Szenen, worin die Greise und Kinder, unmittelbar nach der Natur gemalt, ganz herrlich glückten; die Jünglinge wollten ihm nicht eben so geraten, sie waren meist zu hager; und die Frauen mißfielen aus der entgegengesetzten Ursache. Denn da er eine kleine dicke, gute aber unangenehme Person zur Frau hatte, die ihm außer sich selbst nicht wohl ein Modell zuließ, so wollte nichts Gefälliges zu stande kommen. Zudem war er genötigt gewesen über das Maß seiner Figuren hinauszugehen. Seine Bäume hatten Wahrheit, aber ein kleinliches Bätterwerk."
Sätze wie dieser entzücken mich, ich weiß selbst nicht warum. Vielleicht weiß Francois Truffaut mehr? "Vieles läuft bewußt ab, etliches aber auch unbewußt. Das Unbewußte ist mit der Verrücktheit verbunden, von der jeder ein Stück in sich trägt. Was mir im Kino am meisten Spaß macht, sind die Szenen, die der Regisseur selbst für völlig normal hält, die aber für alle anderen total verrückt wirken."
Jetzt ist aber genug name gedropt.
Sätze wie dieser entzücken mich, ich weiß selbst nicht warum. Vielleicht weiß Francois Truffaut mehr? "Vieles läuft bewußt ab, etliches aber auch unbewußt. Das Unbewußte ist mit der Verrücktheit verbunden, von der jeder ein Stück in sich trägt. Was mir im Kino am meisten Spaß macht, sind die Szenen, die der Regisseur selbst für völlig normal hält, die aber für alle anderen total verrückt wirken."
Jetzt ist aber genug name gedropt.
Dicki - am Mi, 08. August 2007, 23:22 - Rubrik: Musik und so weiter
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Heute wollte ich ein bißchen Geld von meinem inzwischen anständigem Gehalt unters Volk - nee, falsch, unter die Wirtschaft - bringen und begab mich in eine Buchhandlung. Dort entdeckte ich einen Fotoband über The Who, dessen Bildmaterial zur Hälfte aus den 60er Jahren rührt, was mich natürlich besonders interessiert. Das Blättern im Buch und Mustern der Fotografien weckte aber kein tieferes Gefühl in mir außer dem Wunsch, irgendwann einmal ein mit Sorgfalt, Liebe und Kenntnis gemachtes Buch über die wichtigsten Jahre dieser Band, nämlich 1965 bis 1967, zu entdecken. Mit "Tommy" von 1968 ergaben sich The Who dem Zeitgeist, der forderte, daß alles Populäre als vermeintlich Vulgäres Kunst werde, alle Kunst als vermeintlich unpopulär hingegen vulgär.
Zurück zur Gegenwart: Der Bildband erschien mir als ein Stück Heldenverehrung und ungeeignet, mir Zeit und Menschen näher zu bringen; weshalb also 40 Euro dafür ausgeben? Mit welcher Liebe, mit welchem Respekt sind hingegen zwei Filmbücher ausgestattet(in den letzten Tagen wieder mit großem Interesse gelesen), die ich für 25 Mark (Truffauts berühmtes Interview mit Hitchcock) bzw. 5 Mark für einen Remittenden (die Dokumentation eines zweitägigen Interviews mit Truffaut) erworben hatte. Filminteressierte finden darin so ziemlich alles Wissenswerte, was die beiden Regisseure über ihre Werke, ihre Visionen und ihre Arbeitsweise zu erzählen hatten, bereichert durch sorgfältig ausgewählte Filmausschnitte (bzw. Bilder aus Filmszenen, mehr ist in einem Buch nun einmal nicht möglich). Interessant, lehrreich, und manchmal einfach amüsant; behaftet mit Irrungen und Wirrungen wie alles Menschliche.
Ja, wenn "Rockbücher" einmal dieses Niveau erreichten, wenn sie Kunst und Können würdigten statt die Künstler als Helden, als "Führer" zu feiern. David Bowie hatte völlig recht zu sagen, Hitler sei der erste Popstar gewesen.
Zurück zur Gegenwart: Der Bildband erschien mir als ein Stück Heldenverehrung und ungeeignet, mir Zeit und Menschen näher zu bringen; weshalb also 40 Euro dafür ausgeben? Mit welcher Liebe, mit welchem Respekt sind hingegen zwei Filmbücher ausgestattet(in den letzten Tagen wieder mit großem Interesse gelesen), die ich für 25 Mark (Truffauts berühmtes Interview mit Hitchcock) bzw. 5 Mark für einen Remittenden (die Dokumentation eines zweitägigen Interviews mit Truffaut) erworben hatte. Filminteressierte finden darin so ziemlich alles Wissenswerte, was die beiden Regisseure über ihre Werke, ihre Visionen und ihre Arbeitsweise zu erzählen hatten, bereichert durch sorgfältig ausgewählte Filmausschnitte (bzw. Bilder aus Filmszenen, mehr ist in einem Buch nun einmal nicht möglich). Interessant, lehrreich, und manchmal einfach amüsant; behaftet mit Irrungen und Wirrungen wie alles Menschliche.
Ja, wenn "Rockbücher" einmal dieses Niveau erreichten, wenn sie Kunst und Können würdigten statt die Künstler als Helden, als "Führer" zu feiern. David Bowie hatte völlig recht zu sagen, Hitler sei der erste Popstar gewesen.
Dicki - am Sa, 28. Juli 2007, 23:36 - Rubrik: Musik und so weiter
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