Dicki TV
Vorspann von
The Offenders (Innere Mission: unmöglich)
Straße zwischen baufälligen Speichern. Rissiger Asphalt. Abenddämmerung. Ein Mann im Abendanzug bewegt sich auf eine Tür im Vordergrund zu, sieht sich um, tritt zögernd ein.
Großer Innenraum. Dämmriges Licht. Der Mann flüstert: "Wo sind Sie?" Licht flammt auf. Stimme: "Hier. Treten Sie näher." Der Mann hält sich geblendet eine Hand vor die Augen und tastet ein paar Schritte voran. Von der Decke saust ein 16-Tonnen-Gewicht herab. Stimme: "Da sind sie platt, was?" Schriller Akkord.
John Steed, vor der Wohnungstür von Emma Peel, lüpft das Augenlid des Spions, tritt befremdet zurück, klingelt.
Peel: Was ist denn!
Steed: Steed! Machen Sie auf.
Peel: Ist offen, kommen Sie herein.
Steed betritt die Wohnung. Peel liegt, einen Eisbeutel an die Stirn gedrückt, auf dem Sofa.
Steed: Hallöchen Miss Peel, haben Sie einen Kater?
Peel: Sie wissen doch, daß ich keine Haustiere mag, schon gar keine männlichen.
Steed: Nein, ich meinte, ob Sie gestern zu lange gefeiert haben.
Peel: Nicht lange genug, um Ihre gute Laune ertragen zu können.
Steed: Aber, aber, Mis Peel. Was halten Sie von einer schönen Tasse Tee?
Peel: Nett von Ihnen, Steed. Im Kühlschrank müßte noch eine Zitrone sein.
Steed: Danke, ich habe schon gefrühstückt.
Peel: Was führt Sie her, Steed. Sie wollen mich doch nicht schon wieder an einen Ihrer schrecklichen Tatorte mitschleppen?
Steed: Keineswegs, und nicht nur aus Rücksicht auf Ihre derzeitige Verfassung. Wir haben jetzt den dritten Mord in Folge, und wie die beiden Male zuvor ist das Opfer platt wie eine Briefmarke.
Peel springt auf und eilt zum Bad. Undefinierbare Geräusche, während Steed den Tee aufgießt.
Peel: (mit wirrem Haar zurückkehrend) Wer ist das Opfer?
Steed: Ein Mister Wendsworthy.
Peel: Wie wurde er identiifiziert - mußte man ihn umwenden?
Steed: Das hätte keinen Wert gehabt. Nein, sein Ausweis war kaum beschädigt, nur ein wenig matschig. Wir -
Peel rennt erneut zum Bad.
Amtszimmer. Minister, Steed, Peel.
Minister: Greedy, Shakerbottom, und jetzt Wendsworthy, alles angesehene Bänker.
Peel: Vielleicht nicht ganz so angesehen. Erst haben sie Unsummen verspekuliert, dann riesige Bonuszahlungen eingestrichen. Ein von ihnen Geschädigter könnte einen Racheakt -
Minister: Purer Neid!
Steed: Möglicherweise. Es könnte dann auch ein weniger erfolgreicher Konkurrent -
Minister: Oder eine eifersüchtige Frau!
Peel: Mir ist kein Fall bekannt, in dem eine Frau mit einem 16-Tonnen-Gewicht gemordet hätte.
Minister: Es gibt immer ein erstes Mal. - Wie dem auch sei. Mister Steed wird sich als Bänker ausgeben. Ich vergaß zu erwähnen, daß jedes der drei Opfer eine Annonce aufgegeben hatte: Erfahrener, gutsituierter Herr sucht neue Herausforderung. Sie, Miss Peel, werden Steeds Gemahlin spielen.
Steed: Spielen? Miss Peel, wollen Sie nicht -
Peel: Nein.
Steed: Wie Sie meinen, aber ich versichere Ihnen, daß Sie es sind, die etwas verpasst.
Peel: Ich bin Einiges von Ihnen gewohnt, Steed, aber diese Angeberei -
Steed: Verzeihen Sie, nur ein Scherz.
Peel: Schön, ich werde mir den merken und später darüber lachen.
Steed: Eine Frage noch, Herr Minister. Wie kommt es, daß alle drei Opfer gleichlautende Inserate aufgegeben haben?
Minister: Oh, das. Alle drei waren bei derselben Agentur. Markers und Platt, Kontaktvermittlung.
Peel: Ach ja?
Steed: Ach so?
Minister: (nervös) Das ist keineswegs ungewöhnlich. Wenn man sich in einer gewissen Position befindet -
Steed: Ich habe genug gehört.
Peel: Ersparen Sie uns die Einzelheiten. Aber hüten Sie sich, den gleichen Text in die Zeitung zu setzen.
Minister: (blickt grimmig von Steed zu Peel und zurück)
Steed: (zu Peel) Markers und -
Peel: (zu Steed) Platt. Gehen wir.
Anonymer Flur. Glastür mit der Aufschrift "Markers&Platt - Kontaktvermittlung". Steed und Peel gehen hinein.
Sekretärin: Sie wünschen?
Peel: Wir interessieren uns für seltene Briefmarken.
Sekretärin: ?
Steed: Genaugenommen suchen wir außergewöhnliche Kontakte.
Sekretärin: Oh, dann sind Sie bei uns allerdings genau richtig. Dort entlang.
Steed und Peel betreten ein Büro. Zwei Herren springen hinter zwei Schreibtischen auf.
Markers: John Steed!
Platt: Emma Peel!
Markers&Platt: The Offenders!
Steed: Da sind Sie platt, was?
Markers: Wie sind Sie uns auf die Schliche gekommen?
Platt: Waren es die Testamente zu unseren Gunsten?
Markers: Die zwei Dutzend Porsches?
Platt: Die Orgien?
Peel: Sie hätten Ihre Geschäftspost mit normalen Briefmarken frankieren sollen.
Die üblichen Karateszenen, fünf Minuten elektrisierenden Kampfes, täuschend echt.
Steed: Miss Peel, sagten Sie nicht, der Briefkasten sei ganz in der Nähe?
Peel: Tut mir leid Steed, ich wußte nicht, daß Sie Ihren Brief in Großbuchstaben schreiben würden.
Die Kamera fährt zurück. Steed trägt einen Briefumschlag im Format einer Wohnungstür. Abspann.
The Offenders (Innere Mission: unmöglich)
Straße zwischen baufälligen Speichern. Rissiger Asphalt. Abenddämmerung. Ein Mann im Abendanzug bewegt sich auf eine Tür im Vordergrund zu, sieht sich um, tritt zögernd ein.
Großer Innenraum. Dämmriges Licht. Der Mann flüstert: "Wo sind Sie?" Licht flammt auf. Stimme: "Hier. Treten Sie näher." Der Mann hält sich geblendet eine Hand vor die Augen und tastet ein paar Schritte voran. Von der Decke saust ein 16-Tonnen-Gewicht herab. Stimme: "Da sind sie platt, was?" Schriller Akkord.
John Steed, vor der Wohnungstür von Emma Peel, lüpft das Augenlid des Spions, tritt befremdet zurück, klingelt.
Peel: Was ist denn!
Steed: Steed! Machen Sie auf.
Peel: Ist offen, kommen Sie herein.
Steed betritt die Wohnung. Peel liegt, einen Eisbeutel an die Stirn gedrückt, auf dem Sofa.
Steed: Hallöchen Miss Peel, haben Sie einen Kater?
Peel: Sie wissen doch, daß ich keine Haustiere mag, schon gar keine männlichen.
Steed: Nein, ich meinte, ob Sie gestern zu lange gefeiert haben.
Peel: Nicht lange genug, um Ihre gute Laune ertragen zu können.
Steed: Aber, aber, Mis Peel. Was halten Sie von einer schönen Tasse Tee?
Peel: Nett von Ihnen, Steed. Im Kühlschrank müßte noch eine Zitrone sein.
Steed: Danke, ich habe schon gefrühstückt.
Peel: Was führt Sie her, Steed. Sie wollen mich doch nicht schon wieder an einen Ihrer schrecklichen Tatorte mitschleppen?
Steed: Keineswegs, und nicht nur aus Rücksicht auf Ihre derzeitige Verfassung. Wir haben jetzt den dritten Mord in Folge, und wie die beiden Male zuvor ist das Opfer platt wie eine Briefmarke.
Peel springt auf und eilt zum Bad. Undefinierbare Geräusche, während Steed den Tee aufgießt.
Peel: (mit wirrem Haar zurückkehrend) Wer ist das Opfer?
Steed: Ein Mister Wendsworthy.
Peel: Wie wurde er identiifiziert - mußte man ihn umwenden?
Steed: Das hätte keinen Wert gehabt. Nein, sein Ausweis war kaum beschädigt, nur ein wenig matschig. Wir -
Peel rennt erneut zum Bad.
Amtszimmer. Minister, Steed, Peel.
Minister: Greedy, Shakerbottom, und jetzt Wendsworthy, alles angesehene Bänker.
Peel: Vielleicht nicht ganz so angesehen. Erst haben sie Unsummen verspekuliert, dann riesige Bonuszahlungen eingestrichen. Ein von ihnen Geschädigter könnte einen Racheakt -
Minister: Purer Neid!
Steed: Möglicherweise. Es könnte dann auch ein weniger erfolgreicher Konkurrent -
Minister: Oder eine eifersüchtige Frau!
Peel: Mir ist kein Fall bekannt, in dem eine Frau mit einem 16-Tonnen-Gewicht gemordet hätte.
Minister: Es gibt immer ein erstes Mal. - Wie dem auch sei. Mister Steed wird sich als Bänker ausgeben. Ich vergaß zu erwähnen, daß jedes der drei Opfer eine Annonce aufgegeben hatte: Erfahrener, gutsituierter Herr sucht neue Herausforderung. Sie, Miss Peel, werden Steeds Gemahlin spielen.
Steed: Spielen? Miss Peel, wollen Sie nicht -
Peel: Nein.
Steed: Wie Sie meinen, aber ich versichere Ihnen, daß Sie es sind, die etwas verpasst.
Peel: Ich bin Einiges von Ihnen gewohnt, Steed, aber diese Angeberei -
Steed: Verzeihen Sie, nur ein Scherz.
Peel: Schön, ich werde mir den merken und später darüber lachen.
Steed: Eine Frage noch, Herr Minister. Wie kommt es, daß alle drei Opfer gleichlautende Inserate aufgegeben haben?
Minister: Oh, das. Alle drei waren bei derselben Agentur. Markers und Platt, Kontaktvermittlung.
Peel: Ach ja?
Steed: Ach so?
Minister: (nervös) Das ist keineswegs ungewöhnlich. Wenn man sich in einer gewissen Position befindet -
Steed: Ich habe genug gehört.
Peel: Ersparen Sie uns die Einzelheiten. Aber hüten Sie sich, den gleichen Text in die Zeitung zu setzen.
Minister: (blickt grimmig von Steed zu Peel und zurück)
Steed: (zu Peel) Markers und -
Peel: (zu Steed) Platt. Gehen wir.
Anonymer Flur. Glastür mit der Aufschrift "Markers&Platt - Kontaktvermittlung". Steed und Peel gehen hinein.
Sekretärin: Sie wünschen?
Peel: Wir interessieren uns für seltene Briefmarken.
Sekretärin: ?
Steed: Genaugenommen suchen wir außergewöhnliche Kontakte.
Sekretärin: Oh, dann sind Sie bei uns allerdings genau richtig. Dort entlang.
Steed und Peel betreten ein Büro. Zwei Herren springen hinter zwei Schreibtischen auf.
Markers: John Steed!
Platt: Emma Peel!
Markers&Platt: The Offenders!
Steed: Da sind Sie platt, was?
Markers: Wie sind Sie uns auf die Schliche gekommen?
Platt: Waren es die Testamente zu unseren Gunsten?
Markers: Die zwei Dutzend Porsches?
Platt: Die Orgien?
Peel: Sie hätten Ihre Geschäftspost mit normalen Briefmarken frankieren sollen.
Die üblichen Karateszenen, fünf Minuten elektrisierenden Kampfes, täuschend echt.
Steed: Miss Peel, sagten Sie nicht, der Briefkasten sei ganz in der Nähe?
Peel: Tut mir leid Steed, ich wußte nicht, daß Sie Ihren Brief in Großbuchstaben schreiben würden.
Die Kamera fährt zurück. Steed trägt einen Briefumschlag im Format einer Wohnungstür. Abspann.
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
In unserer Sendereihe "Bauer auf Bewährung" sehen Sie nun die Folge: Im Computershop.
Ein Bauer betritt einen Laden. Insert: Intelligent Computers for intelligent people.
Verkäufer: (am Telefon) ... dachte ich gleich, das ist wohl einer, und dann hat der mich tatsächlich angemoinert - äh, Moment, ich ruf dich zurück. (Zum Bauern) Was kann ich für Sie tun?
Bauer: (behäbig, aber deutlich) Moien. Joa, ich hätt gern künstliche Intelligenz gekauft.
Verkäufer: So so. Wieviel möchten Sie denn haben?
Bauer: Na, so eine CD voll. Sie verkaufen die doch auf CD?
Verkäufer: Doch. Und welche Sorte soll es sein?
Bauer: Was haben Sie denn da?
Verkäufer: Also, erstmal brauchen Sie einen Computer ...
Bauer: Den hab ich ja längst. Wir sind auf dem Land keine Städter, aber dumm sind wir deshalb nicht.
Verkäufer: (ungeduldig) Hat auch niemand behauptet. Aber "künstliche Intelligenz" als solche gibt das nicht zu kaufen, da müssen Sie schon sagen, welches Programm Sie haben wollen. Falls Sie das wissen.
Bauer: Nee, weiß ich nicht. Deswegen bin ich hier, Sie sind der Fachmann. Und da wollte ich eben ein bißchen Beratung haben.
Verkäufer: Was wollen Sie denn mit der künstlichen Intelligenz anfangen, ich meine, wofür genau brauchen Sie die?
Bauer: Ja, das ist so. Unsere Melkmaschine ist programmierbar, aber die kann immer nur eine Geschwindigkeit für alle Kühe. Gestern war Elsa erkältet, und dann reagiert die immer so empfindlich am Euter, das geht nur, wenn man die Melkgeschindigkeit runtersetzt.
Verkäufer: Verstehe, verstehe. Dann nehmen Sie doch den Melkmaschinensimulator von Macrosaft, da können Sie nicht nur jede Melkeinheit von Hand regeln, Sie haben auch Zugriff auf umfangreiches Statistikmaterial und Sie können unter zahlreichen anderen Optionen auch Buch über jede virtuelle Kuh führen, bis zu tausend Stück parallel.
Bauer: Von welchen virtuellen Kühen reden Sie denn da, unsere sind alle lebendig und nicht simuliert.
Verkäufer: Oh Verzeihung, ein Mißverständnis. Aber nehmen Sie trotzdem den Melkmaschinensimulator, der ist nämlich dem neuesten Melk-o-mat hundertprozentig nachgebaut, das ist praktisch eine Bedienungsanleitung für das echte Gerät.
Bauer: Wir haben aber den Lanz MilkMate, gibt's den auch simuliert?
Verkäufer: Wenn Sie mal selbst in den Simulatorkatalog gucken wollen? Ich kann dann schon mal die anderen Kunden bedienen.
Bauer: Joa, sicher, machen Sie man. (blättert. Für sich) Die simulieren aber auch alles, da brauchen die wohl bald die Welt nicht mehr.
Ein Bauer betritt einen Laden. Insert: Intelligent Computers for intelligent people.
Verkäufer: (am Telefon) ... dachte ich gleich, das ist wohl einer, und dann hat der mich tatsächlich angemoinert - äh, Moment, ich ruf dich zurück. (Zum Bauern) Was kann ich für Sie tun?
Bauer: (behäbig, aber deutlich) Moien. Joa, ich hätt gern künstliche Intelligenz gekauft.
Verkäufer: So so. Wieviel möchten Sie denn haben?
Bauer: Na, so eine CD voll. Sie verkaufen die doch auf CD?
Verkäufer: Doch. Und welche Sorte soll es sein?
Bauer: Was haben Sie denn da?
Verkäufer: Also, erstmal brauchen Sie einen Computer ...
Bauer: Den hab ich ja längst. Wir sind auf dem Land keine Städter, aber dumm sind wir deshalb nicht.
Verkäufer: (ungeduldig) Hat auch niemand behauptet. Aber "künstliche Intelligenz" als solche gibt das nicht zu kaufen, da müssen Sie schon sagen, welches Programm Sie haben wollen. Falls Sie das wissen.
Bauer: Nee, weiß ich nicht. Deswegen bin ich hier, Sie sind der Fachmann. Und da wollte ich eben ein bißchen Beratung haben.
Verkäufer: Was wollen Sie denn mit der künstlichen Intelligenz anfangen, ich meine, wofür genau brauchen Sie die?
Bauer: Ja, das ist so. Unsere Melkmaschine ist programmierbar, aber die kann immer nur eine Geschwindigkeit für alle Kühe. Gestern war Elsa erkältet, und dann reagiert die immer so empfindlich am Euter, das geht nur, wenn man die Melkgeschindigkeit runtersetzt.
Verkäufer: Verstehe, verstehe. Dann nehmen Sie doch den Melkmaschinensimulator von Macrosaft, da können Sie nicht nur jede Melkeinheit von Hand regeln, Sie haben auch Zugriff auf umfangreiches Statistikmaterial und Sie können unter zahlreichen anderen Optionen auch Buch über jede virtuelle Kuh führen, bis zu tausend Stück parallel.
Bauer: Von welchen virtuellen Kühen reden Sie denn da, unsere sind alle lebendig und nicht simuliert.
Verkäufer: Oh Verzeihung, ein Mißverständnis. Aber nehmen Sie trotzdem den Melkmaschinensimulator, der ist nämlich dem neuesten Melk-o-mat hundertprozentig nachgebaut, das ist praktisch eine Bedienungsanleitung für das echte Gerät.
Bauer: Wir haben aber den Lanz MilkMate, gibt's den auch simuliert?
Verkäufer: Wenn Sie mal selbst in den Simulatorkatalog gucken wollen? Ich kann dann schon mal die anderen Kunden bedienen.
Bauer: Joa, sicher, machen Sie man. (blättert. Für sich) Die simulieren aber auch alles, da brauchen die wohl bald die Welt nicht mehr.
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Mir liegt die Transskription eines Fernsehinterviews vor, das - nun, mein Informant behauptet, es sei für vorgestern zur Ausstrahlung bestimmt gewesen (das Interview, nicht die Transskription), aber Anwälte von interessierter Seite ... ich glaube das nicht, sondern halte es für frei erfunden und gebe es an dieser Stelle nur wider, weil es einen gewissen Unterhaltungswert hat, als science fiction im Wortsinne. Also: Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen und real existierenden Personen sind rein zufällig. Und hier der Text:
Interviewer: Herr, äh ...
?: Nennen Sie mich einfach Schmidt.
I: Na schön. Herr Schmidt, Sie sind Epidemologe ...
?: Falsch.
I: Ich weiß, aber die richtige Bezeichnung ist mir entfallen.
?: Das fängt ja gut an. Na, im Grunde bin ich nichts anderes als ein Projektmanager.
I: Aber Sie haben mit Epidemien zu tun?
?: Das schon.
I: Butter bei die Fische. Was genau machen Sie da so?
?: Tja, ich habe eine Art Frühwarnsystem; Leute die aufgrund einer Art Gefahrenatlas Nachrichten sieben und mir diejenigen Meldungen vorlegen, die ein gewisses Potential haben.
I: Bitte ein wenig konkreter. Geben Sie ein Beispiel.
?: Massentierhaltung.
I: Ja?
?: Schon mal von der Kaninchenpest gehört?
I: Natürlich.
?: Eine Tierseuche, die die Mehrzahl einer Population hinwegrafft. Die Überlebenden sind dann immun und vererben ihre Immunität weiter.
I: Weiter.
?: Bei der Massentierhaltung geht es um Tausende, manchmal zehntausende von Tieren derselben Art.
I: Hühnerfarmen, Rinderfarmen?
?: Schweinefarmen, Lachsfarmen, Straußenfarmen, was Sie wollen. Da mutieren Viren in alle Richtungen. Und sobald ein Befall festgestellt wird, müssen alle Tiere, äh, getötet werden, so wollen es die Vorschriften. Sie verstehen, keine immunen Überlebenden.
I: Ja, ja. Und?
?: Und. Es kommt hin und wieder vor, daß eine Mutation auf Menschen überspringt.
I: Mag sein, aber grundsätzlich können doch die Erreger, die Tod und Verderben unter Tiere bringen, den Menschen nicht gefährlich werden?
?: Grundsätzlich nicht, möglich ist es aber schon. Dieser Gefahrenatlas ist nicht einfach auf Massentierhaltung fokussiert, sondern auf solche Betriebe, die gesetzlich vorgeschriebene Hygienebestimmungen umgehen.
I: Die müssen doch sicher ganz schön blechen, wenn das ruchbar wird!
?: Das haben Sie sehr schön formuliert. Nur, da wird eiskalt kalkuliert, Kostenersparnis kontra Bußgeld. Wenn sich das lohnt ...
I: Verstehe.
?: Wenn es sich also lohnt, verseuchen derartige Betriebe ihre Umgebung. Luft, Trinkwasser, Böden. Die Menschen dort sind ziemlichen Belastungen ausgesetzt. Das macht sie krankheitsanfällig.
I: Und Sie werden aktiv, wenn dort irgendwo ein Mensch von normalerweise ungefährlichen Viren angegriffen werden.
?: Nicht ganz. In solch einer gefährdeten Umgebung verlaufen - aufgrund der allgemein erhöhten Belastung - Erkrankungen eher tödlich als anderswo. Es kommt darauf an, einen Zusammenhang zwischen menschlicher Erkrankung und tierischen Erregern herzustellen.
I: Eine verantwortungsvolle Aufgabe.
?: Oh ja, denn mein Salär hängt vom Erfolg ab.
I: Erfolg?
?: Sehen Sie, ich schalte dann Experten ein, die die Gefährlichkeit des Virus garantieren, die also in der Öffentlichkeit die Gefahr beschwören. Und ich ziehe Mediziner hinzu, die den neuen, mutierten Virus bei Patienten in verschiedenen Teilen der Welt nachweisen. Schließlich starte ich eine Kampagne für gesetzlich vorgeschriebene Schutzimpfungen. Schon ein paar Millionen verkaufte Immunstoffampullen bringen einen ansehnlichen Profit, und davon bekomme ich meinen Teil.
I: Sie meinen ...
?: Ach, seien Sie kein Arschloch. So eine Impfung tut nicht weh, und der Staat bezahlt doch alles.
I: Also wir alle.
?: Ist doch nur zum Besten.
I: Aber - in der Vergangenheit haben sich manche Impfstoffe als ziemlich gemeingefährlich erwiesen.
?: Herrgott nochmal, deshalb gibt es Bestrebungen, die Hersteller von jeglicher Regresspflicht zu befreien.
I: Ich will versuchen, das zusammenzufassen. Sie erfinden einen Zusammenhang zwischen menschlichen Erkrankungen - tödlich verlaufenden Erkrankungen - und tierischen Seuchen, damit Pharmaunternehmen neue - oder nicht mehr neue - Produkte, für deren Risiken sie nicht haften müssen, auf Staatskosetn massenhaft absetzen können, und damit dies möglich ist, schüren Sie eine Panik, die gelinde gesagt übertrieben ist?
?: Was ist daran falsch? Nur eine florierende Wirtschaft kann unseren Wohlstand garantieren!
I: Ich, äh, danke für dieses Gespräch.
?: Aber gerne doch.
Interviewer: Herr, äh ...
?: Nennen Sie mich einfach Schmidt.
I: Na schön. Herr Schmidt, Sie sind Epidemologe ...
?: Falsch.
I: Ich weiß, aber die richtige Bezeichnung ist mir entfallen.
?: Das fängt ja gut an. Na, im Grunde bin ich nichts anderes als ein Projektmanager.
I: Aber Sie haben mit Epidemien zu tun?
?: Das schon.
I: Butter bei die Fische. Was genau machen Sie da so?
?: Tja, ich habe eine Art Frühwarnsystem; Leute die aufgrund einer Art Gefahrenatlas Nachrichten sieben und mir diejenigen Meldungen vorlegen, die ein gewisses Potential haben.
I: Bitte ein wenig konkreter. Geben Sie ein Beispiel.
?: Massentierhaltung.
I: Ja?
?: Schon mal von der Kaninchenpest gehört?
I: Natürlich.
?: Eine Tierseuche, die die Mehrzahl einer Population hinwegrafft. Die Überlebenden sind dann immun und vererben ihre Immunität weiter.
I: Weiter.
?: Bei der Massentierhaltung geht es um Tausende, manchmal zehntausende von Tieren derselben Art.
I: Hühnerfarmen, Rinderfarmen?
?: Schweinefarmen, Lachsfarmen, Straußenfarmen, was Sie wollen. Da mutieren Viren in alle Richtungen. Und sobald ein Befall festgestellt wird, müssen alle Tiere, äh, getötet werden, so wollen es die Vorschriften. Sie verstehen, keine immunen Überlebenden.
I: Ja, ja. Und?
?: Und. Es kommt hin und wieder vor, daß eine Mutation auf Menschen überspringt.
I: Mag sein, aber grundsätzlich können doch die Erreger, die Tod und Verderben unter Tiere bringen, den Menschen nicht gefährlich werden?
?: Grundsätzlich nicht, möglich ist es aber schon. Dieser Gefahrenatlas ist nicht einfach auf Massentierhaltung fokussiert, sondern auf solche Betriebe, die gesetzlich vorgeschriebene Hygienebestimmungen umgehen.
I: Die müssen doch sicher ganz schön blechen, wenn das ruchbar wird!
?: Das haben Sie sehr schön formuliert. Nur, da wird eiskalt kalkuliert, Kostenersparnis kontra Bußgeld. Wenn sich das lohnt ...
I: Verstehe.
?: Wenn es sich also lohnt, verseuchen derartige Betriebe ihre Umgebung. Luft, Trinkwasser, Böden. Die Menschen dort sind ziemlichen Belastungen ausgesetzt. Das macht sie krankheitsanfällig.
I: Und Sie werden aktiv, wenn dort irgendwo ein Mensch von normalerweise ungefährlichen Viren angegriffen werden.
?: Nicht ganz. In solch einer gefährdeten Umgebung verlaufen - aufgrund der allgemein erhöhten Belastung - Erkrankungen eher tödlich als anderswo. Es kommt darauf an, einen Zusammenhang zwischen menschlicher Erkrankung und tierischen Erregern herzustellen.
I: Eine verantwortungsvolle Aufgabe.
?: Oh ja, denn mein Salär hängt vom Erfolg ab.
I: Erfolg?
?: Sehen Sie, ich schalte dann Experten ein, die die Gefährlichkeit des Virus garantieren, die also in der Öffentlichkeit die Gefahr beschwören. Und ich ziehe Mediziner hinzu, die den neuen, mutierten Virus bei Patienten in verschiedenen Teilen der Welt nachweisen. Schließlich starte ich eine Kampagne für gesetzlich vorgeschriebene Schutzimpfungen. Schon ein paar Millionen verkaufte Immunstoffampullen bringen einen ansehnlichen Profit, und davon bekomme ich meinen Teil.
I: Sie meinen ...
?: Ach, seien Sie kein Arschloch. So eine Impfung tut nicht weh, und der Staat bezahlt doch alles.
I: Also wir alle.
?: Ist doch nur zum Besten.
I: Aber - in der Vergangenheit haben sich manche Impfstoffe als ziemlich gemeingefährlich erwiesen.
?: Herrgott nochmal, deshalb gibt es Bestrebungen, die Hersteller von jeglicher Regresspflicht zu befreien.
I: Ich will versuchen, das zusammenzufassen. Sie erfinden einen Zusammenhang zwischen menschlichen Erkrankungen - tödlich verlaufenden Erkrankungen - und tierischen Seuchen, damit Pharmaunternehmen neue - oder nicht mehr neue - Produkte, für deren Risiken sie nicht haften müssen, auf Staatskosetn massenhaft absetzen können, und damit dies möglich ist, schüren Sie eine Panik, die gelinde gesagt übertrieben ist?
?: Was ist daran falsch? Nur eine florierende Wirtschaft kann unseren Wohlstand garantieren!
I: Ich, äh, danke für dieses Gespräch.
?: Aber gerne doch.
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
(Straßenszene, zwei Männer Ende dreißig im Gespräch)
1.Mann: Hast du das auch gehört vom Papst, daß der ein Holocaust-Leugner ist?
2.Mann: Der jetzt auch!
1.Mann: Jaja.
2.Mann: Ausgerechnet der Papst. Ich mein, wo der doch Deutscher ist. So unsensibel.
1.Mann: Das ist diese Generation: erst Jungvolk, dann Hitlerjugend, schließlich Volk ans Gewehr, und hinterher ist es dann keiner gewesen.
2.Mann: Ja, typisch.
1.Mann: Der Papst, tz tz.
2.Mann: E-kel-haft.
1.Mann: Weißt du, ich hätte fast überhaupt nichts davon mitbekommen - bin gestern erst von Teleriffa zurück, seeehr schön - aber ich hab den TeVau angemacht, weil ich "Gnadenlos gerecht" sehen wollte, und vorher waren Nachrichten.
2.Mann: Ha, ja, die Sozialermittler. Hast du gesehen wie der äh Dings ..
1.Mann: Wie diese Typen abräumen, diese Sozialschmarotzer, so dreist! Ich finde, das reicht nicht, denen die Gelder zu kürzen, da lachen die doch bloß drüber.
2.Mann: Nee, solche Scheißer sollte man ins "Dschungelcamp" stecken und die zwingen, lauter so fiese Sachen zu essen und die in Ameisenhaufen einbuddeln und so Zeugs.
1.Mann: Bis die wieder klar sind in der Birne und sich zur Demokratie bekennen. Wissen wir doch, wer den Hitler gemacht hat: die Arbeitslosen.
2.Mann: Eben. Und den Papst?!
1.Mann: Die Arbeitslosen.
2.Mann: Aber darf man ja nicht laut sagen, kommen gleich die linken Soziallutscher und labern rum.
1.Mann: In Wahrheit ... pssst (winkt ihn heran, flüstert) ... In Wahrheit ist das eine katholisch-kommunistische Weltverschwörung von Holocaust-Leugnern!
2.Mann: (ebenfalls flüsternd) Voll krass!
1.Mann: Hast du das auch gehört vom Papst, daß der ein Holocaust-Leugner ist?
2.Mann: Der jetzt auch!
1.Mann: Jaja.
2.Mann: Ausgerechnet der Papst. Ich mein, wo der doch Deutscher ist. So unsensibel.
1.Mann: Das ist diese Generation: erst Jungvolk, dann Hitlerjugend, schließlich Volk ans Gewehr, und hinterher ist es dann keiner gewesen.
2.Mann: Ja, typisch.
1.Mann: Der Papst, tz tz.
2.Mann: E-kel-haft.
1.Mann: Weißt du, ich hätte fast überhaupt nichts davon mitbekommen - bin gestern erst von Teleriffa zurück, seeehr schön - aber ich hab den TeVau angemacht, weil ich "Gnadenlos gerecht" sehen wollte, und vorher waren Nachrichten.
2.Mann: Ha, ja, die Sozialermittler. Hast du gesehen wie der äh Dings ..
1.Mann: Wie diese Typen abräumen, diese Sozialschmarotzer, so dreist! Ich finde, das reicht nicht, denen die Gelder zu kürzen, da lachen die doch bloß drüber.
2.Mann: Nee, solche Scheißer sollte man ins "Dschungelcamp" stecken und die zwingen, lauter so fiese Sachen zu essen und die in Ameisenhaufen einbuddeln und so Zeugs.
1.Mann: Bis die wieder klar sind in der Birne und sich zur Demokratie bekennen. Wissen wir doch, wer den Hitler gemacht hat: die Arbeitslosen.
2.Mann: Eben. Und den Papst?!
1.Mann: Die Arbeitslosen.
2.Mann: Aber darf man ja nicht laut sagen, kommen gleich die linken Soziallutscher und labern rum.
1.Mann: In Wahrheit ... pssst (winkt ihn heran, flüstert) ... In Wahrheit ist das eine katholisch-kommunistische Weltverschwörung von Holocaust-Leugnern!
2.Mann: (ebenfalls flüsternd) Voll krass!
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Tiefsinniges Geklimper. Im Studio sitzen der Moderator und zwei Gäste in dunklen Ledersesseln, zwischen ihnen ein Tisch aus Glas und Chrom. Rolltitel: "Wenn und Aber", "Das Gedicht", "durch die Sendung führt:", "Humbert Mumpitz". Das Klimpern versickert.
Mumpitz: Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren. Heute zu Gast im Wenn-und-Aber-Studio: Herr Doktor Unstroh, Verfasser der Denkschrift "Morgens gefügt, abends gedichtet" (deutet nach rechts, Applaus), und Herr Professor Wirsing, der in der Reihe "Schritt für Schritt" den Band "Das Gedicht im Wandel der Zeit" veröffentlichte (deutet nach links, Applaus). Bevor wir jedoch in medias res gehen, wollen wir die Zuschauer mit einem kurzen Film auf unser Thema einstimmen. Bitte.
MAZ: Ein Zeichentrickvorleser. "Es naut die Blacht." Errötet, verzieht den Mund. "Es blaut die Nacht, die Sternlein .."
Mumpitz: Halt, halt, das ist falsch. Hallo Regie, können wir die andere MAZ haben?
Regie: (blechern) Die MAZ liegt leider nicht vor.
Mumpitz: Hmmnnja. Nun, dann - Herr Unstroh, Sie gucken so ungeduldig, wollten Sie etwas sagen?
Wirsing: (süffisant) Ach, bei Ihnen muß man ungeduldig gucken, um zu Wort zu kommen.
Unstroh: (spitz) Offenbar genügt das allein nicht, eine gewisse Vordrängelmentalität ...
Wirsing: Ich muß doch sehr bitten!
Unstroh: Na bitte. Ich wollte lediglich anmerken, daß wir hier und jetzt sehr rasch zu einer Einigung kommen können, denn es ist doch so, nicht wahr, das Gedicht ist die Popmusik der Literatur.
Wirsing: Nein. Nein. So geht das nicht.
Unstroh: Die Popularität läßt sich aus den Zahlen des Buchhandels eindeutig beweisen: zwei komma fünf Millionen verkaufte Gedichtbände allein im vergangenen Kalenderjahr. (schwenkt ein Papier)
Wirsing: (hält seinerseits ein Papier hoch) Wenn Sie schon mit statistischem Material aufwarten, müssen Sie aber auch dazusagen, daß allein 73,24 Prozent auf die Herren Goethe und Schiller entfallen, die, das dürfen wir getrost unterstellen, als ungeliebte Geschenke in Bücherregalen verstauben, man kennt das doch.
Unstroh: Selbst wenn dem so wäre, Herr Kollege, blieben noch eine halbe Million Bände. Bei einem Umfang von durchschnittlich 50 Gedichten mit rund 16 Zeilen entfielen immerhin 5 Verse auf jeden Bundesbürger, was einer Strophe aus Goethes "Sah ein Knab' ein Röslein steh'n" entspräche.
Wirsing: Was soll das beweisen? Das ist doch diese typische statistische Augenwischerei. Entspricht denn, möchte ich mal in aller Bescheidenheit fragen, die (mit spöttischem Nachdruck) Qualität dieser fünf Verse auch einer Strophe Goethens? Na? Na also. Da haben wir doch das Dilemma. Nehmen Sie nur Klopstock.
Unstroh: Was ist denn mit Klopstock?
Wirsing: (triumphierend) Wird nicht mehr gelesen!
Unstroh: Aber Mörike!
Wirsing: Was ist mit Opitz?
Unstroh: Heine!
Wirsing: Scheffel!
Unstroh: Schubert!
Wirsing: (verwirrt) Schubert?
Unstroh: Habe ich Schubert gesagt? Ich meinte natürlich Allert-Wybranitz.
Wirsing: (schnaubt) Sagen Sie doch gleich Courts-Mahler!
Unstroh: (springt erregt auf) Sehr verehrter Herr Kollege!
Regie: (blechen) Die MAZ liegt jetzt vor.
Mumpitz: Danke, liebe Kollegen von der Regie, aber leider läuft uns wieder einmal die Zeit davon. Eine letzte Frage an unsere beiden Gäste: welche Gedichte hatten Sie als Kinder am liebsten. Herr Wirsing?
Wirsing: (erhaben) Struwwelpeter.
Mumpitz: Herr Unstroh?
Unstroh: (kichert) Max und Moritz.
Mumpitz: Aha. Und damit sind wir am Ende der heutigen Sendung. Ich darf mich bei meinen Gästen ganz herzlich für die klärenden Worte bedanken, und wünsche Ihnen daheim und hier im Studio noch einen angenehmen Abend. (Applaus)
Tiefsinniges Geklimper. Rolltitel des Abspanns. Dahinter das Studio; Wirsing und Unstroh sind aufgesprungen und schreien sich an.
MAZ: ... unterscheidet der Fachmann mindestens siebzehn unterschiedliche Reime. Die bekanntesten sind Stabreim, Binnenreim, Kehrreim und Abzählreim. Schon die alten Griechen ...
Sender: Bild- und Tonausfall.
Mumpitz: Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren. Heute zu Gast im Wenn-und-Aber-Studio: Herr Doktor Unstroh, Verfasser der Denkschrift "Morgens gefügt, abends gedichtet" (deutet nach rechts, Applaus), und Herr Professor Wirsing, der in der Reihe "Schritt für Schritt" den Band "Das Gedicht im Wandel der Zeit" veröffentlichte (deutet nach links, Applaus). Bevor wir jedoch in medias res gehen, wollen wir die Zuschauer mit einem kurzen Film auf unser Thema einstimmen. Bitte.
MAZ: Ein Zeichentrickvorleser. "Es naut die Blacht." Errötet, verzieht den Mund. "Es blaut die Nacht, die Sternlein .."
Mumpitz: Halt, halt, das ist falsch. Hallo Regie, können wir die andere MAZ haben?
Regie: (blechern) Die MAZ liegt leider nicht vor.
Mumpitz: Hmmnnja. Nun, dann - Herr Unstroh, Sie gucken so ungeduldig, wollten Sie etwas sagen?
Wirsing: (süffisant) Ach, bei Ihnen muß man ungeduldig gucken, um zu Wort zu kommen.
Unstroh: (spitz) Offenbar genügt das allein nicht, eine gewisse Vordrängelmentalität ...
Wirsing: Ich muß doch sehr bitten!
Unstroh: Na bitte. Ich wollte lediglich anmerken, daß wir hier und jetzt sehr rasch zu einer Einigung kommen können, denn es ist doch so, nicht wahr, das Gedicht ist die Popmusik der Literatur.
Wirsing: Nein. Nein. So geht das nicht.
Unstroh: Die Popularität läßt sich aus den Zahlen des Buchhandels eindeutig beweisen: zwei komma fünf Millionen verkaufte Gedichtbände allein im vergangenen Kalenderjahr. (schwenkt ein Papier)
Wirsing: (hält seinerseits ein Papier hoch) Wenn Sie schon mit statistischem Material aufwarten, müssen Sie aber auch dazusagen, daß allein 73,24 Prozent auf die Herren Goethe und Schiller entfallen, die, das dürfen wir getrost unterstellen, als ungeliebte Geschenke in Bücherregalen verstauben, man kennt das doch.
Unstroh: Selbst wenn dem so wäre, Herr Kollege, blieben noch eine halbe Million Bände. Bei einem Umfang von durchschnittlich 50 Gedichten mit rund 16 Zeilen entfielen immerhin 5 Verse auf jeden Bundesbürger, was einer Strophe aus Goethes "Sah ein Knab' ein Röslein steh'n" entspräche.
Wirsing: Was soll das beweisen? Das ist doch diese typische statistische Augenwischerei. Entspricht denn, möchte ich mal in aller Bescheidenheit fragen, die (mit spöttischem Nachdruck) Qualität dieser fünf Verse auch einer Strophe Goethens? Na? Na also. Da haben wir doch das Dilemma. Nehmen Sie nur Klopstock.
Unstroh: Was ist denn mit Klopstock?
Wirsing: (triumphierend) Wird nicht mehr gelesen!
Unstroh: Aber Mörike!
Wirsing: Was ist mit Opitz?
Unstroh: Heine!
Wirsing: Scheffel!
Unstroh: Schubert!
Wirsing: (verwirrt) Schubert?
Unstroh: Habe ich Schubert gesagt? Ich meinte natürlich Allert-Wybranitz.
Wirsing: (schnaubt) Sagen Sie doch gleich Courts-Mahler!
Unstroh: (springt erregt auf) Sehr verehrter Herr Kollege!
Regie: (blechen) Die MAZ liegt jetzt vor.
Mumpitz: Danke, liebe Kollegen von der Regie, aber leider läuft uns wieder einmal die Zeit davon. Eine letzte Frage an unsere beiden Gäste: welche Gedichte hatten Sie als Kinder am liebsten. Herr Wirsing?
Wirsing: (erhaben) Struwwelpeter.
Mumpitz: Herr Unstroh?
Unstroh: (kichert) Max und Moritz.
Mumpitz: Aha. Und damit sind wir am Ende der heutigen Sendung. Ich darf mich bei meinen Gästen ganz herzlich für die klärenden Worte bedanken, und wünsche Ihnen daheim und hier im Studio noch einen angenehmen Abend. (Applaus)
Tiefsinniges Geklimper. Rolltitel des Abspanns. Dahinter das Studio; Wirsing und Unstroh sind aufgesprungen und schreien sich an.
MAZ: ... unterscheidet der Fachmann mindestens siebzehn unterschiedliche Reime. Die bekanntesten sind Stabreim, Binnenreim, Kehrreim und Abzählreim. Schon die alten Griechen ...
Sender: Bild- und Tonausfall.
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
(Tingeltangelklavier, Trickfilm: ein Elefant stolpert durch das Bild, stürzt nacheinander vier Mülltonnen um, aus denen die Sprechblasen "Das" "gibt's" "doch" "nicht!" aufsteigen. Als er eben nach rechts aus dem Bild verschwindet, jagt von rechts eine Maus mit aufgerissenem Rachen hinter ihm her. Schlußakkord, Umschnitt, karg möbliertes Studio)
Moderator: Hallo und willkommen. Sie kennen mich, ich kenne Sie, wir alle kennen diese Sendung, also kommen wir gleich zur Sache bzw. zu unserem ersten Gast. Es ist Herbert Grützbrot. (Ein dicklicher Bayer mit Glatzkopf kommt aus der Kulisse und nimmt Platz. Beifall)
Grützbrot: (hält eine Pappe im DIN A3 - Format hoch) "Grüß Gott".
Moderator: Herr Grützbrot wird alle Fragen mit beschrifteten Pappen beantworten, die er vor zwei Jahren fertiggestellt hat. Aus seinen 50 Tafeln wähle ich jetzt 20 aus. Dann stelle ich meine Fragen, die ich vorige Woche unter notarieller Aufsicht formuliert und versiegelt habe. Herr Grützbrot behauptet, auf diese Weise - also mit seinen 20 zufällig ausgewählten Pappen, die er in Unkenntnis meiner heutigen Fragen beschriftet hat - ein sinnvolles Gespräch führen zu können. 'Unmöglich' sagen Sie, und das sage ich auch. (hat unterdessen die Pappen blind ausgewählt, bekommt ein Kuvert gereicht, das er mit bedeutsamer Miene aufreißt und aus dem er ein Bündel Karteikarten zieht) So. Die erste Frage: Herr Grützbrot, sind Sie bereit?
Grützbrot: (fischt lässig einen Karton aus seinem Stapel) "Ist der Papst katholisch?"
Moderator: Gegenfragen gelten nicht!
Grützbrot: (überlegen) "Das ist doch keine Frage!"
Moderator: (kratzt sich am Kopf) Hm. Jetzt also die Frage: in wievielen Sendungen waren Sie bereits mit Ihren Pappen?
Grützbrot: (schmunzelnd) "Wer kann das schon wissen?"
Moderator: Ein wenig präziser dürfen Sie ruhig sein. Die korrekte Antwort lautet natürlich 'fünf'. - Sie scheinen sich über Sprache viele Gedanken gemacht zu haben. Wollten Sie mal Schriftsteller werden?
Grützbrot: "Das Leben ist ein Roman"
Moderator: Schon wieder ausweichend. Also was nun, 'ja' oder 'nein'?
Grützbrot: "Ich glaube, nicht"
Moderator: (ungehalten) 'Ja' oder 'nein'?
Grützbrot: (eingeschüchtert) "Nein"
Moderator: Na also. (Beifall) Sie sind verheiratet und haben mit Ihrer Frau zwei Kinder. Wie heißen die?
Grützbrot: "Fix und Foxi"
Moderator: (verblüfft) Im Ernst?
Grützbrot: "Nein"
Moderator: Halt, halt, halt. Diese Pappe hatten wir schon, das ist Schummeln.
Grützbrot: (verlegen) "Entschuldigung" - "Romeo und Julia"
Moderator: Oh, nach Shakespeare benannt. Sie haben überhaupt ein Faible für den alten William. Welches ist Ihr Lieblingsstück?
Grützbrot: "Was ihr wollt"
Moderator: Beantworten Sie bitte meine Frage!
Grützbrot: "Aida"
Moderator: Ach ja, wunderbar, ein Meisterwerk. (Zwischenruf aus dem Publikum)
Grützbrot: (in Richtung Zuschauer) "Banause"
Moderator: Ein wahres Wort. (Beifall) Acht Pappen sind noch übrig, wird langsam eng, gell? Jetzt geht's ans Schwitzen?
Grützbrot: (lächelnd) "Ich doch nicht"
Moderator: Wir werden sehen. Nächste Frage: wie würden Sie Umberto Ecos Roman 'Der Name der Rose' zusammenfassen?
Grützbrot: (entschlossen) "kurz und schmerzlos"
Moderator: Die Kalauer dürfen Sie getrost mir überlassen.
Grützbrot: "Kommt auf keinen Fall in Frage"
Moderator: Aha, ein ganz Schlauer sind Sie. Na warte. (fingert in seinen Karteikarten) Wann hatte Uwe Seeler seinen Durchbruch als Mittelstürmer?
Grützbrot: (strahlt) "Nach dem zweiten Weltkrieg"
Moderator: Jetzt werden wir albern. Ach was, meinetwegen. Noch vier Pappen, das schaffen Sie sowieso nicht. Denn - denn! (gestikuliert mit dem Zeigefinger) - jetzt stelle ich Ihnen eine Frage, die Ihnen bestimmt noch gestellt wurde, oder?
Grützbrot: "Doch"
Moderator: (irritiert) Woher wissen Sie denn, was ich Sie fragen will?
Grützbrot: (vergnügt) "Diese Frage wird mir jedesmal gestellt"
Moderator: Nun bleiben Sie doch mal ernst -
Grützbrot: "Ich tue mein Bestes"
Moderator: (resigniert) Haben Sie sonst noch etwas zu sagen?
Grützbrot: (hebt triumphierend die letzte Pappe) "Die Gedanken sind frei"
Moderator: (wütend) Arschloch!
Grützbrot: (wühlt in den ausgesonderten Pappen, freut sich) "Angenehm, Grützbrot"
Moderator: Hallo und willkommen. Sie kennen mich, ich kenne Sie, wir alle kennen diese Sendung, also kommen wir gleich zur Sache bzw. zu unserem ersten Gast. Es ist Herbert Grützbrot. (Ein dicklicher Bayer mit Glatzkopf kommt aus der Kulisse und nimmt Platz. Beifall)
Grützbrot: (hält eine Pappe im DIN A3 - Format hoch) "Grüß Gott".
Moderator: Herr Grützbrot wird alle Fragen mit beschrifteten Pappen beantworten, die er vor zwei Jahren fertiggestellt hat. Aus seinen 50 Tafeln wähle ich jetzt 20 aus. Dann stelle ich meine Fragen, die ich vorige Woche unter notarieller Aufsicht formuliert und versiegelt habe. Herr Grützbrot behauptet, auf diese Weise - also mit seinen 20 zufällig ausgewählten Pappen, die er in Unkenntnis meiner heutigen Fragen beschriftet hat - ein sinnvolles Gespräch führen zu können. 'Unmöglich' sagen Sie, und das sage ich auch. (hat unterdessen die Pappen blind ausgewählt, bekommt ein Kuvert gereicht, das er mit bedeutsamer Miene aufreißt und aus dem er ein Bündel Karteikarten zieht) So. Die erste Frage: Herr Grützbrot, sind Sie bereit?
Grützbrot: (fischt lässig einen Karton aus seinem Stapel) "Ist der Papst katholisch?"
Moderator: Gegenfragen gelten nicht!
Grützbrot: (überlegen) "Das ist doch keine Frage!"
Moderator: (kratzt sich am Kopf) Hm. Jetzt also die Frage: in wievielen Sendungen waren Sie bereits mit Ihren Pappen?
Grützbrot: (schmunzelnd) "Wer kann das schon wissen?"
Moderator: Ein wenig präziser dürfen Sie ruhig sein. Die korrekte Antwort lautet natürlich 'fünf'. - Sie scheinen sich über Sprache viele Gedanken gemacht zu haben. Wollten Sie mal Schriftsteller werden?
Grützbrot: "Das Leben ist ein Roman"
Moderator: Schon wieder ausweichend. Also was nun, 'ja' oder 'nein'?
Grützbrot: "Ich glaube, nicht"
Moderator: (ungehalten) 'Ja' oder 'nein'?
Grützbrot: (eingeschüchtert) "Nein"
Moderator: Na also. (Beifall) Sie sind verheiratet und haben mit Ihrer Frau zwei Kinder. Wie heißen die?
Grützbrot: "Fix und Foxi"
Moderator: (verblüfft) Im Ernst?
Grützbrot: "Nein"
Moderator: Halt, halt, halt. Diese Pappe hatten wir schon, das ist Schummeln.
Grützbrot: (verlegen) "Entschuldigung" - "Romeo und Julia"
Moderator: Oh, nach Shakespeare benannt. Sie haben überhaupt ein Faible für den alten William. Welches ist Ihr Lieblingsstück?
Grützbrot: "Was ihr wollt"
Moderator: Beantworten Sie bitte meine Frage!
Grützbrot: "Aida"
Moderator: Ach ja, wunderbar, ein Meisterwerk. (Zwischenruf aus dem Publikum)
Grützbrot: (in Richtung Zuschauer) "Banause"
Moderator: Ein wahres Wort. (Beifall) Acht Pappen sind noch übrig, wird langsam eng, gell? Jetzt geht's ans Schwitzen?
Grützbrot: (lächelnd) "Ich doch nicht"
Moderator: Wir werden sehen. Nächste Frage: wie würden Sie Umberto Ecos Roman 'Der Name der Rose' zusammenfassen?
Grützbrot: (entschlossen) "kurz und schmerzlos"
Moderator: Die Kalauer dürfen Sie getrost mir überlassen.
Grützbrot: "Kommt auf keinen Fall in Frage"
Moderator: Aha, ein ganz Schlauer sind Sie. Na warte. (fingert in seinen Karteikarten) Wann hatte Uwe Seeler seinen Durchbruch als Mittelstürmer?
Grützbrot: (strahlt) "Nach dem zweiten Weltkrieg"
Moderator: Jetzt werden wir albern. Ach was, meinetwegen. Noch vier Pappen, das schaffen Sie sowieso nicht. Denn - denn! (gestikuliert mit dem Zeigefinger) - jetzt stelle ich Ihnen eine Frage, die Ihnen bestimmt noch gestellt wurde, oder?
Grützbrot: "Doch"
Moderator: (irritiert) Woher wissen Sie denn, was ich Sie fragen will?
Grützbrot: (vergnügt) "Diese Frage wird mir jedesmal gestellt"
Moderator: Nun bleiben Sie doch mal ernst -
Grützbrot: "Ich tue mein Bestes"
Moderator: (resigniert) Haben Sie sonst noch etwas zu sagen?
Grützbrot: (hebt triumphierend die letzte Pappe) "Die Gedanken sind frei"
Moderator: (wütend) Arschloch!
Grützbrot: (wühlt in den ausgesonderten Pappen, freut sich) "Angenehm, Grützbrot"
(Dramatisch-unheilvolle Musik, Filmschnipsel von brutalen und äußerst brutalen Hinrichtungen, dann Live-Einblendung des Studios, der Moderator geht auf die Kamera zu)
Moderator: Willkommen zu einer neuen Ausgabe von 'Stirb grausamer', die, wie Sie sicher wissen, erste und immer noch einzige Hinrichtungsschau auf diesem Kontinent. (Beifall) Wenn Sie sich mit einer ungewöhnlichen Hinrichtungsart unserer Jury stellen wollen, richten Sie Ihre Bewerbung an diese Adresse (Einblendung, er spricht mit). Und nun zum ersten Gast der heutigen Show, von dem ich selbst noch nicht mehr weiß als seinen Namen: Erwin Gänseschmalz! (Beifall, ein untersetzter Mann von etwa vierzig Jahren watschelt zum Moderator)
Gänseschmalz: Guten Abend.
Moderator: Und Hallo und so weiter. Bevor wir in medias res gehen, verraten Sie uns doch bitte, welchem Beruf Sie nachgehen.
Gänseschmalz: Ich bin Einzelhandelskaufmann.
Moderator: Ah ja, danke. Wen werden Sie heute abend hinrichten?
Gänseschmalz: Oh, da habe ich mir einen Leckerbissen ausgesucht, den Werner Killmann.
Moderator: Wer sich nicht an diesen Fall erinnert: Killmann stieg vor 5 Jahren in Westerbühl in die Villa Kunterbunt des Ehepaares Back-Pfeifer ein, wurde von Ihnen überrascht und erschlug beide mit einem großen Heilmagneten. - Wie werden Sie es tun?
Gänseschmalz: Wie?
Moderator: Ja, wie.
Gänseschmalz: Äh, wie jetzt?!
Moderator: (betont deutlich) Wie beabsichtigen Sie, den Delinquenten zum Tode zu befördern? (Gelächter, dann Applaus)
Gänseschmalz: Ach, das. Killmann wird auf diesem Stuhl festgeschnallt (zwei Uniformierte führen einen grobschlächtigen Mann mit Künstlerfrisur herein, zwingen ihn auf den Stuhl und fesseln ihn). Mein selbstentwickelter Apparat zum Blütenblattbeschuß wird ihn dann gleich mit der optimalen Frequenz von zehn pro Minute bombardieren.
Moderator: (überrascht) Mit Blütenblättern?
Gänseschmalz: Aber sicher! Die Blätter werden im Winkel von 90 Grad auf seiner Fontanelle aufschlagen, mit einer Wucht von Nullkommazweidrei Newton, was eine Stauchung von Zehn hoch minus 7 Nanomillimeter hervorruft, ihn also unweigerlich platt machen würde, wenn die andauernde Erschütterung nicht seine Knochen förmlich zerpulvern ließe.
Moderator: Erstaunlich. Und wann wird es soweit sein, wieviel Blütenblätter müssen Sie da ungefähr verschießen?
Gänseschmalz: Ja, mit meinem alten Physiklehrer (winkt ins Publikum) habe ich das ausgerechnet, ja, so ungefähr eine Milliarde würde genügen, voll und ganz.
Moderator: Ach. Eine Milliarde. Zehn pro Minute, mal sehen. 1440 Minuten, rund 1500, also 15000 pro Tag? 65000 Tage? 180 Jahre? Nein, nein, nein, so lange darf ich bestimmt nicht überziehen. (Gejohle)
Gänseschmalz: Vielleicht, wenn ich die Frequenz erhöhe?
Moderator: Nein. Nein, nein. Die Jury hält auch bereits die Daumen nach unten. Nein Herr Gänseschmalz, ich fürchte, keiner der hier Anwesenden würde diese Hinrichtung überleben. (Klatschen, Johlen, Trampeln)
Gänseschmalz: Och.
Moderator: Glück gehabt, Killmann. Aber wer weiß, vielleicht beim nächsten Mal? Liebe Zuschauer daheim, bleiben Sie dran, denn nach einer kurzen Unterbrechung geht es richtig zur Sache, da kommt der Mann mit dem Hammer! (Überblendung)
Moderator: Willkommen zu einer neuen Ausgabe von 'Stirb grausamer', die, wie Sie sicher wissen, erste und immer noch einzige Hinrichtungsschau auf diesem Kontinent. (Beifall) Wenn Sie sich mit einer ungewöhnlichen Hinrichtungsart unserer Jury stellen wollen, richten Sie Ihre Bewerbung an diese Adresse (Einblendung, er spricht mit). Und nun zum ersten Gast der heutigen Show, von dem ich selbst noch nicht mehr weiß als seinen Namen: Erwin Gänseschmalz! (Beifall, ein untersetzter Mann von etwa vierzig Jahren watschelt zum Moderator)
Gänseschmalz: Guten Abend.
Moderator: Und Hallo und so weiter. Bevor wir in medias res gehen, verraten Sie uns doch bitte, welchem Beruf Sie nachgehen.
Gänseschmalz: Ich bin Einzelhandelskaufmann.
Moderator: Ah ja, danke. Wen werden Sie heute abend hinrichten?
Gänseschmalz: Oh, da habe ich mir einen Leckerbissen ausgesucht, den Werner Killmann.
Moderator: Wer sich nicht an diesen Fall erinnert: Killmann stieg vor 5 Jahren in Westerbühl in die Villa Kunterbunt des Ehepaares Back-Pfeifer ein, wurde von Ihnen überrascht und erschlug beide mit einem großen Heilmagneten. - Wie werden Sie es tun?
Gänseschmalz: Wie?
Moderator: Ja, wie.
Gänseschmalz: Äh, wie jetzt?!
Moderator: (betont deutlich) Wie beabsichtigen Sie, den Delinquenten zum Tode zu befördern? (Gelächter, dann Applaus)
Gänseschmalz: Ach, das. Killmann wird auf diesem Stuhl festgeschnallt (zwei Uniformierte führen einen grobschlächtigen Mann mit Künstlerfrisur herein, zwingen ihn auf den Stuhl und fesseln ihn). Mein selbstentwickelter Apparat zum Blütenblattbeschuß wird ihn dann gleich mit der optimalen Frequenz von zehn pro Minute bombardieren.
Moderator: (überrascht) Mit Blütenblättern?
Gänseschmalz: Aber sicher! Die Blätter werden im Winkel von 90 Grad auf seiner Fontanelle aufschlagen, mit einer Wucht von Nullkommazweidrei Newton, was eine Stauchung von Zehn hoch minus 7 Nanomillimeter hervorruft, ihn also unweigerlich platt machen würde, wenn die andauernde Erschütterung nicht seine Knochen förmlich zerpulvern ließe.
Moderator: Erstaunlich. Und wann wird es soweit sein, wieviel Blütenblätter müssen Sie da ungefähr verschießen?
Gänseschmalz: Ja, mit meinem alten Physiklehrer (winkt ins Publikum) habe ich das ausgerechnet, ja, so ungefähr eine Milliarde würde genügen, voll und ganz.
Moderator: Ach. Eine Milliarde. Zehn pro Minute, mal sehen. 1440 Minuten, rund 1500, also 15000 pro Tag? 65000 Tage? 180 Jahre? Nein, nein, nein, so lange darf ich bestimmt nicht überziehen. (Gejohle)
Gänseschmalz: Vielleicht, wenn ich die Frequenz erhöhe?
Moderator: Nein. Nein, nein. Die Jury hält auch bereits die Daumen nach unten. Nein Herr Gänseschmalz, ich fürchte, keiner der hier Anwesenden würde diese Hinrichtung überleben. (Klatschen, Johlen, Trampeln)
Gänseschmalz: Och.
Moderator: Glück gehabt, Killmann. Aber wer weiß, vielleicht beim nächsten Mal? Liebe Zuschauer daheim, bleiben Sie dran, denn nach einer kurzen Unterbrechung geht es richtig zur Sache, da kommt der Mann mit dem Hammer! (Überblendung)
(Die vertraute Innenansicht des Reviers, die Eingangstür wird geöffnet, ein zerrupft aussehender, nicht mehr allzu junger Mann humpelt herein, Nase und Mundwinkel bluten, Kratzer zieren sein gerötetes Gesicht)
Mann: (an den Tresen tretend, aufgeregt) Herr Wachtmeister, ich bin bedroht und geschlagen worden, keine hundert Meter von hier. (schnauft, hält sich ein Ohr)
1. Wachtmeister: (routiniert) Wie viele waren es, und haben Sie jemanden erkannt?
Mann: eine ganze Menge, ich kenne niemanden von denen, aber die hatten alle Schals und Wimpel und Hüte und wasweißich in Deutschlandfarben.
1. Wachtmeister: (nach hinten) Willi, komm doch mal! (zu dem Mann) Sie sind wohl kein Fußballfan?
Mann: Nicht so richtig. Aber ich hab das Spiel gesehen und dann wollte ich auf der Straße die Feier angucken. Gleich als erstes tutet mir einer ins Ohr, direkt rein, das hat richtig Knack! gemacht, tut höllisch weh. Verflixt, ich muß zum Arzt! (Eine Träne rollt über die unversehrtere Wange)
2. Wachtmeister: (hat ungeduldig zugehört) Haben Sie den Tuter etwa angegriffen?
Mann: Was? Nein, das tat so weh, ich hab sofort eine Hand aufs Ohr gehalten. Da stoppen plötzlich Autos, junge Leute springen raus, Umstehende drängen sich ran, und dann beschimpfen sie mich. Mich, meine Mutter, meine Frau ...
1. Wachtmeister: Aha, die waren also dabei, dann haben Sie ja Zeugen.
Mann: Nein, ich war allein. Ich bin auch gar nicht verheiratet. Hab ich denen auch gesagt, da riefen sie "Schwanzlutscher" und "Arschficker", einer hat zugeschlagen, danach gabs von allen Seiten Schläge und Tritte, ich bin nur noch gerannt, direkt hierher.
2. Wachtmeister: Jetzt hören Sie mir mal ganz genau zu. Wenn die Menschen ihr schönes Vaterland feiern, weil sie sich über den Sieg im Länderspiel freuen, dann können Sie nicht ankommen und sich die Ohren zuhalten, das ist eine ganz gemeine Provokation, geradezu eine Aufforderung zu Mord und Totschlag. Und die Aufforderung zu kriminellen Handlungen steht unter Strafe, haben Sie mich verstanden?!
Mann: (grimmig) Ja, das ist klar. Mir ist überhaupt Manches klargeworden. (tückischer Gesichtsausdruck)
1. Wachtmeister: Was soll denn das heißen? Spielen Sie hier mal nicht das unschuldige Opfer!
Mann: (patzig) Ich muß jetzt zum Arzt. (geht zum Eingang, die Tür fällt hinter ihm ins Schloß)
1. Wachtmeister: Willi, ich hab so ein Gefühl, der wird bald Kunde bei uns sein.
2. Wachtmeister: Daß solche Typen überhaupt noch frei herumlaufen - eine Schande.
Mann: (an den Tresen tretend, aufgeregt) Herr Wachtmeister, ich bin bedroht und geschlagen worden, keine hundert Meter von hier. (schnauft, hält sich ein Ohr)
1. Wachtmeister: (routiniert) Wie viele waren es, und haben Sie jemanden erkannt?
Mann: eine ganze Menge, ich kenne niemanden von denen, aber die hatten alle Schals und Wimpel und Hüte und wasweißich in Deutschlandfarben.
1. Wachtmeister: (nach hinten) Willi, komm doch mal! (zu dem Mann) Sie sind wohl kein Fußballfan?
Mann: Nicht so richtig. Aber ich hab das Spiel gesehen und dann wollte ich auf der Straße die Feier angucken. Gleich als erstes tutet mir einer ins Ohr, direkt rein, das hat richtig Knack! gemacht, tut höllisch weh. Verflixt, ich muß zum Arzt! (Eine Träne rollt über die unversehrtere Wange)
2. Wachtmeister: (hat ungeduldig zugehört) Haben Sie den Tuter etwa angegriffen?
Mann: Was? Nein, das tat so weh, ich hab sofort eine Hand aufs Ohr gehalten. Da stoppen plötzlich Autos, junge Leute springen raus, Umstehende drängen sich ran, und dann beschimpfen sie mich. Mich, meine Mutter, meine Frau ...
1. Wachtmeister: Aha, die waren also dabei, dann haben Sie ja Zeugen.
Mann: Nein, ich war allein. Ich bin auch gar nicht verheiratet. Hab ich denen auch gesagt, da riefen sie "Schwanzlutscher" und "Arschficker", einer hat zugeschlagen, danach gabs von allen Seiten Schläge und Tritte, ich bin nur noch gerannt, direkt hierher.
2. Wachtmeister: Jetzt hören Sie mir mal ganz genau zu. Wenn die Menschen ihr schönes Vaterland feiern, weil sie sich über den Sieg im Länderspiel freuen, dann können Sie nicht ankommen und sich die Ohren zuhalten, das ist eine ganz gemeine Provokation, geradezu eine Aufforderung zu Mord und Totschlag. Und die Aufforderung zu kriminellen Handlungen steht unter Strafe, haben Sie mich verstanden?!
Mann: (grimmig) Ja, das ist klar. Mir ist überhaupt Manches klargeworden. (tückischer Gesichtsausdruck)
1. Wachtmeister: Was soll denn das heißen? Spielen Sie hier mal nicht das unschuldige Opfer!
Mann: (patzig) Ich muß jetzt zum Arzt. (geht zum Eingang, die Tür fällt hinter ihm ins Schloß)
1. Wachtmeister: Willi, ich hab so ein Gefühl, der wird bald Kunde bei uns sein.
2. Wachtmeister: Daß solche Typen überhaupt noch frei herumlaufen - eine Schande.
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Bildschirm: Lasergewaber.
Erkennungsgeräusch: dumpfes Wummern. Ein Synthie-Akkord schwillt auf, verebbt.
Bildschirm: eine Buchstabenanimation springt hektisch in den Vordergrund.
Titel: Begegnungen
Sprecherstimme: Begegnungen. - Heute: Majorleutnant Dropp vom 3. Bombergeschwader und ein Kollateralschaden von der irakisch-iranischen Grenze.
Studio: Leder, Chrom, Glas. Modisch geputzter Jungmoderator winkt nachlässig ins Publikum.
Moderator: (über Head-Set) Hallo, mit wem spreche ich?
Stimme: Machmut Mir-Allah, Kollateralschaden.
Moderator: Von wo sprechen Sie?
Stimme: Aus dem Jenseits.
Moderator: (verblüfft) Ohne Scheiß, Alter?
Stimme: (würdevoll) Ich habe es nicht nötig, zu lügen.
Moderator: Okay, okay. Wie war denn das jetzt, die Sache mit ...
Stimme: Ja, das war so. Ich saß vor dem Fernseher und meine Frau hatte gerade frischen Tee zubereitet. Es gab eine kurze Bilddstörung, danach war das Bild grün, in der Mitte ein Fadenkreuz, also, sie kennen das, diese Kameras, die aus den Bomben fotografieren ...
Moderator: Äh, ja.
Stimme: ... und da ratterten am Bildrand Zahlenreihen, und ich erkannte unser Dorf, eine Luftaufnahme von unserem Dorf, aus einer fallenden Bombe aufgenommen. Ich bin zum Fernseher gesprungen, um ihn auszuschalten, aber zu spät. Und Bumm!
Moderator: Voll krass.
Stimme: Warum, Herr Majorleutnant, warum ich, wir, unser Dorf, warum?
Moderator: Ja, Droppsie, das ist die Frage, und meine Info sagt außerdem, ich darf das wohl eben einschieben, das zu jener Stunde die iranische Urananreicherungsindustrieanlage in Isfahan angegriffen wurde, mehr als 100 Kilometer entfernt.
Majorleutnant: Nun, lassen Sie mich zunächst einmal versichern, daß unsere Hochpräzisionswaffen mit einer Genauigkeit arbeiten, daß Experten vollkommen zurecht von chirurgischen Eingriffen sprechen. Es muß sich deshalb bei diesem höchst bedauerlichen Vorfall, bitte glauben Sie mir das, um einen Selbstmordangriff der Terro ...
Bildstörung.
Danach grüner Bildschirm, ein Fadenkreuz, ratternde Zahlenkolonnen am Bildrand. Luftansicht einer westeuropäischen Metropole. Die Kamera scheint rasend schnell zu zoomen, eine bekannte Sendeanstalt wird erkennbar, füllt den Bildschirm.
Bildstörung.
Erkennungsgeräusch: dumpfes Wummern. Ein Synthie-Akkord schwillt auf, verebbt.
Bildschirm: eine Buchstabenanimation springt hektisch in den Vordergrund.
Titel: Begegnungen
Sprecherstimme: Begegnungen. - Heute: Majorleutnant Dropp vom 3. Bombergeschwader und ein Kollateralschaden von der irakisch-iranischen Grenze.
Studio: Leder, Chrom, Glas. Modisch geputzter Jungmoderator winkt nachlässig ins Publikum.
Moderator: (über Head-Set) Hallo, mit wem spreche ich?
Stimme: Machmut Mir-Allah, Kollateralschaden.
Moderator: Von wo sprechen Sie?
Stimme: Aus dem Jenseits.
Moderator: (verblüfft) Ohne Scheiß, Alter?
Stimme: (würdevoll) Ich habe es nicht nötig, zu lügen.
Moderator: Okay, okay. Wie war denn das jetzt, die Sache mit ...
Stimme: Ja, das war so. Ich saß vor dem Fernseher und meine Frau hatte gerade frischen Tee zubereitet. Es gab eine kurze Bilddstörung, danach war das Bild grün, in der Mitte ein Fadenkreuz, also, sie kennen das, diese Kameras, die aus den Bomben fotografieren ...
Moderator: Äh, ja.
Stimme: ... und da ratterten am Bildrand Zahlenreihen, und ich erkannte unser Dorf, eine Luftaufnahme von unserem Dorf, aus einer fallenden Bombe aufgenommen. Ich bin zum Fernseher gesprungen, um ihn auszuschalten, aber zu spät. Und Bumm!
Moderator: Voll krass.
Stimme: Warum, Herr Majorleutnant, warum ich, wir, unser Dorf, warum?
Moderator: Ja, Droppsie, das ist die Frage, und meine Info sagt außerdem, ich darf das wohl eben einschieben, das zu jener Stunde die iranische Urananreicherungsindustrieanlage in Isfahan angegriffen wurde, mehr als 100 Kilometer entfernt.
Majorleutnant: Nun, lassen Sie mich zunächst einmal versichern, daß unsere Hochpräzisionswaffen mit einer Genauigkeit arbeiten, daß Experten vollkommen zurecht von chirurgischen Eingriffen sprechen. Es muß sich deshalb bei diesem höchst bedauerlichen Vorfall, bitte glauben Sie mir das, um einen Selbstmordangriff der Terro ...
Bildstörung.
Danach grüner Bildschirm, ein Fadenkreuz, ratternde Zahlenkolonnen am Bildrand. Luftansicht einer westeuropäischen Metropole. Die Kamera scheint rasend schnell zu zoomen, eine bekannte Sendeanstalt wird erkennbar, füllt den Bildschirm.
Bildstörung.
(am Rande einer Präsidiumssitzung. Bodyguards in adrettem Mafialook bevölkern den Bildhintergrund)
Interviewer: (wichtig) Herr Müntefuer, Ihre Äußerung, wer nicht ißt, soll auch nicht arbeiten, hat in der vergangenen Woche für viel Unruhe gesorgt. Das reicht vom Reichsbund der Kriegsversehrten über den deutschen Philologenverband bis hin zur Bundesvereinigung Schwerreicher, die alle ...
Müntefuer: (eilig) Eine Diffamierungskampagne des politischen Gegners ist das, mein Zitat wurde aus ...
Interviewer: (unfreundlich) ... dem Zusammenhang gerissen, ach so. Was haben Sie denn tatsächlich gesagt in diesem Zusammenhang, also, in jenem Zusammenhang?
Müntefuer: (überlegen) Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang einmal darauf hinweisen, daß in jüngster Zeit auffallend oft Gutes schlechtgeredet wird. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: es kann doch nicht sein, wir haben seit Jahrzehnten die beste Außenhandelsbilanz, das haben wir gemacht, aber ich sage Ihnen, der Aufschwung ist noch nicht in trockenen Tüchern, und wer jetzt leichfertig kaputtredet das, da sage ich Ihnen ganz ehrlich, da steckt eine ganz gefährliche Einstellung ...
Interviewer: (ungeduldig) Aber was haben Sie denn nun tatsächlich gesagt?
Müntefuer: Hm? Wie? Haben Sie mir etwa nicht zugehört? (Die Bodyguards starren den Interviewer feindselig an)
Interviewer: (nervös) Nein. Doch. Ich meine damals, in jenem Zusammenhang. Was Sie damals tasächlich gesagt haben.
Müntefuer: (ärgerlich) Ich lasse mich hier nicht in eine bestimmte Ecke drängen von Ihnen, das ist eine infame ... (die Bodyguards rücken näher)
Interviewer: (hastig) Ich danke Ihnen für das Gespräch.
Interviewer: (wichtig) Herr Müntefuer, Ihre Äußerung, wer nicht ißt, soll auch nicht arbeiten, hat in der vergangenen Woche für viel Unruhe gesorgt. Das reicht vom Reichsbund der Kriegsversehrten über den deutschen Philologenverband bis hin zur Bundesvereinigung Schwerreicher, die alle ...
Müntefuer: (eilig) Eine Diffamierungskampagne des politischen Gegners ist das, mein Zitat wurde aus ...
Interviewer: (unfreundlich) ... dem Zusammenhang gerissen, ach so. Was haben Sie denn tatsächlich gesagt in diesem Zusammenhang, also, in jenem Zusammenhang?
Müntefuer: (überlegen) Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang einmal darauf hinweisen, daß in jüngster Zeit auffallend oft Gutes schlechtgeredet wird. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: es kann doch nicht sein, wir haben seit Jahrzehnten die beste Außenhandelsbilanz, das haben wir gemacht, aber ich sage Ihnen, der Aufschwung ist noch nicht in trockenen Tüchern, und wer jetzt leichfertig kaputtredet das, da sage ich Ihnen ganz ehrlich, da steckt eine ganz gefährliche Einstellung ...
Interviewer: (ungeduldig) Aber was haben Sie denn nun tatsächlich gesagt?
Müntefuer: Hm? Wie? Haben Sie mir etwa nicht zugehört? (Die Bodyguards starren den Interviewer feindselig an)
Interviewer: (nervös) Nein. Doch. Ich meine damals, in jenem Zusammenhang. Was Sie damals tasächlich gesagt haben.
Müntefuer: (ärgerlich) Ich lasse mich hier nicht in eine bestimmte Ecke drängen von Ihnen, das ist eine infame ... (die Bodyguards rücken näher)
Interviewer: (hastig) Ich danke Ihnen für das Gespräch.