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meine Tiere

sah ich neulich wieder, in Liebeshändel verstrickt. Die Menage a quack hat offenbar die Jahre nicht überdauert. Schade, sicherlich, aber hinsichtlich persönlicher Vorteilsnahme durchaus up to date.

Erwache ich am Morgen vor dem Weckerklang
umweht mich vom Balkone her der Amsel Sang
Sie flötet, wispert, tiriliert und singt
daß Einklang mit der Welt mein Herz durchdringt
und solcherart in Harmonie geborgen
umfängt mich Schlaf, fern sind die Sorgen

Die Amsel ihrerseits kennt Sorge nur des Augenblicks
für sie sorgt die Natur
Liegt darin nicht der Ursprung allen Glücks?
- ich frag ja nur

Das Krokodil tut seine Absicht kund
voll spitzer Zähne klafft der Mund

krokodil

Das Nilpferd seinerseits jedoch
beißt in das Krokodil ein Loch

nilpferd




Da sitze ich im Büro und klappere auf den Tasten, Aufgabe um Aufgabe der knochentrockenen Programmierung abhakend, und höre alle paar Minuten ein freundlich-lebhaftes Gezwitscher. Ganz nebenbei sehe ich mal auf den Hof, und aha! da sitzt ein kleiner schwarzer Vogel mit geschweller Brust auf der Dachkante und flötet und trällert. Ich arbeite weiter, höre aber genauer hin. Das Gezwitscher kommt aus mehreren Kehlen, das ist eindeutig, und nun ist mir auch klar, daß es Stare sind, was mein nächster Blick nach draußen bestätigt. Und wieder zwitschert es fröhlich-freundlich und ansteckend heiter; das müssen Eltern und Kinder sein, die sich da offensichtlich mit Zuneigung unterhalten. Das rührt mich und ich ernenne sie zu meinen Superstars. Dachte ich doch wirklich, Stare krächzen bloß so rum - was für ein erfreulicher Irrtum!

Sie sind wieder da! Nämlich die drei Unzertrennlichen, die ich im vergangenen Jahr erstmals gesehen hatte; Herr und Frau Stockente und seine Merkwürden v. Weißfeder. Immer noch zu dritt und immer noch unzertrennlich, da ist mir gleich warm ums Herz geworden. Doch weshalb ist v. Weißfeder staturell, größen- und schnabelmäßig eine stockgewöhnliche Stockente, hat aber ein weißes Gefieder? Plötzlich wußte ich es: v. Weißfeder ist eine Schnee-Ente.

Kinder schräg gegenüber machten ein bißchen Feuerzauber mit Funkenfontänen, Leuchtkugeln und sprühend pfeifenden Sputniks. Und die hatten einen kleinen Hund dabei (für mich Laien war das ein junger Terrier), der aufgeregt herumlief und ganz nah an eine Batterie herantrippelte, die Leuchtkugel auf Leuchtkugel herausjagte. Er wollte es ganz genau wissen: weshalb da immer noch so ein Leuchtteil herauskommt, ob da nicht vielleicht ein kleiner Kobold drinsitzt. Beäugte und beschnüffelte das Ding, die Kinder riefen vergeblich und mußten ihn wegzerren, damit er sich nicht verbrennt.

Die Wißbegierde von Tieren macht mir Freude. Da gibt es ja noch die Geschichte von Pferden, die morgens auf ihrer Koppel einen großen, bunten Kinderball vorfinden. Natürlich meiden sie erstmal die Ecke, wo das fremde Etwas liegt. Dann kommen sie vorsichtig näher, eines wagt sich witternd vor, tritt mit dem Huf dagegen - huch! der Ball bewegt sich. Vorsichtshalber wieder Abstand nehmen, dann wieder nähern, nochmal treten. Allmählich haben sie den Kick bekommen, sich Tore aufgestellt und begonnen, Fußball zu spielen. Gut, vielleicht habe ich die Begebenheit ein ganz klein wenig ausgeschmückt, aber ich wollte nur sagen, daß die Viecher - alle Viecher - verdammt neugierig sind.

Sonst geht's mir gut. Prost Neujahr!

Linke Vögel hatten Konrad Lorenz in Verschiß getan, aber Graugänse fanden ihn ganz okay.

graugans


Graugänse, Lorenz (r.): "Der ist ganz okay"



Morgens auf dem Weg zur Schulung, noch nicht weiter als mit dem Rad durch parkende Autos geschlängelt, gerade mal die Straße überquert, quakt mich jemand von der Seite an: ein Erpel mit in der Morgensonne schillerndem Gefieder steht auf dem Wagendach eines dunkelblauen Kombi, keinen halben Meter von mir entfernt. Überrascht "Hooo!" gerufen, schon bin ich vorbei, es quakt hinter mir her.

Wie kommt er dorthin, der Erpel - gesprungen wird er nicht sein, geklettert auch nicht, und daß Enten zielgenau auf einer Fläche von einem (1!) Quadratmeter landen können ist mir neu und erfüllt mich mit Respekt; was will er dort - so ein Autodach ist doch einfach nicht entengerecht und Nahrhaftes kann ich auf dem blinkenden Blech nicht entdecken; was quakt er mich an - soll ich ihn vielleicht von seinem Podest herunterhieven, ist der hohe Herr zu bequem zu fliegen?

Nicht dies und nicht jenes und auch kein Anderes weiß ich, nur das Eine: Enten sind ziemlich komische Tiere. Mein Tag beginnt mit guter Laune.

Vor einem Monat, als es noch einmal winterlich kalt wurde (und gar nicht mehr aufhören zu wollen schien), fielen sie mir auf, doch habe ich sie vermutlich schon vorher zusammen gesehen: Herrn und Frau Stockente mit ihrem Hausfreund, einem Erpel ganz in Weiß. Ob unter dessen Vorfahren eine Gans gewesen ist?

Diese Drei sind jedenfalls Kumpels. Ob sie auf dem hartgefrorenen Deichhang lagerten, am Wege Passanten um Brotstücke angingen oder auf dem eisfreien Wasser unter der Brücke umherpaddelten; immer waren sie zu dritt.

Heute sah ich sie wieder, im Anflug auf die "Kleine Weser", Herr und Frau Stockente vorneweg, Herr Weißfeder hinterdrein. Sie wasserten nach Entenart mit Bugwelle, dicht beieinander, wie immer. Ob sie wohl das ganze Jahr über zusammenbleiben werden? Da bin ich mal gespannt.

Immer wieder schön, diese kleinen Beobachtungen am Wasser, und immer sieht man bisher Unbekanntes. Vor einigen Wochen die Balz der Haubentaucher: schwammen vis-a-vis mit ihren spitzen Schnäbeln und kecken Federbüschen und schüttelten abwechselnd den Kopf, als wollten sie sagen "Mit dir nicht" - "Nein, mit dir nicht" - "Quatsch, mit dir nicht" usw. Diskret habe ich mich bald zurückgezogen, ich nehme an, sie haben doch noch zueinander gefunden.

Und neulich die beiden Entenmütter mit ihren jeweils sechs oder sieben Küken. Sind sich zu nahe gekommen, so daß die piepsenden Flausche nicht mehr so genau wußten, welches ihre Familie war. Eines wurde sehr energisch von der einen Ente in den Hals gezwackt und fand dann zu Mutter und Geschwisterschar zurück.

Und die Segler - oder sind das Schwalben? - immerzu in der Luft, immer mit Vollgas unterwegs, eine irrwitzige Kurve nach der anderen, immer dicht überm Wasser oder am Deich längs. Seit zehn Tagen sind sie hier und lassen es sich an der Festtafel der Natur gut gehen.

Und gestern der Angler. Steht da im BW-Kampfanzug am Ufer. Da können sich die Fische aber auf was gefasst machen.

 

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