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Gestern fuhr ich mit dem Rad los, um eine Freundin zu besuchen, die außerhalb Bremens wohnt. Sie hatte mir einen Weg abseits der vertrauten, aber öden Hauptstraßen empfohlen und es lohnte sich, ihrem Rat zu folgen. An einer bestimmten Stelle ("Iprump", was an Apple denken läßt, aber nur eine handvoll Häuser ist) verließ ich also die direkte Route. Nach höchstens fünfhundert Metern befand ich mich in ländlicher Umgebung: Wiesen, Felder, Gräben, Baumgruppen, Bauernhäuser, Pferdekoppeln, Viehweiden, Gänse, Hühner. Kaum ein Auto kam des Wegs und es fuhr sich angenehm im Schatten der Chausseebäume.

Natürlich hatte ich die neue Route zuvor auf einer Karte studiert und mir die wichtigsten Straßennamen gemerkt. Glaubte ich jedenfalls. Prompt verpasste ich die richtige Abzweigung, bemerkte das auch bald, ließ aber die Abzweigung Abzweigung sein, sprich: bekümmerte mich darob nicht, denn der Weg gefiel mir, obwohl nun statt holprigem Asphalt staubiger Lehmboden den Untergrund bildete. Ich fuhr an einem Nadelhölzwäldchen entlang, die Luft roch würzig, Vögel sangen und ich hatte zwar die richtige Straße, nicht aber die Orientierung verloren. Bald gelangte ich an einen kleine Rastplatz und besah die aufgestellte Karte ("Sie befinden sich hier"). Na also, links die Straße rauf, immer geradeaus, und schon bin ich wieder auf der Route und bereits nahe am Ziel.

Dann stand ich vor der Baustelle. Vollsperrung. Kein Weiterkommen in gerader Richtung. Notgedrungen bog ich in die Irrgänge einer Neubausiedlung ein. Nicht nur, daß hier Kurve auf Kurve, Straßeneinmündung auf Straßeneinmündung folgte, es sah auch überall gleich aus, wie die Siedlung selbst auch tausend anderen Neubausiedlungen der letzten zehn, fünfzehn Jahre glich: blitzsaubere Legohäuser mit blitzsauberen Vorgärten an blitzsauberen Straßen, die alle mit blitzsauberen Quadersteinen gepflastert sind, blitzsauber aneinandergefügt. Keine Läden, keine Treffpunkte, fremdartig wirkende Kreaturen in Menschengestalt (falls man überhaupt wen außerhalb Haus oder Auto antrifft), Gartenzwergidylle, Zombie-Ort. Schlagartig war die Orientierung futsch.

Irgendwie habe ich wieder hinausgefunden, bevor mich Panik überwältigte und bevor sich die Anwesenheit eines lebendigen Menschen aus Fleisch und Blut - aus frischem Fleisch und frischem Blut! - hätte herumsprechen und sie die zweifellos vorhandenen, aber gut getarnten Tigerfallen, in denen sie ihre unglückseligen Opfer zu fangen pflegen, hätten aktivieren können. - Schweißgebadet kam ich bei der Freundin an, erzählte von dem Umweg (wie ich es nannte), verschwieg aber den Ort des Grauens. Sie kommt ohnehin nie in diese Gegend, weshalb sie beunruhigen, weshalb mich - innerlich noch zitternd - erinnern!

Wanderer, zu Fuß oder zu Rad, meide die Neubausiedlungen. Sie halten Schlimmeres für dich bereit als dieses harmlose Spottlied ahnen läßt ...

 

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