Es wird mir hoffentlich nicht verübelt, wenn ich schon wieder das Übersetzen - von Büchern und von Filmen diesmal - ins Visier nehme; der Anlaß rechtfertigt die Mittel. Zuerst soll aber für einen Moment Stille einkehren, die Stille des Bedauerns, des Bedauerns für jene Nationen, in deren Filmtheatern und Fernsehprogrammen ausländische Filme traditionell und ausnahmslos als Original mit Untertiteln gezeigt werden: nicht genug, daß man beim Mitlesen das Wesentliche verpaßt, nein, auch wer aufs Mitlesen verzichtet, hat ein gestörtes Bild, und Bilder sind ja wohl das, was einen Film ausmacht.
Mißlungene Buchübersetzungen sind für mich wie OmU; der Genuß will sich nicht einstellen. Zwei Extreme gibt es; über hohe Hacken und gebutterte Toasts hatte ich schon mehrfach geschimpft, also packe ich heute das andere Extrem beim Schlafittchen, und das ist altertümelnder Stil. "Sie fragte sich, im Salon sitzend und in das Holzfeuer blickend, das er angezündet, ein Buch in ihrem Schoß, darin sie nicht las, ob er, ehe sie gekommen, hier unter den Decken und Bettüchern zu ruhen pflegte, und ob er ihr gram sei, weil sie den Raum nun benützte?" So geht das Seite für Seite, Kapitel für Kapitel, konsequent geschmacksverwirrt auch Dialoge nicht verschonend. Wohlgemerkt, nicht um verschachtelte Sätze geht es mir, zumal diese vom Original vorgegeben sind, sondern um ein gestörtes Sprachgefühl; von Seiten des Übersetzers, der kunstvoll daherkommen möchte, aber die Lesbarkeit mindert; auf seiten des Lesers, der sich sprachlich dem Buch hingeben möchte, aber dauernd vor den Kopf gestoßen wird.
Synchronisation heißt das Zauberwort, das aber auch nicht alle Probleme löst. Nicht beim Buch, weil die Übersetzung sowohl Inhalt als auch Klang berücksichtigen muß, und nicht beim Film, weil die Mundbewegungen der Schauspieler der Wortwahl eigene Beschränkungen auferlegen. (OmU widerum muß die Lesegeschwindigkeit berücksichtigen und kann nicht ohne Kürzungen auskommen). Dennoch ist Synchronisation das kleinere Übel, denn sie läßt das Bild intakt; wörtlich zu nehmen beim Film, bildlich gesprochen beim Buch.
"Das kleinere Übel" schreibe ich mit Bedacht, denn als ich L'homme qui aimait les femmes im Original sah, paßten Stimme und Person, Sprache und Gestik vollkommen zusammen, und obwohl ich kein französisch kann, war mir der Film so näher als in der deutschen Version, die eben doch etwas Verfremdendes an sich hat. Um wenigstens zu erahnen, was ich mit "Verfremdendes" meine, denke man an John Waynes deutschen Bärbeißbass, der im Original viel heller und weniger rauhbeinig klingt.
Fazit: hätte ich im Deutschaufsatz einige der hier gezeigten Qualitäten an den Tag gelegt, wäre aus mir ein passabler Oberschüler geworden. Als Trost bleibt mir der Griff zum Wein: mancher reift früh und wird eher getrunken - zurück bleibt eine leere Flasche (sofern es sich nicht um regenerierbaren Wein handelte).
Mißlungene Buchübersetzungen sind für mich wie OmU; der Genuß will sich nicht einstellen. Zwei Extreme gibt es; über hohe Hacken und gebutterte Toasts hatte ich schon mehrfach geschimpft, also packe ich heute das andere Extrem beim Schlafittchen, und das ist altertümelnder Stil. "Sie fragte sich, im Salon sitzend und in das Holzfeuer blickend, das er angezündet, ein Buch in ihrem Schoß, darin sie nicht las, ob er, ehe sie gekommen, hier unter den Decken und Bettüchern zu ruhen pflegte, und ob er ihr gram sei, weil sie den Raum nun benützte?" So geht das Seite für Seite, Kapitel für Kapitel, konsequent geschmacksverwirrt auch Dialoge nicht verschonend. Wohlgemerkt, nicht um verschachtelte Sätze geht es mir, zumal diese vom Original vorgegeben sind, sondern um ein gestörtes Sprachgefühl; von Seiten des Übersetzers, der kunstvoll daherkommen möchte, aber die Lesbarkeit mindert; auf seiten des Lesers, der sich sprachlich dem Buch hingeben möchte, aber dauernd vor den Kopf gestoßen wird.
Synchronisation heißt das Zauberwort, das aber auch nicht alle Probleme löst. Nicht beim Buch, weil die Übersetzung sowohl Inhalt als auch Klang berücksichtigen muß, und nicht beim Film, weil die Mundbewegungen der Schauspieler der Wortwahl eigene Beschränkungen auferlegen. (OmU widerum muß die Lesegeschwindigkeit berücksichtigen und kann nicht ohne Kürzungen auskommen). Dennoch ist Synchronisation das kleinere Übel, denn sie läßt das Bild intakt; wörtlich zu nehmen beim Film, bildlich gesprochen beim Buch.
"Das kleinere Übel" schreibe ich mit Bedacht, denn als ich L'homme qui aimait les femmes im Original sah, paßten Stimme und Person, Sprache und Gestik vollkommen zusammen, und obwohl ich kein französisch kann, war mir der Film so näher als in der deutschen Version, die eben doch etwas Verfremdendes an sich hat. Um wenigstens zu erahnen, was ich mit "Verfremdendes" meine, denke man an John Waynes deutschen Bärbeißbass, der im Original viel heller und weniger rauhbeinig klingt.
Fazit: hätte ich im Deutschaufsatz einige der hier gezeigten Qualitäten an den Tag gelegt, wäre aus mir ein passabler Oberschüler geworden. Als Trost bleibt mir der Griff zum Wein: mancher reift früh und wird eher getrunken - zurück bleibt eine leere Flasche (sofern es sich nicht um regenerierbaren Wein handelte).
Dicki - am Mi, 02. Februar 2011, 22:58 - Rubrik: zickezacke