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Und weiter geht es durch Gassen, über Brücken, entlang Kanälen. Ich suchte mich in und aus diesem Labyrinth zu finden, ohne irgend jemand zu fragen, mich abermals nur nach der Himmelsgegend richtend, Man entwirrt sich wohl endlich, aber es ist ein unglaubliches Gehecke ineinander, und meine Manier, sich recht sinnlich davon zu überzeugen, die beste. Auch habe ich mir bis an die letzte bewohnte Spitze der Einwohner Betragen, Lebensart, Sitte und Wesen gemerkt; in jedem Quartiere sind sie anders beschaffen. Du lieber Gott! was doch der Mensch für ein armes, gutes Tier ist!

Leider macht uns auch ein altbekanntes leidiges Thema zu schaffen, das mit dem Tiersein des Menschen zusammenhängt. Ich ging und besah mir die Stadt in mancherlei Rücksichten, und da es eben Sonntag war, fiel mir die große Unreinlichkeit der Straßen auf, worüber ich meine Betrachtungen anstellen mußte. Es ist wohl eine Art von Polizei in diesem Artikel, die Leute schieben den Kehrig in die Ecken, auch sehe ich große Schiffe hin und wider fahren, die an manchen Orten stille liegen und den Kehrig mitnehmen, Leute von den Inseln umher, welche des Düngers bedürfen; aber es ist in diesen Anstalten weder Folge noch Strenge, und desto unverzeihlicher die Unreinlichkeit der Stadt, da sie ganz zur Reinlichkeit angelegt worden, so gut als irgendeine holländische. [...] Ich konnte nicht unterlassen, gleich im Spazierengehen eine Anordnung deshalb zu entwerfen und einem Polizeivorsteher, dem es Ernst wäre, in Gedanken vorzuarbeiten. So hat man immer Trieb und Lust, vor fremden Türen zu kehren.

Genug davon. Denn trotzdem ist die Welt voller Wunder, wenn man sich nur wundern kann. Ich wende mich in meiner Erzählung nochmals ans Meer, dort habe ich heute die Wirtschaft der Seeschnecken, Patellen und Taschenkrebse gesehen und mich herzlich darüber gefreut. Was ist doch ein Lebendiges für ein köstliches, herrliches Ding! Wie abgemessen zu seinem Zustande, wie wahr, wie seiend!

Das ist ohne Zweifel die beste Karl-May-Verfilmung, die nicht auf einem Roman von Karl May basiert. Old Sh Gregory Peck ist ein ehemaliger, die Weltmeere besegelt habender Kapitän (er soll die Rolle wegen "Moby Dick" bekommen haben), der ein kesses Auge auf eine Rancherstochter geworfen hat - eine dumme Pute von Vatertochter, wie jeder Zuschauer nach 2 Sekunden weiß - und nun Anlauf zur Hochzeit nimmt. Dazu muß er in den wilden Westen, das weite Land.

Der Sohn des Rancherkonkurrenten bereitet ihm aber erstmal einen Empfang mit Hut vom Kopf nehmen, die Kutschgäule verrückt machen und was man eben so mit Greenhorns treibt. Old Sh Gregory Peck bleibt dabei ganz gelassen, die Pute offenbart den Familienhaß gegen die Konkurrentenbrut. Erste Mißstimmung. Der Vormann der Ranch - der glaubt, die Pute sei sein - hat auch eine Begrüßung in petto und will Old Sh Gregory Peck auf den heimtückisch schielenden Old Thunder setzen (das ist ein Pferd und nicht etwa einer der legendären Westernhelden, die alle Old Irgendwie heißen und aus Sachsen stammen), aber Old Sh Gregory Peck hat keine Böcke auf dies bockende Etwas. Die Pute hält ihn für feige, die Männer sehen an ihm vorbei - was für ein Einstand.

Der Rancher, "Major" genannt, freut sich über den Vorwand, dem Konkurrentensohn eins auszuwischen und zieht mit seinen Männern in einen mutigen und fairen Zwanzig-gegen-Einen-Kampf. Derweil sich Old Sh Gregory Peck aus Langeweile auf Old Thunder setzt und ihn schließlich zähmt, weil er der größere Sturkopp von beiden ist. Nun hat er also ein Pferd, schnappt sich seinen Kompass und reitet ein bißchen in die Hügel hinaus, wo er eine aparte Farmerswaisin trifft, die zufällig die beste Freundin der Pute ist und obendrein Besitzerin der einzigen Wasserstelle weit und breit (und wie gern würde jeder der Konkurrenten den anderen vom Wasser abschneiden!), reitet noch ein bißchen herum und stößt in der Nacht auf einen der Suchtrupps, die nach ihm ausgesandt worden sind, weil er als verschollen und verirrt gilt, schließlich ist er ein Greenhorn und "dies ist ein weites Land", wie gar nicht oft genug gesagt werden kann.

Die Männer wollen ihm nicht glauben, daß er dank des Kompass nie die Orientierung verloren hatte, und allmählich gerät er in Verschiß. Im Morgengrauen weckt er den Vormann, um ohne Publikum den fälligen Faustkampf auszutragen. Hier weicht der Film von Karl May ab, denn Old Sh Gregory Peck holt nicht zum sagenhaften Schläfenhieb aus, sondern die beiden Kerle prügeln einander halb ohnmächtig und einigen sich dann auf Remis.

bigcountry

Weil das alles ein bißchen unübersichtlich abläuft und viel komplexer ist, als ich in der Kürze wiedergeben kann, hier nur schnell die major facts: die aparte Waisin wird entführt, Old Sh Gregory Peck eilt heldenmütig hinzu, duelliert sich mit dem Konkurrentensohn, der wird vom eigenen Vater erschossen, weil er die Gentlemanregeln des Duells ein bißchen freier als üblich zu handhaben versuchte, und der "Major" rückt mit seinen Leuten zur Entscheidungsschlacht an.

Gerade als wir uns auf das große Gemetzel freuen, entwickeln die beiden Alten plötzlich soviel Ehrgefühl, ihre Uraltfehde im Kampf Mann gegen Mann auszutragen. Für diesen Betrug am Zuschauer werden sie mit dem sofortigen und erzieherisch wertvollen Ableben bestraft. Jetzt kann der Vormann die Pute haben und Old Sh Gregory Peck schnappt sich die aparte Waisin, die ihm natürlich längst verfallen ist. Und wie sich das für einen Western gehört, reitet man zum happy end in den Horizont, der gleich hinter dem weiten Land beginnt. So wird großes Kino gemacht. Aber ganz großes Kino.

 

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