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Zum Kinostart des Filmes "Life and Death of Peter Sellers" schrieb ein ernsthafter, hart arbeitender Mann unter anderem: An seiner Arbeit hatte er immer weniger Freude. Den Spaßvogel gab es mehr auf der Leinwand. Vielmehr beschimpfte er Blake Edwards, dem er seinen Erfolg mit "Paulchen Panther" zu verdanken hatte. Hier vereint sich eleganter Stil mit umfassender Kenntnis zu einem harmonischen Ganzen.

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Peter Sellers als Paulchen Panther


Die Jungs waren alle nicht so helle, aber auf dem Bolzplatz sind Schöngeister auch nicht gefragt. Meyer und ich gingen aufs Gymansium, doch - wir können auch anders - Fußball mußte sein, jeden Nachmittag, vom Frühjahr bis in den Herbst. Schulzen hat ab und zu einen Recorder mitgebracht und wir hörten Sachen wie "Hocus Pocus" von Focus und das andere gute Teil von denen. Andi und Hoyer, Frankie und Stapo, später noch Neske, und, immer betulich, Günter - andererseits konnte der aus zwanzig Metern den Ball treten, daß du die Hand nicht so schnell hoch hattest, wie die Pille ins Netz gerauscht kam.

Mitten im Sommer kletterten die Türken auf unseren Platz. "Ihr spielt jetzt gegen uns Fußball, sonst kriegt ihr was auf die Fresse!" Frankie wollte weglaufen, hat sich aber nicht getraut; wir anderen waren plötzlich ganz wild auf Fußball mit den Türken. Hinter ihrem Gehabe waren die schon in Ordnung. Als ich mal Sepp Maier im Tor vertreten hab und mir in den Kopf gesetzt hatte, keinen Ball reinzulassen, rief der Älteste von denen: "Wenn du nochmal hältst, hau ich dir auf die Schnauze!" Ich konnte mir nicht vorstellen, daß er das ernst meinte - ist doch nur Spiel - und hab gelacht. Passiert ist nix; keine Tore, keine Prügel.

Zwei von den Türken - ein Brüderpaar - waren aber übel drauf, hatten so richtige Haßgesichter und mußten immer endlos mit dem Ball herumfummeln. Hat natürlich nichts gebracht; schließlich wollten ihre eigenen Kumpels nicht mehr mit ihnen spielen. Insgesamt haben wir voreinander Respekt bekommen. Sie merkten, daß wir nach und nach gerne mit ihnen spielten (außer mit den Scheiß Brüdern), wir merkten daß sie nicht halb so scheiße waren, wie sie sich gaben. Aber wir blieben vorsichtig und distanziert. Hätt' ja sein können, daß die sich doch noch aufs Prügeln verlegen.

Einmal kam Amigo angerannt: "Da hat mich einer Kümmeltürke genannt!" Zehn Mann hoch zogen sie los, den Beleidiger zu vertrimmen. "Kommst du mit?" fragten sie mich. "Nein," hab ich gesagt, "ihr seid doch schon genug." - "Ich dachte, du bist unser Freund." Hab ich nur gesagt, mich hätte der ja nicht beleidigt; ich fänd's auch nicht so toll, mit so vielen auf einen loszugehen, und am besten lachten sie einfach, wenn jemand so etwas zu ihnen sagte, das sei doch nicht ernst zu nehmen. Das war ihnen nicht recht, aber sie haben es hingnommen.

Ich konnte ihnen schlecht sagen, daß ich das Wort "Kümmeltürke" überhaupt nicht beleidigend finde - es klingt gut, Kümmel ist gut, und ich mag dieses Wort: Kümmeltürke. Es hat den Zauber einer fernen, unbekannten Welt. - Und political correctness ist für Leute, die gern über andere herziehen wollen, aber nicht ohne Erlaubnis.

 

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