1968
aus aller Welt
ballaballa
Beobachtungen in der Natur
charmsing
deutsche kenneweiss
Dicki TV
Dickimerone
Dickis Reisen
die kleine Anekdote
dirty old town
Empfehlung
Erwins Welt
Eugen
in eigener Sache
Java
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
icon

 
Von der dreitägigen Fahrt nach Neapel nur ein kurzer Ausschnitt. Gleich am ersten Abend, in Velletri, hat Goethe das Kabinett eines Cavaliere Borgia besucht und sich an den ausgestellten Kunstschätzen erfreut. Als wir nach der Herberge gingen, riefen uns einige vor ihren Haustüren sitzende Weiber an, ob wir nicht auch Altertümer zu kaufen Lust hätten, und als wir uns darnach sehr begierig erwiesen, holten sie alte Kessel, Feuerzangen nebst anderem schlechten Hausgeräte und wollten sich zu Tode lachen, uns angeführt zu haben. Als wir uns deshalb entrüsteten, brachte unser Führer die Sache wieder ins gleiche; denn er versicherte, daß dieser Spaß hergebracht sei und daß alle Fremden denselben Tribut entrichten müßten.

Und nun, ungekürzt und O-Ton Goethe, die Ankunft in Neapel:
     Nachmittag tat sich ein schönes, flaches Feld vor uns auf. Die Chaussee geht breit zwischen grünen Weizenfeldern durch, der Weizen ist wie ein Teppich und wohl spannenhoch. So geht es bis Neapel hinein. Ein klarer, herrlich lockerer Boden und gut bearbeitet. Die Weinstöcke von ungewöhnlicher Stärke und Höhe, die Ranken wie Netzte von Pappel zu Pappel schwebend.
     Der Vesuv blieb uns immer zur linken Seite, gewaltsam dampfend, und ich war still für mich erfreut, daß ich diesen merkwürdigen Gegenstand endlich auch mit Augen sah. Der Himmel ward immer klärer, und zuletzt schien die Sonne recht heiß in unsere enge rollende Wohnung. Bei ganz rein heller Atmosphäre kamen wir Neapel näher; und nun fanden wir uns wirklich in einem andern Lande. Die Gebäude mit flachen Dächern deuten auf eine andere Himmelsgegend, inwendig mögen sie nicht sehr freundlich sein. Alles ist auf der Straße, sitzt in der Sonne, so lange sie scheinen will. Der Neapolitaner glaubt, im Besitz des Paradieses zu sein, und hat von den nördlichen Ländern einen sehr traurigen Begriff: "Sempre neve, case di legno, gran ignoranza, ma danari assai." Solch ein Bild machen sie sich von unserm Zustande. Zur Erbauung sämtlicher deutscher Völkerschaften heißt diese Charakteristik übersetzt: "Immer Schnee, hölzerne Häuser, große Unwissenheit; aber Geld genug."
     Neapel selbst kündigt sich froh, frei und lebhaft an, unzählige Menschen rennen durcheinander, der König ist auf der Jagd, die Königin guter Hoffnung, und so kann's nicht besser gehen.


Nein, ich glaube nicht, daß der König Jagd auf seine Untertanen macht. - Mit der Unwissenheit mögen sie recht haben, die Neapolitaner. Wenn ich an Luciano De Crescenzo und seine etwas eigenwillige Philosophia Napolitana denke ("Also sprach Bellavista") ... Für den Neapolitaner, das muß man allerdings bedenken, beginnen die nördlichen Länder ungefähr auf der Höhe Roms.

sagte der Vater eines Nachbarjungen, "heißt eigentlich Klaus Ostwald". Stimmt natürlich nicht. Da war Wunsch des Vaters der Vater des Gedankens. Clint Eastwood heißt eigentlich Moral. Stimmt natürlich auch nicht. Doch ob als Outlaw oder Gesetzesdiener, stets hat er gegen Schurken und Schurkereien gekämpft, mit einer Privatmoral, die von guten Idealen inspiriert war und Verbrechen verabscheute.

Zu Beginn der 60er Jahre schlug er sich in Europa mit verschiedenen Rollen durch und wurde als Pistolero in den ersten Western Sergio Leones zum Star (Für eine Handvoll Dollar, Für ein paar Dollar mehr, Zwei glorreiche Halunken). Hollywood rief - endlich? - und er folgte. Und durfte weiterhin zwielichtige Personen mit starker Moral spielen, unter anderem in "Two Mules for Sister Sarah", dem besten Italowestern aus US-Produktion. In Dirty Harry spielte er nicht zum ersten Mal einen Polizisten (zuvor in "Coogan's Bluff"), aber der erste Film dieser Serie war ein Stoß ins Herz romantischer Vorstellungen der Hippies über Verbrecher und Verbrechensbekämpfung, ein zweischneidiger Film, mit Vorsicht zu genießen, aber gut und gut gemacht, um vieles besser als sein Ruf.

clint

Er begann, selbst Filme zu produzieren und Regie zu führen und spielte gelegentlich für ihn untypische Rollen. Er war der einzige Häftling, dem die "Flucht von Alcatraz" gelang, suchte als verfolgter Überlebender eines Massakers an Südstaaten-Rebellen nach einem friedlichen Leben, entdeckte als Einbrecher das blutige Geheimnis eines Präsidenten, und ließ als - sehr später - jugendlicher Liebhaber in "Die Brücken am Fluß" seinen Tränen freien Lauf.

Selbstverständlich habe ich nicht alle seine Filme gesehen und zähle hier nur die bekanntesten und gelungensten auf (soweit ich sie kenne). Dazu gehören auch "Play Misty for me", "The Pale Rider", "Firefox" und der Schlußpunkt unter das Western-Genre: "Unforgiven". Sein neuestes Werk, "Million Dollar Baby", würde ich gerne sehen, kann ich aber nicht. Kino ist zu teuer, Fernsehen habe ich nicht mehr.

Die Rolle von Walter Matthau in "Charlie Varrick, last of the Independent" hätte auch gut zu ihm gepaßt - nicht zuletzt wegen des Titels, der als Beschreibung des von ihm zumeist verkörperten Typus gelten könnte. Clint Eastwood ist 75: Glück und Gesundheit!

 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma