Dashiell Hammett, 1894 geboren, hatte sich von 1908 bis 1914 mit verschiedensten Jobs durchgeschlagen, ehe er Detektiv bei Pinkerton's wurde und bis etwa 1921 blieb. Zu der Zeit lebte er in San Francisco und begann neben neuerlichen Jobs zu schreiben. Die Veröffentlichungen seiner Geschichten ab 1923 (vornehmlich in Black Mask) ermöglichten ihm allmählich, ganz vom Schreiben zu leben. Berichtigung zu Teil I und II: auch seine ersten beiden Romane erschienen zunächst in Episodenform im Black Mask Magazin. Es folgten drei weitere Kurzgeschichten mit dem namenlosen Detektiv.
Der Malteser Falke (1930)
Dieser, sein dritter Roman machte ihn berühmt und wurde 1941 von John Huston verfilmt. Und hier meine Besprechung des Buches. Mit seinen langen Dialogen kommt der Roman einem Theaterstück nahe.
Der gläserne Schlüssel (1931)
Ned Beaumont leerte sein Seidel und ließ die Vorderbeine seines Stuhls auf den Boden kommen. "Ich hab dir ja gesagt, es hätte keinen Zweck", sagte er. "Mach's halt auf deine Tour. Bleib bei der Ansicht, daß, was für die Fifth Avenue gut genug war, auch überall sonst gut genug ist."
In Madvigs Stimme war etwas von Groll und etwas von Unterwürfigkeit, als er fragte: "Als Politiker bin ich für dich keine sehr imponierende Erscheinung, Ned, was?"
Jetzt wurde Ned Beaumonts Gesicht rot. Er sagte: "Das habe ich nicht gesagt, Paul."
"Aber darauf läuft es hinaus, oder?" beharrte Madvig.
"Nein, aber ich meine, du hast dich diesmal reinlegen lassen. Zuerst läßt du dich von den Henrys beschwatzen, den Senator zu unterstützen. Dabei hattest du grad da die Chance, einen Feind, der schon in der Ecke war, endgültig zu erledigen, aber leider hatte dieser Feind zufällig eine Tochter und eine gesellschaftliche Position und was weiß ich was sonst noch, und darum bist du - "
"Schluß, Ned", knurrte Madvig.
Aus Ned Beaumonts Gesicht wich jeder Ausdruck. Er stand auf und sagte, "Tja, ich muß mich dann auf die Socken machen", und wandte sich zur Tür.
Im Kern geht es um die zerfallende Freundschaft zweier Männer und um eine beginnende Liebe. Doch die Geschichte beginnt mit einem Mord - oder war es ein Unfall? In der kleinen Stadt stehen Wahlen bevor und zwei Interessengruppen konkurrieren um die fette Beute der Ämter und korrupten Geschäfte. Es ist eine Art Rückkehr nach dem Peaceville aus "Rote Ernte", aber auf höherem Niveau. Hammetts Kunstgriff ist es, eine intelligente und integre Gestalt - Ned Beaumont - in eine der beiden Gruppen zu setzen und die Zustände von innen zu schildern.
Der gläserne Schlüssel der Freundschaft ist das Vertrauen, und er zerbricht; zerbricht ebenfalls im Traum der Tochter des Senators, mit der Beaumont in eine ungewisse Zukunft nach New York aufbricht. Sein vierter Roman erzählt auch von Hammetts romantischen Sehnsüchten und seinen Hoffnungen. Er ist nach Hollywood gezogen und lernt dort Lillian Hellman kennen, mit der er bis zu seinem Tode 1961 zusammenbleibt.
(wird fortgesetzt)
Der Malteser Falke (1930)
Dieser, sein dritter Roman machte ihn berühmt und wurde 1941 von John Huston verfilmt. Und hier meine Besprechung des Buches. Mit seinen langen Dialogen kommt der Roman einem Theaterstück nahe.
Der gläserne Schlüssel (1931)
Ned Beaumont leerte sein Seidel und ließ die Vorderbeine seines Stuhls auf den Boden kommen. "Ich hab dir ja gesagt, es hätte keinen Zweck", sagte er. "Mach's halt auf deine Tour. Bleib bei der Ansicht, daß, was für die Fifth Avenue gut genug war, auch überall sonst gut genug ist."
In Madvigs Stimme war etwas von Groll und etwas von Unterwürfigkeit, als er fragte: "Als Politiker bin ich für dich keine sehr imponierende Erscheinung, Ned, was?"
Jetzt wurde Ned Beaumonts Gesicht rot. Er sagte: "Das habe ich nicht gesagt, Paul."
"Aber darauf läuft es hinaus, oder?" beharrte Madvig.
"Nein, aber ich meine, du hast dich diesmal reinlegen lassen. Zuerst läßt du dich von den Henrys beschwatzen, den Senator zu unterstützen. Dabei hattest du grad da die Chance, einen Feind, der schon in der Ecke war, endgültig zu erledigen, aber leider hatte dieser Feind zufällig eine Tochter und eine gesellschaftliche Position und was weiß ich was sonst noch, und darum bist du - "
"Schluß, Ned", knurrte Madvig.
Aus Ned Beaumonts Gesicht wich jeder Ausdruck. Er stand auf und sagte, "Tja, ich muß mich dann auf die Socken machen", und wandte sich zur Tür.
Im Kern geht es um die zerfallende Freundschaft zweier Männer und um eine beginnende Liebe. Doch die Geschichte beginnt mit einem Mord - oder war es ein Unfall? In der kleinen Stadt stehen Wahlen bevor und zwei Interessengruppen konkurrieren um die fette Beute der Ämter und korrupten Geschäfte. Es ist eine Art Rückkehr nach dem Peaceville aus "Rote Ernte", aber auf höherem Niveau. Hammetts Kunstgriff ist es, eine intelligente und integre Gestalt - Ned Beaumont - in eine der beiden Gruppen zu setzen und die Zustände von innen zu schildern.
Der gläserne Schlüssel der Freundschaft ist das Vertrauen, und er zerbricht; zerbricht ebenfalls im Traum der Tochter des Senators, mit der Beaumont in eine ungewisse Zukunft nach New York aufbricht. Sein vierter Roman erzählt auch von Hammetts romantischen Sehnsüchten und seinen Hoffnungen. Er ist nach Hollywood gezogen und lernt dort Lillian Hellman kennen, mit der er bis zu seinem Tode 1961 zusammenbleibt.
(wird fortgesetzt)
Dicki - am So, 15. August 2004, 21:35 - Rubrik: Musik und so weiter
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
In den ersten Stunden nach der Veröffentlichung wird der twoday-server am Rande des Nervenzusammenbruchs gewesen sein: so viele Leser wollten - mußten! - an der Wahl teilnehmen. Dank an alle, die mit ihrer Stimme Zeugnis von Volkes Wille gegeben haben; eine Bitte um Entschuldigung an jene, die sich durch eine Paßwort-Abfrage verschreckt fühlten. Speziell für letztere sei deshalb die "Poll" wörtlich wiedergegeben:
Nachbesserungen an Hartz IV
+ nicht numerieren, Buchstaben verwenden
+ bunte Hartz-Luftballons verteilen
+ als real-soap-sitcom-talk-camp "I Hartz you sofort" ins TV
Eine kleine, elitäre Minderheit von 25% wünscht, daß die Hartz-Gesetze nicht durchnumeriert, sondern durchbuchstabiert werden. 75% jedoch - und selten ist ein Votum überzeugender ausgefallen - begehren bunte Hartz-Luftballons. Hartz im Fernsehen dagegen scheint nun wirklich niemand zu wollen. Also Gerd, Münti, Uwe (wie hieß der gleich?): wenn ihr Hartz nachbessern wollt, dann bitte mit bunten Luftballons für alle Bedürftigen!
Nachbesserungen an Hartz IV
+ nicht numerieren, Buchstaben verwenden
+ bunte Hartz-Luftballons verteilen
+ als real-soap-sitcom-talk-camp "I Hartz you sofort" ins TV
Eine kleine, elitäre Minderheit von 25% wünscht, daß die Hartz-Gesetze nicht durchnumeriert, sondern durchbuchstabiert werden. 75% jedoch - und selten ist ein Votum überzeugender ausgefallen - begehren bunte Hartz-Luftballons. Hartz im Fernsehen dagegen scheint nun wirklich niemand zu wollen. Also Gerd, Münti, Uwe (wie hieß der gleich?): wenn ihr Hartz nachbessern wollt, dann bitte mit bunten Luftballons für alle Bedürftigen!
Dicki - am Sa, 14. August 2004, 23:53 - Rubrik: zickezacke
Motivation
Sonnabend wird meine in Köln lebende Schwester in Bremen sein und ich freue mich auf das Wiedersehen mit ihr. In der Erwartung ihres Besuchs fiel mir ein buntbebildertes Kinderbuch ein, dessen erste Zeilen ich noch auswendig wußte. Also flugs via Internet den kompletten Text besorgt.
Die Ballade
Wie war zu Köln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn war man faul, man legte sich
hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
eh' man's gedacht
die Männlein und schwärmten
und klappten und lärmten,
und rupften und zupften,
und hüpften und trabten,
und putzten und schabten,
und eh' ein Faulpelz noch erwacht,
war all sein Tagewerk - bereits gemacht!
Natürlich, es handelt sich um Die Heinzelmännchen zu Köln von August Kopisch, einem schlesichen Dichter, der von 1799 bis 1853 lebte und die zu analysierende Ballade 1836 veröffentlichte. Die erste Strophe habe ich vollständig zitiert, die nächsten fünf fasse ich kurz zusammen: die Zimmerleute waren zu faul, ein Haus zu bauen, der Bäcker hatte keine Lust, Brot zu backen, der Fleischer mochte das Schwein nicht verwursten, beim Küfer sank man weinselig in Schlummer, der Schneider dachte gar nicht daran, den Rock für einen Staatsmann zu nähen. Ja, wenn die Heinzelmännchen nicht gewesen wären! Ausführlich berichtet der Dichter von ihren Verrichtungen, derer nicht wenige waren. Die siebte Strophe erzählt, wie die Neugier der Schneidersfrau die Heinzelmännchen vertrieb. Und so endet die Ballade:
Oh weh, nun sind sie alle fort,
und keines ist mehr hier am Ort:
man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
man muß nun selber alles tun.
Ein jeder muß fein
selbst fleißig sein
und kratzen und schaben
und rennen und traben
und schniegeln und bügeln
und klopfen und hacken
und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär'!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her.
Kopisch und seine Zeit
Dies Werk von Kopisch ist von großer prophetischer Weitsicht, wenn man es nur richtig zu lesen versteht. Dazu muß man wissen, daß die industrielle Revolution noch nicht begonnen hatte; große Fabriken und Anlagen, Hochhäuser und Bürogebäude, moderne Verkehrs- und Kommunikationmittel, Fast Food und Klingeltöne gab es damals noch nicht. Allenfalls Manufakturen als Vorläufer der Industrie setzten dem Handwerk zu. Für Kopisch und seine Zeitgenossen galt noch: wer nicht durch seiner Hände Arbeit etwas schafft - sei es in Handwerk, Haushalt oder Kunst - ist ein Faulenzer. Deutlich gesagt, Kopisch gebrauchte Bilder, die seine Zeitgenossen verstehen konnten, um etwas auszudrücken, das er selbst wohl nicht völlig verstanden hatte, wie das oft bei Visionen so ist.
Und eine Vision oder Eingebung oder Erleuchtung hatte er; sie zeigte ihm eine Zukunft, die auch für uns noch Zukunft ist; solch eine Vision hatte er. Das erklärt sich aus der Bugwelle der Zeit, welche die Zukunft vor sich herschiebt, und so können besonders empfängliche Menschen eben weit vorausschauen, wie längst wissenschaftlich belegt wurde.
Analyse
Führen wir uns noch einmal die Ausgangssituation vor Augen. Die Produktionsmittelbesitzer (früher auch Kapitalisten, heute Manager) haben gar keine Lust, selbst zu produzieren, sie sind die Faulpelze. Das Herstellen besorgen die als Heinzelmännchen verbildlichten Volksmassen. Sie rackern und schuften zum Wohle der Herren und bleiben anonym. Die Früchte ihrer Arbeit erntet die herrschende Klasse. Für uns im nachmarxistischen Europa nichts Besonderes, aber damals schon beachtlich.
Doch nun kommt's: sobald die anonymen Massen als Menschen wahrgenommen werden (bei Kopisch durch die Neugier der Schneidersfrau ausgedrückt), verflüchtigt sich der Spuk der Ausbeutung und die Herren müssen wieder selbst einer schaffenden Tätigkeit nachgehen. Darin liegt die Aktualität und die Sprengkraft der Kopisch'schen Vision.
Sonnabend wird meine in Köln lebende Schwester in Bremen sein und ich freue mich auf das Wiedersehen mit ihr. In der Erwartung ihres Besuchs fiel mir ein buntbebildertes Kinderbuch ein, dessen erste Zeilen ich noch auswendig wußte. Also flugs via Internet den kompletten Text besorgt.
Die Ballade
Wie war zu Köln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn war man faul, man legte sich
hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
eh' man's gedacht
die Männlein und schwärmten
und klappten und lärmten,
und rupften und zupften,
und hüpften und trabten,
und putzten und schabten,
und eh' ein Faulpelz noch erwacht,
war all sein Tagewerk - bereits gemacht!
Natürlich, es handelt sich um Die Heinzelmännchen zu Köln von August Kopisch, einem schlesichen Dichter, der von 1799 bis 1853 lebte und die zu analysierende Ballade 1836 veröffentlichte. Die erste Strophe habe ich vollständig zitiert, die nächsten fünf fasse ich kurz zusammen: die Zimmerleute waren zu faul, ein Haus zu bauen, der Bäcker hatte keine Lust, Brot zu backen, der Fleischer mochte das Schwein nicht verwursten, beim Küfer sank man weinselig in Schlummer, der Schneider dachte gar nicht daran, den Rock für einen Staatsmann zu nähen. Ja, wenn die Heinzelmännchen nicht gewesen wären! Ausführlich berichtet der Dichter von ihren Verrichtungen, derer nicht wenige waren. Die siebte Strophe erzählt, wie die Neugier der Schneidersfrau die Heinzelmännchen vertrieb. Und so endet die Ballade:
Oh weh, nun sind sie alle fort,
und keines ist mehr hier am Ort:
man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
man muß nun selber alles tun.
Ein jeder muß fein
selbst fleißig sein
und kratzen und schaben
und rennen und traben
und schniegeln und bügeln
und klopfen und hacken
und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär'!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her.
Kopisch und seine Zeit
Dies Werk von Kopisch ist von großer prophetischer Weitsicht, wenn man es nur richtig zu lesen versteht. Dazu muß man wissen, daß die industrielle Revolution noch nicht begonnen hatte; große Fabriken und Anlagen, Hochhäuser und Bürogebäude, moderne Verkehrs- und Kommunikationmittel, Fast Food und Klingeltöne gab es damals noch nicht. Allenfalls Manufakturen als Vorläufer der Industrie setzten dem Handwerk zu. Für Kopisch und seine Zeitgenossen galt noch: wer nicht durch seiner Hände Arbeit etwas schafft - sei es in Handwerk, Haushalt oder Kunst - ist ein Faulenzer. Deutlich gesagt, Kopisch gebrauchte Bilder, die seine Zeitgenossen verstehen konnten, um etwas auszudrücken, das er selbst wohl nicht völlig verstanden hatte, wie das oft bei Visionen so ist.
Und eine Vision oder Eingebung oder Erleuchtung hatte er; sie zeigte ihm eine Zukunft, die auch für uns noch Zukunft ist; solch eine Vision hatte er. Das erklärt sich aus der Bugwelle der Zeit, welche die Zukunft vor sich herschiebt, und so können besonders empfängliche Menschen eben weit vorausschauen, wie längst wissenschaftlich belegt wurde.
Analyse
Führen wir uns noch einmal die Ausgangssituation vor Augen. Die Produktionsmittelbesitzer (früher auch Kapitalisten, heute Manager) haben gar keine Lust, selbst zu produzieren, sie sind die Faulpelze. Das Herstellen besorgen die als Heinzelmännchen verbildlichten Volksmassen. Sie rackern und schuften zum Wohle der Herren und bleiben anonym. Die Früchte ihrer Arbeit erntet die herrschende Klasse. Für uns im nachmarxistischen Europa nichts Besonderes, aber damals schon beachtlich.
Doch nun kommt's: sobald die anonymen Massen als Menschen wahrgenommen werden (bei Kopisch durch die Neugier der Schneidersfrau ausgedrückt), verflüchtigt sich der Spuk der Ausbeutung und die Herren müssen wieder selbst einer schaffenden Tätigkeit nachgehen. Darin liegt die Aktualität und die Sprengkraft der Kopisch'schen Vision.
Dicki - am Fr, 13. August 2004, 22:57 - Rubrik: zickezacke
So. Jetzt sind alle unzufrieden mit Hartz. Aber wer fragt uns schon nach Änderungen. Dabei ist es doch so einfach, "nachzubessern". Anbei meine Vorschläge. Ihr, wertgeschätzte Leser, dürft die beste Nachbesserung auswählen. Das nennt man Demokatie, und das hat all die Jahre bestens funktioniert.
Nachbesserungen an Hartz IV
20% (1 vote)
nicht nummerieren, Buchstaben verwenden 80% (4 votes)
bunte Hartz-Luftballons verteilen
Nachbesserungen an Hartz IV
nicht nummerieren, Buchstaben verwenden
bunte Hartz-Luftballons verteilen
0% (0 votes)
als real-soap-sitcom-talk-camp "I Hartz you sofort" ins TV
Total: 100% (5 votes)
Created by Dicki on 12. Aug, 23:00.
This poll was closed on 11. Okt, 20:02.
This poll was closed on 11. Okt, 20:02.
Dicki - am Do, 12. August 2004, 23:09 - Rubrik: zickezacke
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Mit zwei längeren Geschichten, auf je zwei kürzere verteilt, steuerte Hammett bereits Buchlänge an; der Schritt zum Roman war nicht mehr weit. Material für seinen Detektiv bei Continental's hatte er auch noch. Innerhalb eines Jahres - 1929 - erschienen seine ersten beiden Romane; der erste eine wüste Abenteuergeschichte, der zweite teils Aufbruch zu größeren Themen, teils Nachlese der Kurzgeschichten.
Rote Ernte
Cooper war ein schlapper Sack. Er ließ ein paar weite Schwinger los, die vielleicht weh getan hätten, wenn sie angekommen wären, aber jeder mit zwei Füßen konnte sie sich mühelos vom Leibe halten. Bush hatte Format - flinke Beinarbeit, eine glatte, scharfe Linke und eine Rechte, die schnell vorschoß. Es wäre glatter Mord gewesen, Cooper mit dem schlanken Jungen in den Ring zu lassen, wenn er sich nur Mühe gegeben hätte. Aber er versuchte es gar nicht erst. Das heißt, er wollte einfach nicht gewinnen. Er wollte verlieren und hatte damit alle Hände voll zu tun.
Dies ist der Tonfall der Erzählung, leicht, mit originellen Wendungen, schnoddrig, ein wenig zynisch. Das Städtchen Peaceville (meist verächtlich Pissville genannt) wird in einer beispiellosen Folge von Intrigen und Verbrechen ihrer Peiniger entledigt. Der Detektiv hetzt alle gegeneinander auf, die sich ein Stück vom großen Kuchen gesichert hatten - vier Gangsterbosse und einen Minenbesitzer. Hammett ist klar, daß er seinen Helden nicht nur von den Regeln der Agentur und vom Gesetz entfernt, sondern ihm auch eine gefährliche Privatmoral zubilligt. Also läßt er den Detektiv feststellen, daß dieses Peaceville ihn verändert und in eine Art Blutrausch versetzt hat.
Mir gefällt unter anderem, daß die Gangster Würde und Berufsethos haben, und daß der Detektiv eine Trinkfreundschaft mit der Edelkokotte Peacevilles pflegt. "Rote Ernte" ist der spektakuläre Höhepunkt der Geschichten um den namenlosen Detektiv bei Continental's.
Der Fluch des Hauses Dain
"Was ist denn nicht in Ordnung?" fragte ich in einem Ton, der zur Vertraulichkeit einladen sollte.
Er sah mich scharf an, klopfte mit dem Kneifer auf seinen linken Daumennagel und sagte: "Was bicht in Ordnung ist, gehört, soweit ich sehe, ganz in mein Gebiet. Ich wüßte nicht, daß sonst noch etwas nicht in Ordnung wäre." Er gab mir wieder die Hand. "Sie werden Ihre Rolle ziemlich langweilig finden, hoff ich."
"Und Ihre Rolle, die ist nicht langweilig?" wollte ich ihn zum Reden bringen.
Schon im Begriff, sich von mir abzuwenden und zur Tür zu gehen, hielt er inne, runzelte die Brauen, klopfte wieder mit dem Kneifer auf den Daumennagel und sagte: "Nein, das ist sie nicht." Er zögerte, als müßte er sich erst entschließen, ob er noch etwas sagen wollte, entschied, es nicht zutun, und ging zur Tür.
"Ich habe ein Recht zu wissen, was Sie ehrlich darüber denken", sagte ich.
Wieder sah er mich scharf an. "Ich weiß nicht, was ich ehrlich darüber denke." Eine Pause. "Ich bin nicht zufrieden." Er sah nicht zufrieden aus. "Ich schau heut abend noch mal rein."
Er ging hinaus und machte die Tür zu. Gleich darauf ging die Tür wieder auf, er sagte: "Miss Leggett ist schwer krank", machte die Tür wieder zu und ging fort.
"Das kann ja heiter werden", brummte ich vor mich hin, setzte mich an ein Fenster und rauchte eine Zigarette.
Ich habe den Verdacht, daß Hammett dies als seinen ersten Roman herausbringen wollte; die strikte Dreiteilung der Geschichte spricht dafür. Episode 1: ein vorgetäuschter Raub, mehrere Morde, einer als Selbstmord getarnt, die Enthüllung einer düsteren Familiengeschichte. Episode2: Morde in den Räumen einer kalifornischen Sekte. Episode3: weitere Morde, ein "locked room"-Rätsel, und schließlich die Aufklärung des gesamten Falles und des Fluchs.
Hammett will die Kriminalstory nicht mehr in den Vordergrund stellen, sondern mehr über Menschen, über Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Versuchung schreiben. Der Detektiv bei Continental's ist dafür nicht die geeignete Figur und tritt hier zum letzten Mal auf.
(wird fortgesetzt)
Rote Ernte
Cooper war ein schlapper Sack. Er ließ ein paar weite Schwinger los, die vielleicht weh getan hätten, wenn sie angekommen wären, aber jeder mit zwei Füßen konnte sie sich mühelos vom Leibe halten. Bush hatte Format - flinke Beinarbeit, eine glatte, scharfe Linke und eine Rechte, die schnell vorschoß. Es wäre glatter Mord gewesen, Cooper mit dem schlanken Jungen in den Ring zu lassen, wenn er sich nur Mühe gegeben hätte. Aber er versuchte es gar nicht erst. Das heißt, er wollte einfach nicht gewinnen. Er wollte verlieren und hatte damit alle Hände voll zu tun.
Dies ist der Tonfall der Erzählung, leicht, mit originellen Wendungen, schnoddrig, ein wenig zynisch. Das Städtchen Peaceville (meist verächtlich Pissville genannt) wird in einer beispiellosen Folge von Intrigen und Verbrechen ihrer Peiniger entledigt. Der Detektiv hetzt alle gegeneinander auf, die sich ein Stück vom großen Kuchen gesichert hatten - vier Gangsterbosse und einen Minenbesitzer. Hammett ist klar, daß er seinen Helden nicht nur von den Regeln der Agentur und vom Gesetz entfernt, sondern ihm auch eine gefährliche Privatmoral zubilligt. Also läßt er den Detektiv feststellen, daß dieses Peaceville ihn verändert und in eine Art Blutrausch versetzt hat.
Mir gefällt unter anderem, daß die Gangster Würde und Berufsethos haben, und daß der Detektiv eine Trinkfreundschaft mit der Edelkokotte Peacevilles pflegt. "Rote Ernte" ist der spektakuläre Höhepunkt der Geschichten um den namenlosen Detektiv bei Continental's.
Der Fluch des Hauses Dain
"Was ist denn nicht in Ordnung?" fragte ich in einem Ton, der zur Vertraulichkeit einladen sollte.
Er sah mich scharf an, klopfte mit dem Kneifer auf seinen linken Daumennagel und sagte: "Was bicht in Ordnung ist, gehört, soweit ich sehe, ganz in mein Gebiet. Ich wüßte nicht, daß sonst noch etwas nicht in Ordnung wäre." Er gab mir wieder die Hand. "Sie werden Ihre Rolle ziemlich langweilig finden, hoff ich."
"Und Ihre Rolle, die ist nicht langweilig?" wollte ich ihn zum Reden bringen.
Schon im Begriff, sich von mir abzuwenden und zur Tür zu gehen, hielt er inne, runzelte die Brauen, klopfte wieder mit dem Kneifer auf den Daumennagel und sagte: "Nein, das ist sie nicht." Er zögerte, als müßte er sich erst entschließen, ob er noch etwas sagen wollte, entschied, es nicht zutun, und ging zur Tür.
"Ich habe ein Recht zu wissen, was Sie ehrlich darüber denken", sagte ich.
Wieder sah er mich scharf an. "Ich weiß nicht, was ich ehrlich darüber denke." Eine Pause. "Ich bin nicht zufrieden." Er sah nicht zufrieden aus. "Ich schau heut abend noch mal rein."
Er ging hinaus und machte die Tür zu. Gleich darauf ging die Tür wieder auf, er sagte: "Miss Leggett ist schwer krank", machte die Tür wieder zu und ging fort.
"Das kann ja heiter werden", brummte ich vor mich hin, setzte mich an ein Fenster und rauchte eine Zigarette.
Ich habe den Verdacht, daß Hammett dies als seinen ersten Roman herausbringen wollte; die strikte Dreiteilung der Geschichte spricht dafür. Episode 1: ein vorgetäuschter Raub, mehrere Morde, einer als Selbstmord getarnt, die Enthüllung einer düsteren Familiengeschichte. Episode2: Morde in den Räumen einer kalifornischen Sekte. Episode3: weitere Morde, ein "locked room"-Rätsel, und schließlich die Aufklärung des gesamten Falles und des Fluchs.
Hammett will die Kriminalstory nicht mehr in den Vordergrund stellen, sondern mehr über Menschen, über Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Versuchung schreiben. Der Detektiv bei Continental's ist dafür nicht die geeignete Figur und tritt hier zum letzten Mal auf.
(wird fortgesetzt)
Dicki - am Mi, 11. August 2004, 20:06 - Rubrik: Musik und so weiter
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen