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Sie findet auch weder in diesem Artikel noch in den darin beschriebenen Vorgängen statt, da alle Beteiligten - inklusive des "Spinners" - Gegner von Zensur sind. Auch handelt es sich bei einigen Passagen nicht um Unterstellungen im Stile des Stürmer, da der Autor ein Gegner des Stürmer-Stils ist.

Vor allem Lastwagen kamen ins Schleudern, stellten sich quer und verursachten Kilometer lange Staus. Wohl, weil sie keine Winterreifen draufhatten. Egal, beim Lesen kam auch ich ins Schleudern und stellte mich quer. Ist Abhilfe in Sicht? "Lediglich die Formulierung wird präziser gefasst." Nee, Moment mal, hier geht es um den Sinn! - Ach so, die Straßenverkehrsordnung ist gemeint. Na, dann weiterhin angenehmes Ausrutschen.

inklusive der Dänen - da nehme ich es mal nicht so genau - scheinen hübsch altmodische Völkchen zu sein. Die arbeitende Bevölkerung ist gut versichert und stürzt nicht gleich in Armut und Hoffnungslosigkeit, wenn es mal Entlassungen gibt - obwohl das doch gar nicht mehr bezahlbar ist -, es wird immer noch Vollbeschäftigung angestrebt - obwohl es die doch gar nicht mehr geben kann -, und überhaupt lebt man dort zusammen und sorgt füreinander - obwohl dadurch die Wirtschaft nie auf einen grünen Zweig kommen kann. Und trotzdem kriegen die das alles finanziert. Ob Solidarität vielleicht doch eine Frage des (politischen) Willens ist und nicht des - angeblich - leeren Portemonnaies? Obendrein haben sie auch noch Demokratie und Freiheit, da kommt man schon ins Grübeln.

Der SpOn-Chefredakteur Malzahn, so ein richtig Linker, von der alternativen taz zum neoliberalen Spiegel langmarschiert, schreibt hier, daß der Irak zwar aus den falschen Gründen von den USA angegriffen und besetzt wurde, aber da die Truppen nun schon einmal da sind ... und die Demokratie zaghaft keimt (auch wenn man Wähler mit dem Versprechen auf Extrarationen an die Urnen locken mußte) ... sollten die da nicht noch ein wenig länger bleiben, wäre das nicht besser? Und überhaupt, der Hitler wurde ja auch nicht mit Sitzblockaden vor dem Führerhauptquartier besiegt (aber von verblendeten Redakteuren bis zuletzt gestützt).

Das sind so diese Gegenwartslügen. Hussein gleich Hitler? Malzahn sagt selbst, daß es keine Massenvernichtungswaffen gab, und das heißt: kein Programm zum Bau von Atombomben, keine biologischen und chemischen Waffen (es sei denn Altbestände von Lieferungen made in USA). Dazu die genaue und aggressive Luftraumüberwachung, dazu Satellitenaufklärung: unter solchen Umständen ist ein Überfall auf Nachbarstaaten schlecht möglich. Wo also war da eine Bedrohung für die Welt? Ah, der Hussein hat sein Volk benutzt, manipuliert und unterdrückt. Da mußte man von außen eingreifen, scheiß auf das Völkerrecht!

Deshalb meine Bitte an die Skandinavier inklusive der Dänen: fallt bei uns ein, besetzt uns und verhaftet die Regierungen und ihre Helfer. In all diesen neoliberal verseuchten Staaten! Helft uns, endlich wieder menschliche Zustände in diesem Land und in den anderen Ländern zu schaffen. Und vergeßt nicht, dem Malzahn einen schönen Schauprozeß zu machen. Befreit uns von den Benutzern, Manipulierern und Unterdrückern!

Falls ihr euch nicht traut, weil ihr das Völkerrecht nicht verletzen wollt, oder weil ihr meint, eure Armeen seien nicht stark genug, dann schickt uns doch wenigstens Hilfspakete. Oh, by the way: Es gibt da so einen zauberhaften Ziegenkäse aus Hardanger ...

Wenn vor 300 Jahren ein Priester angekündigt hätte, er werde auf dem Marktplatz irgendeines Städtchens einen öffentlichen Exorzismus an einem Mitglied der Gemeinde vornehmen, wären die Leute zuhauf herangeströmt, um sich diese Sensation nicht entgehen zu lassen. Der Priester hätte sein Brimborium vollzogen und sich aus dem Mund des Besessenen bestätigen lassen, daß der Dämon nun ausgetrieben sei. Und gewiß hätten einige Zuschauer diesen Dämon sogar zu sehen vermeint. Darüber können wir Heutigen doch bloß Lächeln. Da sollte mal ein Pfaffe auf unseren Marktplatz kommen; die Leue würden soetwas von wegbleiben, daß die Leere mit Händen greifbar schiene.

Wird der Exorzismus jedoch im Fernsehen gezeigt, sind die Einschaltquoten sehr zufriedenstellend. Erstaunlich? Aber wieso denn, wir Heutigen sind es doch gewohnt, aus dem TV-Gerät alles Wissenswerte über das Leben zu erfahren. Der bewußte Sender - Channel 4 in England - bringt derzeit eine mehrteilige Sendung zum Thema "Ist Folter eigentlich eine gute Idee?" Um diese schwer zu beantwortende Frage wissenschaftlich zu durchleuchten, wurden mehrere Freiwillige für 48 Stunden in ein Lagerhaus gesperrt und Schikanen wie Schlafentzug, extremen Temperaturwechseln und Psychoterror ausgesetzt. 48 Stunden? Freiwillig? Aha, das ist ja wirklich haargenauso wie in Guantanamo Bay. Das Programm hat übrigens den Anspruch, gegen Folter zu sein und - natürlich - aufklärend zu wirken. Die Einschaltquoten werden mit Sicherheit großartig sein.

Daraus lernen wir, daß die Nazis ihre Vernichtungslager schlecht vermarktet haben. Kein Wunder, daß ihr Regime und dessen Symbole noch sechs Jahrzehnte später den Leuten ein Greuel sind. Ihre Methoden aber sind international anerkannt. Hätten sie damals doch bloß ein paar Kameras in die Duschräume gestellt und täglich zur besten Sendezeit gefragt: wer wird überleben? Und danach ein Interview mit dem Gewinner: wie fühlen sie sich, haben sie überhaupt schon realisiert, was geschehen ist? Aber nein, sie waren Banausen, nicht tauglich für die Moderne und deren Freiheiten. Und immer diese Uniformen und das Gebrüll! Nix Lust4Life.

sagte Martin Held völlig indigniert in einem dieser Edgar-Wallace-Filme, als trotz Polizeischutz wieder ein Mord passiert war. Manchmal liest man ein Buch, sieht einen Film, hört eine Platte nur wegen einer kurzen Stelle. Im "Odysseus" will leider keine solche Stelle auftauchen, also habe ich die Lektüre vorläufig eingestellt und mir wieder "Die wilden Jahre in Berlin" vorgenommen, die zwanziger Jahre aus Frauensicht. Die avantgardistische Tänzerin Valeska Gert war verheiratet, hatte ganz offiziell einen Liebhaber namens Wäscher und verliebte sich in den Regisseur Eisenstein:

Er wollte alle gewöhnlichen und ungewöhnlichen Lokale sehen. Manchmal mußte ich draußen bleiben, weil nur Männer eingelassen wurden, aber er blieb immer nur Minuten drin. Ich war gelähmt vor Leidenschaft zu ihm und konnte in seiner Gegenwart kaum sprechen. Ihm ging es ebenso. Manchmal lag er in meinem Arm auf der Couch, wir waren stumm und konnten vor Lähmung nichts tun. Mein Mann sagte: Da ist es mir schon lieber, du schläfst mit dem Wäscher.

Das Wort "sparen" kann ich nicht mehr hören, obwohl es eine feine Sache ist, wenn man es ernst nimmt. Tönt jedoch heute aus offiziellem Munde "Sparen!", dann greife ich instinktiv zum Portemonnaie und sehe nach, ob noch alles drin ist. Denn "Sparen!" ist nur eine Chiffre für "Nehmt den Bürgern soviel wie möglich ab und stopft es in die Wirtschaft!" - auch als Hundt'scher Imperativ bekannt.

Aber wie wäre es damit: alle Noch- und Nichtmehr-Parlamentarier, -Minister, -Senatoren und -Staatssekretäre, die einen (Neben)Erwerb haben (der trotz "neben" eben doch ihr Wirken definiert), verlieren sämtliche Einkünfte aus der Staatskasse inklusive Pensionsansprüche; sie werden auch sogleich aus ihren Ämtern entfernt. Überhaupt genügt es völlig, wenn je ein Vertreter jeder Partei mit den anderen zusammenhockt (und ob sie die NPD dabeihaben wollen, können sie dann selbst entscheiden). Wer das Geschwätz unbedingt miterleben will, muß 50 Euro Eintritt zahlen.

Fähige Betriebswirte lassen wir aus Indien einfliegen, denn die kosten maximal 110.000 Euro jährlich und keine 11.000.000. Unsere einheimischen Manager können ein anständiges Leben ohne Arbeit von 345 Euro monatlich führen; die Miete wird bei angemessenem Wohnraum aus Steuermitteln bezahlt. Wer aus dieser Gruppe der Meinung ist, das sei zuviel, bekommt weniger, da wollen wir großzügig sein und individuelle Wünsche berücksichtigen.

So macht Sparen Spaß, so hat Sparen wieder einen Sinn.

 

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