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Schneeglöckchen:
Veilchen und Krokus.
Gänseblümchen:
Hyazinth, Tulipan.

Pfingstrose, Kuhschelle, Goldregen,
Goldlack, Lupine und Akelei.

Tausendschönchen:
Frauenschuh, Liebstöckel, Klatschmohn,
Knabenkraut, Rittersporn, Männertreu,
Jelängerjelieber ...
Vergißmeinnicht, Tränendes Herz.

Narziß und Mimose:
Gemeiner Löwenzahn.
Kriechender Günsel.

Ich fand immer Freddie Mercury klasse, der hat einfach alles ausgelebt; ob Fummel oder Netzhemd, der hatte eine unglaubliche Präsenz. Ich selbst steh nicht auf Fummel; ich bin ein Kerl, aber ein ganz netter. Deshalb akzeptiert Werner mich auch, obwohl ich doch eher ein loser Geselle bin. Als ich ihn damals ins Kino mitgeschleppt habe, in den Film über Charlotte von Mahlsdorf, war er erst mißtrauisch, aber dann ist bei ihm der Groschen gefallen, daß ich um seine Freundschaft werbe, und sonst nichts. Die meisten Leute meinen, wir haben was miteinander, aber die sind bloß stumpf, wir verstehen uns einfach gut.

Werner hat selten Lust auf one-night-stands, ich schon, aber auch nicht immer. Ein Teil der Szene ist ja richtig sexsüchtig und schwänzelt dauernd im Park, in der Sauna, in dark-rooms, Pornokinos oder Klappen rum. Ich denk mir, das ersetzt ihnen die eigene Identität; Schwanz statt Persönlichkeit. Nee, das ist bestimmt kein heiteres Dasein. Aber gelegentlich die Nacht mit jemandem teilen, der mir symphatisch ist, das genieße ich. Und mir sind viele symphatisch, hahaha.

An dem bewußten Abend wollten Werner und ich mal in einen Schuppen, den wir noch nicht kannten. Wir waren kaum drinnen, da sah ich einen Typ an der Theke und dachte sofort: das ist einer für Schwester Werner. Er hatte den ja auch gleich gesehen, den Martin, und gab mir Zeichen. Ich mich also zu Martins Begleiterin gesetzt, so ein richtiger Feger in Leopard, und gefragt: "Haben Sie heute schon etwas vor, schöne Frau?", mit diesem übertriebenen Säuseln und so weiter, daß sie gleich kapierte, wer und wie ich bin. Das war schön, als sich herausstellte, daß sie mir in Bezug auf Männer und gemeinsame Nächte ganz ähnlich ist.

Wir plauderten also über unsere kleinen Geheimnisse und ich hatte Werner und Martin genau im Blickfeld, da ging ja wohl ganz schön was ab zwischen den Beiden. Ich war schon gespannt, wie Gerda reagiert, hab aber nichts weiter gesagt. Dann drehte sie sich mal halb zu Martin rum und hat sofort gemerkt, daß da was im Busche ist. Erst hat sie gefragt, ob Werner mein Liebhaber sei, was ich natürlich verneinte. Weshalb sie das fragte. "Die beiden Jungs sehen ziemlich verliebt aus, wenn du mich fragst." - "Also, ist denn das die Möglichkeit!" Ich mußte den Empörten spielen. Aber dann hab ich ihr gebeichtet, daß Werner sich nicht ohne Absicht neben Martin gesetzt hat.

Sie hat sofort geschaltet - das war eine köstliche Verschwörung, ich steh auf Gerda! - und wir sind turtelnd raus, damit die beiden freie Bahn haben. "Martin fühlt sich nämlich immer für mich verantwortlich", gestand sie mir. Nicht daß es sie störte, das sei schon ein paarmal ihre Rettung gewesen, aber solange sie da sei, fühle er sich ihr verpflichtet ud würde sich bestimmt auf nichts einlassen. Ist die nicht schwer in Ordnung?

Werner und ich waren am nächsten Tag zum Kaffee verabredet, wie jeden Sonntag, wenn nichts dazwischenkommt. "Issers?" hab ich nur gefragt. Wenn es nach ihm ginge: ja. "Das ist so ein Süßer, du glaubst es nicht." - "Tu ich auch nicht." - "Ach, du Mistsack! Wünsch mir lieber Glück!" - Nichts lieber als das.

Für mich bedeutet Tunte eine Frau von männlichem Geschlecht zu sein. Das bin ich selbst, und ich sehe mich nicht als Transvestit. Transsexuelle kann ich schon gar nicht verstehen. Probleme mit der eigenen Identität löst man nicht durch Operationen, sondern indem man sich selbst findet. Meine Eltern waren nicht gerade begeistert, als ich die Rollenklischees "Junge" und "Mädchen" hinter mir ließ - aber sie haben mich auch in meiner, naja, Zwitterhaftigkeit respektiert. Dafür bin ich ihnen ewig dankbar. Mehr will ich über mich gar nicht erzählen, sonst ginge das noch Stunden so weiter.

Interessant ist außerdem vielleicht, daß ich Daniel in einer Couming-Out-Gruppe kennengelernt habe. Er hat mich in den Film "Ich bin meine eigene Frau" über Charlotte von Mahlsdorf mitgeschleppt, und das war eine Offenbarung für mich. Diese alte, würdevolle Tunte, die immer darum kämpfen mußte, leben zu können, wie es ihr gemäß war; als Jugendlicher im Dritten Reich, als Erwachsener in der DDR. Dagegen habe ich es wirklich leicht gehabt. Jedenfalls sind Daniel und ich seit damals Freunde und ziehen gerne mal zusammen los. Meistens gabelt er im Lauf des Abends jemand fürs Bett auf und das stört mich nicht, soll er machen. Ich bin da allerdings wählerischer.

An jenem Abend - wir hatten mal wieder keinen Bock auf die schwule Sub - sitzt da genau mein Typ am Tresen: Schütteres Haar, eine ganzen Rutsch älter als ich, Bauchansatz, waches Gesicht, gepflegte Erscheinung, aber nicht geleckt. Neben ihm so eine Pfundsbraut im Leopardenlook. Ich hab Daniel ein Zeichen gemacht und er hat die Frau in ein Gespräch verwickelt, Gerda heißt die. Und ich mich an den Mann - Martin - rangemacht. Als erstes frag ich ihn, ob ich mich auf den Platz neben ihm setzen darf? und seh ihn dabei sehr direkt an, damit er gleich weiß, worum es geht. Er hat ne Art Verbeugung gemacht, gelächelt und gesagt: "Das ist mal ne schöne Überraschung, zumal in dieser Spelunke!"

Erstmal war Martin so richtig affektiert und ich hab ihn gefragt, ob er Schauspieler sei und ne Rolle einstudiere, sonst müßte ich sein Gebaren für Anbiederung halten und das gefiele mir nicht. Er ist ein kleines bißchen blaß geworden - ich hab sofort begriffen, daß er mich wollte - und dann war er wieder normal. Nee, stimmt nicht, spröde und befangen war er, richtig verunsichert. Aber von einem ganz freundlichen Wesen durchdrungen, und damit hat er mich für sich eingenommen. Es war auch sehr eindeutig, wie er mich angesehen hat: völlig verknallt in H.M.S. Tunte Werner.

Daniel und Gerda haben uns beobachtet, zumindest in dem Moment, als ich mal zu ihnen rüberschaute; das konnte Martin nicht sehen, weil er so halb mit dem Rücken zu ihnen saß. Daniel wußte Bescheid, Gerda vermutlich auch, und ich hätte fast laut losgelacht, als die Beiden zusammen rausgegangen sind, ganz Pärchen. In dem Moment ist etwas von Martin abgefallen, als hätte er sich vorher beobachtet gefühlt. Endlich wirkte er locker auf mich, und er sah mich schmachtend an. "Du weißt daß ich nen Schwanz hab, oder?" hab ich gefragt, um alle Mißverständnisse auszuschließen, man hat ja so manches erlebt. Er, wortwörtlich: "Der ist bei mir in guten Händen." Dabei hat er mich ganz offen und arglos angesehen, kein Iota Schmierigkeit in seinem Blick.

Der Rest ist Privatsache. Es war jedenfalls ganz wunderbar. Als wir beim Frühstück saßen, druckste er ein bißchen herum und fragte mich: "War das jetzt nur ein Abenteuer für dich?" Vor Erleichterung habe ich gelacht und gesagt. "Hoffentlich nicht." Dann haben wir uns an den Händen gehalten und lange geschwiegen.

Gestern, um genau 21:37 Uhr, ist Papst Johannes Paul II, bürgerlich Karel Woytila, gestorben, meldet dpa. Die exakte Zeitangabe mag verblüffen, wird sie doch selten gemacht, beispielsweise nicht bei Harald Juhnke oder Terri Schiavo, und das waren immerhin auch Medienstars. Letztere erst, als sie praktisch schon tot war, also ein reines Medienereignis. Der Juhnke war aber wirklich noch ein Star, doch die Stars, darauf beharren die Medien, sind ohnehin nur von den Medien gemacht und niemand glaubt an sie ohne das Medium Medien. Anders der Papst: der hat auch unabhängig vom Auf und Ab medialer Aufbauschung eine weltweite Anhängerschaft, eine Glaubensgemeinde, und unabhängig von den Zeitströmungen verkündet er, was er für das Wort Gottes hält. Das kann Gutes sein (siehe hier), aber auch Schlimmes, wenn er die untergeordnete Stellung der Frau in der Gesellschaft und in der Kirche als Gottes Wille ausgibt. Egal, hier ist eine Figur, die auf die Medien nicht angewiesen ist (immer Präsens, denn für den nächsten Papst gilt ein gleiches). Das findet, so glaube ich, die Journaille so unglaublich (um nicht zu sagen gotteslästerlich), daß sie sich durch besondere Genauigkeit des Todes dieses Menschen vergewissert. "Gott sei Dank, der ist wirklich tot."

Polizeischule. Praktische Übungen.
Ausbilder: Ich werde Ihnen jetzt einen kleinen Film zeigen, den Sie bitte aufmerksam betrachten wollen.
Das Licht verlischt, ein Projektor beginnt zu rappeln, der übliche Vorlauf, dann ist ein freundlicher Mann unbestimmten Alters mit rundlichen Gesicht im Bild, dessen Mund sich ein klein wenig nußknackerhaft bewegt.
Tscheche: Vell, vie häf s-prringteim, ju vant tu no äbaut? Ei vill tell ju, is ferrie isie. Luck! (Er untermalt seine weiteren Worte mit sparsamen, aber eindeutigen Gesten ) Hierr vie häf dis Ding koald Dong. If ju tiesel it ä bitt, it vill muf rreit app änd mäjk ä prittie s-tänd. On die adder ßeit vie häf dis - äh - trräschur-bägg. Änd if ju tiesel it ä bitt, it vill gett wett änd open, ßo dis Ding koald Dong känn gleid intu ße bägg. Dis is ä neiß fieling oll ofer änd ju vill nott s-topp mufing till kompliet äckßeitmänt. Rrillie vanderfull, jast trrei it.
Der übliche Nachlauf, der Projektor wird ausgeschaltet, das Licht geht wieder an.
Ausbilder: Nun, was ist Ihnen aufgefallen?
1. Polizeischüler: Der Mann hat einen starken Akzent.
2. Polizeischüler: Das ist ganz offensichtlich ein Slawe.
3. Polizeischüler: Ein Schlawiner.
4. Polizeischüler: Ein Trickbetrüger. Er hat sich selbst verraten - das Verb teasle gibt es gar nicht.
5. Polizeischüler: Ein Spion. Er hat eine Geheimbotschaft weitergegeben, in der Gebärdensprache der Taubstummen.
6. Polizeischüler: Das Gesicht kenne ich aus der Fahndungsliste von Interpol.
7. Polizeischüler: Der Mann ist cirka ein Meter siebzig groß, wiegt ungefähr achtzig Kilo, ist etwa vierzig Jahre alt und bevorzugt Einlegesohlen.
8. Polizeischüler: Er ist unverheiratet - kein Ehering.
9. Polizeischüler: Ein Triebtäter, völlig sexbesessen.
10. Polizeischüler: Ist es ein Zufall, daß Sie uns diesen Film am 1. April zeigen?
Klasse: Buh! Streber!

Also mit dem Martin gehe ich voll gerne einen zwitschern. Nicht weil der toll aussieht oder ich in den verknallt bin oder so, der ist gar nicht mein Typ. Der ist so leicht untersetzt und ihm gehen schon die Haare aus, der ist erst Mitte vierzig, aber naja, bei manchen Männern ist schon mit dreißig Glatze angesagt. Nee, mit dem Martin kann ich voll gut reden, der versteht meine trockene Art, obwohl, manchmal lacht der auch, wenn ich gar nichts Komisches gesagt hab. Doof ist, daß er dann auch mal den Überlegenen macht, aber bitte, wenn er das braucht. Ist auch immer schnell wieder vorbei. Ich versteh jedenfalls nicht alles, was er sagt, aber da kommt immer irgend so ein Brüller. Na, und dann ist der auch besoffen noch vernünftig und das brauch ich, weil ich ab ner gewissen Menge ein bißchen haltlos werde.

Aber einmal, da kannten wir uns noch nicht lange, also, wir waren beide totally pissed und ich hab bei ihm gepennt, da fing er an rumzumachen irgendwie. Ich hab nur gesagt, daß ich schon fast schlafe und hab ihn in den Arm genommen, da ist er gleich weggeratzt. Am Morgen hab ich so getan, als hätte ich vielleicht doch gewollt, da hat er sich rausgeredet, Ich glaub, der wußte nicht, wohin mit seinem Ding, in Wirklichkeit fährt der gar nicht auf mich ab. Als Kumpel mag er mich gern und das find ich voll gut, weil er auch ein guter Kumpel ist.

Ich brauch mich nie um Typen bemühen, die kommen immer anscharwenzelt, ob's mir passt oder nicht. Die meisten sind so, naja, also da springt mir echt der Lack vom Nagel. Mäuschen hier und Mäuschen da, oder die wollen mir zeigen, daß sie viel geilere Kerle sind als Martin. Der kennt das schon und hat echt die Ruhe weg. Wenn mal ein Süßer dabei ist, dann muß Martin den checken, weil, wenn ich haltlos werde, laß ich mich auch von diesen Knallern bequatschen, also wenn Martin das Zeichen gibt, dann zieh ich mit dem Jungen los und wir haben unsern Spaß.

Neulich kamen zwei Schwulis zu uns, der eine auf Tunte, der andere auf Macho gestylt. Der Macho - der ist überhaupt nicht Macho, Daniel heißt der - quatscht mich an und wir reden über unsere Erfahrungen mit Männern, das war interessant. Mit einem Mal seh ich, daß der Martin so nen ganz verträumten Blick hat, wie er Werner, das ist die Tunte, anguckt. Ich sag zu Daniel, daß sich was anbahnt neben uns. Erst macht er den Entrüsteten, aber dann flüstert er mir zu, daß Werner sich für Martin interessiert. Klar haben wir dann so getan, als würden wir zusammen losziehen, ich glaub nicht, daß Martin was gemerkt hat.

Am nächsten Tag halt ich das nicht aus vor Neugier und ruf bei ihm an, erzähl ihm einen vom Pferd, was Daniel und ich angestellt hätten. Und wie das bei ihm weitergegangen sei? Also, der war echt die Nacht mit Werner zusammen, und alles, was er sagt, ist: "Das war wirklich schön." Da hab ich erstmal geschluckt, ich mein, der erzählt mir ja wohl hoffentlich noch ein bißchen mehr davon. Ich hab noch n Witz gemacht und das Gespräch beendet. Also, der Martin ist mindestens siebzig Prozent schwul. Sobald er das zugibt, kriegt er die Wahrheit über den Abend zu hören.

 

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