Es gab keine Massenvernichtungswaffen im Irak. Da hatten die Geheimdienste falsche Informationen, kann ja mal vorkommen. - Mußten die Politiker bei ihrer Entscheidung für den Krieg nicht berücksichtigen, daß Geheimdienstinformationen immer falsch sein können und oft mehr oder minder fehlerhaft sind?
Nun, es sieht so aus, als seien die USA & die Koalition der Willigen in einen Krieg gegen Saddam Hussein gelockt worden, und zwar von Doppelagenten des Regimes selbst. - Natürlich, so muß es gewesen sein! Denn der das sagt, ist Richard Perle, and Richard surely is an honorable man.
In Wahrheit verhält es sich natürlich so, daß ohne den Einsatz von Massenverblödungswaffen niemand den Kriegswillen der Ölritter unterstützt hätte. Und Perle versucht es stur weiter, um keine Ausrede verlegen. Wie gut mir dieser Spruch gefällt: "Der ist so dumm, daß ihn die Schweine beißen."
Nun, es sieht so aus, als seien die USA & die Koalition der Willigen in einen Krieg gegen Saddam Hussein gelockt worden, und zwar von Doppelagenten des Regimes selbst. - Natürlich, so muß es gewesen sein! Denn der das sagt, ist Richard Perle, and Richard surely is an honorable man.
In Wahrheit verhält es sich natürlich so, daß ohne den Einsatz von Massenverblödungswaffen niemand den Kriegswillen der Ölritter unterstützt hätte. Und Perle versucht es stur weiter, um keine Ausrede verlegen. Wie gut mir dieser Spruch gefällt: "Der ist so dumm, daß ihn die Schweine beißen."
Dicki - am Mo, 11. April 2005, 23:06 - Rubrik: zickezacke
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Der Leichtsinn von Herrn Goethe hat mich doch noch länger beschäftigt. Setzt sich da kackfrech hin und zeichnet die Grenzanlagen! Wenn Unsereiner das an der Zonen innerdeutschen Grenze versucht hätte, womöglich mit Kamera - das hätte einen schönen Tumult gegeben. So etwas durfte nur der BGS von Westen und die NVA von Osten (die kannte das Teil aber ohnehin). Das scheinen mir damals aber auch seltsame Grenzen gewesen zu sein: kein Zaun, keine Mauer, keine Schranke - so lädt man seine Feinde doch geradezu ein.
Herr Goethe ist wild entschlossen, sich nicht nur der alten römischen Kultur sondern auch den neueren italienischen Künsten zu widmen, ob Malerei, Architektur, Schauspiel, Bildhauerei, Musik; sogar das tägliche Leben will er sich reintun. Mir gefällt durchaus, daß er nicht bloß einen Camrecorder in die Gegend hält, sondern alles auf sich wirken läßt, aber irgendwie übertreibt er auch. - Als erstes sucht er in Verona natürlich das schon erwähnte Amphitheater auf.
Wenn [das Volk ebendort] sich so beisammen sah, mußte es über sich selbst erstaunen, denn da es sonst nur gewohnt, sich durcheinander laufen zu sehen, sich in einem Gewühl ohne Ordnung und sonderliche Zucht zu finden, so sieht das vielköpfige, vielsinnige, schwankende, hin und her irrende Tier sich zu einem edlen Körper vereinigt, zu einer Einheit bestimmt, in einer Masse verbunden und befestigt, als e i n e Gestalt, von e i n e m Geiste belebt. Die Simplizität des Oval ist jedem Auge auf die angenehmste Weise fühlbar, und jeder Kopf dient zum Maße, wie ungeheuer das Ganze sei. Als erstes denke ich an die ungeheuren Ereignisse in den ungeheuren Stadien unserer Zeit, dann fällt mir auf, daß im "Oval" die Masse immer noch aus Individuen besteht, die in den Marschkolonnen der Massenaufmärsche zu Kleinstteilen einer Maschinerie geworden sind - er beachtet mich nicht, ist ganz seinen Beobachtungen und Betrachtungen hingegeben.
Der Geist, der von den Gräbern der Alten herweht, kommt mit Wohlgerüchen wie über einen Rosenhügel. So geht es durch Verona, mit großen Augen durch das Theater und durch Ausstellungen. Endlich foppt ihn ein Passant, weist ihm vielsagend den Innenhof eines Prachtgebäudes: Es war der Palast der Justiz. [...] Ich sah umher, und durch alle Stockwerke gingen an zahlreichen Türen hin offene, mit eisernen Geländern versehen Gänge. Der Gefangene, wie er aus seinem Kerker heraustrat, um zum Verhör geführt zu werden, stand in der freien Luft, war aber auch den Blicken aller ausgesetzt; und weil nun mehrere Verhörstuben sein mochten, so klapperten die Ketten bald über diesem, bald über jenem Gange durch alle Stockwerke. Es war ein verwünschter Anblick.
Auf einem freien Flecken findet ein Ballspiel statt, jedoch bleibt mir die Schilderung unverständlich. Wieder will ich ihm von unseren Ballspielen in unsren Arenen erzählen, aber es ja keinen Zweck, er hört gar nicht hin, sondern erklärt mir die hiesige Zeitrechnung, die offenbar nicht nur gegen die Uhrzeit versetzt ist, sondern sich mit der Anzahl der hellen Stunden im Lauf der Jahreszeiten ändert. Wenn man dies zum erstenmal hört und überdenkt, so scheint es höchst verworren und schwer durchzuführen, man wird es aber gar bald gewohnt und findet diese Beschäftigung unterhaltend, wie sich auch das Volk an dem ewigen Hin- und Widerrechnen ergötzt, wie Kinder an leicht zu überwindenden Schwierigkeiten. Sie haben ohnedies immer die Finger in der Luft, rechnen alles im Kopfe und machen sich gern mit Zahlen zu schaffen. Wie war das jetzt: die Glöcke läutet die erste Stunde, wenn meine Uhr acht zeigt? Ich sehe mich schon immer die Finger in der Luft haben.
Herr Goethe ist wild entschlossen, sich nicht nur der alten römischen Kultur sondern auch den neueren italienischen Künsten zu widmen, ob Malerei, Architektur, Schauspiel, Bildhauerei, Musik; sogar das tägliche Leben will er sich reintun. Mir gefällt durchaus, daß er nicht bloß einen Camrecorder in die Gegend hält, sondern alles auf sich wirken läßt, aber irgendwie übertreibt er auch. - Als erstes sucht er in Verona natürlich das schon erwähnte Amphitheater auf.
Wenn [das Volk ebendort] sich so beisammen sah, mußte es über sich selbst erstaunen, denn da es sonst nur gewohnt, sich durcheinander laufen zu sehen, sich in einem Gewühl ohne Ordnung und sonderliche Zucht zu finden, so sieht das vielköpfige, vielsinnige, schwankende, hin und her irrende Tier sich zu einem edlen Körper vereinigt, zu einer Einheit bestimmt, in einer Masse verbunden und befestigt, als e i n e Gestalt, von e i n e m Geiste belebt. Die Simplizität des Oval ist jedem Auge auf die angenehmste Weise fühlbar, und jeder Kopf dient zum Maße, wie ungeheuer das Ganze sei. Als erstes denke ich an die ungeheuren Ereignisse in den ungeheuren Stadien unserer Zeit, dann fällt mir auf, daß im "Oval" die Masse immer noch aus Individuen besteht, die in den Marschkolonnen der Massenaufmärsche zu Kleinstteilen einer Maschinerie geworden sind - er beachtet mich nicht, ist ganz seinen Beobachtungen und Betrachtungen hingegeben.
Der Geist, der von den Gräbern der Alten herweht, kommt mit Wohlgerüchen wie über einen Rosenhügel. So geht es durch Verona, mit großen Augen durch das Theater und durch Ausstellungen. Endlich foppt ihn ein Passant, weist ihm vielsagend den Innenhof eines Prachtgebäudes: Es war der Palast der Justiz. [...] Ich sah umher, und durch alle Stockwerke gingen an zahlreichen Türen hin offene, mit eisernen Geländern versehen Gänge. Der Gefangene, wie er aus seinem Kerker heraustrat, um zum Verhör geführt zu werden, stand in der freien Luft, war aber auch den Blicken aller ausgesetzt; und weil nun mehrere Verhörstuben sein mochten, so klapperten die Ketten bald über diesem, bald über jenem Gange durch alle Stockwerke. Es war ein verwünschter Anblick.
Auf einem freien Flecken findet ein Ballspiel statt, jedoch bleibt mir die Schilderung unverständlich. Wieder will ich ihm von unseren Ballspielen in unsren Arenen erzählen, aber es ja keinen Zweck, er hört gar nicht hin, sondern erklärt mir die hiesige Zeitrechnung, die offenbar nicht nur gegen die Uhrzeit versetzt ist, sondern sich mit der Anzahl der hellen Stunden im Lauf der Jahreszeiten ändert. Wenn man dies zum erstenmal hört und überdenkt, so scheint es höchst verworren und schwer durchzuführen, man wird es aber gar bald gewohnt und findet diese Beschäftigung unterhaltend, wie sich auch das Volk an dem ewigen Hin- und Widerrechnen ergötzt, wie Kinder an leicht zu überwindenden Schwierigkeiten. Sie haben ohnedies immer die Finger in der Luft, rechnen alles im Kopfe und machen sich gern mit Zahlen zu schaffen. Wie war das jetzt: die Glöcke läutet die erste Stunde, wenn meine Uhr acht zeigt? Ich sehe mich schon immer die Finger in der Luft haben.
Dicki - am So, 10. April 2005, 23:26 - Rubrik: Dickis Reisen
Der Gardasee!
Wenn man hinabkommt, liegt ein Örtchen am nördlichen Ende des Sees und ist ein kleiner Hafen oder vielmehr Anfahrt daselbst, es heißt Torbole. Die Feigenbäume hatten mich schon den Weg herauf häufig begleitet, und indem ich in das Felsamphitheater hinabstieg, fand ich die ersten Ölbäume voller Oliven. Hier traf ich auch zum erstenmal die weißen kleinen Feigen als gemeine Frucht, welche mir die Gräfin Lanthieri verheißen hatte. Zum erstenmal gibt er hier mit seiner blaublütigen Bekanntschaft an, bisher war er recht umgänglich. Er selbst wurde ja, wie ich erfahren habe, erst vier Jahre zuvor in den Adelsstand erhoben. Doch etwas ganz Anderes beschäftigt mich viel stärker.
In der Abendkühle ging ich spazieren und befinde mich nun wirklich in einem neuen Lande, in einer ganz fremden Umgebung. Die Menschen leben ein nachlässiges Schlaraffenleben: erstlich haben die Türen keine Schlösser, der Wirt aber versichert mir, ich könnte ganz ruhig sein, und wenn alles, was ich bei mir hätte, aus Diamanten bestünde; zweitens sind die Fenster mit Ölpapier statt Glasscheiben geschlossen; drittens fehlt eine höchst notwendige Bequemlichkeit, so daß man dem Naturzustande hier ziemlich nahe kömmt. Als ich den Hausknecht nach einer gewissen Gelegenheit fragte, deutete er in den Hof hinunter. "Qui abasso può servirsi!" Ich fragte: "Dove?" - "Da per tutto, dove vuol!" antwortete er freundlich. Ich reagiere mit leichter Verstopfung, die aber glücklicherweise nicht den Appetit beeinträchtigt.
Es sind keine eigentlichen Forellen, groß, manchmal funfzig Pfund schwer, über den ganzen Körper bis auf den Kopf hinauf punktiert; der Geschmack zwischen Forelle und Lachs, zart und trefflich.
Mein eigentliches Wohlleben aber ist in Früchten, in Feigen, auch Birnen, welche da wohl köstlich sein müssen, wo schon Zitronen wachsen.
In aller Frühe ging es auf dem See nach Süden zu, solange uns der Wind unterstützte.
Der Gegenwind, der mich gestern in den Hafen von Malcesine trieb, bereitete mir ein gefährliches Abenteuer, welches ich mit gutem Humor überstand und in der Erinnerung lustig finde.
Was war geschehen? Herr Goethe wollte seine Zeichenkünste anwenden und hatte sich dafür einen Turm des baufällig wirkenden Schlößchens erkoren, vermeintlich ein romantisches Motiv. Leute kamen vorbei, man machte ihn auf das Verbotene seines Tuns aufmerksam, wegen des starken venetianischen Dialektes verstand er nicht, man zerriß sein Zeichenblatt und holte schließlich Offizielle herbei.
Der Podestà [...] war ein langer, nicht gerade hagerer Mann von etwa dreißig Jahren. Die stumpfen Züge seines geistlosen Gesichts stimmten ganz zu der langsamen und trüben Weise, womit er seine Fragen hervorbrachte. [...] Als ich jedoch des Amphitheaters zu Verona erwähnte [...], sagte der Aktuarius [...], das möge wohl gelten, denn jenes sei ein weltberühmtes römisches Gebäude, an diesen Türmen aber sein nichts Merkwürdiges, als daß es die Grenze zwischen den Gebieten Venedigs und dem österreichischen Kaiserstaate bezeichne und deshalb nicht ausspioniert werden solle. [...] Kaiser Joseph sei ein unruhiger Herr, der gewiß gegen die Republik Venedig noch Manches Böse im Schilde führe, und ich möchte wohl sein Untertan, ein Abgeordneter sein, um die Grenzen auszuspähen.
Dieser Goethe hatte sich umständlich gerechtfertigt und weitschweifig die Schönheit seines Motivs erläutert: Diese Szene kam mir so lächerlich vor, daß mein guter Mut sich vermehrte und ich ihnen nichts, am wenigsten den Efeu schenkte, der Fels und Gemäuer auf das reichste zu verzieren schon Jahrhunderte Zeit gehabt hatte.
Der Spionage geziehen, machte Herr Goethe schnell klar, woher er stamme; ein deutschkundiger Ansässiger befragte ihn und konnte endlich die Geschichte zum Guten wenden. Nur gut, daß Goethes Italienisch das meine um ein Vielfaches übertrifft. - Wir setzen die Reise am folgenden Tag fort und wollen bald in Verona anlangen.
Wenn man hinabkommt, liegt ein Örtchen am nördlichen Ende des Sees und ist ein kleiner Hafen oder vielmehr Anfahrt daselbst, es heißt Torbole. Die Feigenbäume hatten mich schon den Weg herauf häufig begleitet, und indem ich in das Felsamphitheater hinabstieg, fand ich die ersten Ölbäume voller Oliven. Hier traf ich auch zum erstenmal die weißen kleinen Feigen als gemeine Frucht, welche mir die Gräfin Lanthieri verheißen hatte. Zum erstenmal gibt er hier mit seiner blaublütigen Bekanntschaft an, bisher war er recht umgänglich. Er selbst wurde ja, wie ich erfahren habe, erst vier Jahre zuvor in den Adelsstand erhoben. Doch etwas ganz Anderes beschäftigt mich viel stärker.
In der Abendkühle ging ich spazieren und befinde mich nun wirklich in einem neuen Lande, in einer ganz fremden Umgebung. Die Menschen leben ein nachlässiges Schlaraffenleben: erstlich haben die Türen keine Schlösser, der Wirt aber versichert mir, ich könnte ganz ruhig sein, und wenn alles, was ich bei mir hätte, aus Diamanten bestünde; zweitens sind die Fenster mit Ölpapier statt Glasscheiben geschlossen; drittens fehlt eine höchst notwendige Bequemlichkeit, so daß man dem Naturzustande hier ziemlich nahe kömmt. Als ich den Hausknecht nach einer gewissen Gelegenheit fragte, deutete er in den Hof hinunter. "Qui abasso può servirsi!" Ich fragte: "Dove?" - "Da per tutto, dove vuol!" antwortete er freundlich. Ich reagiere mit leichter Verstopfung, die aber glücklicherweise nicht den Appetit beeinträchtigt.
Es sind keine eigentlichen Forellen, groß, manchmal funfzig Pfund schwer, über den ganzen Körper bis auf den Kopf hinauf punktiert; der Geschmack zwischen Forelle und Lachs, zart und trefflich.
Mein eigentliches Wohlleben aber ist in Früchten, in Feigen, auch Birnen, welche da wohl köstlich sein müssen, wo schon Zitronen wachsen.
In aller Frühe ging es auf dem See nach Süden zu, solange uns der Wind unterstützte.
Der Gegenwind, der mich gestern in den Hafen von Malcesine trieb, bereitete mir ein gefährliches Abenteuer, welches ich mit gutem Humor überstand und in der Erinnerung lustig finde.
Was war geschehen? Herr Goethe wollte seine Zeichenkünste anwenden und hatte sich dafür einen Turm des baufällig wirkenden Schlößchens erkoren, vermeintlich ein romantisches Motiv. Leute kamen vorbei, man machte ihn auf das Verbotene seines Tuns aufmerksam, wegen des starken venetianischen Dialektes verstand er nicht, man zerriß sein Zeichenblatt und holte schließlich Offizielle herbei.
Der Podestà [...] war ein langer, nicht gerade hagerer Mann von etwa dreißig Jahren. Die stumpfen Züge seines geistlosen Gesichts stimmten ganz zu der langsamen und trüben Weise, womit er seine Fragen hervorbrachte. [...] Als ich jedoch des Amphitheaters zu Verona erwähnte [...], sagte der Aktuarius [...], das möge wohl gelten, denn jenes sei ein weltberühmtes römisches Gebäude, an diesen Türmen aber sein nichts Merkwürdiges, als daß es die Grenze zwischen den Gebieten Venedigs und dem österreichischen Kaiserstaate bezeichne und deshalb nicht ausspioniert werden solle. [...] Kaiser Joseph sei ein unruhiger Herr, der gewiß gegen die Republik Venedig noch Manches Böse im Schilde führe, und ich möchte wohl sein Untertan, ein Abgeordneter sein, um die Grenzen auszuspähen.
Dieser Goethe hatte sich umständlich gerechtfertigt und weitschweifig die Schönheit seines Motivs erläutert: Diese Szene kam mir so lächerlich vor, daß mein guter Mut sich vermehrte und ich ihnen nichts, am wenigsten den Efeu schenkte, der Fels und Gemäuer auf das reichste zu verzieren schon Jahrhunderte Zeit gehabt hatte.
Der Spionage geziehen, machte Herr Goethe schnell klar, woher er stamme; ein deutschkundiger Ansässiger befragte ihn und konnte endlich die Geschichte zum Guten wenden. Nur gut, daß Goethes Italienisch das meine um ein Vielfaches übertrifft. - Wir setzen die Reise am folgenden Tag fort und wollen bald in Verona anlangen.
Dicki - am Sa, 09. April 2005, 19:32 - Rubrik: Dickis Reisen
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Bis vor wenigen Jahren dachte ich noch, es seien Unfähigkeit und Fehlentscheidungen, wenn Politiker Geld in aussichtslose Großprojekte pumpten, für nicht benötigte Büro- und Gewerbe"parks" Naherholungsgebiete planieren ließen, großzügig für Betreiberrisiken bürgten und staatliche Unternehmen in mehrere Subfirmen aufteilten und privatisierten. Heute lasse ich mich von ihren dummen Visagen nicht mehr täuschen. Sie bugsieren Steuergelder sehr gezielt, mit Einfallsreichtum und (falls erforderlich) mit gehöriger "krimineller Energie" genau dorthin, wo die Mittel gemäß Absprachen, die lange vor den entsprechenden parlamentarischen Entscheidungen getroffen werden, anlangen sollen. Längst gibt es Agenturen, die darauf spezialisiert sind, die richtigen Kontakte zwischen Politik und Wirtschaft herzustellen und Medienkampagnen zur Täuschung und Überredung der Öffentlichkeit zu organisieren, z.B. die Firma WMP EuroCom AG, die "Sabine Christiansen" als Propagandasendung nutzt.
Das Dauerargument "Arbeitsplätze schaffen/sichern" sollte nun wirklich jeder als billigen Vorwand durchschaut haben, denn nach wie vor wächst die Anzahl der arbeitslosen Menschen - wo sind denn nun die in Aussicht gestellten Arbeitsplätze, für die alle - naja, fast alle - Verzicht leisten müssen? Ja, heißt es dann, die Wirtschaft befindet sich in einer Krise und wir müssen für noch mehr Entlastung sorgen - womit der nächste Schritt zur Steuersenkung und Verringerung der Sozialabgaben für Unternehmen eingeleitet wird. Auch das nur ein Trick: die Volkswirtschaft als ganzes steckt gewaltig in der Krise, aber der Privatwirtschaft geht es glänzend, abgesehen von den üblichen Pleiten, die auf das Konto von Mismanagement und Konkurrenzkampf gehen oder auf dem wahnwitzigen Kostensenkungsdruck beruhen, den Großunternehmen auf ihre Zulieferer ausüben.
Die andauernde Krise der Volkswirtschaft ist dann immer wieder der Vorwand, der Privatwirtschaft weitere Vorteile zuzuschanzen, jedesmal zu Lasten der Volkswirtschaft. Das heißt, wir alle zahlen die Zeche für Rekordgewinne der Unternehmen und exorbitante Gehälter der Manager (Anmerkung: ich kenne nicht die wörtliche Bedeutung von "exorbitant", aber es klingt ziemlich beeindruckend, nicht?).
Immerhin mehren sich auch kritische Stimmen, aber sie führen ein Schattendasein. Die neoliberale Propaganda gegen Solidargemeinschaft und soziale Marktwirtschaft beherrscht die Szene - da hat sie dann auch gut reden vom "parlamentarisch legitimierten Konsens"; man sollte es einen "nebenberuflich inszenierten Nonsens" nennen. In den klassischen Worten von Karl Marx: das Parlament ist die Schwatzbude der Bourgeoisie.
Die nachdenkseiten von Albrecht Müller, einem sozialdemokratischem Ökonom, der die Ideale der sozialliberalen Koalition von Brandt und Schmidt pflegt, verweisen seit Anfang April gezielt auf die gar nicht so seltenen Veröffentlichungen, die in der allgemeinen Medienhatz ignoriert werden, gerade weil sie den vorherrschenden Tenor hinterfragen und Lüge und Täuschung sichtbar werden lassen. Damit wächst meine Hoffnung, daß sich doch noch ein starker demokratischer Widerstand entwickelt - man hat ja bisweilen den Eindruck, dieses fernsehende, aber keineswegs weitblickende Volk warte auf einen Führer, der ihnen einen Sündenbock für alle Übel anbietet.
Das Dauerargument "Arbeitsplätze schaffen/sichern" sollte nun wirklich jeder als billigen Vorwand durchschaut haben, denn nach wie vor wächst die Anzahl der arbeitslosen Menschen - wo sind denn nun die in Aussicht gestellten Arbeitsplätze, für die alle - naja, fast alle - Verzicht leisten müssen? Ja, heißt es dann, die Wirtschaft befindet sich in einer Krise und wir müssen für noch mehr Entlastung sorgen - womit der nächste Schritt zur Steuersenkung und Verringerung der Sozialabgaben für Unternehmen eingeleitet wird. Auch das nur ein Trick: die Volkswirtschaft als ganzes steckt gewaltig in der Krise, aber der Privatwirtschaft geht es glänzend, abgesehen von den üblichen Pleiten, die auf das Konto von Mismanagement und Konkurrenzkampf gehen oder auf dem wahnwitzigen Kostensenkungsdruck beruhen, den Großunternehmen auf ihre Zulieferer ausüben.
Die andauernde Krise der Volkswirtschaft ist dann immer wieder der Vorwand, der Privatwirtschaft weitere Vorteile zuzuschanzen, jedesmal zu Lasten der Volkswirtschaft. Das heißt, wir alle zahlen die Zeche für Rekordgewinne der Unternehmen und exorbitante Gehälter der Manager (Anmerkung: ich kenne nicht die wörtliche Bedeutung von "exorbitant", aber es klingt ziemlich beeindruckend, nicht?).
Immerhin mehren sich auch kritische Stimmen, aber sie führen ein Schattendasein. Die neoliberale Propaganda gegen Solidargemeinschaft und soziale Marktwirtschaft beherrscht die Szene - da hat sie dann auch gut reden vom "parlamentarisch legitimierten Konsens"; man sollte es einen "nebenberuflich inszenierten Nonsens" nennen. In den klassischen Worten von Karl Marx: das Parlament ist die Schwatzbude der Bourgeoisie.
Die nachdenkseiten von Albrecht Müller, einem sozialdemokratischem Ökonom, der die Ideale der sozialliberalen Koalition von Brandt und Schmidt pflegt, verweisen seit Anfang April gezielt auf die gar nicht so seltenen Veröffentlichungen, die in der allgemeinen Medienhatz ignoriert werden, gerade weil sie den vorherrschenden Tenor hinterfragen und Lüge und Täuschung sichtbar werden lassen. Damit wächst meine Hoffnung, daß sich doch noch ein starker demokratischer Widerstand entwickelt - man hat ja bisweilen den Eindruck, dieses fernsehende, aber keineswegs weitblickende Volk warte auf einen Führer, der ihnen einen Sündenbock für alle Übel anbietet.
Dicki - am Fr, 08. April 2005, 23:58 - Rubrik: deutsche kenneweiss
Wir teilen die Hoffnung auf sonnige Tage und beobachten unterdessen Wind und Wetter, Land und Leute, Gewächs und Gestein. Es ist gut reisen mit Herrn Goethe, der Vielem seine Aufmerksamkeit schenkt.
Regensburg liegt gar schön
Der Morgen war kühl, man klagt auch hier über Nässe und Kälte des Sommers, aber es entwickelte sich ein herrlich gelinder Tag. Die milde Luft, die ein großer Fluß mitbringt, ist ganz etwas Eigenes. Das Obst ist nicht sonderlich. Gute Birnen hab' ich gespeist; aber ich sehne mich nach Trauben und Feigen. Ich hatte Äpfel, ansonsten: mir aus der Seele gesprochen.
Es ist grünlich mit Quarz gemischt, löchrig, und es finden sich große Flecke des festesten Jaspis darin, in welchem sich wieder kleine runde Flecken von Breccienart zeigen. Ein Stück war gar zu instruktiv und appetitlich, der Stein aber zu fest, und ich habe geschworen, mich auf dieser Reise nicht mit Steinen zu schleppen. Puh!
Benediktbeuren liegt köstlich und überrascht beim ersten Anblick.
Von Innsbruck herauf wird es immer schöner, da hilft kein Beschreiben. Mir zuliebe versucht er es natürlich doch.
Die Pflanzen betreffend, fühl' ich noch sehr meine Schülerschaft. [...] Nun habe ich zwar meinen Linné bei mir und seine Terminologie wohl eingeprägt, wo soll aber Zeit und Ruhe zum Analysieren herkommen, das ohnehin, wenn ich mich recht kenne, meine Stärke niemals werden kann? Den Biologieunterricht vor Augen, gewinnt dieser Goethe zusehends meine Sympathien. - Wir überqueren den Brenner und fahren durch Tirol.
[Den Männern] geben die grünen Hüte zwischen den grauen Felsen ein fröhliches Ansehen. Sie tragen sie geziert mit Bändern oder breiten Schärpen von Taft mit Franzen, die mit Nadeln gar zierlich aufgeheftet werden. Auch hat jeder eine Blume oder eine Feder auf dem Hut. Natürlich pfeife ich die ganze Zeit den Erfolgsschlager von Billy Mo, dem Vorgänger Roberto Blancos.
Eine arme Frau rief mich an, ich möchte ihr Kind in den Wagen nehmen, weil ihm der heiße Boden die Füße verbrenne. Ich übte diese Mildtätigkeit zu Ehren des gewaltigen Himmelslichtes. Das Kind war sonderbar geputzt und aufgeziert, ich konnte ihm aber in keiner Sprache etwas abgewinnen. Und dabei sind wir noch so weit von Pisa entfernt. - Wir erreichen Trient.
Ein junger Mann [...] zeigte mir ein Haus, das man des Teufels Haus nennt, welches der sonst allzeit fertige Zerstörer in einer Nacht mit schnell herbeigeschafften Steinen erbaut haben soll. Das eigentliche Merkwürdige daran bemerkte der gute Mensch aber nicht, daß es nämlich das einzige Haus von gutem Geschmack ist, das ich in Trient gesehen habe [...], weshalb wir verständlicherweise sogleich weiterreisen zum Gardasee, dem vorläufigen Höhepunkt unserer Unternehmung.
Regensburg liegt gar schön
Der Morgen war kühl, man klagt auch hier über Nässe und Kälte des Sommers, aber es entwickelte sich ein herrlich gelinder Tag. Die milde Luft, die ein großer Fluß mitbringt, ist ganz etwas Eigenes. Das Obst ist nicht sonderlich. Gute Birnen hab' ich gespeist; aber ich sehne mich nach Trauben und Feigen. Ich hatte Äpfel, ansonsten: mir aus der Seele gesprochen.
Es ist grünlich mit Quarz gemischt, löchrig, und es finden sich große Flecke des festesten Jaspis darin, in welchem sich wieder kleine runde Flecken von Breccienart zeigen. Ein Stück war gar zu instruktiv und appetitlich, der Stein aber zu fest, und ich habe geschworen, mich auf dieser Reise nicht mit Steinen zu schleppen. Puh!
Benediktbeuren liegt köstlich und überrascht beim ersten Anblick.
Von Innsbruck herauf wird es immer schöner, da hilft kein Beschreiben. Mir zuliebe versucht er es natürlich doch.
Die Pflanzen betreffend, fühl' ich noch sehr meine Schülerschaft. [...] Nun habe ich zwar meinen Linné bei mir und seine Terminologie wohl eingeprägt, wo soll aber Zeit und Ruhe zum Analysieren herkommen, das ohnehin, wenn ich mich recht kenne, meine Stärke niemals werden kann? Den Biologieunterricht vor Augen, gewinnt dieser Goethe zusehends meine Sympathien. - Wir überqueren den Brenner und fahren durch Tirol.
[Den Männern] geben die grünen Hüte zwischen den grauen Felsen ein fröhliches Ansehen. Sie tragen sie geziert mit Bändern oder breiten Schärpen von Taft mit Franzen, die mit Nadeln gar zierlich aufgeheftet werden. Auch hat jeder eine Blume oder eine Feder auf dem Hut. Natürlich pfeife ich die ganze Zeit den Erfolgsschlager von Billy Mo, dem Vorgänger Roberto Blancos.
Eine arme Frau rief mich an, ich möchte ihr Kind in den Wagen nehmen, weil ihm der heiße Boden die Füße verbrenne. Ich übte diese Mildtätigkeit zu Ehren des gewaltigen Himmelslichtes. Das Kind war sonderbar geputzt und aufgeziert, ich konnte ihm aber in keiner Sprache etwas abgewinnen. Und dabei sind wir noch so weit von Pisa entfernt. - Wir erreichen Trient.
Ein junger Mann [...] zeigte mir ein Haus, das man des Teufels Haus nennt, welches der sonst allzeit fertige Zerstörer in einer Nacht mit schnell herbeigeschafften Steinen erbaut haben soll. Das eigentliche Merkwürdige daran bemerkte der gute Mensch aber nicht, daß es nämlich das einzige Haus von gutem Geschmack ist, das ich in Trient gesehen habe [...], weshalb wir verständlicherweise sogleich weiterreisen zum Gardasee, dem vorläufigen Höhepunkt unserer Unternehmung.
Dicki - am Do, 07. April 2005, 19:11 - Rubrik: Dickis Reisen
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Mangelt es am nötigen Kleingeld für eine Reise, so kann man Bücher über fremde Länder lesen oder Romane, deren Handlung in der Fremde spielt. Ohne mich lange zu besinnen griff ich einen Band mit dem wohlklingenden Titel "Italienische Reise" aus dem Regal, entschlossen, gemeinsam mit dem Verfasser, einem gewissen Johann Wolfgang Goethe, in das Land, wo die Zitronen blühen zu ziehen. Doch zunächst einmal machte ich ein langes Gesicht, denn wie beginnt die Schilderung?
Den 3. September 1786
Früh drei Uhr stahl ich mich aus Karlsbad, weil man mich sonst nicht fortgelassen hätte.
Nun, anders denn lesend hätte man auch mich nicht fortgelassen, aber: 1786? Damals gab es weder Automobil noch Eisenbahn; nicht Rundfunk, Fernsehen, Computer; keine Baumärkte und Discotheken; nicht Kino, Telefon und Klingelton. Da hatte ich mir etwas Schönes eingebrockt.
Doch was hilft's; hinein in die Postchaise, Mantelsack und Dachsranzen aufgepackt, dem Kutscher ein frisches: gen Italien! zugerufen, und ab geht die Post.
Den 3. September 1786
Früh drei Uhr stahl ich mich aus Karlsbad, weil man mich sonst nicht fortgelassen hätte.
Nun, anders denn lesend hätte man auch mich nicht fortgelassen, aber: 1786? Damals gab es weder Automobil noch Eisenbahn; nicht Rundfunk, Fernsehen, Computer; keine Baumärkte und Discotheken; nicht Kino, Telefon und Klingelton. Da hatte ich mir etwas Schönes eingebrockt.
Doch was hilft's; hinein in die Postchaise, Mantelsack und Dachsranzen aufgepackt, dem Kutscher ein frisches: gen Italien! zugerufen, und ab geht die Post.
Dicki - am Do, 07. April 2005, 0:13 - Rubrik: Dickis Reisen