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Nachtgesaenge

wie immer die jetzt Verhafteten in den Medien genannt werden, sind eine üble Sache, allerdings denke ich da mehr an aggressive Hacker und Virenbastler, weniger an - aber das muß ich nicht kommentieren, sondern brauche nur in den Blog eines Users zu verlinken, dessen Äußerungen (Hinweis: es ist ein älterer Beitrag) jene geistige Unabhängigkeit erkennen lassen, die den Schäubles deutscher Nation jede Überwachungsmaßnahme recht und billig machen. Dabei gäbe es nun wirklich Terroristen zu überwachen, überführen und verhaften: erklärte Feinde unserer demokratischen Verfassung, die mit ihren Interessenverbänden, Netzwerken und Agenturen alles daransetzen, ihrer Gier jegliches gesetzich verbriefte Hemmnis aus dem Weg zu räumen und alle Menschen - koste es die Menschen, was es wolle - auf diese unendlich bornierte Wirtschaftlichkeitsformel einzunorden und sich selbst großzügig am Gemeineigentum zu bedienen. Gegen unseren Willen, auf unsere Kosten und unter allmählicher Abschaffung der Demokratie von innen heraus. Das sind diejenigen, die uns terrorisieren.

Die jetzige Finanzkrise würde kommen, das pfiffen schon vor einem halben Jahr die Spatzen von den Dächern, aber bis zuletzt bestand kein Grund zur Unruhe oder für Vorsichtsmaßnahmen, nein, alles nur Gerede von Schwarzsehern und Miesmachern. Plötzlich - ohweh! - ist eine Katastrophe da, jeder zeigt mit dem Finger auf einen anderen Schuldigen, bis sich der Kreis geschlossen hat. Und wenn sich die Nebel heben, wird die einzige Maßnahme des Gesetzgebers sein, daß zukünftig der Staat (also das steuerzahlende Volk) grundsätzlich für die Verluste der global players geradezustehen hat, mit der Begründung, daß dies die Lehre aus der Misere sei und was weiß ich (den Agenturen werden schon geschmeidige Formulierungen einfallen). Dann macht das große Spiel erst richtig Spaß! - Ich werde mal testen, ob mein Bäcker Monopolygeld akzeptiert, aber ich fürchte, da Bäcker keine global player sind und als Produzenten auf den Ertrag ihrer Arbeit angewiesen sind, besteht wenig Aussicht auf Erfolg. Auch wird es ihnen schwerfallen, Kredite zu bekommen, da in der Welt der Finanzen als vertrauenswürdig gilt, wer die Fähigkeit besitzt, im großen Stile Geld zu verjuxen, das ihm nicht gehört. Man muß sich schon einiges leisten, um der Elite angezugehören.

Noch einmal Georgien: Hier ein aufschlußreiches Interview mit einem Politiker der georgischen Opposition. - Fast hätte ich eine Meldung kurz nach dem Krieg vergessen - daß nämlich europäische Staaten und die USA eine Geberkonferenz für Georgien veranstalten wollen. Zu solch einer Konferenz kommen allerdings keine freiheitsliebenden Idealisten, sondern führende Politiker, ihre Berater, Wirtschaftsvertreter und was da sonst noch kreucht und fleucht in der freien Welt. Gegeben werden Steuermillionen und -milliarden, wofür das empfangende Land gewöhnlich eine Reihe von Zugeständnissen machen muß: freier Kapitalfluß, Privatisierung staatlichen Eigentums, Abbau von Unkosten (Sozialleistungen etwa). Das ist für bestimmte Unternehmen der Geberläner ein gutes Geschäft, für alle beteiligten Volkswirtschaften eine (weitere) Quelle großer Verluste und für die Menschen eine arge Belastung: denn üblicherweise steigt die Armut nach solchen Hilfsmaßnahmen sprunghaft an. - Ist es möglich - denkbar ist es immerhin - daß Saakaschwili (Georgiens Präsident dank Wahlbetrug) einen Krieg vom Zaun gebrochen hat, um sich selbst, seiner Klientel und interessierten Kreisen einen kräftigen Vermögenszuwachs zu bescheren? Darauf mache sich ein jeder selbst seinen Reim, meine Antwort ist ein bündiges "Ja" (von den geostrategischen Implikationen angesichts des bevorstehenden Angriffs auf den Iran - mit Russland verbündet - ganz abgesehen). - Wer eine unverbrüchliche transatlantische Freundschaft pflegt, braucht heute keinen neuen Hitler mehr; der dritte Weltkrieg, ganz ideoligiefrei, aber umso profitorientierter, ist bereits im Gange und weiß die religiösen Eiferer, die ihr seligmachendes Armageddon per Atombombe endlich erleben wollen, auf ihrer Seite - und deren Vorreiter sind ja auch nicht schlecht im Geschäftemachen.

kommt vom Wetter und persönlichen Lebensumständen, woran nichts Neues ist, womit ich immer zurechtgekommen bin, mal besser, mal schlechter. Doch diese Müdigkeit, diese besondere, lähmende und hochaktuelle Müdigkeit resultiert in hohem Maße aus dem Gefühl der Hilflosigkeit gegenüber den immer und immer wiederholten und ganz bewußt eingesetzten Lügen: aus der Ohnmacht vor einer Propagandamaschinerie, die gut geschmiert tagtäglich ihre dummdreisten Zumutungen auf uns niederprasseln läßt. Ob Sozialschmarotzer, Eigenverantwortlichkeit, Privatisierung, Rückbau des Sozialstaates oder Gesundheitsbewußtsein und so weiter und so weiter, nicht zu vergessen der Krieg gegen den Terrorismus, und nun - das hat uns noch gefehlt - die russische Gefahr.

Die Okkupation des Iran ist ebenso beschlossene Sache, wie es die des Irak war, doch ärgerlicherweise hat Rusland erklärt, einen Angriff auf Iran als Angriff gegen sich selbst zu werten. Da kann sich jeder selbst ausrechnen, weshalb der in den USA als Salonlöwe bekannte georgische Präsident einen Krieg mit Russland vom Zaun bricht, Polen ausgerechnet jetzt unter den "defense shield" drängt und die NATO auf Konfrontationskurs mit Russland ausgerichtet wird. Und immer tönt es aus allen Kanälen und von allen Titelseiten der unabhängigen und kritischen Öffentlichkeit; der eine schreibt ab, der andere formuliert absichtsvoll unwahr.

Propaganda wendet sich weder an die Anhänger der Propagandisten noch an Zweifler und Kritiker; wie denn, sie hat keine Argumente und wiederholt nur dröhnend die angesagten Parolen - nein, sie ist g e g e n Zweifler und Kritiker gerichtet, soll sie zermürben, in Resignation drängen, ermüden. Wenn die Lügen als solche entlarvt sind - und dank reger Köpfe haben Lügen gerade im Internet heute eine Halbwertzeit von nur noch wenigen Stunden -, aber ständig repetiert werden - gebetsmühlenhaft - , wenn also die Vernunft nichts auszurichten vermag, weil es nicht mehr um Auseinandersetzung, Diskussion, Dialog oder eventuell Kompromißfindung und Interessenausgleich geht, sondern um das Durchsetzen von Interessen, denen viele Menschen skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen - wenn also die Vernunft nichts mehr ausrichten kann, was dann? Wenn eine Gegenöffentlichkeit - die es gibt! - in ihrem bescheidenen Wirkungskreis kein Gegengewicht sein kann, was dann? Wenn eine kleine Gruppe beschlossen hat, mit der Hilfe nützlicher Idioten und käuflicher Subjekte ihre Interessen um jeden Preis durchzuboxen, was dann?

Was hast DU damals getan? werden uns einmal Kinder und Enkel fragen, falls die kranken Arschlöcher überhaupt noch eine Welt übrig lassen, in der Menschen leben können.

verkündete gestern SpOn als Ergebnis der Talkrunde bei Maybrit Illner. So ist es wohl, so mag es wohl sein. Normal ist auch zu sagen, daß ein Glas noch halb voll sei (statt halb leer), denn es läßt sich ja noch etwas herausholen. Normal und überhaupt nicht Kindergarten ist auch die Rechtfertigung: "wenn ich es nicht tue, tut es ein anderer". Genau das darf auf keinen Fall geschehen.

So erklärt sich das Kranke, Abnorme zum Normalzustand, öffentlich und dräuend, in den Medien. - Der Volksempfänger wurde dereinst Goebbels-Schnauze genannt. Sollten wir nicht allmählich bildhafte Ausdrücke für die heutige Propagandamaschinerie finden?

1860, vor dem Ausbruch des US-Amerikanischen Bürgerkrieges, lebten noch zigtausende Indianer frei in den bis dahin "unerschlossenen" Gebieten des mittleren Westens, von New Mexico bis hinauf nach Kanada; Apachen, Ute, Sioux, Cheyennes, Kiowa und viele andere Stämme. Es kamen Kommissionen, um "ewige" Verträge zu schließen, in denen die Indianer Teile ihres Landes abtraten, um in den verbleibenden Territorien - von der Regierung garantiert - vor jeglicher Störung durch weiße Siedler, Goldgräber und Soldaten geschützt zu sein. Keiner dieser Verträge wurde je gehalten. Und wenn die Indianer sich gegen Vertragsbrüche wehrten, wurden sie zu feindseligen Indianern erklärt und ihres Landes beraubt; wertvollen Landes voll fruchtbarer Böden, üppiger Wälder, wildreichen Geländes und Bergen voller Bodenschätze; all das nachzulesen in "Bury my heart at wounded knee" ("Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses") von Dee Brown, in Geschichten, die von Habgier und Niedertracht berichten, und von dem verzweifelten Bemühen der Indianer, an das Mitgefühl und die Menschlichkeit der "Bleichgesichter" zu appellieren, ihre Vernunft anzusprechen. Sie hatten durchaus Fürsprecher und Freunde, doch Habgier kennt nicht Vernunft und Menschlichkeit, und das Niedrige hat es immer wieder verstanden, seine Interessen über die Leichen der Ureinwohner hinweg durchzusetzen. (Karl May hat auf seine Weise die Partei der Indianer ergriffen und Generationen von jugendlichen Lesern einen Begriff von der Würde der "Rothäute" vermittelt.)

1888, als es de facto keine freien Indianer mehr gab, hatte Wovoka von den Paiute eine Vision: Alle Indianer müssen tanzen, überall - dürfen nicht aufhören zu tanzen. Bald, im nächsten Frühling, kommt großer Geist. [...] Wenn Großer Geist zurückkommt, gehen alle Indianer hoch hinauf in die Berge, fort von den Weißen. Dann können Weiße Indianern nichts tun. Wenn Indianer hoch oben sind, kommt große Flut, unf alle Weißen ertrinken und sterben. Dann geht Wasser weg und überall nur noch Indianer und mächtig viel Wild. - Eine schöne Illusion, ein verzweifelter Wunschtraum; die Flut blieb aus, es kamen wieder nur Soldaten und brachten Tod und Verderben.

Vor ein paar Tagen hatte auch ich einen schönen Wunschtraum. Was, dachte ich, geschähe wohl mit unserer menschenverachtenden "Elite", wenn wir technologisch gesehen ins 16te oder 12te oder 5te Jahrhundert zurückversetzt wären, wenn also die Gemeinschaften zum Überleben auf das Zupacken jeder Hand, auf das Wissen jedes Weisen, auf die Freude und Erstaunen verbreitenden Fähigkeiten der Künstler angewiesen wären - würden dann nicht jene, die immer nur nehmen und nichts, aber auch gar nichts zu geben haben, geschweige denn zu geben bereit sind, innerhalb einer Generation vom Antlitz unserer Erde hinweggefegt sein? - Es wäre so wunderbar, aber es bleibt eine Illusion.

das Video über den "ersten deutschen Selbstmorattentäter" auf SpOn ansehen, einen jungen Mann türkischer Abstammung, der mir schon auf Fotos nicht unsympathisch war. Freundlich, lebendig, kindlich-albern mit Pistole posierend, und auch in dem Spot nicht einen Augenblick fanatisch wirkend.

So trägt das zusammengeschnippelte Filmchen (was explodiert denn da eigentlich - Selbstmordattentäter? Weshalb hat man nicht noch ihre schwarze Märtyrerseele hineinkopiert, wie sie gen Himmel, oder nein, zur Hölle fährt?) unterschwellig eine fatale Botschaft an uns heran, daß nämlich lebensfrohen Menschen ums Verrecken (!) nicht zu trauen ist. Aber das weiß natürlich jeder Spießer längst, wie ich wiederum aufgrund der mißtrauischen Blicke weiß, die mir gewisse Mitbürger auf der Straße zuwerfen.

Um zu wissen, wer wen terrorisiert, speziell in meiner Heimat, brauche ich nur in die Deutschlandnachrichten zu gucken: Teuerung, Massenentlassung, Milliardenverlust, Rauchverbot etc. pp. und so weiter und so fort und wenn sie nicht gestorben sind, dann sagen sie noch heute "Jawoll!" und schlagen - innerlich - die Hacken zusammen. Und wer weiß, wer alles noch ganz real zusammengeschlagen werden wird, wenn Bild und Spiegel weiterhin unisono gegen Arbeitslose, Rentenerhöhungen, soziale Regungen und überhaupt alles hetzen, was dem totalen Geschäft freien Markt im Wege steht ...

schon so manches festgestellt, festgestellt, festgestellt, nun eben auch den bewiesenen Zusammenhang zwischen plötzlichem Kindstod und Passivrauchen (wer hat's gefunden? quirinus). Die Wissenschaft wird auch noch so manches feststellen, feststellen, feststellen; beispielsweise daß Frauen bei einer Vergewaltigung höchstmöglichsteste Lustst verspüren würden, wären sie nicht durch den veralteten Verhaltenskodex einer lustfeindlichen Gesellschaft anders konditioniert; oder auch daß Araber im Allgemeinen - und Palästinenser im Speziellen - genetisch bedingt zu Terror neigen (Israel!), besonders wenn Medienvertreter in der Nähe sind. Die Wissenschaft hatte schon früher festgestellt, festgestellt, festgestellt, daß die slawischen Völker rassisch minderwertig und - noch früher - daß Frauen aufgrund ihrer Gene zu kulturellen Leistungen unfähig sind. Die Beweise waren, sind und werden sein - das macht diese Art von Wissenschaft so sympathisch - unwiderlegbar. Es ist eine unabhängige Wissenschaft, die alles beweist, was ihren Mentoren wünschenswert erscheint. - Ich meine, wir erinnern uns doch wohl an die Bilder aus dem Warschauer Ghetto: die Juden waren wirklich verwahrlost, heimtückisch und gefährlich. Unwiderlegbar!

Seit Jahren habe ich keine normalen jungen Türkinnen mehr gesehen, wenn überhaupt je. Sicher gibt es sie, aber anscheinend verstecken sie sich vor mir und werden schon wissen, weshalb sie das tun. Ich weiß es aber nicht.

Junge Türkinnen - wenn ich die fragte, würden sie gewiß sagen: "deutsche Staatsbürgerschaft, Alter", aber kommt es darauf an? Ich meine, bloß weil ihre Eltern einen Migrationshintergrund haben, muß man das nicht in den Vordergrund stellen.

Carmens Eltern sind aus Spanien eingewandert, als sie zwei Jahre alt war; sie ist Deutsche, weil sie die hiesige Kultur angenommen hat (und kritisch durchleuchtet, dieses Balg: mit Zwille bewehrt auf Demonstrationen gegangen!). Sie ist aber auch Spanierin, weil Herkunft und Tradition ihrer Eltern Teil ihres Lebens sind. Und sie spricht beide Sprachen sehr gut.

Spanien und Deutschland, das geht auch eher zusammen als Türkei und Deutschland. In Deutschland geborene Türken wachsen zwischen zwei einander fremden Kulturen auf, das ist schwer vereinbar; man spricht weder richtig deutsch noch richtig türkisch (Frauen als von Haus aus sprachbegabtere Menschen kommen da noch am ehesten zurecht), es ist schon ein Kreuz bzw. ein Halbmond. "Crescent" klingt in dem Zusammenhang gut, "cross and crescent", nicht wahr? Aber was wollte ich noch sagen ...

Junge Türkinnen also: entweder laufen sie verschleiert herum, aus Protest gegen unsere pornographierende Gesellschaft, oder sie takeln sich nuttig auf, aus Protest gegen rigiden Traditionalismus im Elternhaus. Beides ist verständlich, beides ist scheiße. Als ob es keine andere Möglichkeit gäbe. - Vielleicht gibt es wirklich keine?

Ich möchte jedenfalls nicht zwischen zwei Kulturen aufgewachsen sein und zu leben haben und bin froh, mich zur abendländischen Tradition bekennen zu können, genauer gesagt - da gibt es feine Unterschiede - zur aufgeklärten und weltoffenen abendländischen Tradition, denn man kennt doch auch die Schattenseiten, z.B. dies beknackte Körper-Seele-Scheinproblem, das ist schon ein Kreuz (und kein Halbmond).

Nein, für mich bitte keinen Migrationshintergrund. Zumal sich dieses Wort, scheinbar korrekt, verkappte Rassisten ausgedacht haben. Die ganze political correctness kommt von Leuten, die grundsätzlich schlecht von Anderen denken und dies zu tarnen versuchen. Türke, egal welcher Nationalität, also: Türke - das sagt doch etwas aus, das hat Würze, Romantik und Kultur. Migrationshintergrund - da kann man sich nur bekreuzigen oder ausrufen: "Ai, der Scheitan!"

Im vorigen Frühjahr schloß das hiesige HiFi-Geschäft und zog schnöde in ein anderes Stadtviertel: "Neustadt ade!" - "Tschüs Heifi!". Da war man denn gespannt, was da als nächstes hinkäme. Natürlich längst vergessen, welcher Laden dort früher seine Waren feilbot.

Die Zeiten sind dahin, als man seine Einkäufe noch bequem in der Nachbarschaft besorgen konnte: Moden, Schuhe, Schreib- und Spielwaren, Fisch, Delikatessen, Drogerie, Tankstelle (später Getränkemarkt, heute Neubau, in dessen Erdgeschoß ein Cafe mit immer neuen Namen überrascht), Heißmangel (ohne Scheiß, im Souterrain eines winzigen Hauses in einer Seitenstraße). KäseButterMilch - vorüber, futsch, vorbei. Erst kamen die Ladenketten, dann die Supermärkte, schließlich die "Malls", und sie haben die kleinen Geschäfte dahingerafft.

Also Quickshop, Geschenkeladen, Kebab Gedöns, Friseur, Videothek, Computergames, Asia oder Thai? Eine von diesen Buden, in die man niemals jemanden hineingehen, geschweige denn herauskommen sieht? Halt, da hat gerade jemand "Geldwäsche" gesagt, hab ich genau gehört. Schon wieder diese negativen Schwingungen! Weshalb sollte denn nicht ein Idealist sein Privatvermögen aus Leidenschaft in solch ein Defizitunternehmen hineinpulvern, hm? Und da es immer mehr solcher Idealisten gibt, braucht uns um die Zukunft der Menschheit nicht bange zu sein, so sieht das nämlich aus, wenn man seine Vorurteile mal ein wenig mit Optimismus überzuckern lässt.

Aber zurück zu dem leerstehenden Ex-HiFi-Laden. Im Oktober prangten dort Ölgemälde in den Schaufenstern, z.B. Neuschwanstein, Großstadtskyline, Indianersquaw, Luftballons, Edith Piaf ("Edith Piaf" stand unter dem Kopf im Bild) und weitere anspruchsvolle Sujets, alle mit Preisschildern versehen, deren Zahlenangaben wohl dem Materialwert von Leinwand und Farben mal den Arbeitsstunden entsprachen. Von Licht, Komposition und Maltechnk waren diese Exponate erfreulich unbeleckt. Waren, denn seit ein paar Tagen sind diese Räume wieder ein ordnungsgemäßer Ex-HiFI-Laden.

Müßte ich zwischen - da wollte gerade wieder jemand "Geldwäsche" sagen, ich merk sowas doch! - zwischen Idealistentum und Kunst wählen, ich wüßte es nicht. Vielleicht zu Wohnraum umbauen? Oder gleich abreißen? Oder für Obdachlose öffnen? Das wäre immerhin eine gute Tat. Obdachlose mögen eigenwillig riechen, aber sie stinken nicht vor Geld. Das bekanntlich nicht stinkt. Weshalb es dann aber dauernd und immer öfter und in immer mehr Läden gewaschen werden muß, mag der Deibel wissen.

 

twoday.net AGB

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