1968
aus aller Welt
ballaballa
Beobachtungen in der Natur
charmsing
deutsche kenneweiss
Dicki TV
Dickimerone
Dickis Reisen
die kleine Anekdote
dirty old town
Empfehlung
Erwins Welt
Eugen
in eigener Sache
Java
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
icon

 
Night of the Hunter: auf die Finger der einen Hand ist 'love', auf die der anderen 'hate' tätowiert. Dramatisch ringen die Hände miteinander. Oder der Herr der Ringe: Phantasiewelt voller Zauberkünste, das Böse bedroht das Gute, Entscheidungsschlacht, die stärkeren Bataillone siegen. Die Alternativ-Szene (Ende der Siebziger) hat über all dem bramabarsierendem Mummenschanz das Bedenkliche nicht erkannt. Und nur vor dem Hintergrund des "Krieg gegen den Terrorismus" war der Filmtrilogie ein solcher Erfolg beschieden. Das Gute erkennt man an seiner militärischen Überlegenheit, sagt der Zyniker.

Vielleicht ist "das Gute" nicht mehr als das Verantwortungsgefühl, seinen Mitmenschen nicht zu schaden. Und "das Böse"? Es gibt Untaten aus dem Affekt heraus. Es gibt Untaten mit Kalkül. Beiden gemeinsam ist die Fähigkeit des Täters, seine Vergehen oder Verbrechen als Unrecht zu begreifen.

Wenn aber dem Täter jedes Mitgefühl und jeglicher moralischer Maßstab fehlt? Dann verleiht er seiner Tat ein positives Image: Regierungschefs erklären der staunenden Welt, daß sie Krieg führen müssen, um den Frieden zu bewahren. Oder Sozialversicherungen aushöhlen und zerstören ("reformieren"), um sie zu erhalten. Freunde (?) erklären einem, sie wollten die Freundschaft nicht aufgeben, aber es sei "ein Abstand eingetreten" (den sie selbst herbeigeführt haben).

Ob es nun heißt "Arbeit macht frei" oder "im bedingungslosen Gehorsam zu den heiligen Glaubensgrundsätzen finden wir unsere wahre Freiheit" oder "um die Freiheit zu verteidigen, müssen wir die Freiheiten einschränken" - immer wird eine Freiheit beschworen, die im Verlust jeder Freiheit besteht.

Ich glaube euch kein Wort mehr. In euren Äußerungen vereinbart ihr das Unvereinbare. Euren Taten liegt die Abwesenheit jeglichen Mitgefühls zugrunde. Ihr seht nur eure Interessen - um buchstäblich jeden Preis.

Positiv gesagt: Glaube ist die Nabelschnur, die uns mit der Seele der Welt verbindet. Euch fehlt jeglicher Glaube, gerade wenn ihr euren Glauben am lautesten herausschreit. Ob euer Gott nun Allah, Zebaoth, der Gekreuzigte oder Mammon heißt: ihr wollt Macht, und Macht manifestiert sich in Zerstörung. Sela.

Ob es sich nun wirklich um ein Schwein handelte oder um eine Sparbüchse unterschiedlichster Gestalt - wer mit dem Sparschwein aufgewachsen ist, hat gelernt, daß nur das Geld ausgegeben werden kann, das tatsächlich vorhanden ist. Jedenfalls dann, wenn die Eltern vernünftig genug waren, keinerlei Vorschuss auf eventuell zukünftig Erspartes auszuzahlen.

Je schwerer das Sparschwein wurde und je weniger leeres Geklapper aus seinem Innern drang, desto interessanter wurde die Frage, welches Vermögen es in seinem Bauch bereits barg. Mit einem Obstmesser, einem Brieföffner oder einer Nagelfeile stocherte man im Münzschlitz des überkopf gehaltenen Schatzkästleins und förderte Pfennige, Groschen und ab und zu auch einen Fünfziger zutage, zählte das Geld, spekulierte, wie lange es noch dauern mochte, bis die erforderliche Summe für die geplante Anschaffung zusammengespart sein würde und freute sich auf die Erfüllung eines kleinen, aber mit Beharrlichkeit gehegten Wunsches.

sparschwein1.jpeg

Sparen konnte ich schon, bevor ich ein Sparschwein hatte. Von meinen drei Groschen wöchentlichem Taschengeld legte ich ab Oktober einen oder zwei zurück, bis ich die 1,50 DM für das große Felix-Weihnachts-Sonderheft 1965 - mit Goldfarbe bedruckt! - beisammen hatte.

Unvernünftige Eltern untergraben den Realitätssinn ihrer Kinder, indem sie ihnen dauernd Sonderwünsche erfüllen. So sind offenbar unsere Politiker und Manager aufgewachsen. Sie reden viel vom Sparen - und damit man ihnen glaubt, streichen sie immer dreister an allen sozialen Leistungen herum - aber sie geben mit beiden Händen Geld zum Alleinwohl der Wirtschaft (und zu ihrem persönlichen Wohlergehen) aus; ist nicht genügend Geld zum Abarbeiten der jeweiligen Wunschliste vorhanden, werden Kredite aufgenommen. Dies fällt ihnen leicht, da es sich nicht um ihr Eigentum handelt, sondern um Steuergelder oder Firmenvermögen.

Wie leicht lebt es sich mit der Verantwortungslosigkeit, wenn andere die Zeche zahlen. Sie haben nicht einmal Vergnügen daran; es ist ihnen nie genug (als quasi-Kommentar spielt Funkhaus Europa soeben 'Bankrobber Blues' von den Tiger Lillies).

Welche Freude aber bereitet ein sich allmählich füllendes Sparschwein, wie erwartungsfroh ist das Sparen auf etwas, das man sich wirklich wünscht. Und sei der Wunsch auch nur ein mit Goldfarbe bedrucktes Felix-Weihnachts-Sonderheft.

bevormund.gif

Frechheit, ich fahre jeden Tag Rad!

Vielen Menschen macht die Arbeitslosigkeit zu schaffen. Das muß nicht sein! Wir baten international angesehene Experten, Tipps für Arbeitslose zusammenzustellen. Hier sind die sechs wichtigsten:

1) Treten Sie in ein Kloster ein, bevor die Klöster mit Abeitslosen überfüllt sind. Noch haben Sie die freie Auswahl.

2) Entdecken Sie eine neue Variante des Pilotenspiels für sich. Gründen Sie mit staatlicher Unterstützung eine Beraterfirma. Beraten Sie andere Arbeitslose bei der Gründung einer Beraterfirma und kassieren Sie dafür staatliche Zuschüsse. Melden Sie rechtzeitig Insolvenz an, bevor es vor lauter Beraterfirmen keine zu beratenden Arbeitslosen mehr gibt.

3) Arbeit lenkt ab. Bieten Sie Ihre Arbeitskraft unentgeltlich an. Gewiß finden sich hilfsbereite Menschen, die Ihnen einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen. Die Tätigkeit wird Ihnen ein Gefühl innerer Zufriedenheit geben.

4) Arbeitslosigkeit kann süchtig machen. Der abhängige Arbeitslose berauscht sich an einer Mixtur aus vergeblichen Bewerbungen, leerem Portemonaie und Sinnsprüchen wie "der Druck auf die Arbeitslosen muß erhöht werden". Die Gründung von Ortsgruppen der "Anonymen Arbeitslosen" wird empfohlen.

5) Begehen Sie Einbrüche und lassen Sie sich auf frischer Tat ertappen. Im Gefängnis läßt Sie die Bundesagentur für Arbeit in Ruhe. Überlegen Sie mal: keine vergeblichen Bewerbungen, keine Sorge um Ihre Wohnung, drei Mahlzeiten täglich und ein interessantes Ambiente.

6) Opponieren Sie nicht gegen die herrschenden Zustände. So etwas gehört sich nicht. Oder wollen Sie den unmittelbar bevorstehenden Aufschwung gefährden? Denken Sie positiv: die Luft zum Atmen gibt es kostenlos.

Als ich am Nachmittag des 11. Septenber 2001 durch einen Arbeitskollegen von den Anschlägen in New York erfuhr, sah ich mich in einem der Flugzeuge sitzen, mitleidlos in den Tod gelenkt.

Noch hatte ich nicht den Mut, in einen der Züge einzusteigen, eine der Bombenexplosionen mitzuerleben und das Grauen und den unendlichen Schmerz zu fühlen. Ich hätte einige Fragen zum Tathergang und zu den schnell gefundenen Beweisen, aber die erschienen mir wie kalte Logik. Und davon ist unsere - zivilisierte? - Welt übervoll.

Grüße an Fleischmann

 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma