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Steh ich heut an einer Ampel, die Linksabbieger aus der Gegenrichtung brausen vorbei. Ein Laster nähert sich, beschleunigt - aha, denke ich, jetzt ist die Ampel Gelb - und saust auf die Kreuzung und legt sich in die Kurve: den hab ich schon kippen sehen. Der Fahrer (stand da "Günter" auf seinem Namensschild oder phantasiere ich?) sah mich kurz an, vermutlich stolz, daß er mir eine oder zwei Sekunden meiner Grünphase wegschnappen konnte. - Na und, solange der nur anderswo umkippt!

Essen mag man nicht mehr, wenn man im Ruhrgebiet wohnt.

Weil der Kollege Huflaikhan mich hier kürzlich besuchte, las ich endlich wieder in seinem Weblog Kritische Masse, und zwar just, als er dort einen Aufsatz von Siegfried Kracauer aus dem Jahr 1929, "Die Angestellten", besprach. Darin beobachtet Kracauer die Normierung der Menschen in all den kleinen, unscheinbaren Anpassungsschritten, die uns heute so sehr vertraut sind, daß ein Fernseh-Camp mit Schönheitsoperationen durchgeführt werden kann (in den USA bereits erfolgreich gesendet). Die "zivilisierte Welt" benötigt keine Individuen mehr (weder in körperlicher noch in geistiger Hinsicht). Insofern drehen wir uns nicht im Kreis, sondern erleben die Verdrängung des homo sapiens sapiens durch (neuro-linguistisch) programmierbare Humanoiden. Mehr dazu beim spielverderber.

Des Kanzlers Rede zum 20. Juli hat mir klargemacht, daß tout Europe heute wie ein Mann im Kampf gegen das verbrecherische und kriegstreiberische Hitlerregime zusammenst... - Moment mal: Das dritte Reich wurde vor fast 60 Jahren auf den Müllhaufen der Geschichte gefegt! Und was haben wir seitdem gelernt?

1) Der Ball ist rund
2) Entscheidend ist, was hinten rauskommt
3) Freie Fahrt für freie Bürger
4) Vermögen ist gut, funktionieren ist besser
5) Moral gefährdet den Wirtschaftsstandort Deutschland
6) Rauchen gefährdet den Gesundheitsstandort Deutschland
7) Denken gefährdet - äh, denken?
8) Bilanz gut, alles gut
9) Und nicht vergessen Freunde, immer hübsch fröhlich bleiben

Ein immer wieder schöner Witz: ein Käufer ruft beim Kundenservice an und schimpft, daß sein nagelneuer Computer nicht funktioniert. - "Haben Sie das Gerät denn auch eingeschaltet?"

Die Wirklichkeit stellt aber alles in den Schatten und ist auch nicht witzig, wie ich heute als unmittelbar Beteiligter erfuhr. Da saßen wir Stunden am PC einer Freundin, endlich war - nach tagelang erduldeten Rückschlägen (die ich zum Glück nicht miterlebt hatte) - alles installiert und die Webverbindung erfolgreich eingerichtet (zum x-ten Mal), nur noch eben gesicherte Dateien vom ZIP-Laufwerk überspielen. Absturz. Noch einer. Und noch einer. Und plötzlich gab's auch kein Internet mehr. Wir waren ratlos.

Mein Blick fiel auf den Fußboden, ich sah bunte Fäden in einem schwarzen Stoffband, so dachte ich jedenfalls, fragte ahnungslos: was ist das hier eigentlich, fasste es an, lupfte den Teppichrand, unter dem es verschwand - man glaubt es kaum, es war das Modem-Kabel, mehrfach aufgesprungen, sodaß die farbig umhüllten Drähte herausquollen; mehrere Quetschstellen waren sichtbar, sogar ein regelrechter Knick. Wieder mal ein Fall von Kontaktstörungen.

Da wunderte uns gar nichts mehr: durch solche Türen mag das Internet nicht eintreten.

Gestern morgen war ich beim Arbeitsamt - pardon, bei der Aschentür pour Arbejt - und durfte einem Vortrag darüber lauschen, was alles für die Empfänger von Arbeitslosengeld getan werde. "Mehr kann man nicht tun", sagte der durchaus freundliche Herr, und zählte dann auf, was alles getan werde, damit Unternehmen wieder mehr Menschen einstellen und ausbilden. "Mehr kann man nicht tun", schloß er seine Mahnung an mich ab (ich wollte mich nicht auf eine Stelle bewerben, für die ich nicht qualifiziert bin und in die ich auch garantiert nicht hineingebildet oder -qualifiziert werde).

"Mehr kann man nicht tun." - Oh, man könnte schon, wenn unsere sogenannten demokratischen Parteien sich um das Wohlergehen "der Menschen im Lande da draußen" sorgen würden, statt vollständig zu Ansammlungen Machtwilliger und -gieriger geworden zu sein. Die Grünen - hervorgegangen aus Protestbewegungen - haben diesen Weg in weniger als 20 Jahren zurückgelegt und auch die PDS - hervorgegangen aus einer staatstragenden Partei - wird nicht lange brauchen, eine reine Machtorganisation zu werden.

Mehr kann man nicht tun? Die Manager und Wirtschaftsfunktionäre wollen mehr, da ausgerechnet SPD und Grüne die Demontage der Sozialgesetzgebung so vielversprechend vorantreiben. 50-Stunden-Woche, weniger Urlaub, weniger Feiertage, offene Erpressung mit der Androhung, Arbeitsplätze zu verlagern: jetzt geht der Spaß erst richtig los. Die Menschen zählen nicht. Wichtig sind nur Bilanzen (die bei Bedarf betrügerisch geschönt werden) und Macht.

Positiv kann man sagen: nie war die Bundesrepublik engagierter im Kampf gegen die NSDAP als heute, nie wurde konsequenter im Kampf gegen das Rauchen um die Volksgesundheit gerungen als heute, nie waren wir flexibler beim Abbau "markthemmender Regelungen", nie war die Wortwahl der Mächtigen positiver gefärbt.

Wenn das keine Fortschritte sind!
Räder müssen rollen für das Wachstum. Ein Volk, ein Vaterland, ein Unternehmen. Wirtschaft befiehl, wir folgen. H ... oppla.

 

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