Nach einer Reihe von Kurzgeschichten für Krimi-Magazine veröffentlichte Dashiell Hammett 1929 seinen ersten Roman "Rote Ernte". Sein "Detektiv bei Continentals" (Titel einer Sammlung seiner Kurzgeschichten) räumt hier fast im Alleingang eine Gangsterbande aus der Stadt Peaceville, meist Pissville genannt. Intrigen, Schießereien, Tote, Morde - die Action ist spektakulär. Der Erzählstil ist lapidar, ironisch; die Menschen sind aus Fleisch und Blut und reden Umgangssprache; die Verbrecher sind keine Ungeheuer, sondern schlicht Menschen, die das Gesetz brechen. Der Roman ist amüsant und unterhaltsam, aber nicht umwerfend.
Ein Jahr später wird "Der Malteser Falke" veröffentlicht. Hammett, der auch zuvor stets aus seiner langjährigen Erfahrung als Pinkerton-Detektiv geschöpft hatte, versuchte sich hier an der Studie einer Frau ohne Moral, und weil er ein guter Beobachter war, ist dieser Versuch gelungen.
Frau ohne Moral: sofort denkt man an die männertypische Angst, von einer Frau betrogen zu werden. Von einer Frau, die versichert, ihn zu lieben, aber aus seiner Sicht das Versprechen nicht einlöst; die stattdessen den Mann zugunsten eines anderen Mannes verrät. Deutlicher werde ich nicht sagen, welche Frau im Leben eines Mannes diese Angst hervorgerufen hat. Hammett scheint genau diese Angst zu thematisieren - aber er geht weit darüber hinaus.
Sam Spade (in John Hustons Verfilmung von Humphrey Bogart gespielt) wird für eine Beschattung engagiert, die dann sein Partner Miles Archer übernimmt, der offenbar auf ein Abenteuer mit der Klientin hofft. Spades Partner wird erschossen aufgefunden, Spade gerät erstens selbst in Verdacht und zweitens immer tiefer in die Jagd nach dem ominösen Falken. Er versucht der Klientin, einer Brigid O'Shaughnessy, zu helfen, obwohl sie ihm mit einem Haufen falscher Geschichten kommt und er sie nicht dazu bringen kann, ihm die Wahrheit anzuvertrauen. Er vertraut ihrer Angst und seinem Spürsinn, nicht ihren Worten. Nach vielen Intrigen zwischen und etlichen Auseinandersetzungen mit Brigid, ihren Mitganoven und einem Revolvermann hält er schließlich alle Trümpfe in der Hand und offenbart sich der Polizei. Und er entlarvt Brigid als Mörderin seines Partners.
"Du hast mich eine Lügnerin genannt", sagte sie. "Jetzt lügst du. Du lügst, wenn du sagst, daß du, trotz allem, was ich getan habe, im tiefsten Herzen nicht weißt, daß ich dich liebe."
Spade machte unvermittelt eine kurze Verbeugung. Das Weiße in seinen Augen rötete sich, sonst aber änderte sich nichts in seinem schweißnassen, gelblichen, starr lächelnden Gesicht. "Vielleicht liebe ich dich", sagte er. "Na und? Dir sollte ich trauen? Dir, die diesen hübschen, kleinen Trick für - für meinen Vorgänger Thursby ausgeheckt hat? Dir, die Miles umgelegt hat, eine Mann, der dir nichts getan hatte, kaltblütig, wie wenn man eine Fliege totschlägt, nur um damit Thursby vielleicht loszuwerden? Dir, die Gutman, Cairo, Thursby hinters Licht geführt hat - eins, zwei, drei? Dir, die du auch nicht eine halbe Stunde lang, seit ich dich kenne, mit offenen Karten mit mir gespielt hast? Dir sollte ich trauen? Nein, nein, mein Liebling! Das täte ich nicht, auch wenn ich's könnte! Warum sollte ich auch?"
Spades Augen waren jetzt blutunterlaufen, und sein lange festgefrorenes Lächeln hatte sich in eine fürchterliche Grimasse verwandelt. (...) Er legte ihr eine Hand auf die Schulter. Die Hand zitterte und zuckte. "Mir ist's egal wer wen liebt. Ich werde nicht den Dummen für dich spielen. Ich werde nicht in Thursbys und wer weiß wessen Fußstapfen treten. Du hast Miles umgebracht, und dafür mußt du jetzt bezahlen. (...)"
Sie legte eine Hand auf seine Hand auf ihrer Schulter. "Dann hilf mir nicht", flüsterte sie, "aber tu mir nicht weh. Laß mich jetz gehen."
"Nein", sagte er. "Ich bin verloren, wenn ich dich nicht der Polizei übergeben kann, sobald sie kommt. Das ist noch das einzige, was mich davor bewahrt, mit den anderen unterzugehen."
"Das willst du nicht für mich tun?"
"Ich will nicht den Dummen für dich spielen."
"Bitte, sag das nicht." (...)
(...) "Hör zu!" Er packte sie bei den Schultern, drückte sie zurück und beugte sich über sie. "Wenn dir das alles nichts sagt, vergiß es, und wir wollen's so ausdrücken: ich werde es nicht tun, weil alles in mir mich drängt, zu sagen, der Teufel soll die Folgen holen, tu's! - Und weil - der Teufel soll dich holen - du damit bei mir gerechnet hast, genau wie du bei den anderen damit gerechnet hast." (...)
(...) Sie hob ihr Gesicht dem seinen entgegen. Ihr Mund war leicht geöffnet, die Lippen ein wenig vorgeschoben. Sie flüsterte: "Wenn du mich liebtest, brauchtest du nichts weiter auf der Gegenseite."
Spade biß die Zähne zusammen und sagte: "Ich will nicht den Dummen für dich spielen."
Sie geht aufs Ganze, und er ist drauf und dran, ihrer Umarmung zu erliegen. Er hält sie im Arm, als die Polizei klingelt. Spade ist klug genug, um sie zu durchschauen, aber schwach genug, um dennoch auf sie hereinzufallen - beinahe.
Eine Bemerkung zum Schluß: Der Beweis für die Existenz des Malteser Falken, angeblich eine juwelenbesetzte goldene Statuette, ist von so vielen 'vielleichts' und 'vermutlichs' geprägt, daß sich der Gedanke an die Gralsgeschichte in Umberto Ecos "Das Foucaultsche Pendel" mächtig aufdrängt. Eco muß zumindest dieser Teil von Hammetts Roman sehr gefallen haben.
Ein Jahr später wird "Der Malteser Falke" veröffentlicht. Hammett, der auch zuvor stets aus seiner langjährigen Erfahrung als Pinkerton-Detektiv geschöpft hatte, versuchte sich hier an der Studie einer Frau ohne Moral, und weil er ein guter Beobachter war, ist dieser Versuch gelungen.
Frau ohne Moral: sofort denkt man an die männertypische Angst, von einer Frau betrogen zu werden. Von einer Frau, die versichert, ihn zu lieben, aber aus seiner Sicht das Versprechen nicht einlöst; die stattdessen den Mann zugunsten eines anderen Mannes verrät. Deutlicher werde ich nicht sagen, welche Frau im Leben eines Mannes diese Angst hervorgerufen hat. Hammett scheint genau diese Angst zu thematisieren - aber er geht weit darüber hinaus.
Sam Spade (in John Hustons Verfilmung von Humphrey Bogart gespielt) wird für eine Beschattung engagiert, die dann sein Partner Miles Archer übernimmt, der offenbar auf ein Abenteuer mit der Klientin hofft. Spades Partner wird erschossen aufgefunden, Spade gerät erstens selbst in Verdacht und zweitens immer tiefer in die Jagd nach dem ominösen Falken. Er versucht der Klientin, einer Brigid O'Shaughnessy, zu helfen, obwohl sie ihm mit einem Haufen falscher Geschichten kommt und er sie nicht dazu bringen kann, ihm die Wahrheit anzuvertrauen. Er vertraut ihrer Angst und seinem Spürsinn, nicht ihren Worten. Nach vielen Intrigen zwischen und etlichen Auseinandersetzungen mit Brigid, ihren Mitganoven und einem Revolvermann hält er schließlich alle Trümpfe in der Hand und offenbart sich der Polizei. Und er entlarvt Brigid als Mörderin seines Partners.
"Du hast mich eine Lügnerin genannt", sagte sie. "Jetzt lügst du. Du lügst, wenn du sagst, daß du, trotz allem, was ich getan habe, im tiefsten Herzen nicht weißt, daß ich dich liebe."
Spade machte unvermittelt eine kurze Verbeugung. Das Weiße in seinen Augen rötete sich, sonst aber änderte sich nichts in seinem schweißnassen, gelblichen, starr lächelnden Gesicht. "Vielleicht liebe ich dich", sagte er. "Na und? Dir sollte ich trauen? Dir, die diesen hübschen, kleinen Trick für - für meinen Vorgänger Thursby ausgeheckt hat? Dir, die Miles umgelegt hat, eine Mann, der dir nichts getan hatte, kaltblütig, wie wenn man eine Fliege totschlägt, nur um damit Thursby vielleicht loszuwerden? Dir, die Gutman, Cairo, Thursby hinters Licht geführt hat - eins, zwei, drei? Dir, die du auch nicht eine halbe Stunde lang, seit ich dich kenne, mit offenen Karten mit mir gespielt hast? Dir sollte ich trauen? Nein, nein, mein Liebling! Das täte ich nicht, auch wenn ich's könnte! Warum sollte ich auch?"
Spades Augen waren jetzt blutunterlaufen, und sein lange festgefrorenes Lächeln hatte sich in eine fürchterliche Grimasse verwandelt. (...) Er legte ihr eine Hand auf die Schulter. Die Hand zitterte und zuckte. "Mir ist's egal wer wen liebt. Ich werde nicht den Dummen für dich spielen. Ich werde nicht in Thursbys und wer weiß wessen Fußstapfen treten. Du hast Miles umgebracht, und dafür mußt du jetzt bezahlen. (...)"
Sie legte eine Hand auf seine Hand auf ihrer Schulter. "Dann hilf mir nicht", flüsterte sie, "aber tu mir nicht weh. Laß mich jetz gehen."
"Nein", sagte er. "Ich bin verloren, wenn ich dich nicht der Polizei übergeben kann, sobald sie kommt. Das ist noch das einzige, was mich davor bewahrt, mit den anderen unterzugehen."
"Das willst du nicht für mich tun?"
"Ich will nicht den Dummen für dich spielen."
"Bitte, sag das nicht." (...)
(...) "Hör zu!" Er packte sie bei den Schultern, drückte sie zurück und beugte sich über sie. "Wenn dir das alles nichts sagt, vergiß es, und wir wollen's so ausdrücken: ich werde es nicht tun, weil alles in mir mich drängt, zu sagen, der Teufel soll die Folgen holen, tu's! - Und weil - der Teufel soll dich holen - du damit bei mir gerechnet hast, genau wie du bei den anderen damit gerechnet hast." (...)
(...) Sie hob ihr Gesicht dem seinen entgegen. Ihr Mund war leicht geöffnet, die Lippen ein wenig vorgeschoben. Sie flüsterte: "Wenn du mich liebtest, brauchtest du nichts weiter auf der Gegenseite."
Spade biß die Zähne zusammen und sagte: "Ich will nicht den Dummen für dich spielen."
Sie geht aufs Ganze, und er ist drauf und dran, ihrer Umarmung zu erliegen. Er hält sie im Arm, als die Polizei klingelt. Spade ist klug genug, um sie zu durchschauen, aber schwach genug, um dennoch auf sie hereinzufallen - beinahe.
Eine Bemerkung zum Schluß: Der Beweis für die Existenz des Malteser Falken, angeblich eine juwelenbesetzte goldene Statuette, ist von so vielen 'vielleichts' und 'vermutlichs' geprägt, daß sich der Gedanke an die Gralsgeschichte in Umberto Ecos "Das Foucaultsche Pendel" mächtig aufdrängt. Eco muß zumindest dieser Teil von Hammetts Roman sehr gefallen haben.
Dicki - am Di, 03. August 2004, 23:28 - Rubrik: Musik und so weiter
Deutschland ist das Land mit den meisten Schweizen. Wie es die Schweiz bei uns zu solcher Beliebtheit gebracht hat, ist mir nicht bekannt, aber es gibt kaum eine Region in Deutschland, die nicht über ihre eigene Schweiz verfügt. Diese nachgemachten Schweizen sind natürlich kleiner und nicht so eindrucksvoll wie das Original. Holsteinische, Märkische, Mecklenburgische, sogar , um nur ein paar zu nennen. Selbst bei der Ortschaft Lilienthal gibt es eine: die Heidberger Schweiz. Die ist aber so klein, daß sie nur Platz für ein Hinweisschild am Straßenrand bietet.
(Die mangelnde Bildqualität bitte ich zu entschuldigen. Wegen Nichtbesitzes einer Digitalkamera mußte ich auf dieses Pseudo-Luftbild zurückgreifen.)
(Die mangelnde Bildqualität bitte ich zu entschuldigen. Wegen Nichtbesitzes einer Digitalkamera mußte ich auf dieses Pseudo-Luftbild zurückgreifen.)
Dicki - am Sa, 31. Juli 2004, 22:32 - Rubrik: mein Deutschland
Seit ich in meiner Sparkassenfiliale eine peinliche Situation ertragen mußte, habe ich immer einen Personalausweis in der Tasche, sobald es um Transaktionen finanzieller Natur geht. Damals hatte ich arglos einen selbstausgestellten Scheck auf den Tresen gelegt und erwartete den allmonatlichen Geldsegen. Ein kleines Blatt Papier hinüberreichen und die dicke Marie kassieren.
Diesmal kam es anders. "Haben Sie einen Ausweis dabei?" fragte freundlich die Angestellte. Und schon hatte sie mich auf dem falschen Fuß erwischt, wie der Fußballer sagt. Kein Ausweis, kein Führerschein, kein nichts, kein gar nichts. Der unausgesprochene Vorwurf, ich sei ein Betrüger, verleitete mich zu dem Bekenntnis, keinen Führerschein zu besitzen, was das Mißtrauen der Gegenseite nur verstärkte. Doch war dies noch die geringste Peinlichkeit.
"Die Unterschrift sieht Ihrer gar nicht ähnlich," begründete sie ihre ablehnende Haltung. Au weia. "Ich habe keine Unterschrift," stammelte ich, "äh, das heißt, ich unterschreibe jedesmal anders, nach Stimmung und Gelenkigkeit der Hand." - "So darf ich Ihnen kein Geld auszahlen; Sie könnten ja irgend jemand anderes sein." Schreck laß nach! Gleich machen die hier Feierabend, die Zeit reicht nicht, meine Ausweis zu holen, natürlich passiert das an einem Freitag, mir steht ein Wochenende mit leerem Kühlschrank bevor - ich mußte wohl ziemlich blaß geworden sein, denn sie kam mir entgegen: "Vielleicht kennt Sie einer meiner Kollegen?" - "Ich komme seit Jahren jeden Monat hierher, irgendwer sollte mich doch kennen!" Doch außer meiner Peinigerin war niemand im Raum zugegen.
Das ist das Ende! Ich sah mich verhungert und verdurstet mumifiziert in meiner Wohnung liegen, zerkaute Seiten eines Kochbuchs zwischen den Zähnen - hatte meine Not sie gerührt, mein ehrliches Gesicht sie überzeugt? Unter Ermahnungen zahlte sie mir das Geld - mein Geld - aus. Bar jeder Würde bedankte ich mich und schlich hinaus, als Fälscher meiner Unterschrift abgestempelt, ja, als stümperhafter Fälscher meiner eigenen Unterschrift gebrandmarkt.
Jeder Einkauf erinnerte mich an das unselige Erlebnis, bis endlich das Haushaltsgeld ausgegeben war; ich fühlte mich gerade so, als hätte ich mir dies Geld unrechtmäßig angeeignet. Oh, diese Peinlichkeit!
Diesmal kam es anders. "Haben Sie einen Ausweis dabei?" fragte freundlich die Angestellte. Und schon hatte sie mich auf dem falschen Fuß erwischt, wie der Fußballer sagt. Kein Ausweis, kein Führerschein, kein nichts, kein gar nichts. Der unausgesprochene Vorwurf, ich sei ein Betrüger, verleitete mich zu dem Bekenntnis, keinen Führerschein zu besitzen, was das Mißtrauen der Gegenseite nur verstärkte. Doch war dies noch die geringste Peinlichkeit.
"Die Unterschrift sieht Ihrer gar nicht ähnlich," begründete sie ihre ablehnende Haltung. Au weia. "Ich habe keine Unterschrift," stammelte ich, "äh, das heißt, ich unterschreibe jedesmal anders, nach Stimmung und Gelenkigkeit der Hand." - "So darf ich Ihnen kein Geld auszahlen; Sie könnten ja irgend jemand anderes sein." Schreck laß nach! Gleich machen die hier Feierabend, die Zeit reicht nicht, meine Ausweis zu holen, natürlich passiert das an einem Freitag, mir steht ein Wochenende mit leerem Kühlschrank bevor - ich mußte wohl ziemlich blaß geworden sein, denn sie kam mir entgegen: "Vielleicht kennt Sie einer meiner Kollegen?" - "Ich komme seit Jahren jeden Monat hierher, irgendwer sollte mich doch kennen!" Doch außer meiner Peinigerin war niemand im Raum zugegen.
Das ist das Ende! Ich sah mich verhungert und verdurstet mumifiziert in meiner Wohnung liegen, zerkaute Seiten eines Kochbuchs zwischen den Zähnen - hatte meine Not sie gerührt, mein ehrliches Gesicht sie überzeugt? Unter Ermahnungen zahlte sie mir das Geld - mein Geld - aus. Bar jeder Würde bedankte ich mich und schlich hinaus, als Fälscher meiner Unterschrift abgestempelt, ja, als stümperhafter Fälscher meiner eigenen Unterschrift gebrandmarkt.
Jeder Einkauf erinnerte mich an das unselige Erlebnis, bis endlich das Haushaltsgeld ausgegeben war; ich fühlte mich gerade so, als hätte ich mir dies Geld unrechtmäßig angeeignet. Oh, diese Peinlichkeit!
Dicki - am Fr, 30. Juli 2004, 21:09 - Rubrik: in eigener Sache
Arbeitslosigkeit hat natürlich auch ihre guten Seiten, und heute trafen sich die Vorteile und tanzten Ringelreihen. Im Briefkasten lag am Morgen die Erklärung, daß meine Sterbeversicherung erfolgreich aufgelöst worden sei; anbei ein Verrechnungsscheck. Nun bin ich zwar nicht mehr gegen Sterben versichert, kann aber das Geld auf den Kopp haun, ehe Bruder Hein mich meuchlings zu sich ruft.
Der Himmel wurde blau und blauer und ich fuhr ins Grüne. Wäre das Rad nicht - was schon - blau, ich würde es "Silver" rufen, so hänge ich mich oft über den Lenker um den größten Gang in annehmbare Drehzahlbereiche zu bringen. Mein Rundkurs führte von Bremen (logisch) über Weyhe - Riede - Felde - Okel - Syke - Barrien - Brinkum zurück nach (logisch) Bremen. Zwischen Syke und Barrien, als ich von Hitze und Anstrengung dem plötzlichen Radfahrertod nahe war, zog eine Plakatwand meinen Blick magisch auf sich. "Semmellaune!" versprach da eine Bikinitante. Ich sah noch einmal hin. Das Plakat machte auf harmlos und verkündete "Sommerlaune!" Doch ich hatte es genau gesehen, trotz flüchtigen Hinguckens: "Semmellaune!" Ja, dachte ich, das ist so ein Tag.
Zuhause flugs geduscht und Essen hinuntergeschlungen, dann gleich los zur Kostüm-Anprobe. Ich darf nämlich als Statist bei einem Film mittun. Das ist leider nur für einen Tag, aber interessant wird es sein und Bezahlung gibt es obendrein. Gesucht wurden noch Werftarbeiter, Offiziere der US-Army, SA-Sturmbannführer und NS-Parteibonzen.
Natürlich kam ich völlig verschwitzt an, freute mich aber auf die Gelegenheit, als SA-Mann zackig, schneidig und brutal-männlich sein zu dürfen - endlich mal ich selbst sein! rief ich begeistert - und so ein richtig dummes Gesicht machen zu können. Kühl hatten sie es dort, freundlich waren sie, alles angenehm also, doch sie steckten mich in eine Army-Uniform. Da hatten sie mein dummes Gesicht.
Der Film erzählt vom Luftschiff "Hindenburg", das 1937 bei Lakehurst abfackelte, was Led Zeppelin zu dem männlich-herben Cover ihrer ersten LP inspirierte. "Am liebsten hätten sie wohl noch per Wackelbild" - schweig stille, Herz - "Squeeze me, Babe" - schhhh! das ist erst auf der zweiten Scheibe.
Meine Enttäuschung war schnell verflogen. Bin ich eben Army-Offizier. Ich träum von einer braunen Uniform, seh mich schon mit Hakenkreuzbinde, ihr herzlosen Schufte verpasst mir so ein Ami-Ding, vermasselt mir die Tour, lasst mich nicht ich selbst sein, die Mütze passt mir nicht, außerdem werde ich in dem Fummel schwitzen wie Sau; aber ist cool, Bruder, doch, wirklich, ist echt cool.
Egal. Ich dachte: "Semmellaune!" und der Tag war wieder im Lot.
Der Himmel wurde blau und blauer und ich fuhr ins Grüne. Wäre das Rad nicht - was schon - blau, ich würde es "Silver" rufen, so hänge ich mich oft über den Lenker um den größten Gang in annehmbare Drehzahlbereiche zu bringen. Mein Rundkurs führte von Bremen (logisch) über Weyhe - Riede - Felde - Okel - Syke - Barrien - Brinkum zurück nach (logisch) Bremen. Zwischen Syke und Barrien, als ich von Hitze und Anstrengung dem plötzlichen Radfahrertod nahe war, zog eine Plakatwand meinen Blick magisch auf sich. "Semmellaune!" versprach da eine Bikinitante. Ich sah noch einmal hin. Das Plakat machte auf harmlos und verkündete "Sommerlaune!" Doch ich hatte es genau gesehen, trotz flüchtigen Hinguckens: "Semmellaune!" Ja, dachte ich, das ist so ein Tag.
Zuhause flugs geduscht und Essen hinuntergeschlungen, dann gleich los zur Kostüm-Anprobe. Ich darf nämlich als Statist bei einem Film mittun. Das ist leider nur für einen Tag, aber interessant wird es sein und Bezahlung gibt es obendrein. Gesucht wurden noch Werftarbeiter, Offiziere der US-Army, SA-Sturmbannführer und NS-Parteibonzen.
Natürlich kam ich völlig verschwitzt an, freute mich aber auf die Gelegenheit, als SA-Mann zackig, schneidig und brutal-männlich sein zu dürfen - endlich mal ich selbst sein! rief ich begeistert - und so ein richtig dummes Gesicht machen zu können. Kühl hatten sie es dort, freundlich waren sie, alles angenehm also, doch sie steckten mich in eine Army-Uniform. Da hatten sie mein dummes Gesicht.
Der Film erzählt vom Luftschiff "Hindenburg", das 1937 bei Lakehurst abfackelte, was Led Zeppelin zu dem männlich-herben Cover ihrer ersten LP inspirierte. "Am liebsten hätten sie wohl noch per Wackelbild" - schweig stille, Herz - "Squeeze me, Babe" - schhhh! das ist erst auf der zweiten Scheibe.
Meine Enttäuschung war schnell verflogen. Bin ich eben Army-Offizier. Ich träum von einer braunen Uniform, seh mich schon mit Hakenkreuzbinde, ihr herzlosen Schufte verpasst mir so ein Ami-Ding, vermasselt mir die Tour, lasst mich nicht ich selbst sein, die Mütze passt mir nicht, außerdem werde ich in dem Fummel schwitzen wie Sau; aber ist cool, Bruder, doch, wirklich, ist echt cool.
Egal. Ich dachte: "Semmellaune!" und der Tag war wieder im Lot.
Dicki - am Do, 29. Juli 2004, 22:39 - Rubrik: in eigener Sache
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Was war eigentlich der tiefere Sinn der Rechtschreibreform - haben da gewisse Ungeister ihr Steckenpferd geritten, oder sollten sich die Lexika-, Duden- und Schulbuchverlage bei jeder Umstellung dumm und dämlich verdienen, oder geht der Trend zur programmier-kompatiblen Sprache? Ein Riesenunsinn ist es jedenfalls.
Für jeden Menschen, der seine Sinne noch beisammen hat, macht es einen großen Unterschied, ob er eine handvoll Freunde hat, mit denen er ein Faß aufmacht, oder eine Hand voll Freunde, die er nicht wird fassen können. Einen vielversprechenden Menschen nennen wir auch eine Begabung, einen viel versprechenden hingegen einen Politiker. - Also, ich würde eine offizielle Rückkehr zur bisherigen Rechtschreibung begrüßen. Aus Prinzip. Die Zerstörung der Sprache geht dennoch allerorten weiter.
Weiter geht natürlich auch die Reformerei. Die Ururururenkel Martin Luthers schlagen aber nicht Thesen an Thüren; die Toren fordern 10 Euro Gebühr für das Durchschreiten jeder Tür. Die Arztpraxen sind erst der Anfang. Es werden folgen: Ämter, Polizeiwachen, Städte, Straßen, Wohnungen ... Nur gut, daß ich für Notfälle noch ein Starterkit habe. Genügt das nicht, kann ich noch ein paar tolle Herr-der-Ringe-Wackelbilder dazulegen. Und Witze erzählen:
Ein Priester, ein Pfarrer und ein Rabbi unterhalten sich über die Kollekte; wie man entscheidet, welcher Anteil für Kirchenzwecke und welcher für den Geistlichen ist. - "Ich zeichne einen Kreis auf den Boden," sagt der Priester, "und werfe das Geld in die Luft. Was innerhalb des Kreises liegenbleibt, ist meines, was außerhalb, für die Kirche des Herrn." - "Das mache ich genauso," sagt der Pfarrer, "aber es ist ein kleiner Kreis, und nur was innerhalb liegt, ist des Herrn." - "Wir wenden alle dieselbe Methode an," stellt der Rabbi fest, "allerdings ist alles meines, was auf dem Boden liegt. Ich werfe einfach das Geld in die Luft und was der Herr für sich beansprucht, wird er wohl behalten."
- Faschist!
Aber der ist doch gar nicht von mir, den kenne ich aus ...
- Geschichts-revisionistisches Element!
... dem Hollywood-Film "Nr. 5 lebt".
- Anti-Semikanist!
In dem Film spielen Juden mit,
- Verbieten!
und das Drehbuch soll von einem Juden sein,
- Verbrennen!
und ich glaube, sogar der Roboter "Nr. 5" ist jüdisch.
- Heiliger Bimbam!
Für jeden Menschen, der seine Sinne noch beisammen hat, macht es einen großen Unterschied, ob er eine handvoll Freunde hat, mit denen er ein Faß aufmacht, oder eine Hand voll Freunde, die er nicht wird fassen können. Einen vielversprechenden Menschen nennen wir auch eine Begabung, einen viel versprechenden hingegen einen Politiker. - Also, ich würde eine offizielle Rückkehr zur bisherigen Rechtschreibung begrüßen. Aus Prinzip. Die Zerstörung der Sprache geht dennoch allerorten weiter.
Weiter geht natürlich auch die Reformerei. Die Ururururenkel Martin Luthers schlagen aber nicht Thesen an Thüren; die Toren fordern 10 Euro Gebühr für das Durchschreiten jeder Tür. Die Arztpraxen sind erst der Anfang. Es werden folgen: Ämter, Polizeiwachen, Städte, Straßen, Wohnungen ... Nur gut, daß ich für Notfälle noch ein Starterkit habe. Genügt das nicht, kann ich noch ein paar tolle Herr-der-Ringe-Wackelbilder dazulegen. Und Witze erzählen:
Ein Priester, ein Pfarrer und ein Rabbi unterhalten sich über die Kollekte; wie man entscheidet, welcher Anteil für Kirchenzwecke und welcher für den Geistlichen ist. - "Ich zeichne einen Kreis auf den Boden," sagt der Priester, "und werfe das Geld in die Luft. Was innerhalb des Kreises liegenbleibt, ist meines, was außerhalb, für die Kirche des Herrn." - "Das mache ich genauso," sagt der Pfarrer, "aber es ist ein kleiner Kreis, und nur was innerhalb liegt, ist des Herrn." - "Wir wenden alle dieselbe Methode an," stellt der Rabbi fest, "allerdings ist alles meines, was auf dem Boden liegt. Ich werfe einfach das Geld in die Luft und was der Herr für sich beansprucht, wird er wohl behalten."
- Faschist!
Aber der ist doch gar nicht von mir, den kenne ich aus ...
- Geschichts-revisionistisches Element!
... dem Hollywood-Film "Nr. 5 lebt".
- Anti-Semikanist!
In dem Film spielen Juden mit,
- Verbieten!
und das Drehbuch soll von einem Juden sein,
- Verbrennen!
und ich glaube, sogar der Roboter "Nr. 5" ist jüdisch.
- Heiliger Bimbam!
Dicki - am Mi, 28. Juli 2004, 18:29 - Rubrik: zickezacke