Gut, Bluesfeeling kann man sagen, ist okay. Der Rest: ist das eine bildhafte Beschreibung von Musik, entwickelt sich daraus irgendeine konkrete Vorstellung, wie die Band klingt? Und was sollen denn um Himmelswillen "Schlagzeug-Offensiven" sein? Unter dem Funk-Aspekt finde ich allerdings den "nervösen Funk-Daumen" lustig; der hat bestimmt bluetooth-Technik, die den Funkjazz erst hitzig macht.
Eigentlich sollte ich etwas vorlesen oder sogar aufführen, aber ich hatte die Bücher zuhause vergessen, aus denen ich eine Geschichte und ein Hörspiel ausgewählt hatte. Also versuchte ich zu improvisieren und begann, die Geschichte von den drei kleinen Schweinen und dem großen Wolf zu erzählen. "Es war einmal vor langer, langer Zeit, da lebten in einem Wald drei kleine Schweine; Schweinchen Dick, Schweinchen Schlau und Schweinchen Pustekuchen." Nicht nur ich merkte, daß hier etwas nicht stimmte, aber ich tastete mich weiter durch das Dunkel eines vergessenen Tiermärchens. "Eines Tages kam ein großer Wolf zu dem Haus, in dem Schweinchen Pustekuchen wohnte, klopfte an die Tür und rief: ich kann dich riechen, kleines Schwein, öffne die Tür und laß mich hinein! Das Schweinchen aber sagte: Pustekuchen! und dachte gar nicht daran, dem Wolf zu öffnen. Da holte der große Wolf tief Luft und blies das Haus von Schweinchen Pustekuchen einfach fort."
In diesem Moment war nur noch Leere in meinem Kopf, nichts fiel mir ein, und die Freunde, noch unter dem Eindruck der nahrhaften und reichlichen Suppe, konnten die Geschichte auch nicht weiterspinnen. Wir sahen uns ein wenig verlegen an, überlegten dann, ob wir etwas spielen wollten und welches Spiel denn für unseren Zustand geeignet wäre. Nebenher blätterte ich in dem "neuen" Buch - James Jones, "Mai in Paris" - und stutzte, las dann laut vor: Martine war eine Blondine aus Südfrankreich. Es gibt dort solche. Gott mag wissen, woher sie kommen, vielleicht aus der Toscana. Hä? Das war ja wohl absurd. Vielleicht wollte er einen Witz machen, schlug jemand vor. So mag es gewesen sein.
Aber wie geht eigentlich die Geschichte von den drei kleinen Schweinen und dem großen Wolf richtig?
Noch heute huldigen die zahlreichen Biographien und Berichte über die Beatles dem falschen äußeren Schein und basteln weiter an der Mär von den unglaublichen vier Jungen aus Liverpool, die sauber und unschuldig auszogen, die Welt zu erobern. Da kann John Lennon sonstwas erzählen, offensichtlich will das niemand hören. Die Beatles sind inzwischen so etwas wie die Gracia Patricia oder Königin Silvia für die reifere Rock'n'Roll-Jugend geworden.
Unkritische Beatles-Serien in jedem Jugend-Magazin und tausend Versuche, eine längst verweste Leiche wieder zum Leben zu erwecken, das grenzt schon an Nekrophilie.
Wer über das 'Goldene Blatt' seiner Oma lacht, sollte sich mal an die eigene Brust schlagen.
(Klaus Plaumann, "The Beatage", 1978, Zweitauseneins)
Und wer bis hierher gelesen hat, soll auch nicht leer ausgehen: mein Lieblingszitat aus diesem Buch schenke ich meinem Blog ebenso wie dir, verehrter und geschätzter Immerweiterleser.
Oder die Remo Four, die Lieblingsgruppe der Beatles hatte Manfred Weißleder in Star Club News geschrieben, das war für euch selbstverständlich, wer konnte, nachdem er sie gehört hatte, an so etwas zweifeln. Der Gitarrist spielte "Peter Gun" mit einer Hand, zeigte mit der rechten stolz lächelnd immer wieder auf die Finger, die die Saiten antippten, reizten, irre, Mann, mit einer Hand! Und ihr wart schon reichlich in Stimmung, links vorn an der Bühne, wo der Kellner ein Herz hatte, das er für fünfzig Pfennig weich werden ließ, ihr mußtet, nachdem ihr diesen Obulus entrichtet hattet, nichts trinken, obwohl ihr bei "Peter Gun" schon einen verzweifelt trockenen Gaumen hattet.
Wenn dann Brian Parrish von den Londoners die hochgeschnallte Rickenbacker sanft anschlug und "That's My Desire" ins Mikrofon hauchte, dann war sein Wunsch auch eurer, wenn er in seiner engen rosa Hose, den Kopf im Nacken, stolz dastand und "Bring It On Home To Me" zurückbrachte, dann konnte er ruhig schwul sein, das war euch egal, dann wart ihr eben auch schwul.
Dann hab ich noch dies:

Und natürlich sage ich auch dieses Jahr wieder mein Gedicht auf:
Zicke Zacke Hühnerkacke!
Die Bundesliga beginnt ihren Winterschlaf; da ist es Zeit, meine Wunschelf nach einem fiktiven Kick einer Einzelkritik zu unterziehen.
Tucke: wurde vom harmlosen Gegner nicht gefordert; beim einzig ernstzunehmenden Eindringen in seinen Strafraum mußte er gleich hinter sich greifen, weil Detlevsen ihm das Ding durch die Beine schob. Zum Glück Abseits.
Note: 3
Bruce:gefiel durch energisches Grätschen und beharrliche Deckungsarbeit
Note: 2,5
Phuk-Ju-Maan: trieb sein Gegenüber durch gefühlvolles Rückpaßspiel zur Verzweiflung.
Note: 2
Lendemann: ließ nichts anbrennen, stand immer richtig.
Note: 2
Wanker: hatte keinen guten Tag, zu ballverliebt. Das Streicheln und Küssen hätte er besser unterlassen.
Note: 4
van de Hyfte: schwacher Beginn; drehte erst auf, als Grabschowski ihm die Hose zerriß.
Note: noch 3
Casanova: eine Augenweide, wie er seine Gegenspieler mit aufreizender Lässigkeit vernaschte.
Note: 2
B-Note: 10
Rammler: diesmal auf der Außenposition eingesetzt, wühlte er sich immer wieder durch die gegnerische Abwehr. Schwach im Abschluß.
Note: 3
Knabe: bemüht, aber glücklos.
Note: 5
Tussi: bei dem Italiener lief viel, er wich keinem Körperkontakt aus.
Note: 2
Salvatore: 89 Minuten war von ihm nichts zu sehen, dann spritzte er in die Lücke und vollendete zum 1:0.
Note: gerade noch 6
(gewidmet Ror Wolf)
Vielleicht ist dies auch ein Grund für die eklatante Unfähigkeit junger Menschen, Worte richtig zu schreiben, und über den Sinn von Worten nachzudenken. Ist ja sowieso egal; was zählt, ist was ich meine, und das mußt du eben erraten. Oder heute in einem Forum: "Kannst du mir etwas erklehren (...)". Hajo aus meinem Linuxkurs sagte prompt, das könne ihn nicht mehr erschüttern; den "Offenen Kanal" erreichten gelegentlich E-mails, deren Sinn man nicht einmal erraten könne.
Der Tiefpunkt des heutigen Tages aber war die vor einer Stunde auf einem Balkon gesichtete bonschengrüne Lichterkette. Es grünt so grün, wenn deutsche Birnen glühen (dadada-didadida dadada-didadida). Dagegen kommt mir selbst Peter Struck mit seinem aufblasbaren Christbaum bei der Truppe in Afghanistan manierlich vor.
So sah Weihnachtskitsch vor rund 100 Jahren aus: