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Es war am Dienstag, als ich alle Hoffnung auf noch ein paar echte Sommertage fahren ließ und konstatierte: "Jetzt ist Herbst." Donnerstag abend dann richtig durchgeregnet, erst mal heiß geduscht. Freitag abend waren Hemd und Hose noch nicht richtig trocken. Freitag, davon wollte ich erzählen. Ich brauchte noch Gemüse für mein Abendessen und steuerte im Supermarkt zielstrebig die Zucchini an. Davor stand raumgreifend eine füllige Frau, Mitte 50 etwa, nahm sich eine Zucchini, beschaute sie, legte sie zurück, nahm die nächste, die ihr auch nicht gefiel, behielt die dritte in der Hand, beäugte und betastete eine vierte, legte nach einigem Zaudern beide zurück in die Kiste, schaufelte dann einige Teile von links nach rechts, griff sich wieder eine - kurzum, sie war drauf und dran das komplette Zucchinikontingent durchzuforsten. Unterdessen war ich herangepirscht und griff mir schnell eine Zucchini, die sie nach meinem Dafürhalten noch nicht betatscht hatte. Beinahe hätte ich ihr noch vorgeschlagen, statt des Befingerns hineinzubeißen, um sich ein endgültiges Urteil von der Qualität zu machen. Aber dafür war meine Laune weder gut noch schlecht genug.

sagte mein Unterbewußtsein, als mir heute unvermittelt das Schlankheitselixier 'Slimfast' einfiel, für das damals (vor 20 Jahren oder so) ein abgehalfterter TV-Moderator namens van Burg ein Glas bräunlicher-sämiger Flüssigkeit auf Ex in sich hineinstürzte und mit dem von 'Rüdi' Carell kultivierten pseudo-niederländischem Akzent sagte: "Lecker" (privat sprach Herr Carell akzentfreies Hochdeutsch). Und da mein Unterbewußtsein nicht anders ist als das meiner Zeitgenossen - sich nur beharrlicher ins Bewußtsein drängt - verschwand 'Slimfast' nach einem Jahr vergeblicher Werbewiederholung im Privatfernsehen sang- und klanglos von der Mattscheibe, und nur Leute mit Totalmattscheibe werden diesen Chemiedreck in sich hineingeschüttet haben. Man muß schon Namen und Bezeichnungen finden, die in der jeweiligen Sprache positiv klingen, das ist das Geheimnis von Werbung wie Propaganda. Wenn das Unterbewußtsein sich nicht sperrt, läßt sich auch die ekligste Scheiße gegen alle Bedenken des Bewußtseins unters Volk bringen. Deshalb, Werber und Demagoge, sollst du nicht das Bewußtsein ansprechen. Aber das ist ja ein ganz alter Hut, wußten schon die Nazis. Wirkt aber immer noch, und wird deshalb immer wieder versucht. Und gesundheitsbewußte Frauen greifen beispielsweise zu "actimel". Vor zehn Jahren hab ich in einer Fortbildung einen pickligen Vegetarier kennengelernt, der Lebensmittelingenieur werden wollte: Leute, wenn ihr es euch leisten könnt, geht auf den Markt, kauft beim Bauern.

 

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