Der neue Hochglanz-"girexpress" (Gier Express, der Name sagt alles), den die Sparkasse vermutlich von den horrenden Kontoführungsgebühren finanziert, verkündet auf dem Titelblatt: "New York - Weihnachtsshopping XXL". Weiter habe ich nicht gelesen, denn Weihnachtshopping kam für mich nie in Frage, fiele wegen Geldmangel ohnehin aus, XXL ist was für Angeber und New York, naja, jeder vernünftige Mensch wird dort einkaufen, wo er lebt, und sich Besonderes vielleicht bestellen.
Aber weshalb habe ich eigentlich kein Geld? Meine Arbeitgeber stellten mir 1a-Zeugnisse aus, Weiterbildung und -qualifikation betreibe ich mit Freude (auch derzeit wieder), und arbeiten will ich auch. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: arbeiten. Der Erfolgreiche arbeitet nicht, sondern macht Geschäfte. Und dann, ich gestehe es ein, fing ich doch ein wenig an zu jammern.
Weshalb tauge ich denn bloß nicht für Geschäfte, wieso beeindruckt mich Geld so wenig, warum gibt es mir keinen Kick, einen Cent pro Stunde einsparen zu können oder meine Mitmenschen übers Ohr zu hauen, wimmerte ich. Aber dann fand ich eine Erklärung, die mancher nicht mögen wird, mich hingegen völlig zufriedenstellt: ich habe einfach gute Gene.
Aber weshalb habe ich eigentlich kein Geld? Meine Arbeitgeber stellten mir 1a-Zeugnisse aus, Weiterbildung und -qualifikation betreibe ich mit Freude (auch derzeit wieder), und arbeiten will ich auch. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: arbeiten. Der Erfolgreiche arbeitet nicht, sondern macht Geschäfte. Und dann, ich gestehe es ein, fing ich doch ein wenig an zu jammern.
Weshalb tauge ich denn bloß nicht für Geschäfte, wieso beeindruckt mich Geld so wenig, warum gibt es mir keinen Kick, einen Cent pro Stunde einsparen zu können oder meine Mitmenschen übers Ohr zu hauen, wimmerte ich. Aber dann fand ich eine Erklärung, die mancher nicht mögen wird, mich hingegen völlig zufriedenstellt: ich habe einfach gute Gene.
Dicki - am Sa, 09. Oktober 2004, 18:42 - Rubrik: in eigener Sache
Volker Michel: Und Sie wollen tatsächlich demonstrieren gehen?
Kai-Uwe Puller: Ach, i wo! Dafür haben wir arbeitslose Schauspieler engagiert. Mit diesen Ein-Euro-Jobs, wissen Sie. Die Arbeitsagentur zahlt uns 500 Euro pro Arbeitsplatz. Aber die Leute müssen erst ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen, bevor sie Geld von uns bekommen. Ja-haaa, jammern nützt nichts, clever muß man sein!
Volker Michel: Wirklich clever. Aber wenn das rauskommt ...
Kai-Uwe Puller: Und wo soll das bitteschön veröffentlicht werden? Nee, keine Chance, DIE Zeiten sind vorbei.
Kai-Uwe Puller: Ach, i wo! Dafür haben wir arbeitslose Schauspieler engagiert. Mit diesen Ein-Euro-Jobs, wissen Sie. Die Arbeitsagentur zahlt uns 500 Euro pro Arbeitsplatz. Aber die Leute müssen erst ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen, bevor sie Geld von uns bekommen. Ja-haaa, jammern nützt nichts, clever muß man sein!
Volker Michel: Wirklich clever. Aber wenn das rauskommt ...
Kai-Uwe Puller: Und wo soll das bitteschön veröffentlicht werden? Nee, keine Chance, DIE Zeiten sind vorbei.
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Unser Reporter Volker Michel sprach mit Kai-Uwe Puller
V. Michel: Nachdem Ihr Fähnlein der Aufrechten - rund 60 Personen, mehrheitlich der verfemten wirtschaftlichen Elite zugehörig - rechtzeitig zum Tag der deutschen Einheit eine Anzeige in den größten deutschen Zeitungen geschaltet hatte, stellt sich die Frage, ob Sie nun auch Gegendemonstrationen organisieren werden.
K.-U. Puller: Oh ja. Ich sage nur: oh ja. Wir werden diesen aufgehetzten, irregeleiteten und von extremistischen Demagogen verführten Schmarotzern und Jammerern nicht das Feld überlassen.
V. Michel: Da ist nur zu verständlich, so kann es einfach auch nicht weitergehen. Doch was glauben Sie, wie groß wird der Zulauf sein, und was haben Sie den Teilnehmern auf der Event-Ebene zu bieten?
K.-U. Puller: Erstmal: die Bevölkering ist von schlimmen Demagogen jahrzehntelang systematisch durchseucht worden. Und da sind leider auch von verantwortlicher Seite unglaubliche Fehler gemacht worden, das konnte man schon in den 60ern sehen, daß das alles nicht zu bezahlen sein würde, rein ökonomisch-vernunftmäßig gesehen. Jetzt zahlen wir die Zeche für die Anbiederungen der früheren Jahre. Wer immer noch glaubt, sie säen nicht, sie ernten nicht, und der Herr ernährt sie doch, der handelt vollkommen verantwortungslos. Ich denke, die stillschweigende Mehrheit hat das auch begriffen. Wir rufen alle Experten, Wirtschaftsstudenten, Manager, Politiker, Publizisten und so weiter auf, gegen die Zustände in unserem so schönen Standortland und diese impertinente Meinungsmafia - äh -
V. Michel: Da bin ich völlig Ihrer Meinung. Was haben Sie aber nun auf Ihren Meetings zu bieten, und wann und wo sollen die stattfinden?
K.-U. Puller: Als Rahmenprogramm wird Marius Müller-Westernhagen mit Band auftreten und aus seiner neuen CD singen, die heißt "Kleiner Mann, was tun!", ferner wird Günter Grass aus seinem noch unveröffentlichtem Drama "Die Verweser planen den Aufstand" lesen, und als Hauptredner haben wir einen freiberuflichen Postkartenmaler gewinnen können, der über eine prägnante Stimme verfügt und dessen Begeisterungsfähigkeit ganz gewiß auf die Bevölkerung überspringen wird. Wir stehen für das neue Deutschland, für eine nachhaltige Erneuerung, für die radikale Umwertung aller Werte zum Wohle des Volkskörpers, und zwar zunächst in Berlin, Hamburg, Leipzig, Düsseldorf, Stuttgart und Nürnberg. Am 9. November soll es dann eine zentrale Veranstaltung in München geben.
V. Michel: Das ist ja ganz phantastisch; ich, und ganz sicher auch meine Zuschauer, wünsche Ihnen viel Erfolg in dieser schweren Zeit. Verraten Sie uns doch zum Schluß noch die wichtigste Parole Ihrer Proteste.
K.-U. Puller: Schluß mit dem zersetzenden Gejammer - die Sozialreformen sind der Hammer!
V. Michel: Vielen Dank für das Gespräch.
K.-U. Puller: Ja, gaha.
V. Michel: Nachdem Ihr Fähnlein der Aufrechten - rund 60 Personen, mehrheitlich der verfemten wirtschaftlichen Elite zugehörig - rechtzeitig zum Tag der deutschen Einheit eine Anzeige in den größten deutschen Zeitungen geschaltet hatte, stellt sich die Frage, ob Sie nun auch Gegendemonstrationen organisieren werden.
K.-U. Puller: Oh ja. Ich sage nur: oh ja. Wir werden diesen aufgehetzten, irregeleiteten und von extremistischen Demagogen verführten Schmarotzern und Jammerern nicht das Feld überlassen.
V. Michel: Da ist nur zu verständlich, so kann es einfach auch nicht weitergehen. Doch was glauben Sie, wie groß wird der Zulauf sein, und was haben Sie den Teilnehmern auf der Event-Ebene zu bieten?
K.-U. Puller: Erstmal: die Bevölkering ist von schlimmen Demagogen jahrzehntelang systematisch durchseucht worden. Und da sind leider auch von verantwortlicher Seite unglaubliche Fehler gemacht worden, das konnte man schon in den 60ern sehen, daß das alles nicht zu bezahlen sein würde, rein ökonomisch-vernunftmäßig gesehen. Jetzt zahlen wir die Zeche für die Anbiederungen der früheren Jahre. Wer immer noch glaubt, sie säen nicht, sie ernten nicht, und der Herr ernährt sie doch, der handelt vollkommen verantwortungslos. Ich denke, die stillschweigende Mehrheit hat das auch begriffen. Wir rufen alle Experten, Wirtschaftsstudenten, Manager, Politiker, Publizisten und so weiter auf, gegen die Zustände in unserem so schönen Standortland und diese impertinente Meinungsmafia - äh -
V. Michel: Da bin ich völlig Ihrer Meinung. Was haben Sie aber nun auf Ihren Meetings zu bieten, und wann und wo sollen die stattfinden?
K.-U. Puller: Als Rahmenprogramm wird Marius Müller-Westernhagen mit Band auftreten und aus seiner neuen CD singen, die heißt "Kleiner Mann, was tun!", ferner wird Günter Grass aus seinem noch unveröffentlichtem Drama "Die Verweser planen den Aufstand" lesen, und als Hauptredner haben wir einen freiberuflichen Postkartenmaler gewinnen können, der über eine prägnante Stimme verfügt und dessen Begeisterungsfähigkeit ganz gewiß auf die Bevölkerung überspringen wird. Wir stehen für das neue Deutschland, für eine nachhaltige Erneuerung, für die radikale Umwertung aller Werte zum Wohle des Volkskörpers, und zwar zunächst in Berlin, Hamburg, Leipzig, Düsseldorf, Stuttgart und Nürnberg. Am 9. November soll es dann eine zentrale Veranstaltung in München geben.
V. Michel: Das ist ja ganz phantastisch; ich, und ganz sicher auch meine Zuschauer, wünsche Ihnen viel Erfolg in dieser schweren Zeit. Verraten Sie uns doch zum Schluß noch die wichtigste Parole Ihrer Proteste.
K.-U. Puller: Schluß mit dem zersetzenden Gejammer - die Sozialreformen sind der Hammer!
V. Michel: Vielen Dank für das Gespräch.
K.-U. Puller: Ja, gaha.
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können die deutsche Angst vor Veränderungen nicht verstehen, berichtet der Korrespondent aus London. "Die Briten" warnen vor einer Verlangsamung des Reformtempos. - Etwas Ähnliches hatte ich doch unlängst überflogen?
"Die Briten", stellt sich heraus, das sind die Zeitungen "Economist", "Guardian" und "Times". Vermutlich hofft jener Korrespondent, eines Tages bei einer großen Zeitung in die Riege jener Leitartikler aufzusteigen, die von der ausländischen Presse als "Die Deutschen" zitiert werden. Er dienert jedenfalls karriereverdächtig.
Und so gibt er "Die Briten" (Version "Guardian") wieder: Sie [die Reform] bedeute in keiner Weise, dass Deutschland sein soziales Wohlfahrtsmodell aufgebe, um es durch einen "Kahlschlag-Kapitalismus" zu ersetzen. So wird es sein. Wir sind offenbar durch rechte und linke Demagogen bereits so verblendet, daß wir in der Verschlechterung unserer Lebensumstände nicht die Verbesserung sehen, die sie in Wahrheit bedeutet. Es muß wahr sein: die Zeitungen bringen es und "Die Alle" sagen es.
"Die Briten", stellt sich heraus, das sind die Zeitungen "Economist", "Guardian" und "Times". Vermutlich hofft jener Korrespondent, eines Tages bei einer großen Zeitung in die Riege jener Leitartikler aufzusteigen, die von der ausländischen Presse als "Die Deutschen" zitiert werden. Er dienert jedenfalls karriereverdächtig.
Und so gibt er "Die Briten" (Version "Guardian") wieder: Sie [die Reform] bedeute in keiner Weise, dass Deutschland sein soziales Wohlfahrtsmodell aufgebe, um es durch einen "Kahlschlag-Kapitalismus" zu ersetzen. So wird es sein. Wir sind offenbar durch rechte und linke Demagogen bereits so verblendet, daß wir in der Verschlechterung unserer Lebensumstände nicht die Verbesserung sehen, die sie in Wahrheit bedeutet. Es muß wahr sein: die Zeitungen bringen es und "Die Alle" sagen es.
Dicki - am Di, 05. Oktober 2004, 19:08 - Rubrik: zickezacke
Erst denkt man, das ist ne verdoofte Plaudertasche: Wir haben Grund zur Zuversicht. Wenn wir zusammenhalten und uns gemeinsam anstrengen, dann werden wir es schaffen. Deutschland ist ein schönes Stück Erde. Warum sollten wir nicht fröhlich sein?
Aber dann bringt er es auf den Punkt: Nicht allein Ostdeutschland, sondern ganz Deutschland muss erneuert werden, um uns eine gute Zukunft zu sichern. [Hervorhebung von der wahre Dicki] Mich hat er mit "uns" jedenfalls nicht gemeint, soviel ist sicher.
Aber dann bringt er es auf den Punkt: Nicht allein Ostdeutschland, sondern ganz Deutschland muss erneuert werden, um uns eine gute Zukunft zu sichern. [Hervorhebung von der wahre Dicki] Mich hat er mit "uns" jedenfalls nicht gemeint, soviel ist sicher.
Dicki - am So, 03. Oktober 2004, 22:19 - Rubrik: zickezacke
Morgens, wenn es gegen halb neun geht, brause ich radfahrenderweise meinem Linux-Kurs entgegen. Zwar bin ich noch nicht richtig wach, so ganz ohne Tee oder Kaffee, aber die Augen sind geöffnet. Und es gibt jeden Tag etwas zu sehen.
Mittwoch empfingen mich die Strahlen der noch tiefstehenden Sonne, als ich um die letzte Häuserecke auf den Deich einbog. Blauer Himmel, mannigfaltiges Grün an den Ufern, von Frühdunst gedämpftes Licht: ein magischer Moment.
Heute morgen wieder in Eile zum Deich und hinab auf den Uferweg. Blesshühner äugen mißtrauisch, Möwen entfernen sich dümpelnd, Enten schnattern verhalten, zwei Radler kommen auf mich zu, wir quetschen uns aneinander vorbei.
Den Blick voraus gerichtet nehme ich wieder Fahrt auf. Mehr aus dem Augenwinkel bemerke ich, daß jemand im Schilf neben dem Pfad steht. Schon bin ich heran. Ein wenig kleinwüchsig, in blaugrau und weiß, mit großen Augen und - einem langen Schnabel. So steht er still und aufmerksam im Wasser.
Eine Skulptur, eine Attrappe? Die Augen drehen sich und verfolgen meine Bewegung. Im nächsten Augenblick habe ich ihn passiert. Trotz der Hast wende ich mich um und rufe: "Hallo, Reiher!", denn ich möchte nicht völlig unhöflich erscheinen. Er wohnt hier in der Gegend, deshalb rede ich ihn vertraut an.
Er wahrt Distanz.
Mittwoch empfingen mich die Strahlen der noch tiefstehenden Sonne, als ich um die letzte Häuserecke auf den Deich einbog. Blauer Himmel, mannigfaltiges Grün an den Ufern, von Frühdunst gedämpftes Licht: ein magischer Moment.
Heute morgen wieder in Eile zum Deich und hinab auf den Uferweg. Blesshühner äugen mißtrauisch, Möwen entfernen sich dümpelnd, Enten schnattern verhalten, zwei Radler kommen auf mich zu, wir quetschen uns aneinander vorbei.
Den Blick voraus gerichtet nehme ich wieder Fahrt auf. Mehr aus dem Augenwinkel bemerke ich, daß jemand im Schilf neben dem Pfad steht. Schon bin ich heran. Ein wenig kleinwüchsig, in blaugrau und weiß, mit großen Augen und - einem langen Schnabel. So steht er still und aufmerksam im Wasser.
Eine Skulptur, eine Attrappe? Die Augen drehen sich und verfolgen meine Bewegung. Im nächsten Augenblick habe ich ihn passiert. Trotz der Hast wende ich mich um und rufe: "Hallo, Reiher!", denn ich möchte nicht völlig unhöflich erscheinen. Er wohnt hier in der Gegend, deshalb rede ich ihn vertraut an.
Er wahrt Distanz.
Dicki - am Fr, 01. Oktober 2004, 23:41 - Rubrik: in eigener Sache
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