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Man kann einem Menschen verbal vieles antun; ihn mit Tieren vergleichen (womit man oft den Tieren unrecht tut), auf Eigenschaften einschränken, auf Körperteile reduzieren. Doch auch in der Verstümmelung durch Worte ist immer noch von Menschen die Rede. Nicht so in der Sprache unserer neuen Eliten, die ständig neue Worthülsen entwickeln, um Schlechtes positiv klingen zu lassen. Völlig zurecht wurde "Humankapital" zum Unwort des Jahres 2004 gewählt, weil es "die primär ökonomische Bewertung aller denkbaren Lebensbezüge" fördert, wie die Jury in ihrer Begründung erklärt. Ich sehe es noch schlimmer: die Menschen werden entlebendigt, entmenschlicht. An Entwicklungen wie "Humankapital" ist die tatsächliche Gesinnung hinter all dem Wortgeklingel von der Rettung des Sozialstaats zu erkennen.

Menschen können gar nicht anders, als im Mitmenschen immer auch eine lebendige Seele zu sehen. Doch ich frage mich: was sind das für Wesen, die der Gesellschaft Solidarität und Anteilnahme austreiben, alles auf den wirtschaftlichen Nutzen reduziert wissen wollen? Haben die überhaupt eine Seele? Ein Gewissen, davon bin ich überzeugt, haben sie jedenfalls nicht.

Nie war das Schreiben so einfach: PC einschalten, Schreibprogramm aufrufen, in die Tasten dreschen, fertig! Na ja, fast fertig. Es gibt da noch diese integrierte Rechtschreibprüfung. Die kennt zwar manches Wort nicht und versteht von Sprache soviel, wie unsere Politiker vom normalen Leben der Menschen, nämlich nichts, aber sie macht sich immer bemerkbar, wenn du wieder mal "dei" statt "die" geschrieben hast, und das ist eine ganze Menge wert.

Integrierte Rechtschreibprüfung fällt, glaube ich, unter künstliche Intelligenz, und beinhaltet auch eine Trennhilfe. Die ist schlau. Kennt sie ein Wort nicht, das getrennt werden soll, untersucht sie das Wort auf eventuell bekannte Teile und trennt dann bekannt-unbekannt oder unbekannt-bekannt. Deshalb begegnete mir eben in einem Buch "Heima-torte". Ich werde mich nach dem Rezept erkundigen. Am liebsten mag ich im Winter aber diesen schweren Apfelkuchen mit Rosinen und Zimt.

Der Genosse der Bosse ist nicht mehr Kanzler; eine andere Maske mästet sich im Kanzleramt; Doris heißt nicht mehr Köpf-Schröder sondern Köpf-Koch; Frau Merkel geht wieder ihrem Jugendhobby nach und spaltet Atome; im Fernsehsaal des Gefängnisneubaus (sponsored by Kraft Foods) erhellt sich der 16 mal 9 Meter große Bildschirm für eine neue Folge der Foltersoap "Nazi-Camp - holt mich hier raus" (weshalb zeigt man das ausgerechnet uns???) und im Vorspann rüttelt der Clown vom Dienst am stacheldrahtbewehrten Gittertor des Camps und ruft: "Ich will hier rein!" Jawohl, es ist Gerhard Schröder, der einst 'der Medienkanzler' genannt wurde. Plötzlich ruft der ganze Saal im Chor: "Laßt ihn rein! Laßt ihn rein! Laßt ihn rein!" Richtig fanatisch. Was für eine Wut, immer noch.

Als ich zum erstenmal die Redensart "der hat doch den Schuß nicht gehört" hörte, fragte ich Anke - nee, nicht die Engelke, aber das ist eine ganz andere Geschichte - ,was denn für ein Schuß gemeint sei. "Na, der Schuß eben." Sie wußte es auch nicht. Ich weiß es längst, jedenfalls im Prinzip, und bräuchte nur im Internet nach Spuren des Ereignisses suchen. Als notorischer Schwarzseher habe ich jedoch den Verdacht, daß auch im Netz niemand den Schuß gehört hat (und finde tatsächlich nicht die Quelle). Also, kann mir jemand sagen, in welcher Reportage über welches Ereignis einer (eine) "den Schuß nicht gehört" hat? Sachdienliche Hinweise werden jederzeit entgegengenommen.

wollte ich eigentlich nicht schreiben. Wenn ich aber lesen muß, daß einer "ab und zu mal über die Strenge" schlägt, kann meiner Ansicht nach nur mit äußerster Strenge zugeschlagen werden. Wenn der Schreiber dann auch noch eine Firma für "training" und "coaching" mitbetreibt und seine Partnerin NLP (Neurolinguistische Programmierung) als Qualifikation anführt, scheint mir selbst äußerste Strenge noch zu mild.

Das katastrophale Ergebnis meines Online-Tests (via Google):
"über die Stränge schlagen" - 5350 Treffer
"über die Strenge schlagen" - 1400 Treffer

Und deshalb heißt es, wie es heißt. Und so macht man es nicht: Solltet ihr wirklich mal rigoros über die Strenge schlagen und eine ganze Tafel Schokolade oder eine Tüte Chips vernichten (...) ist die Strafmaßnahme - zwei Tage bei wässriger Gemüsesuppe - durchaus angebracht und keineswegs zu streng. Lebensmittel vernichtet man nicht, basta!

Lange war mir die Bezeichnung "4711" ein Rätsel. Welche Bewandtnis es damit hat, kann man hier nachlesen. Oder die Bibel aufschlagen und sich "Der Prediger" Abschnitt 4 Vers 7-11 zu Gemüte führen:

Und ich wandte mich und sah Eitelkeit unter der Sonne: Da ist ein einzelner und kein zweiter, auch hat er weder Sohn noch Bruder, und all seiner Mühe ist kein Ende; gleichwohl werden seine Augen des Reichtums nicht satt: "Für wen mühe ich mich doch, und lasse meine Seele Mangel leiden am Guten?" Auch das ist Eitelkeit und ein übles Geschäft.

Zwei sind besser daran als einer, weil sie eine gute Belohnung für ihre Mühe haben; denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Genossen auf. Wehe aber dem einzelnen, welcher fällt, ohne daß ein zweiter da ist, um ihn aufzurichten! Auch wenn zwei beieinander liegen, so werden sie warm; der einzelne aber, wie will er warm werden?


Eau de Cologne - ein Wunderwasser für warme Brüder? Als esoterisch Angehauchtem gefällt mir die Vorstellung, Wilhelm Mühlens habe als Quelle der Namensgebung diese Verse und nicht die Hausnummern unter französischer Besatzung gedient - zumal er die Rezeptur von einem Karthäuserbruder erhielt - , aber ein jeder muß für sich selbst entscheiden, welche Version der Wahrheit näher kommt. Stets jedoch gilt: Umarmen hat seine Zeit, und vom Umarmen Sichfernhalten hat seine Zeit. Das wird nur allzuoft vergessen.

daß zwei Bundestags- und vier Landtagsabgeordnete Gehälter von VW bezogen, obwohl sie nicht mehr bei VW arbeiteten, versichert mir der Chefredakteur meiner Zeitung heute morgen in einem Kommentar. Die Begründung, weshalb es sich hier nicht um Einflußnahme (geschweige denn Bestechung!) handelt, ist interessant:

Im Fall VW lässt sich vermuten, dass es keiner besonderen Einflussnahme durch den Konzern bedarf, um seine Interessen durchzusetzen. Weil ohnehin alle an einem Strang ziehen: Management und Betriebsrat, die Stadt Wolfsburg und das Land Niedersachsen sowie die maßgeblichen Leute in Berlin. Allen voran der Bundeskanzler. ("Skandale sehen anders aus", Weser Kurier vom 14. 1. 2005)

"Alle" ziehen an einem Strang - alle? Was ist mit den Arbeitern und Angestellten bei VW, zählen die nicht? Wenn heute auf der einen Seite an einem Strang gezogen wird, dann liegt er auf der anderen Seite jemandem als Schlinge um den Hals. Die VW-Mitarbeiter (wie alle Berufstätigen und Arbeitslosen) werden zum Verzicht erpreßt; von den maßgeblichen Leuten, die sich ungeniert die Taschen vollstopfen. Das nicht mindestens als Skandal zu benennen, finde ich skandalös.

Unter der Überschrift "Politiker mussten für VW-Gehalt nicht arbeiten" heißt es bei Spiegel Online: Der Konzern hat Angestellten, die in die Politik wechselten, seit 1990 das Gehalt weitergezahlt. Gegenleistungen mussten die Parlamentarier nicht dafür erbringen. Unglaublich, werden die Herren Abgeordneten gedacht haben, VW zahlt unsere Gehälter weiter und wir müssen für das Geld nicht arbeiten? Na, denen werden wir aber keinen Gefallen tun. Genau das werden sie gedacht haben. Ist ja auch ungeheuerlich. Zahlen den Parlamentariern Geld und die müssen dafür nichts tun.

 

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