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Den Spruch kannte ich noch nicht: Rauchen macht sehr schnell abhängig: Fangen Sie gar nicht erst an! Heute auf meiner Tabakpackung entdeckt. Um derartige Sentenzen für Verpackungen entwerfen zu können, muß man (stelle ich mir vor) zertifizierter Warnhinweis-Designer sein. Und nur dann ist man in der Lage, die jedem Kind bekannte Weisheit - daß Rauchen ungesund ist - in adäquate Parolen umzuformen.

Herr D. aus B. bestätigte im Gespräch mit unserer Redaktion, daß ihm der Hinweis auf einem aus reiner Neugier erworbenem Päckchen Tabak entscheidend geholfen habe, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen. Ein Sprecher der Tabakindustrie bekundete seine Zufriedenheit mit diesem, wie er sagte, aufgeklärten Verbraucherverhalten und empfahl allen erwachsenen Bürgern, Tabak und Zigaretten zu kaufen, um die Warnhinweise auf sich wirken zu lassen.

Der Knabe hatte fest die Hand des Vaters gehalten, als sie das Museum betraten.Er war so aufgeregt: die Bilder und Statuen im Original zu sehen, die er aus den Büchern seiner Eltern kannte; an der Erwachsenenwelt teilhaben zu dürfen, für reif genug befunden zu sein!

Der Vater gesellte sich zu einer Gruppe Menschen unterschiedlichen Alters und sagte dem Kanben, daß jemand vom Museum mit ihnen allen herumgehen und die Kunstwerke erklären werde. Der Knabe freute sich darauf, fragte sich aber auch, ob er das schon verstehen würde. Eine freundliche Frau erschien, jünger als seine Mutter, blinzelte ihm zu und nahm die ganze Gruppe unter vielen Worten mit sich, in die Räumlichkeiten des Gebäudes hinein.

Der Knabe dachte sofort, daß sie in einem Kaufhaus seien und wollte dem Vater schon sagen, daß sie sich in der Tür geirrt hätten, doch die freundliche junge Frau ließ mehrmals das Wort "Kunst" verlauten und keiner der Erwachsenen schien sich im geringsten zu wundern. Stühle gab es, Tische, ein Bett, einen Kühlschrank, Schaukelpferde, Fußbälle, Schnüre, Spiegel und anderes Gerät, und vor jedem Teil verharrten sie und lauschten den Worten der freundlcihen jungen Frau.

Dann standen sie im Halbkreis um eine Stehlampe. "Diese Installation beeindruckt durch ihre Lampenartigkeit", sagte die freundliche junge Frau mit merklichem Stolz. "Sie hinterfragt die Lichhaftigkeit des Seins, lotet den Wechsel zwischen Hell und Dunkel in nicht dagewesener Präzision der Beobachtung aus." - "Aber Papi, das ist doch eine Stehlampe", sagte der Knabe, und die Erwachsenen lachten. Oh, die Unvernunft der Kinder! Die freundliche junge Frau schenkte ihm ein Bonbon. "Das ist hier ein bißchen langweilig für dich, nicht?" fragte sie.

Als die Gruppe weiterging, trat der Knabe entschlossen zur Stehlampe hin und drückte den Schalter, aber das Licht ging nicht an. Es mußte ein Irrtum sein. Hieß denn "Kunst", daß Geräte, die nicht funktionierten, in ein Museum gestellt wurden? Und wo waren jetzt all die interessanten Bilder und Statuen? Ein Ahnung zukünftiger Konflikte beschlich den Knaben und drückte ihm den Magen zusammen. Als er zur Gruppe aufschloß, achtete er sorgfältig darauf, nur die dunklen Stellen des Fußbodens zu betreten. Die Anspannung rechtfertigte sein Unwohlsein.

Vor einem Monat, als es noch einmal winterlich kalt wurde (und gar nicht mehr aufhören zu wollen schien), fielen sie mir auf, doch habe ich sie vermutlich schon vorher zusammen gesehen: Herrn und Frau Stockente mit ihrem Hausfreund, einem Erpel ganz in Weiß. Ob unter dessen Vorfahren eine Gans gewesen ist?

Diese Drei sind jedenfalls Kumpels. Ob sie auf dem hartgefrorenen Deichhang lagerten, am Wege Passanten um Brotstücke angingen oder auf dem eisfreien Wasser unter der Brücke umherpaddelten; immer waren sie zu dritt.

Heute sah ich sie wieder, im Anflug auf die "Kleine Weser", Herr und Frau Stockente vorneweg, Herr Weißfeder hinterdrein. Sie wasserten nach Entenart mit Bugwelle, dicht beieinander, wie immer. Ob sie wohl das ganze Jahr über zusammenbleiben werden? Da bin ich mal gespannt.

Es war am frühen Abend, Ende April. Eugen hatte seine reichlich belegten Brote gegessen und gestand sich nun ein, daß er mit dem Rest des Tages nichts anzufangen wußte. Lesen, Schreiben, Hören, Gucken? Nee. Zur Erfrischung Duschen? Och. Ein wenig Onanie? Phh. Am besten, dachte er, wäre ein Spaziergang. Nur daß er dazu nicht so richtig Lust hatte.

Halbherzig trat er auf den dunklen Flur und schloß die Wohnzimmertür. Was war das? Ein heller Fleck hing an der Wand gegenüber der Küche, ein leuchtenbd heller Fleck, eine, eine - Lichterscheinung! Dann erkannte er darin eine Häuserzeile, auf dem Kopf stehend, darunter ein Stück Himmel, über den eine Wolke zog. Wie - was - hä?

Eilig drückte er die Küchentür auf und schritt zum Fenster, eine Hand als Schirm über die Augen gelegt. Ach so, na klar: diese Häuserzeile, dieser Himmel, diese Wolke! Er stellte sich wieder auf den Flur und betrachtete andächtig den Effekt der Camera Obscura. Holte seinen Fotoapparat, konzentrierte sich aufs Stillhalten und machte zwei Aufnahmen; aus Sorge, die Erscheinung könne von einem Augenblick zum nächsten verschwunden sein.

Beruhigt zog er dann einen Stuhl herbei, ließ alle Gedanken versiegen und beschaute das Ereignis, bis kein Sonnenstrahl mehr durch das Schlüsselloch der Küchentür drang.

Gary Cooper kauft so um das Jahr 1880 herum eine Fahrkarte und steigt in den Zug, nachdem ein Sheriff ihn wiedererkannt zu haben glaubt. Wir fragen uns: wer ist dieser Gary Cooper, in diesem Film?

Während der Fahrt baggert ihn ein etwas schleimiges Männchen an und offerriert seine Begleiterin (ein - anständiges! - Tingeltangelmädchen, das in Wahrheit Julie London ist) als Englischlehrerin, weil Gary von seinem Dorf mit Geld losgeschickt wurde, eine Lehrerin zu finden und ihr das Lehrerinnenleben mit einem saftigen Vorschuß so recht schmackhaft zu machen.

Als die Passagiere hinausgejagt werden, um am Zwischenhalt Holz zu bunkern, erscheinen Banditen und rauben alle aus, in Panik wird der Zug weggefahren und Gary, das Männchen und Julie bleiben zurück. Zu Fuß machen sie sich auf den Weg und geraten - ey, wer stänkert hier von wegen zuviele Zufälle?! - an die einsam gelegenen Gebäude, in denen Garys frühere Räuberbande haust. Jawohl, dieselbe, die vorhin die Zugpassagiere abkassiert hat.

Lee J. Cobb ist der Anführer und kann sich vor Freude kaum aufrecht halten, daß er seinen einstigen Ziehsohn - Gary - wiederhat. Notgedrungen tut der nämlich so, als wollte er wieder ins Kassierergeschäft einsteigen. Lee J. - eine gediegene Fehlbesetzung, darauf ist Verlaß - beäugt gierig Julie und gönnt sie Gary gar nicht (der sie dreist als seine Ehefrau ausgegeben hat). Es ist viel von dem anderen Ziehsohn die Rede - Jules oder Bruce oder wie -, der am nächsten Tag von einem Erkundungsritt zurückerwartet wird.

Jules oder Bruce oder wie läßt sich nicht täuschen und nimmt Gary beiseite. "Ich weiß nicht, was du vorhast, aber das eine sage ich dir: wenn du dem alten Mann auch nur ein Haar krümmst, bekommst du es mit mir zu tun." Der hängt wirklich an dem Alten! - Sie brechen zu einem Minenarbeiterstädtchen auf, um mit fetter Beute aus der dortigen Bank heimzukehren.

Machen wir es kurz: das ist längst eine Geisterstadt, Gary gelingt es, einen nach dem anderen umzunieten, ja, auch Jules oder Bruce oder wie, aber keiner hat seine, Garys, Penunzen, und Julie ist immer noch als Faustpfand bei dem schon halbverrückten Lee J., also muß er, Gary, auch diese Rechnung noch begleichen. Lee J. ist in der Zwischenzeit über Julie hergefallen und damit ist das Maß endgültig voll.

Auf einem Felsen stellt Gary den Alten. Der fuchtelt herum, schießt Löcher in die Luft und will unbedingt abgeknallt werden. Gary schafft es nicht, daneben zu schießen, und jetzt liefert Lee J. das Meisterstück seiner reichhaltigen Karriere: er kullert den Felspfad hinab, bis er an einem Felsvorsprung hängenbleibt, gibt sich einen Ruck und kullert mit wirbelnden Armen noch ein paar Meter weiter, sehr überzeugend, völlig lebens- bzw. sterbensecht. Wenn das kein großes Kino ist, dann weiß ich's auch nicht.

Nach solch einem Höhepunkt kann es natürlich kein Happy End mehr geben. Also erzählt Gary Julie, er habe eine Frau und zwei Kinder, der Horizont kommt näher, das Wörtchen ENDE erscheint ...

 

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