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und voraussichtlich am 22. zurück, wenn das Bundesverfassungsgericht seine Entscheidung trifft und das Urteil verkündet. Aber was soll sein; Politik, Wirtschaft und Medien haben längst Tatsachen geschaffen und das hohe Gericht ist dazu verdonnert, Kasperltheater zu spielen.

Sie könnten aber auch dieses Urteil fällen: die Tatsache, daß zwei Abgeordnete Zweifel an der Berechtigung des Mißtrauensvotums äußern und Klage führen, beweist, daß das angeblich nur vorgeblich vorhandene Mißtrauen in Wahrhheit nicht vorgeblich, sondern wirklich vorhanden ist. Damit ist aber die vorgeblich berechtigte Klage vergeblich und unerheblich und wird abgewiesen.

Damit hätten sie immerhin (verdeckt, nicht offen) klargestellt, daß es gar nicht mehr um Recht und Gesetz geht. - Also bis dann. Und Kopf hoch: Die Urwaldbewohner haben noch nicht mal eine Verfassung, die sie brechen könnten.

Als ich neulich ein Wahlplakat der Grünen sah, dessen Stoßrichtung gegen Genmanipulation ging, hielt ich mich schon gar nicht mehr mit dem Gedanken auf, daß damit ein berechtigtes Anliegen formuliert wird. Ich dachte lediglich: wenn es darauf ankommt, werden sie tragfähige Kompromisse finden - belastbar, falls nötig, und auf der Grundlage eines robusten Mandats.

bushhell

Wir haben in den Straßen und Grünanlagen gespielt: jene Kinder aus unserer Straße, die keinen Kindergarten besuchten. Es gab eine Spielplatz in der Nähe, der von einer erwachsenen Person beaufsichtigt wurde und wegen seiner großen Sandkiste, der Rutsche, den Krabbelröhren und Balanciersteinen beliebt war. Wir haben am liebsten unbeaufsichtigt gespielt und kannten jeden verborgenen Pfad, jeden Baum und Strauch in unserer Umgebung. Spielten wir auf der Straße, dauerte es meist nicht lange, bis sich in einem Haus ein Fenster öffnete und eine ältere Person uns ausschimpfte, wir sollten gefälligst auf den Spielplatz gehen. Auf dem Vorplatz des Postamtes spielten wir häufig "Eins-Zwei-Drei-Berliner Schritt!", blieben aber auch dort nicht unbehelligt. Waren wir so unerträglich? War den Menschen anfangs der 60er Jahre Lebendigkeit unerträglich?

Besser und von besonderem Reiz waren die Trümmergrundstücke, jene noch aus den Bombennächten des zweiten Weltkriegs stammenden Lücken zwischen den Häusern. Ruinen wäre dabei zuviel gesagt, obschon sich einzelne Mauerreste fanden. Die Grundstücke waren im wesentlichen von Brennesseln und Kletten, aber auch anderen Sträuchern, Kräutern und Bäumchen überwuchert. Verstecken, Cowboy und Indianer, uns mit Kletten bewerfen oder einfach das Gelände erkunden, das waren unsere Beschäftigungen. Ich habe die Warnungen noch im Ohr, die Finger nicht in den Mund zu stecken, wenn ich etwas angefaßt hätte, es läge dort Rattengift aus.

Direkt neben unserem Mietshaus war eine solche Lücke, zunächst frei zugänglich, dann teilweise durch eine Plakatwand versperrt, schließlich durch einen Bauzaun geschlossen, womit einer unserer "natürlichen" Spielplätze verschwand. Ich beobachtete oft die Bauarbeiten, meist im Vorübergehen, und erinnere mich noch, wie das Fundament, die Kellerwände und der Boden des Erdgeschosses gegossen wurden. Die Mischer kamen auf das Grundstück gefahren und ein Arbeiter stemmte den langen Schlauch über die Formen, während der Beton herauspladderte. In dicken Gummistiefeln wateten andere Arbeiter durch den grauen Morast und dirigierten mit Schaufeln das Zähflüssige in alle Ecken und Winkel. Dann wurde gemauert. Einmal bot mir ein Maurer an, ihm für fünf Pfennig das Stück Ziegel zu reichen, aber ich war nicht geschäftstüchtig. Vielleicht hatte ich auch keine Lust, zu arbeiten. Als Fünfjähriger?

Im Herbst war das neue Wohnhaus fertig und die ersten Mieter zogen ein. Wenige Jahre später, ich lag gerade mit einer fiebrigen Erkältung im Bett, hörte ich, daß sich in diesem Nachbarhaus eine Frau, die rothaarige Oberschimpferin unserer Straßenspiele, umgebracht hatte. Was mag sie für eine Geschichte gehabt haben? Die Vergangenheit blieb gegenwärtig, auch in den geschichtslosen Neubauten.

Auch in den Nachbarstraßen gab es Trümmergrundstücke. Von einem gelangte man auf den Gang, der zwischen den Hinterhöfen hindurchführte. Terra incognita. Wie die ersten Entdecker schlichen wir in den Gang - und wurden sofort verscheucht. Neulich, bei einem Spaziergang, sah ich, daß dies Grundstück, als einziges weit und breit, immer noch unbebaut und mittlerweile völlig verwildert ist. Der Versuchung, es zu erkunden, konnte ich widerstehen. Ich wollte die Erinnerungen unangetastet lassen; eine heile Ruinenwelt in der allgegenwärtigen Zerstörung des Lebendigen.

Mein Weg führte durch die Bischofsnadel und die Wallanlagen, an dem kleinen Süßigkeitenladen vorbei (in dessen Schaufenster ich eines Abends eine Maus naschen sah) und über die Wallgrabenbrücke, schon hatte ich das Zentralbad mit seiner hohen Fensterfront im zweiten Stockwerk vor mir. Der Eingang aber befand sich an der Längsseite und führte in eine geräumige Halle, in der es außer Sitzbänken und Ausstellungsvitrinen auch einen Kiosk gab, soweit ich mich entsinne. Eine breite Treppe, auf halber Höhe nach links und rechts schwenkend, leitete die Besucher in die obere Halle und in den nach Geschlechtern getrennten Einlaß. Dort bezahlte man oder sagte den Namen des Schwimmvereins, zu dessen Trainingsstunde man erschien, und bekam einen farbigen Gummiring ausgehändigt, den man in den Schwimmhallen - es gab ein Schwimmer- und ein Nichtschwimmerbecken - um den Fußknöchel oder um das Handgelenk trug. Die Angestellten, so erinnere ich mich, waren alle in weiß gekleidet.

Vom Einlaß kam man zu den Umkleidekabinen, von dort in die Duschräume, und dann hatte man die Wahl, in welche der beiden Hallen man sich begeben wollte. Zunächst hatte ich aber das Zwischenstockwerk aufzusuchen. Dort, in einem fensterlosen Raum, kommandierte Herr Flohr eine Horde Wasserflöhe, die, von aufblasbaren Ringen umgürtet, in einem flachen, gekachelten Bassin mit den Schwimmbewegungen vertraut werden sollten.

Daß man das Schwimmen erlernen muß, wußte ich wohl, aber es bedeutete mir wenig, denn ich war mit dem Wasser auf du und hatte keinerlei Scheu. Im Sommer vor meinem siebten Geburtstag spielte ich in der Badebucht meines Schwimmvereins den Kameraden "Ertrinken" vor, eine dramatische Szene. Prompt rettete mich ein aufmerksamer Erwachsener - und ich wehrte mich nach Kräften, als mich Unterwasser ein kräftiger Arm packte und nach oben zerrte. Die Eltern waren sich einig: der Junge muß seinen Freischwimmerschein machen.

Mein großer Bruder nahm mich mit ins Zentralbad, zum Schwimmerbecken, und der Bademeister - weißes Hemd, weiße Hose - erklärte, daß ich auch gleich den "Fahrtenschwimmer" machen könne, wenn ich insgesamt eine halbe Stunde im Becken herumschwämme. Und so geschah es. Es wurde mein erster Vorstoß in die Erwachsenenwelt, denn fortan durfte ich im Schwimmerbecken schwimmen, durfte diese Halle mit dem Sprungturm und der Zuschauertribüne jederzeit betreten, die ich bisher nur von den Weihnachtsveranstaltungen des Schwimmvereins als Zuschauer auf der Tribüne kannte.

Hier nahm ich dann auch an den Trainingsstunden meiner Altersgruppe teil und wurde oft von den Eltern abgeholt und nach Hause geleitet - über die Wallgrabenbrücke, am Süßigkeitenladen vorbei, durch die Wallanlagen und die Bischofsnadel auf den Dom zu, über die Domsheide, vor den Schaufenstern der Zoohandlung verharrend, weiter die Balgebrückstraße hinunter und über die Weserbrücken - mit vom stark chlorierten Wasser rotgeäderten Augen, verschwommen sehend, breite Lichthöfe um die Straßenlaternen.

Eines frühen Abends, ich saß auf der untersten Tribünenstufe und wartete auf meinen Einsatz, während andere Kinder bereits gegen die Stopuhr ihre Bahnen zogen, sah ich im Licht der tiefstehenden Sonne, direkt vor einem der mehrfach unterteilten großen Fenster, einen Mann in Badehose, dessen Brust und Rücken so stark behaart waren, daß es wie ein Pelz wirkte. Ich war schockiert und fragte mich, ob das ein Tiermensch sei?

Mein Bruder besaß eine stattliche Sammlung der farbigen Gummiringe, die eigentlich beim Verlassen des Bades abgegeben werden mußten. An den Stirnseiten der Hallen waren rechteckige Leuchttafeln angebracht, die jeweils in der Farbe jener Schwimmer glommen, deren Badezeit abgelaufen war; eine Stunde, glaube ich, war üblich. Das war der Sinn der Gummiringe. Manch jugendlicher Besucher des Zentralbades dürfte sich wohl eine Sammlung davon zugelegt haben. Diese Tafeln und die großen Fenster gaben dem Bad eine ganz eigene Atmosphäre - zumindest für mich, als Kind.

Nach dem Willen der Stadtväter hätte aus dem ehemaligen Zentralbad Anfang der 90er Jahre ein erfolgreiches Musicaltheater werden sollen. Doch erfolgreich war nur das Unternehmen, das die erforderliche Umbauten vornahm sowie der Musicalveranstalter. Vermutlich war das auch der ganze Sinn der Sache. Denn eine Hand schmiert die andere; in Bremen ebenso wie anderswo.

(via Nachdenkseiten) erfunden ist oder nicht, spielt keine Rolle, denn sie ist wahr, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Wahr (und eindeutig nicht erfunden) ist auch dies: der scheidende Geschäftsführer "meiner" ehemaligen Firma - die auf Deubel komm raus sparen wollte - ließ die gesamte Auflage einer Jubiläumsschrift zum 75-jährigen Bestehen - Hochglanz, Vierfarbdruck - einstampfen und neu drucken, weil man sich beim Datum seiner Inthronisierung um ein Jahr vertan hatte - was ihm gnädigerweise vielleicht schon vor der Drucklegung hätte auffallen können. Weitere Beispiele kastenimmanenter Unfähigkeit und Ignoranz führt Günter Ogger in seinem 1992 erschienenen Buch "Nieten in Nadelstreifen" an. Seitdem hat sich nichts zum Besseren verändert. Es ist nicht zu übersehen, daß Komplettidioten das Sagen im Land haben. "I tell you what" sagt beispielsweise Herr Middelhoff gerne zu englischsprachigen Geschäftskollegen. - Some Übermensch!

 

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