Heute nachmittag: ich überquerte die Straße und bog auf den Radweg ein, der über die Brücke führte. Während ich mich noch darauf konzentrierte, zwischen Geländer und Leitplanke einen entgegenkommenden Radler zu passieren, erschien mit einem lauten Reifenquietschen und schlingerndem Heck der breite, geduckte BMW in der Kurve vor mir. Und Wrrrummm! war er auch schon vorübergerast.
Am Steuer, in diesen wenigen Augenblicken deutlich wahrgenommen, saß ein junger Mann mit brauner Haut in schwarzem Muscle-Shirt, mit schwarzen, vermutlich Gel-geschmierten Haaren, die Augen hinter einer halbverspiegelten Sonnenbrille versteckt, auf den Lippen ein triumphierendes Grinsen, eine eklige Grimasse. Schemenhaft nahm ich noch einen (weniger klischeehaft wirkenden) Beifahrer wahr. Ich fluchte auf die Jungs, stellte Spekulationen über ihre Nationalität (bzw. die ihrer Eltern) an, und fragte mich, was sie wohl alles für Gott Schwanz zu tun bereit wären. Ich nehme an, alles. Und jederzeit kann sich dies wiederholen.
Eine ganze Weile und einen kilometerlangen, schnurgeraden Weg später bog ich in ein Wäldchen ein, führ einen kleinen Anstieg hinauf, stellte mein Rad ab und betrat ein Gartenlokal, von dessen ungepflasterter Terrasse sich ein wundervoller Blick durch Bäume und auf eine Pferdeweide bietet. Welch ein Frieden, nur 5 Minuten von einer vielbefahrenen Straße entfernt. Der einzige Nervenkitzel ergab sich aus den gelegentlich der weitausladenden Eiche entstürzenden Eicheln, die mal mit mattem Plobb den Boden trafen, mal mit energischem Plack! auf einen der Tische knallten: würde mir eine der Baumfrüchte auf den Kopf fallen? Und was für ein Geräusch würde das wohl machen?
Am Steuer, in diesen wenigen Augenblicken deutlich wahrgenommen, saß ein junger Mann mit brauner Haut in schwarzem Muscle-Shirt, mit schwarzen, vermutlich Gel-geschmierten Haaren, die Augen hinter einer halbverspiegelten Sonnenbrille versteckt, auf den Lippen ein triumphierendes Grinsen, eine eklige Grimasse. Schemenhaft nahm ich noch einen (weniger klischeehaft wirkenden) Beifahrer wahr. Ich fluchte auf die Jungs, stellte Spekulationen über ihre Nationalität (bzw. die ihrer Eltern) an, und fragte mich, was sie wohl alles für Gott Schwanz zu tun bereit wären. Ich nehme an, alles. Und jederzeit kann sich dies wiederholen.
Eine ganze Weile und einen kilometerlangen, schnurgeraden Weg später bog ich in ein Wäldchen ein, führ einen kleinen Anstieg hinauf, stellte mein Rad ab und betrat ein Gartenlokal, von dessen ungepflasterter Terrasse sich ein wundervoller Blick durch Bäume und auf eine Pferdeweide bietet. Welch ein Frieden, nur 5 Minuten von einer vielbefahrenen Straße entfernt. Der einzige Nervenkitzel ergab sich aus den gelegentlich der weitausladenden Eiche entstürzenden Eicheln, die mal mit mattem Plobb den Boden trafen, mal mit energischem Plack! auf einen der Tische knallten: würde mir eine der Baumfrüchte auf den Kopf fallen? Und was für ein Geräusch würde das wohl machen?
Dicki - am Mi, 31. August 2005, 21:33 - Rubrik: in eigener Sache
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Ich bin der FDP für ihre Wahlplakate dankbar. Wirklich. Nicht, weil mir die in irgendeiner Weise gefielen. Sondern weil sie das Widersprechen so leicht machen. In Parolen wie "Mehr FDP. Mehr Arbeit." oder "Mehr FDP. Mehr Toleranz." brauche ich nur das Gegenteil einsetzen, schon erhalte ich eine wahre Aussage.
Welches Gegenteil? höre ich fragen, das Gegenteil wovon? Das ist ja gerade das Praktische: irgendein Gegenteil. 'Weniger'. 'Arbeitslosigkeit'. 'Intoleranz'. Das Gegenteil von 'FDP' weiß ich allerdings nicht.
Welches Gegenteil? höre ich fragen, das Gegenteil wovon? Das ist ja gerade das Praktische: irgendein Gegenteil. 'Weniger'. 'Arbeitslosigkeit'. 'Intoleranz'. Das Gegenteil von 'FDP' weiß ich allerdings nicht.
Dicki - am Mo, 29. August 2005, 21:59 - Rubrik: zickezacke
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Eigentlich müßte ich das in die Rubrik 'meine Tiere' schreiben. Am Donnerstag begegnete mir eine Schwanfamilie: eingerahmt von den Eltern schwammen sechs Jungschwäne daher, schon stattlich groß, aber noch graugefiedert. Eine beeindruckende Flotte, zumal Schwäne immer so stolz wirken. Rund um das Gartenfast am Samstag gab es noch mehr zu sehen: eine kleine Heuschrecke, einen Schuster, der sich an der Decke aufgehängt hatte (hing da wie tot), Rotkehlchen (quicklebendig), Pfauenaugen, kleine Füchse und einen Admiral; jawohl, endlich habe ich einen echten Admiralfalter gesehen.
Aber ich wollte vom Gartenfest erzählen. Auf dem Hinweg mühten sich einige Mamas&Papas einen schmalen, steilen Weg hinauf, den ich hinabsauste (Fahrrad!), als hinter der Kurve wild klingelnd so ein später Pubertäter direkt auf mich zuschoß. Ich konnte gerde noch zur Seite lenken und, während er schlingernd zwischen mir und den älteren Mitbürgern hindurchwitschte, "Arschloch" rufen. Der Schwanz soll ihm abfaulen!
Das Gartenfest war dann ganz schön. Wir saßen auf der windgeschützten Terrasse, umrahmt von Luftballons und Lampions; der Grill knisterte nach dem Essen noch vor sich hin, Funkenflug verursachte spontanes Ballonplatzen. Während die Gästezahl abnahm, stieg der Alkoholpegel. Vor dem Schlafengehen konnte ich noch einen Sternenhimmel bewundern, wie ich ihn auch bei klarster Luft zuhause nicht zu sehen bekomme. Ein Sternbild, das ich vor Jahren fälschlich für den Skorpion gehalten hatte, wurde mir dann und dort als Cassiopeia vorgestellt. Nun kenne ich also zwei Sternbilder mit Namen. Das sind echte Fortschritte.
Ach, ich vergaß: eine Lehrerin, die sich gar nicht wie eine Lehrerin benahm (die machen ja heutzutage alle einen auf harmlos), erzählte, daß sie ihren Schülern (deren Handys sie gelegentlich wegen Gedüte im Unterricht "konfiszieren muß", unvergänglicher Pädagogenhumor) beim Thema Akustik immer das Dosentelefon vorstellt. Wir stellten uns vor, was sich daraus für die Sechstklässler an Fragen ergibt. Zum Beispiel, wie man mit der Schallübertragung per Bindfaden Netzwerke realisiert. Oder ob es coole Nokia-Dosen gibt.
Am Morgen frühstückte der harte Kern, die vier Tapferen, mehr oder minder angeschlagen, ich mit reichlich Restalkohol. Für mich kein Problem, nur war mir von den vielen Zigaretten schlecht. Danach saßen wir schlapp im Sonnenschein. Völlig passiv ließ ich zu, daß ein Rotkehlchen auf meinen Fahrradsattel pupste. Motorengebrumm kam vom Himmel: ich wies darauf hin, daß sich eine umfangreiche Wolke in Richtung Sonne bewegte. Den Zusammenhang hätte sonst natürlich niemand bemerkt, so sind die, herzensgut, aber unaufmerksam.
Plötzlich knallte es: ein Luftballon war geplatzt, einfach so. Ein anderer schrumpelte zusehends und machte einen depressiven Eindruck, wie Brigitte feststellte. Da wir gerade über Webseiten geredet hatten, improvisierte ich: "diese Website enthält Darstellungen von depressiven Luftballons. Suizidgefährdete Nutzer sollten diese Seite nur in Begleitung ihres Arztes oder Apothekers aufsuchen." Marcus ergänzte: "oder eine rosarote Brille aufsetzen." Und ich: "klicken Sie hier, um einen rosaroten Elefanten zu sehen. - Wann läßt die Wirkung denn endlich nach?" (ich kam mir vor wie auf einem Trip)
Dann piepte ein Vogel aus dem Off, das heißt, was heißt: piepte. Der morste eindeutig. Piep pieppieppiep pieppiep piep piep pieppieppiep. Wir nahmen an, daß er ein Dosentelefon benutzte, konnten aber keinen Bindfaden entdecken. Also ein Dosentelefon mit unsichtbarem Bindfaden. Ein Rotkehlchen-Dosentelefon. Vollkommen logisch.
So ist das, wenn nach dunklen Tagen endlich wieder die Sonne scheint, ob mit oder ohne Restalkohol. Man ist bekifft davon. Und ganz wie beim Kiffen kann kein Außenstehender dem Gespräch folgen. "Wann läßt die Wirkung denn endlich nach?"
Auf der Heimfahrt, an der zuvor beschriebenen Stelle, ging ein Paar mit Hund den Weg hinauf (ich glaube, das Herrchen ließ sich vom Hundchen ziehen), ein anderes, auch nicht mehr junges Paar setzte zum Überholen an. So gingen sie für kurze Zeit zu viert nebeneinander und ließen weder links noch rechts auch nur einen Millimeter Raum. Ich klingelte höflich, aber ohne jeden Respekt; keiner der Vier drehte sich um oder machte Platz. Nur die überholende Dame auf Linksaußen wackelte demonstrativ mit ihrem Hinterteil. Die Einmündung eines anderen Weges gab mir Gelegenheit zum Vorbeifahren. "Das haben sie aber cool gemacht, junge Dame", sagte ich mit maximaler Verachtung, also ohne sie eines Blickes zu würdigen, und hörte, während ich zügig Tempo aufnahm, noch den Anfang einer ab-so-lut vernichtenden Bemerkung, die sie zu ihrem Begleiter machte: "Jetzt darf man nicht mal mehr ..." - Ach geh doch deinen Arsch anderswo schaukeln.
So etwas gehört natürlich nicht in die Rubrik 'meine Tiere', die der liebevollen Würdigung des Gekreuchs und Gefleuchs vorbehalten ist.
Aber ich wollte vom Gartenfest erzählen. Auf dem Hinweg mühten sich einige Mamas&Papas einen schmalen, steilen Weg hinauf, den ich hinabsauste (Fahrrad!), als hinter der Kurve wild klingelnd so ein später Pubertäter direkt auf mich zuschoß. Ich konnte gerde noch zur Seite lenken und, während er schlingernd zwischen mir und den älteren Mitbürgern hindurchwitschte, "Arschloch" rufen. Der Schwanz soll ihm abfaulen!
Das Gartenfest war dann ganz schön. Wir saßen auf der windgeschützten Terrasse, umrahmt von Luftballons und Lampions; der Grill knisterte nach dem Essen noch vor sich hin, Funkenflug verursachte spontanes Ballonplatzen. Während die Gästezahl abnahm, stieg der Alkoholpegel. Vor dem Schlafengehen konnte ich noch einen Sternenhimmel bewundern, wie ich ihn auch bei klarster Luft zuhause nicht zu sehen bekomme. Ein Sternbild, das ich vor Jahren fälschlich für den Skorpion gehalten hatte, wurde mir dann und dort als Cassiopeia vorgestellt. Nun kenne ich also zwei Sternbilder mit Namen. Das sind echte Fortschritte.
Ach, ich vergaß: eine Lehrerin, die sich gar nicht wie eine Lehrerin benahm (die machen ja heutzutage alle einen auf harmlos), erzählte, daß sie ihren Schülern (deren Handys sie gelegentlich wegen Gedüte im Unterricht "konfiszieren muß", unvergänglicher Pädagogenhumor) beim Thema Akustik immer das Dosentelefon vorstellt. Wir stellten uns vor, was sich daraus für die Sechstklässler an Fragen ergibt. Zum Beispiel, wie man mit der Schallübertragung per Bindfaden Netzwerke realisiert. Oder ob es coole Nokia-Dosen gibt.
Am Morgen frühstückte der harte Kern, die vier Tapferen, mehr oder minder angeschlagen, ich mit reichlich Restalkohol. Für mich kein Problem, nur war mir von den vielen Zigaretten schlecht. Danach saßen wir schlapp im Sonnenschein. Völlig passiv ließ ich zu, daß ein Rotkehlchen auf meinen Fahrradsattel pupste. Motorengebrumm kam vom Himmel: ich wies darauf hin, daß sich eine umfangreiche Wolke in Richtung Sonne bewegte. Den Zusammenhang hätte sonst natürlich niemand bemerkt, so sind die, herzensgut, aber unaufmerksam.
Plötzlich knallte es: ein Luftballon war geplatzt, einfach so. Ein anderer schrumpelte zusehends und machte einen depressiven Eindruck, wie Brigitte feststellte. Da wir gerade über Webseiten geredet hatten, improvisierte ich: "diese Website enthält Darstellungen von depressiven Luftballons. Suizidgefährdete Nutzer sollten diese Seite nur in Begleitung ihres Arztes oder Apothekers aufsuchen." Marcus ergänzte: "oder eine rosarote Brille aufsetzen." Und ich: "klicken Sie hier, um einen rosaroten Elefanten zu sehen. - Wann läßt die Wirkung denn endlich nach?" (ich kam mir vor wie auf einem Trip)
Dann piepte ein Vogel aus dem Off, das heißt, was heißt: piepte. Der morste eindeutig. Piep pieppieppiep pieppiep piep piep pieppieppiep. Wir nahmen an, daß er ein Dosentelefon benutzte, konnten aber keinen Bindfaden entdecken. Also ein Dosentelefon mit unsichtbarem Bindfaden. Ein Rotkehlchen-Dosentelefon. Vollkommen logisch.
So ist das, wenn nach dunklen Tagen endlich wieder die Sonne scheint, ob mit oder ohne Restalkohol. Man ist bekifft davon. Und ganz wie beim Kiffen kann kein Außenstehender dem Gespräch folgen. "Wann läßt die Wirkung denn endlich nach?"
Auf der Heimfahrt, an der zuvor beschriebenen Stelle, ging ein Paar mit Hund den Weg hinauf (ich glaube, das Herrchen ließ sich vom Hundchen ziehen), ein anderes, auch nicht mehr junges Paar setzte zum Überholen an. So gingen sie für kurze Zeit zu viert nebeneinander und ließen weder links noch rechts auch nur einen Millimeter Raum. Ich klingelte höflich, aber ohne jeden Respekt; keiner der Vier drehte sich um oder machte Platz. Nur die überholende Dame auf Linksaußen wackelte demonstrativ mit ihrem Hinterteil. Die Einmündung eines anderen Weges gab mir Gelegenheit zum Vorbeifahren. "Das haben sie aber cool gemacht, junge Dame", sagte ich mit maximaler Verachtung, also ohne sie eines Blickes zu würdigen, und hörte, während ich zügig Tempo aufnahm, noch den Anfang einer ab-so-lut vernichtenden Bemerkung, die sie zu ihrem Begleiter machte: "Jetzt darf man nicht mal mehr ..." - Ach geh doch deinen Arsch anderswo schaukeln.
So etwas gehört natürlich nicht in die Rubrik 'meine Tiere', die der liebevollen Würdigung des Gekreuchs und Gefleuchs vorbehalten ist.
Dicki - am Mo, 29. August 2005, 1:26 - Rubrik: Beobachtungen in der Natur
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Ist doch klar, wem wir den verregneten Sommer zu verdanken haben, oder? Und die neuentstandene Seenplatte in den Alpen? Oder ?! Weshalb bricht denn wohl Old Müntehand bei einem routinemäßigen Wahlkampfauftritt zusammen?
Die Schröder Partei Deutschland hat den Klimawandel instrumentalisiert (und durch persönlichen Einsatz gefördert, gell, Münte?), wie sonst wäre die neuerliche Jahrhundertflut pünktlich zum Wahlkampf zu erklären! Doch ob das wohlüberlegt ist, diese Frage stellt sich. Werden nicht am Ende Fischer (!), Lafontaine (!!) und Westerwelle (!!!) davon profitieren?
Meine Gewährsmänner berichten, daß in der CDU-Zentrale seit kurzem mit Erdbeben experimentiert wird; irgendwie müsse man ja die Macht zurückerobern ...
Die Schröder Partei Deutschland hat den Klimawandel instrumentalisiert (und durch persönlichen Einsatz gefördert, gell, Münte?), wie sonst wäre die neuerliche Jahrhundertflut pünktlich zum Wahlkampf zu erklären! Doch ob das wohlüberlegt ist, diese Frage stellt sich. Werden nicht am Ende Fischer (!), Lafontaine (!!) und Westerwelle (!!!) davon profitieren?
Meine Gewährsmänner berichten, daß in der CDU-Zentrale seit kurzem mit Erdbeben experimentiert wird; irgendwie müsse man ja die Macht zurückerobern ...
Dicki - am Fr, 26. August 2005, 1:33 - Rubrik: zickezacke
Jetzt hatte ich mal Gelegenheit, vorm Fernseher zu sitzen, und dann war da nix drin. Sonntag Tatort, Mittwoch Länderspiel, Donnerstag war Papst, Freitag Hermann und Tietjen, Sonntag wieder Tatort. Letzterer scheint ja immer mit düsterem Farbdesign und bedeutungstriefender Musikuntermalung daherzukommen. Ich hab nicht mal richtig hingesehen.
Beim Länderspiel gab es kaum was hinzusehen, obwohl der Ballack nach dem Spiel meinte, in der Mitte hätten sie gut gestanden. Aber wie Netzer in der Pause schon sagte: keiner faßt mal richtig was an. Das war kein spritziges Match. - Bei Hermann und Tietjen gab es was zu sehen, leider kaum etwas zu hören: selbstbewußte Frauen tragen heute monumentale Ohrgehänge; größer, glitzer, klimper.
Dann war der noch der Ausflug nach Köln inklusive des Rheinanlegers, den der Papst am Donnerstag benutzt hatte. Roch da irgendwie noch nach Weihrauch, aber das wars auch schon. Naja, außer Kaffee und Kuchen sowie Essengehen mit Verwandtschaft. Auf dem späten Rückweg ein weiter Blick über Berg und Tal: der volle Mond hing fahlgelbgrau verwaschen zwischen grauschattiertem Matt.
Gleich wieder in die Kiste gestarrt: Vigil auf dem Marienfeld. Was ein Spektakel. Brauchen die dafür wirklich noch den Papst? Die katholische Kiche sollte mal darüber nachdenken, für zukünftige Weltjugendtage Michael Jackson zu engagieren. Und wieder tat Fernsehen weh: Live-Ton durchsetzte kakophonisch den Ton der Rückschau - ich meine, wieso sind Millionen arbeitslos und solche Stümper dürfen in der Öffentlichkeit herumschlunzen?
Beim Länderspiel gab es kaum was hinzusehen, obwohl der Ballack nach dem Spiel meinte, in der Mitte hätten sie gut gestanden. Aber wie Netzer in der Pause schon sagte: keiner faßt mal richtig was an. Das war kein spritziges Match. - Bei Hermann und Tietjen gab es was zu sehen, leider kaum etwas zu hören: selbstbewußte Frauen tragen heute monumentale Ohrgehänge; größer, glitzer, klimper.
Dann war der noch der Ausflug nach Köln inklusive des Rheinanlegers, den der Papst am Donnerstag benutzt hatte. Roch da irgendwie noch nach Weihrauch, aber das wars auch schon. Naja, außer Kaffee und Kuchen sowie Essengehen mit Verwandtschaft. Auf dem späten Rückweg ein weiter Blick über Berg und Tal: der volle Mond hing fahlgelbgrau verwaschen zwischen grauschattiertem Matt.
Gleich wieder in die Kiste gestarrt: Vigil auf dem Marienfeld. Was ein Spektakel. Brauchen die dafür wirklich noch den Papst? Die katholische Kiche sollte mal darüber nachdenken, für zukünftige Weltjugendtage Michael Jackson zu engagieren. Und wieder tat Fernsehen weh: Live-Ton durchsetzte kakophonisch den Ton der Rückschau - ich meine, wieso sind Millionen arbeitslos und solche Stümper dürfen in der Öffentlichkeit herumschlunzen?
Dicki - am Mi, 24. August 2005, 20:13 - Rubrik: Dickis Reisen
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War mir gar nicht klar. Stellte sich aber schnell heraus. Weltjugendtag ab Dienstag, Papst ab Donnerstag. Während der Fahrt (am Sonnabend vor zehn Tagen) nach Köln zunächst (Schwester), dann in die Nähe von Gummersbach (Bruder), war von dem Großereignis noch nichts zu spüren, nur paar Witzbolde auf der Autobahn mit Nummernschildern wie ST-IL-2992 oder SU-RF-2003 oder auch GL-AS-4711.
Dienstag dann Kardinal Meisner: "..eröffne ich hiermit den Weltjugendpapst ..." Hübscher Versprecher. Donnerstag, Köln-Wahn. Der Papst landet. Ab seiner Ankunft am Rhein-Anleger war ich live dabei, also vorm Fernseher mein ich. Setzt sich da in sonn improvisierten Thron auf dem Sonnendeck, paar Landestrachtjugendliche aus aller Welt mit Abstand um ihn rum. Tucker tucker zu den Poller Wiesen, wo er dann beflissen begrüßt wird, mit einer Rede, die man durch Austausch weniger Begriffe für jede Führerbegrüßung hätte einsetzen können. Au Mann, dachte ich, das wird alles eine große Peinlichkeit. Zumal sich ja auch Kommentatoren, Werbewirtschaft, Veranstalter und überhaupt ziemlich jeder bemühte, den Papstbesuch auf Wirtschaftsfaktorniveau herabzubanalisieren. "Während der Rheinfahrt war der Strom komplett gesperrt," schrieb der Kölner Anzeiger anderntags; kann nicht sein, sagte meine Schwester, bei ihr funktionierten alle Elektrogeräte (sie wohnt in Köln sehr nah an der Route, die derKatafalk Katamaran Rhein-Energie nahm.
Auf diesem Schiff waren ne ganze Menge Jugendliche, also nicht bloß eine handvoll, und schon gar nicht eine Hand voll. Eine nach dem anderen knicksten und beugten die vorm Heiligen Vater, küßten seine rechte Hand, und hielten kurze Zwiesprache. Benedikt XVI ganz aufmerksam zugehört und ihnen ins Gesicht gesehen, Hand, Arm, Schulter freundlich berührt, ein schönes Bild. Ein junger Mann hat dem Alten sogar die Hand gestreichelt, das fand ich sehr rührend. Der Ratzinger will ja keinen Starrummel ("Beee-nedet-to!" - klapklap - klapklapklapklap), aber über Vertrauen und Zuneigung hat er sich sichtlich gefreut. Schön. Da hatte sich für mich das Live-Geglotze schon gelohnt.
Ehrlich, ich mag den alten Joseph Ratzinger. Obwohl ich bezweifle, daß er in Sachen Kondome usw. noch zur Vernunft kommt. Aber der hat ne Menge anderer Sachen im Gepäck, und mich freut, daß Quirinus hier eine ganz wichtige Passage aus der Predigt auf dem Marienfeld zitiert ("... die wehrlose Macht der Liebe ..."). Außerdem empfinde ich als wohltuend, daß er kein Medienprofi, vielleicht nicht einmal ein geübter Redner ist, wohl aber ein schreibender und denkender Mensch. Soll doch der Köhler Horst seine Zeitgemäßheit durch Kondomempfehlungen in markiger Rede beweisen wollen, er wird ja immer nur ein Grinse-Kasper bleiben. Mir geht die ganze Aufregung am Arsch vorbei. Der alte Mann in Rom wird sich noch manches Mal irren, aber er ist ein Mensch, der lebt und liebt. Basta.
Dienstag dann Kardinal Meisner: "..eröffne ich hiermit den Weltjugendpapst ..." Hübscher Versprecher. Donnerstag, Köln-Wahn. Der Papst landet. Ab seiner Ankunft am Rhein-Anleger war ich live dabei, also vorm Fernseher mein ich. Setzt sich da in sonn improvisierten Thron auf dem Sonnendeck, paar Landestrachtjugendliche aus aller Welt mit Abstand um ihn rum. Tucker tucker zu den Poller Wiesen, wo er dann beflissen begrüßt wird, mit einer Rede, die man durch Austausch weniger Begriffe für jede Führerbegrüßung hätte einsetzen können. Au Mann, dachte ich, das wird alles eine große Peinlichkeit. Zumal sich ja auch Kommentatoren, Werbewirtschaft, Veranstalter und überhaupt ziemlich jeder bemühte, den Papstbesuch auf Wirtschaftsfaktorniveau herabzubanalisieren. "Während der Rheinfahrt war der Strom komplett gesperrt," schrieb der Kölner Anzeiger anderntags; kann nicht sein, sagte meine Schwester, bei ihr funktionierten alle Elektrogeräte (sie wohnt in Köln sehr nah an der Route, die der
Auf diesem Schiff waren ne ganze Menge Jugendliche, also nicht bloß eine handvoll, und schon gar nicht eine Hand voll. Eine nach dem anderen knicksten und beugten die vorm Heiligen Vater, küßten seine rechte Hand, und hielten kurze Zwiesprache. Benedikt XVI ganz aufmerksam zugehört und ihnen ins Gesicht gesehen, Hand, Arm, Schulter freundlich berührt, ein schönes Bild. Ein junger Mann hat dem Alten sogar die Hand gestreichelt, das fand ich sehr rührend. Der Ratzinger will ja keinen Starrummel ("Beee-nedet-to!" - klapklap - klapklapklapklap), aber über Vertrauen und Zuneigung hat er sich sichtlich gefreut. Schön. Da hatte sich für mich das Live-Geglotze schon gelohnt.
Ehrlich, ich mag den alten Joseph Ratzinger. Obwohl ich bezweifle, daß er in Sachen Kondome usw. noch zur Vernunft kommt. Aber der hat ne Menge anderer Sachen im Gepäck, und mich freut, daß Quirinus hier eine ganz wichtige Passage aus der Predigt auf dem Marienfeld zitiert ("... die wehrlose Macht der Liebe ..."). Außerdem empfinde ich als wohltuend, daß er kein Medienprofi, vielleicht nicht einmal ein geübter Redner ist, wohl aber ein schreibender und denkender Mensch. Soll doch der Köhler Horst seine Zeitgemäßheit durch Kondomempfehlungen in markiger Rede beweisen wollen, er wird ja immer nur ein Grinse-Kasper bleiben. Mir geht die ganze Aufregung am Arsch vorbei. Der alte Mann in Rom wird sich noch manches Mal irren, aber er ist ein Mensch, der lebt und liebt. Basta.
Dicki - am Mo, 22. August 2005, 19:33 - Rubrik: Dickis Reisen
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