1978, ich war noch im ersten Lehrjahr, erzählte ein Kollege von dem "Star Wars"-Film (Episode 4 nach heutiger Rechnung) und war begeistert von der Tricktechnik. Naja, dachte ich, ein Kriegsfilm oder Western, in die Zukunft verpflanzt. Ende der 80er hatte ich dann alle drei Teile (also Episode 4 bis 6) im TV gesehen. In jedem Teil gab es ein oder zwei Szenen, die mich durch ihre Bildgewalt beeindruckten. Doch die Story? Das blieb ja weit hinter allen klassischen Western und (Anti-)Kriegsfilmen zurück!
Der Held (genannt Luke Skywalker) ist mit so einem unsympathisch pubertären und mäßigem Brausekopf von Schauspieler fehlbesetzt, womit der erste Film schon gescheitert wäre, wenn nicht Kriegsaction und Tricktechnik genügend Publikum angezogen hätte. Die Story ist ebenso simpel wie ausgewalzt, die Guten kämpfen gegen die Bösen, wobei weder "gut" noch "böse" irgendeiner Rechtfertigung bedürfen. Die Bösen bekämpfen die Guten, weil sie gut sind; die Guten sind die Guten, weil sie von den Bösen angegriffen werden, in alle Ewigkeit, Amen.
Und was ist der Kern dieser Trilogie, die in den letzten Jahren zur Sixtologie (falls das so heißt) erweitert worden ist? Es ist - Darth Vader. Aus diesem Namen ist unschwer "dark father" herauszulesen, und damit hat man es. Darth Vader, der sich "der dunklen Seite der Macht" verschrieben hat, ist der Vater von Luke Skywalker. Als es für den Helden auf Leben und Tod geht, hilft der Vater dem Sohn im letzten Augenblick und verrät die Bösen.
Das ist alles. Papa ist böse, aber er meint es nicht so, in Wahrheit hat er dich lieb. Die jüngsten Filme (Episode 1 bis 3) erzählen, wie aus dem guten Annakin Skywalker der böse Darth Vader wurde. Sechs lange Kinofilme über Papa, die keine Aufklärung bringen und niemandem helfen, die nur die Botschaft auf Überlänge ausgedehnt haben: in Wahrheit ist Papa gut, auch wenn er noch so schlecht ist. Das werden Söhne wie Töchter gerne hören, daß Papa das Kind in Wahrheit doch liebt. Und da viele den eigenen Vater eben nicht als einen liebenden Menschen erfahren haben, projizieren sie munter ihre frühe Kindheitserfahrung auf ihre Zeitgenossen.
Und das ist das wirklich Böse. Wenn Menschen nicht als differenzierte Wesen mit vielen guten und schlechten Eigenschaften wahrgenommen werden, sondern als Projektionsfläche für neurotische Gefühlsanwandlungen herhalten müssen, ist die Saat der Unmenschlichkeit gesät und kann munter keimen und wachsen. Dann kann der Mensch, der mich kritisiert, als Feind angesehen werden, der mich angreift. Und der Feind, soviel ist klar, ist böse. Also bin ich gut, wenn ich ihn bekämpfe. Schnell noch ein Etikett aufgeklebt - "Faschist" oder "Antisemit" oder "Ausbeuter" oder "Schmarotzer" oder oder oder - und los geht's ...
Der Held (genannt Luke Skywalker) ist mit so einem unsympathisch pubertären und mäßigem Brausekopf von Schauspieler fehlbesetzt, womit der erste Film schon gescheitert wäre, wenn nicht Kriegsaction und Tricktechnik genügend Publikum angezogen hätte. Die Story ist ebenso simpel wie ausgewalzt, die Guten kämpfen gegen die Bösen, wobei weder "gut" noch "böse" irgendeiner Rechtfertigung bedürfen. Die Bösen bekämpfen die Guten, weil sie gut sind; die Guten sind die Guten, weil sie von den Bösen angegriffen werden, in alle Ewigkeit, Amen.
Und was ist der Kern dieser Trilogie, die in den letzten Jahren zur Sixtologie (falls das so heißt) erweitert worden ist? Es ist - Darth Vader. Aus diesem Namen ist unschwer "dark father" herauszulesen, und damit hat man es. Darth Vader, der sich "der dunklen Seite der Macht" verschrieben hat, ist der Vater von Luke Skywalker. Als es für den Helden auf Leben und Tod geht, hilft der Vater dem Sohn im letzten Augenblick und verrät die Bösen.
Das ist alles. Papa ist böse, aber er meint es nicht so, in Wahrheit hat er dich lieb. Die jüngsten Filme (Episode 1 bis 3) erzählen, wie aus dem guten Annakin Skywalker der böse Darth Vader wurde. Sechs lange Kinofilme über Papa, die keine Aufklärung bringen und niemandem helfen, die nur die Botschaft auf Überlänge ausgedehnt haben: in Wahrheit ist Papa gut, auch wenn er noch so schlecht ist. Das werden Söhne wie Töchter gerne hören, daß Papa das Kind in Wahrheit doch liebt. Und da viele den eigenen Vater eben nicht als einen liebenden Menschen erfahren haben, projizieren sie munter ihre frühe Kindheitserfahrung auf ihre Zeitgenossen.
Und das ist das wirklich Böse. Wenn Menschen nicht als differenzierte Wesen mit vielen guten und schlechten Eigenschaften wahrgenommen werden, sondern als Projektionsfläche für neurotische Gefühlsanwandlungen herhalten müssen, ist die Saat der Unmenschlichkeit gesät und kann munter keimen und wachsen. Dann kann der Mensch, der mich kritisiert, als Feind angesehen werden, der mich angreift. Und der Feind, soviel ist klar, ist böse. Also bin ich gut, wenn ich ihn bekämpfe. Schnell noch ein Etikett aufgeklebt - "Faschist" oder "Antisemit" oder "Ausbeuter" oder "Schmarotzer" oder oder oder - und los geht's ...
Dicki - am Sa, 21. Mai 2005, 14:44 - Rubrik: Nachtgesaenge
Rom, Januar 1787. Goethe verbringt viel Zeit bei dem verletzten Moritz oder er bearbeitet seine Iphigenie. Ich lese ein Buch nach dem anderen, und die Bücher katapultieren mich heraus aus dem beschaulichen Italien.
Zuerst "Bauern, Bonzen und Bomben" von Hans Fallada. Pommern 1930, ein kleines Industrienest irgendwo bei Stettin. Die Bauern beginnen, sich gegen Pfändungen ihres Viehs zu wehren und demonstrieren in der Stadt, wo ihr verhafteter Anführer einsitzt. Durch eine Intrige verursacht der Geheimbeauftragte der Kreisregierung einen blutigen Polizeieinsatz gegen die Bauern. Diese organisieren einen Boykott gegen die Stadt, die Städter organisieren untereinander Intrigen, der Prozess wegen des Aufruhrs enthüllt einiges, doch die angeklagten Bauern werden trotzdem verurteilt.
Es ist eine Komödie mit trefflichen Menschenschilderungen und vielen komischen Dialogen, doch eine bittere. Alle Organisationen, Institutionen und Zeitungen verfolgen nur ein Ziel: die Mehrung ihrer Macht und Verkündung ihres Weltbildes als des einzig Wahrhaftigen; ob Richtiges gesagt und getan wird, ist ohne Belang, erst recht, wenn es vom "Feind" kommt. Der Bürgermeister der Kleinstadt, ein SPD-Bonze, der für alle Menschen in Stadt und Land organisiert, entwickelt, Gelder auftreibt und der manches erreicht hat, wird von den eigenen Genossen abgesägt - er täte nicht genug für die Partei.
Dann "Der Baader-Meinhof-Komplex" von Stefan Aust. Eine kleine Parallele zu "Bauern, Bonzen und Bomben": es war der Verfassungsschutz, der den radikalsten Studenten die ersten Molotow-Cocktails und Bomben besorgte. Die Leute von der späteren RAF ebenso wie die von der späteren "Bewegung 2. Juni" gingen in die Falle der erwünschten Eskalation, weil sie glaubten, wenn alle über die Revolution diskutieren, dann steht sie vor der Tür und man muß nur den Anfang machen. Der Weg der RAF führte in den Knast, und erst als Inhaftierte unter äußerst scharfen Haftbedingungen wurden sie als Opfer attraktiv und es entstand eine Sympathisantenszene. Es ist immer wieder interessant nachzulesen, wie unter dem Etikett Terrorismusbekämpfung Gesetze verschäft, Sondergesetze erlassen, Verteidigerrechte ausgesetzt und ein geradezu unrechtsstaatlicher Prozeß gegen die RAF-Mitglieder in Stammheim (und anderswo) durchgezogen wurde. Sie waren in die Gewaltfalle gegangen, nun wurde an ihnen stellvertretend für eine ganze Generation ein Exempel statuiert.
Und "Wie alles anfing" von Bommi Baumann. Seine Geschichte beginnt in den frühen 60ern und dem gemeinsamen Erleben aller jungen Leute: wie sie wegen ihrer Lebenslust und "ihrer" Musik - Beat und Rock'n'Roll - von vielen Älteren beschimpft, diffamiert und bedroht wurden. Als Linke hat man sich denn noch nicht gefühlt, aber alles was dagegen war, war gut, auch die NPD. Es gab jedoch keine Hakenkreuzromantik, das nicht, Hitler fand natürlich keiner gut, weil der auch gegen lange Haare war, das war ja genau der Typ. Faschismus als solcher wurde natürlich abgelehnt, aber die reine Opposition hast du dann schon besser gefunden als diese kleinbürgerliche Mittelmäßigkeit, dieses reine Nichts, das herrschte. Da hast du schon alles gut gefunden, was nicht damit einverstanden war, auf alle Fälle war es lustig.
Und allmählich beschäftigten sich immer mehr junge Menschen mit Politik und wurden auch aktiv, mit witzigen Aktionen ebenso wie mit Randale. Der Terrorismus begann, als nach langen Hetzkampagnen der Springerpresse ein Arbeitsloser Rudi Dutschke niederschoß, Ostern 1968. In vielen Städten gab es daraufhin Krawall, in Berlin flogen Steine gegen den Springer-Verlag - und vom Verfassungsschutz gelieferte Molotow-Cocktails.
Das alles geistert mir seit Tagen im Kopf herum und mußte aufgeschrieben werden. Jetzt habe ich hoffentlich den Kopf wieder frei für Goethe, Rom und die Italienische Reise.
Zuerst "Bauern, Bonzen und Bomben" von Hans Fallada. Pommern 1930, ein kleines Industrienest irgendwo bei Stettin. Die Bauern beginnen, sich gegen Pfändungen ihres Viehs zu wehren und demonstrieren in der Stadt, wo ihr verhafteter Anführer einsitzt. Durch eine Intrige verursacht der Geheimbeauftragte der Kreisregierung einen blutigen Polizeieinsatz gegen die Bauern. Diese organisieren einen Boykott gegen die Stadt, die Städter organisieren untereinander Intrigen, der Prozess wegen des Aufruhrs enthüllt einiges, doch die angeklagten Bauern werden trotzdem verurteilt.
Es ist eine Komödie mit trefflichen Menschenschilderungen und vielen komischen Dialogen, doch eine bittere. Alle Organisationen, Institutionen und Zeitungen verfolgen nur ein Ziel: die Mehrung ihrer Macht und Verkündung ihres Weltbildes als des einzig Wahrhaftigen; ob Richtiges gesagt und getan wird, ist ohne Belang, erst recht, wenn es vom "Feind" kommt. Der Bürgermeister der Kleinstadt, ein SPD-Bonze, der für alle Menschen in Stadt und Land organisiert, entwickelt, Gelder auftreibt und der manches erreicht hat, wird von den eigenen Genossen abgesägt - er täte nicht genug für die Partei.
Dann "Der Baader-Meinhof-Komplex" von Stefan Aust. Eine kleine Parallele zu "Bauern, Bonzen und Bomben": es war der Verfassungsschutz, der den radikalsten Studenten die ersten Molotow-Cocktails und Bomben besorgte. Die Leute von der späteren RAF ebenso wie die von der späteren "Bewegung 2. Juni" gingen in die Falle der erwünschten Eskalation, weil sie glaubten, wenn alle über die Revolution diskutieren, dann steht sie vor der Tür und man muß nur den Anfang machen. Der Weg der RAF führte in den Knast, und erst als Inhaftierte unter äußerst scharfen Haftbedingungen wurden sie als Opfer attraktiv und es entstand eine Sympathisantenszene. Es ist immer wieder interessant nachzulesen, wie unter dem Etikett Terrorismusbekämpfung Gesetze verschäft, Sondergesetze erlassen, Verteidigerrechte ausgesetzt und ein geradezu unrechtsstaatlicher Prozeß gegen die RAF-Mitglieder in Stammheim (und anderswo) durchgezogen wurde. Sie waren in die Gewaltfalle gegangen, nun wurde an ihnen stellvertretend für eine ganze Generation ein Exempel statuiert.
Und "Wie alles anfing" von Bommi Baumann. Seine Geschichte beginnt in den frühen 60ern und dem gemeinsamen Erleben aller jungen Leute: wie sie wegen ihrer Lebenslust und "ihrer" Musik - Beat und Rock'n'Roll - von vielen Älteren beschimpft, diffamiert und bedroht wurden. Als Linke hat man sich denn noch nicht gefühlt, aber alles was dagegen war, war gut, auch die NPD. Es gab jedoch keine Hakenkreuzromantik, das nicht, Hitler fand natürlich keiner gut, weil der auch gegen lange Haare war, das war ja genau der Typ. Faschismus als solcher wurde natürlich abgelehnt, aber die reine Opposition hast du dann schon besser gefunden als diese kleinbürgerliche Mittelmäßigkeit, dieses reine Nichts, das herrschte. Da hast du schon alles gut gefunden, was nicht damit einverstanden war, auf alle Fälle war es lustig.
Und allmählich beschäftigten sich immer mehr junge Menschen mit Politik und wurden auch aktiv, mit witzigen Aktionen ebenso wie mit Randale. Der Terrorismus begann, als nach langen Hetzkampagnen der Springerpresse ein Arbeitsloser Rudi Dutschke niederschoß, Ostern 1968. In vielen Städten gab es daraufhin Krawall, in Berlin flogen Steine gegen den Springer-Verlag - und vom Verfassungsschutz gelieferte Molotow-Cocktails.
Das alles geistert mir seit Tagen im Kopf herum und mußte aufgeschrieben werden. Jetzt habe ich hoffentlich den Kopf wieder frei für Goethe, Rom und die Italienische Reise.
Dicki - am Sa, 21. Mai 2005, 13:04 - Rubrik: Dickis Reisen
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Berater: Guten Tag, Herr, äh ...
Kresch: Kresch. Wilfried Kresch.
Berater: Ja, Herr Kresch. Ich habe Sie zu mir gebeten, um mal genauer auszuloten, was Sie in Zukunft tun können. Als Beruf haben Sie angegeben: Briefautor. Ah, waren Sie da als Angestellter tätig?
Kresch: Na, zuerst war ich selbständig.
Berater: Ach, als Briefautor?
Kresch: Als Bekennerbriefautor.
Berater: Bekenner ... äh
Kresch: Ja, ich habe Bekennerbriefe verfasst.
Berater: Aah ...
Kresch: Das war so. Die RAF ...
Berater: RAF?!
Kresch: ... also die Rote Armee Fraktion ...
Berater: Was???
Kresch: Ja, also, die hatten so '75 keinen, der im richtigen Jargon Bekennerbriefe schreiben konnte, die Gründer saßen alle ein ...
Berater: Ö ...
Kresch: ... und ich hatte das gut drauf, da ergab sich das mal, da habe ich für die ...
Berater: Bekennerbriefe?
Kresch: Jaja, eben.
Berater: Ja, äh, da muß ich, wenn Sie, also wie, äh, waren Sie ...
Kresch: Ich war keiner von denen.
Berater: Aber Sympathisant?
Kresch: Na, irgendwo schon. Also damals. Ich bekam 500 pro Brief, wenn sie den verwendet haben. Wir sprachen dann auch über Audiocassetten und Videobänder, wissen Sie, die Briefe, da konnte ich nicht von leben, hab nebenher Taxi fahren müssen, das war aber auch ein guter Ausgleich, mal ganz normale doofe Gespräche führen.
Berater: Videos? Äh, bei der, hm, ich meine, der Schleyer ...
Kresch: Das war ja der Bruch. Die hatten mich ausgehorcht, dann mein Wissen eingesetzt und ich hab keine müde Mark bekommen. Da bin ich zum BKA hin.
Berater: Ach?
Kresch: Die waren ganz aufgeschlossen, sehr entgegenkommend. Erst haben die mich auf Probe beschäftigt, aber sofort fest eingestellt, als die gemerkt haben: der ist Profi.
Berater: Ja, so.
Kresch: Die Bekennerschreiben, das war meist ich, fast zwanzig Jahre lang. Die erkennen Sie daran, daß die echter klingen als die Originale, so gut war ich. Internationale Erfahrung hab ich auch gesammelt, so per Amtshilfe, Irland, Spanien, Jugoslawien.
Berater: Das ...
Kresch: Dann hat die RAF aufgegeben, diese Hosenscheißer! und ich hatte nur noch ne Halbtagsstelle.
Berater: Und weshalb haben Sie die verloren?
Kresch: Ist doch bloß noch Araberzeugs gefragt. Koran, Islamismus, heiliger Krieg. Da sind jetzt andere im Geschäft. 2002 hab ich die Kündigung bekommen.
Berater: Ich könnte mal eben in der Datenbank ... eine Fortbildung ... Arabistik ... äh, nein, Sie sind ja schon zu alt, tut mir leid, da gibt es keine Fördermittel mehr. Was stellen Sie sich denn nun weiter vor?
Kresch: Ja. Ob die Regierung nicht die Arbeitslosen zu Anschlägen ermuntern könnte? Schauen Sie, ich hab da einige Entwürfe ... das BKA hat mir schon Interesse signalisiert ...
Kresch: Kresch. Wilfried Kresch.
Berater: Ja, Herr Kresch. Ich habe Sie zu mir gebeten, um mal genauer auszuloten, was Sie in Zukunft tun können. Als Beruf haben Sie angegeben: Briefautor. Ah, waren Sie da als Angestellter tätig?
Kresch: Na, zuerst war ich selbständig.
Berater: Ach, als Briefautor?
Kresch: Als Bekennerbriefautor.
Berater: Bekenner ... äh
Kresch: Ja, ich habe Bekennerbriefe verfasst.
Berater: Aah ...
Kresch: Das war so. Die RAF ...
Berater: RAF?!
Kresch: ... also die Rote Armee Fraktion ...
Berater: Was???
Kresch: Ja, also, die hatten so '75 keinen, der im richtigen Jargon Bekennerbriefe schreiben konnte, die Gründer saßen alle ein ...
Berater: Ö ...
Kresch: ... und ich hatte das gut drauf, da ergab sich das mal, da habe ich für die ...
Berater: Bekennerbriefe?
Kresch: Jaja, eben.
Berater: Ja, äh, da muß ich, wenn Sie, also wie, äh, waren Sie ...
Kresch: Ich war keiner von denen.
Berater: Aber Sympathisant?
Kresch: Na, irgendwo schon. Also damals. Ich bekam 500 pro Brief, wenn sie den verwendet haben. Wir sprachen dann auch über Audiocassetten und Videobänder, wissen Sie, die Briefe, da konnte ich nicht von leben, hab nebenher Taxi fahren müssen, das war aber auch ein guter Ausgleich, mal ganz normale doofe Gespräche führen.
Berater: Videos? Äh, bei der, hm, ich meine, der Schleyer ...
Kresch: Das war ja der Bruch. Die hatten mich ausgehorcht, dann mein Wissen eingesetzt und ich hab keine müde Mark bekommen. Da bin ich zum BKA hin.
Berater: Ach?
Kresch: Die waren ganz aufgeschlossen, sehr entgegenkommend. Erst haben die mich auf Probe beschäftigt, aber sofort fest eingestellt, als die gemerkt haben: der ist Profi.
Berater: Ja, so.
Kresch: Die Bekennerschreiben, das war meist ich, fast zwanzig Jahre lang. Die erkennen Sie daran, daß die echter klingen als die Originale, so gut war ich. Internationale Erfahrung hab ich auch gesammelt, so per Amtshilfe, Irland, Spanien, Jugoslawien.
Berater: Das ...
Kresch: Dann hat die RAF aufgegeben, diese Hosenscheißer! und ich hatte nur noch ne Halbtagsstelle.
Berater: Und weshalb haben Sie die verloren?
Kresch: Ist doch bloß noch Araberzeugs gefragt. Koran, Islamismus, heiliger Krieg. Da sind jetzt andere im Geschäft. 2002 hab ich die Kündigung bekommen.
Berater: Ich könnte mal eben in der Datenbank ... eine Fortbildung ... Arabistik ... äh, nein, Sie sind ja schon zu alt, tut mir leid, da gibt es keine Fördermittel mehr. Was stellen Sie sich denn nun weiter vor?
Kresch: Ja. Ob die Regierung nicht die Arbeitslosen zu Anschlägen ermuntern könnte? Schauen Sie, ich hab da einige Entwürfe ... das BKA hat mir schon Interesse signalisiert ...
Dicki - am Mi, 18. Mai 2005, 15:17 - Rubrik: zickezacke
Sarah Connor bekommt eine neunteilige "Doku-Soap" und wird ab Juli wöchentlich durch das PRO7-Abendprogramm flittern, beginnend mit dem Umzug von Florida nach Delmenhorst bis hin zur kirchlichen Trauung mit Marc Terenzi, wer immer das nun wieder ist. Das verspricht Spannung, da kommt Abwechslung in den Laden, da werden weise Worte aus prominentem Munde tröpfeln. Wie ich überhaupt danach lechze, allen meinen Promms im Fernseh zu begegnen, damit ich von ihnen lerne und ein glücklicher Mensch werde - denn da werden Träume wahr. S.C.: "Ganz in weiß, ich wünsche mir, dass ich wie eine Prinzessin auf einem Schloss heirate."
Und das ist das Geschäft der Zukunft, Leute: Loggen im TV, also Vloggen. Das wird richtig spitze, wenn man so von einem Promm-Vlog zum nächsten zappt, überall ein Häppchen Lebensweisheit speist und schließlich einen Kredit aufnimmt (die andere Möglichkeit darf ich hier nicht sagen), um sich den Scheiß Haufen Scheiß teures Scheiß Equipment zuzulegen, der fürs Vloggen unumgänglich benötigt wird. Das wird die logische Fortsetzung von Krawallgeplapper und Gerichtsdokuseifen. Da geht die Sonne auf, und die Privatsender werden nur noch als Server und Threadmoderatoren in Erscheinung treten, ein sicheres Geschäft. Das ist die Ware Demokratie. Für die Startphase habe ich auch schon hübsche Werbeslogans, die die Massen zum Vloggen bringen werden: ON sein um IN zu sein! und: Sie haben nichts zu sagen? Sprechen Sie's aus! und: Glotzen Sie noch oder Vloggen Sie schon?
Und das ist das Geschäft der Zukunft, Leute: Loggen im TV, also Vloggen. Das wird richtig spitze, wenn man so von einem Promm-Vlog zum nächsten zappt, überall ein Häppchen Lebensweisheit speist und schließlich einen Kredit aufnimmt (die andere Möglichkeit darf ich hier nicht sagen), um sich den Scheiß Haufen Scheiß teures Scheiß Equipment zuzulegen, der fürs Vloggen unumgänglich benötigt wird. Das wird die logische Fortsetzung von Krawallgeplapper und Gerichtsdokuseifen. Da geht die Sonne auf, und die Privatsender werden nur noch als Server und Threadmoderatoren in Erscheinung treten, ein sicheres Geschäft. Das ist die Ware Demokratie. Für die Startphase habe ich auch schon hübsche Werbeslogans, die die Massen zum Vloggen bringen werden: ON sein um IN zu sein! und: Sie haben nichts zu sagen? Sprechen Sie's aus! und: Glotzen Sie noch oder Vloggen Sie schon?
Dicki - am Di, 17. Mai 2005, 16:15 - Rubrik: zickezacke
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Noch so ein trüber Tag, daß man zu gar nichts Lust hat. Schließlich hab ich ne Platte aufgelegt, die hat mich innerlich wachgerüttelt und ich hätte die ganze Nacht durch Platten auflegen können. Hatte ich aber keine Lust zu. Ich bin muffig. Ich will richtigen Mai, will Wonnemond! Aber nee, das Wetter ist scheiße, die Leute sind scheiße, und dieser Idiot Cassini-Huygens findet einen Saturnmond nach dem anderen, mit Durchmessern von 2 bis 6 Kilometern, der Erbsenzähler! Der Kosmos nervt.
Dicki - am Di, 17. Mai 2005, 13:56 - Rubrik: in eigener Sache
Noch stärker als der wirtschaftliche Nutzen wäre aber der symbolische Wert, nämlich, dass die Gesellschaft verstanden hat: Wir müssen uns im härter werdenden Wettbewerb mehr anstrengen und wieder mehr arbeiten. Das verstehen Unternehmer- und Wirtschaftsverbände unter dem "Bündnis für Arbeit". Natürlich dürfen wir weiterhin den Pfingstmontag feiern - am Arbeitsplatz (sofern wir einen haben).
Dicki - am Mo, 16. Mai 2005, 14:37 - Rubrik: aus aller Welt
Poa, jetzt kriegt der Goethe auch noch ein Denkmal spendiert, sozusagen: Ich bemerkte wohl, daß Tischbein mich öfters aufmerksam betrachtete, und nun zeigt sich's, daß er mein Porträt zu malen gedenkt. [...] Ich soll in Lebensgröße als Reisender, in einen weißen Mantel gehüllt, in freier Luft auf einem umgestürzten Obelisken sitzend, vorgestellt werden, die tief im Hintergrunde liegenden Ruinen der Campagna di Roma überschauend. Es gibt ein schönes Bild, nur zu groß für unsere nordischen Wohnungen. Ich werde wohl wieder dort unterkriechen, das Porträt aber wird keinen Platz finden.
Die Künstlerzirkel insgesamt können ihn mal im Arsche lecken, glaube ich. Ja, es ist hier wie allenthalben, und was mit mir und durch mich geschehen könnte, macht mir schon Langeweile ehe es geschieht. Man muß sich zu einer Partei schlagen, ihre Leidenschaften und Kabalen verfechten helfen, Künstler und Dilettanten loben, Mitwerber verkleinern, sich von Großen und Reichen alles gefallen lassen. Diese sämtliche Litanei, um derentwillen man aus der Welt laufen möchte, sollte ich hier mitbeten und ganz ohne Zweck?
Da gibt er sich lieber mit Individuen ab. Eben komme ich von Moritz, dessen geheilter Arm heute aufgebunden worden. Es steht und geht recht gut. Was ich diese vierzig Tage bei diesem Leidenden als Wärter, Beichtvater und Vertrauter, als Finanzminister und geheimer Sekretär erfahren und gelernt, mag uns in der Folge zugute kommen. Die fatalsten Leiden und die edelsten Genüsse gingen diese Zeit her immer einander zur Seite.
Der Moritz pflegt auch so ne Art Vers- oder Betonungstheorie, die Goethe inspiriert hat, seine Iphigenie in Jamben zu setzen. Und ich habe die Zeit genutzt, um wieder etwas aus meiner Reisebibliothek vorzunehmen. Doch davon ein andermal; der heutig Tag ist mir zu trüb für eine Komödie.
Die Künstlerzirkel insgesamt können ihn mal im Arsche lecken, glaube ich. Ja, es ist hier wie allenthalben, und was mit mir und durch mich geschehen könnte, macht mir schon Langeweile ehe es geschieht. Man muß sich zu einer Partei schlagen, ihre Leidenschaften und Kabalen verfechten helfen, Künstler und Dilettanten loben, Mitwerber verkleinern, sich von Großen und Reichen alles gefallen lassen. Diese sämtliche Litanei, um derentwillen man aus der Welt laufen möchte, sollte ich hier mitbeten und ganz ohne Zweck?
Da gibt er sich lieber mit Individuen ab. Eben komme ich von Moritz, dessen geheilter Arm heute aufgebunden worden. Es steht und geht recht gut. Was ich diese vierzig Tage bei diesem Leidenden als Wärter, Beichtvater und Vertrauter, als Finanzminister und geheimer Sekretär erfahren und gelernt, mag uns in der Folge zugute kommen. Die fatalsten Leiden und die edelsten Genüsse gingen diese Zeit her immer einander zur Seite.
Der Moritz pflegt auch so ne Art Vers- oder Betonungstheorie, die Goethe inspiriert hat, seine Iphigenie in Jamben zu setzen. Und ich habe die Zeit genutzt, um wieder etwas aus meiner Reisebibliothek vorzunehmen. Doch davon ein andermal; der heutig Tag ist mir zu trüb für eine Komödie.
Dicki - am So, 15. Mai 2005, 21:55 - Rubrik: Dickis Reisen
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