Hätten die sich das nicht besser überlegen können? Phony Tony hat ja sofort geblairt: das war Al Quaida! Und dann sollte man doch eine gerade Linie von den Anschlägen in London zu der Terrororganisation ziehen können. Tatsächlich wird beinahe täglich die Geschichte nachträglich geändert.
So weit ich das noch überblicke, explodierten die Bomben in der U-Bahn innerhalb dreißig Minuten, die im Bus 20 Minuten später. Zwei Tage darauf sind die Biester innerhalb weniger Sekunden hochgegangen, beinahe synchron, von Zeitzündern ausgelöst. Die einen Experten kannten dann auch die Menge des verwendeten Sprengstoffes, während die anderen noch nicht einmal herausbekommen hatten, was überhaupt als Sprengstoff verwendet worden war. Inzwischen suchte man nach weißhäutigen Briten, die eventuell von Al Quaida angeheuet worden wären. Aha, es handelte sich um militärischen Sprengstoff, der aud Syrien stammen könnte. Alles falsch, Selbstmordattentäter, die ihre Bomben aus Chemikalien gebastelt hatten, die man in jeder Apotheke zu kaufen bekommt. Identifiziert sind die vier Täter auch schon, obwohl (zu dem Zeitpunkt) erst fünfzehn der über fünfzig Toten hatten identifiziert werden können. Durch einen Riesenkurzschluß (so riesig, daß selbst die Kameras im Bus ausgefallen sind, obwohl der gar nicht elektrisch betrieben wird) gab es keine Bilder aus den Zügen und Stationen, aber man fand dann doch noch Bilder von pakistanischen Briten, wie sie in eine U-Bahn einsteigen. Und durch diese logische Beweiskette wird nun die Verbindung zu Al Quaida hergestellt, ich gratuliere, gute Arbeit.
Noch am 7. Juli gab der Chef einer Sicherheitsfirma (Peter Power, Visor Consultants) der BBC (Five live) ein Interview: mit rund tausend Leuten hatte sein Unternehmen an diesem Morgen eine Sicherheitsübung in der U-Bahn durchgeführt, bei der Bombenanschläge simuliert werden sollten. Er sagte, ihm stünden die Haare zu Berge, denn die echten Bomben seien zu genau der Zeit an genau den Stellen explodiert, die für die Übung vorgesehen war(en). Ich wollte das erst nicht glauben und fand zunächst auch keine Bestätigung. Jedoch habe ich erfahren, daß das Interview eine Woche lang bei der BBC online nachträglich gehört werden konnte, die haben ein entsprechendes Archiv. Und ein Fernsehinterview gibt es außerdem. Kein Gerücht also, keine Falschmeldung. - Woher wußten die Terroristen über diese Übung eigentlich so genau Bescheid? Al Quaida scheint ja immer Top Insiderinformationen zu haben. Die sind wohl mehr ein Geheimdienst als eine Terrorgruppe. Das heißt, wo ist da eigentlich die Grenze?
So weit ich das noch überblicke, explodierten die Bomben in der U-Bahn innerhalb dreißig Minuten, die im Bus 20 Minuten später. Zwei Tage darauf sind die Biester innerhalb weniger Sekunden hochgegangen, beinahe synchron, von Zeitzündern ausgelöst. Die einen Experten kannten dann auch die Menge des verwendeten Sprengstoffes, während die anderen noch nicht einmal herausbekommen hatten, was überhaupt als Sprengstoff verwendet worden war. Inzwischen suchte man nach weißhäutigen Briten, die eventuell von Al Quaida angeheuet worden wären. Aha, es handelte sich um militärischen Sprengstoff, der aud Syrien stammen könnte. Alles falsch, Selbstmordattentäter, die ihre Bomben aus Chemikalien gebastelt hatten, die man in jeder Apotheke zu kaufen bekommt. Identifiziert sind die vier Täter auch schon, obwohl (zu dem Zeitpunkt) erst fünfzehn der über fünfzig Toten hatten identifiziert werden können. Durch einen Riesenkurzschluß (so riesig, daß selbst die Kameras im Bus ausgefallen sind, obwohl der gar nicht elektrisch betrieben wird) gab es keine Bilder aus den Zügen und Stationen, aber man fand dann doch noch Bilder von pakistanischen Briten, wie sie in eine U-Bahn einsteigen. Und durch diese logische Beweiskette wird nun die Verbindung zu Al Quaida hergestellt, ich gratuliere, gute Arbeit.
Noch am 7. Juli gab der Chef einer Sicherheitsfirma (Peter Power, Visor Consultants) der BBC (Five live) ein Interview: mit rund tausend Leuten hatte sein Unternehmen an diesem Morgen eine Sicherheitsübung in der U-Bahn durchgeführt, bei der Bombenanschläge simuliert werden sollten. Er sagte, ihm stünden die Haare zu Berge, denn die echten Bomben seien zu genau der Zeit an genau den Stellen explodiert, die für die Übung vorgesehen war(en). Ich wollte das erst nicht glauben und fand zunächst auch keine Bestätigung. Jedoch habe ich erfahren, daß das Interview eine Woche lang bei der BBC online nachträglich gehört werden konnte, die haben ein entsprechendes Archiv. Und ein Fernsehinterview gibt es außerdem. Kein Gerücht also, keine Falschmeldung. - Woher wußten die Terroristen über diese Übung eigentlich so genau Bescheid? Al Quaida scheint ja immer Top Insiderinformationen zu haben. Die sind wohl mehr ein Geheimdienst als eine Terrorgruppe. Das heißt, wo ist da eigentlich die Grenze?
Dicki - am Mo, 18. Juli 2005, 19:55 - Rubrik: Nachtgesaenge
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Um es gleich zu sagen: ich fürchte, ich bin herausgefallen, vollständig in die Gegenwart zurückgeplumpst. Vielleicht nur vorübergehend, vielleicht kann ich irgendeinmal den losen Faden wieder aufnehmen, aber hier und heute, in Neapel am Freitag, den 27. Mai 1787, ziehe ich einen vorläufigen Schlußstrich, es tut mir leid, es verdrießt mich, und ist doch das einzig sinnvolle.
Eine angekündigte Geschichte bin ich noch schuldig (vgl. Folge 30), und die soll auch erzählt sein. Es geht selbstverständlich um die ungestüme Prinzessin. Aus einem guten, doch unvermögenden Hause geboren, im Kloster erzogen, entschloß sie sich, einen alten und reichen Fürsten zu heiraten, und man konnte sie um so eher dazu überreden [ weshalb überreden, wenn sie doch entschlossen war???], als die Natur sie zu einem zwar guten, aber zur Liebe völlig unfähigen Wesen gebildet hatte. In dieser reichen, aber durch Familienverhältnisse höchst beschränkten Lage suchte sie sich durch ihren Geist zu helfen und, da sie in Tun und Lassen gehindert war, wenigstens ihrem Mundwerk freies Spiel zu geben. Man versicherte mir, daß ihr eigentlicher Wandel ganz untadelig sei, daß sie sich aber fest vorgesetzt zu haben scheine, durch ein unbändiges Reden allen Verhältnissn ins Angesicht zu schlagen. Man bemerkte scherzend, daß keine Zensur ihre Diskurse, wären sie schriftlich verfaßt, könne durchgehen lassen, weil sie durchaus nichts vorbringe, als was Religion, Staat oder Sitten verletze.
Man erzählte die wunderlichsten und artigsten Geschichten von ihr, wovon eine hier stehen mag, ob sie gleich nicht die anständigste ist.
Kurz vor dem Erdbeben, das Kalabrien betraf, war sie dort auf die dortigen Güter ihres Gemahls gezogen. auch in der Nähe des Schlosses war eine Baracke gebaut, das heißt ein hölzernes einstöckiges Haus, unmittelbar auf den Boden aufgesetzt; übrigens tapeziert, möbliert und schicklich eingerichtet. Bei den ersten Anzeigen des Erdbebens flüchtete sie dahin. Sie saß auf dem Sofa, Knötchen knüpfend, vor sich ein Nähtischchen, gegen ihr über ein Abbé, ein alter Hausgeistlicher. Auf einmal wogte der Boden, das Gebäude sank an ihrer Seite nieder, indem die entgegengesetzte sich emporhob, der Abbé und das Tischchen wurde also auch in die Höhe gehoben. "Pfui!" rief sie, an der sinkenden Wand mit dem Kopfe gelehnt, "schickt sich das für einen so ehrwürdigen Mann? Ihr gebärdet Euch ja, als wenn Ihr auf mich fallen wolltet. Das ist ganz gegen alle Sitte und Wohlstand."
Indessen hatte das Haus sich wieder niedergesetzt, und sie wußte sich vor Lachen nicht zu lassen über die närrische, lüsterne Figur, die der gute Alte sollte gespielt haben, und sie schien über diesen Scherz von allen Kalamitäten, ja dem großen Verlust, der ihre Familie und so viel tausend Menschen betraf, nicht das mindeste zu empfinden. Ein wunderbar glücklicher Charakter, dem noch eine Posse gelingt, indem ihn die Erde verschlingen will.
Mit dieser, mir etwas eigenwillig scheinenden, Betrachtung der Prinzessin ist wenigstens diese Sache abgeschlossen. Bleibt mir nur zu danken und zu sagen: mit Goethe reist es sich angenehm.
Eine angekündigte Geschichte bin ich noch schuldig (vgl. Folge 30), und die soll auch erzählt sein. Es geht selbstverständlich um die ungestüme Prinzessin. Aus einem guten, doch unvermögenden Hause geboren, im Kloster erzogen, entschloß sie sich, einen alten und reichen Fürsten zu heiraten, und man konnte sie um so eher dazu überreden [ weshalb überreden, wenn sie doch entschlossen war???], als die Natur sie zu einem zwar guten, aber zur Liebe völlig unfähigen Wesen gebildet hatte. In dieser reichen, aber durch Familienverhältnisse höchst beschränkten Lage suchte sie sich durch ihren Geist zu helfen und, da sie in Tun und Lassen gehindert war, wenigstens ihrem Mundwerk freies Spiel zu geben. Man versicherte mir, daß ihr eigentlicher Wandel ganz untadelig sei, daß sie sich aber fest vorgesetzt zu haben scheine, durch ein unbändiges Reden allen Verhältnissn ins Angesicht zu schlagen. Man bemerkte scherzend, daß keine Zensur ihre Diskurse, wären sie schriftlich verfaßt, könne durchgehen lassen, weil sie durchaus nichts vorbringe, als was Religion, Staat oder Sitten verletze.
Man erzählte die wunderlichsten und artigsten Geschichten von ihr, wovon eine hier stehen mag, ob sie gleich nicht die anständigste ist.
Kurz vor dem Erdbeben, das Kalabrien betraf, war sie dort auf die dortigen Güter ihres Gemahls gezogen. auch in der Nähe des Schlosses war eine Baracke gebaut, das heißt ein hölzernes einstöckiges Haus, unmittelbar auf den Boden aufgesetzt; übrigens tapeziert, möbliert und schicklich eingerichtet. Bei den ersten Anzeigen des Erdbebens flüchtete sie dahin. Sie saß auf dem Sofa, Knötchen knüpfend, vor sich ein Nähtischchen, gegen ihr über ein Abbé, ein alter Hausgeistlicher. Auf einmal wogte der Boden, das Gebäude sank an ihrer Seite nieder, indem die entgegengesetzte sich emporhob, der Abbé und das Tischchen wurde also auch in die Höhe gehoben. "Pfui!" rief sie, an der sinkenden Wand mit dem Kopfe gelehnt, "schickt sich das für einen so ehrwürdigen Mann? Ihr gebärdet Euch ja, als wenn Ihr auf mich fallen wolltet. Das ist ganz gegen alle Sitte und Wohlstand."
Indessen hatte das Haus sich wieder niedergesetzt, und sie wußte sich vor Lachen nicht zu lassen über die närrische, lüsterne Figur, die der gute Alte sollte gespielt haben, und sie schien über diesen Scherz von allen Kalamitäten, ja dem großen Verlust, der ihre Familie und so viel tausend Menschen betraf, nicht das mindeste zu empfinden. Ein wunderbar glücklicher Charakter, dem noch eine Posse gelingt, indem ihn die Erde verschlingen will.
Mit dieser, mir etwas eigenwillig scheinenden, Betrachtung der Prinzessin ist wenigstens diese Sache abgeschlossen. Bleibt mir nur zu danken und zu sagen: mit Goethe reist es sich angenehm.
Dicki - am So, 17. Juli 2005, 20:06 - Rubrik: Dickis Reisen
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Gestern fuhr ich mit dem Rad los, um eine Freundin zu besuchen, die außerhalb Bremens wohnt. Sie hatte mir einen Weg abseits der vertrauten, aber öden Hauptstraßen empfohlen und es lohnte sich, ihrem Rat zu folgen. An einer bestimmten Stelle ("Iprump", was an Apple denken läßt, aber nur eine handvoll Häuser ist) verließ ich also die direkte Route. Nach höchstens fünfhundert Metern befand ich mich in ländlicher Umgebung: Wiesen, Felder, Gräben, Baumgruppen, Bauernhäuser, Pferdekoppeln, Viehweiden, Gänse, Hühner. Kaum ein Auto kam des Wegs und es fuhr sich angenehm im Schatten der Chausseebäume.
Natürlich hatte ich die neue Route zuvor auf einer Karte studiert und mir die wichtigsten Straßennamen gemerkt. Glaubte ich jedenfalls. Prompt verpasste ich die richtige Abzweigung, bemerkte das auch bald, ließ aber die Abzweigung Abzweigung sein, sprich: bekümmerte mich darob nicht, denn der Weg gefiel mir, obwohl nun statt holprigem Asphalt staubiger Lehmboden den Untergrund bildete. Ich fuhr an einem Nadelhölzwäldchen entlang, die Luft roch würzig, Vögel sangen und ich hatte zwar die richtige Straße, nicht aber die Orientierung verloren. Bald gelangte ich an einen kleine Rastplatz und besah die aufgestellte Karte ("Sie befinden sich hier"). Na also, links die Straße rauf, immer geradeaus, und schon bin ich wieder auf der Route und bereits nahe am Ziel.
Dann stand ich vor der Baustelle. Vollsperrung. Kein Weiterkommen in gerader Richtung. Notgedrungen bog ich in die Irrgänge einer Neubausiedlung ein. Nicht nur, daß hier Kurve auf Kurve, Straßeneinmündung auf Straßeneinmündung folgte, es sah auch überall gleich aus, wie die Siedlung selbst auch tausend anderen Neubausiedlungen der letzten zehn, fünfzehn Jahre glich: blitzsaubere Legohäuser mit blitzsauberen Vorgärten an blitzsauberen Straßen, die alle mit blitzsauberen Quadersteinen gepflastert sind, blitzsauber aneinandergefügt. Keine Läden, keine Treffpunkte, fremdartig wirkende Kreaturen in Menschengestalt (falls man überhaupt wen außerhalb Haus oder Auto antrifft), Gartenzwergidylle, Zombie-Ort. Schlagartig war die Orientierung futsch.
Irgendwie habe ich wieder hinausgefunden, bevor mich Panik überwältigte und bevor sich die Anwesenheit eines lebendigen Menschen aus Fleisch und Blut - aus frischem Fleisch und frischem Blut! - hätte herumsprechen und sie die zweifellos vorhandenen, aber gut getarnten Tigerfallen, in denen sie ihre unglückseligen Opfer zu fangen pflegen, hätten aktivieren können. - Schweißgebadet kam ich bei der Freundin an, erzählte von dem Umweg (wie ich es nannte), verschwieg aber den Ort des Grauens. Sie kommt ohnehin nie in diese Gegend, weshalb sie beunruhigen, weshalb mich - innerlich noch zitternd - erinnern!
Wanderer, zu Fuß oder zu Rad, meide die Neubausiedlungen. Sie halten Schlimmeres für dich bereit als dieses harmlose Spottlied ahnen läßt ...
Natürlich hatte ich die neue Route zuvor auf einer Karte studiert und mir die wichtigsten Straßennamen gemerkt. Glaubte ich jedenfalls. Prompt verpasste ich die richtige Abzweigung, bemerkte das auch bald, ließ aber die Abzweigung Abzweigung sein, sprich: bekümmerte mich darob nicht, denn der Weg gefiel mir, obwohl nun statt holprigem Asphalt staubiger Lehmboden den Untergrund bildete. Ich fuhr an einem Nadelhölzwäldchen entlang, die Luft roch würzig, Vögel sangen und ich hatte zwar die richtige Straße, nicht aber die Orientierung verloren. Bald gelangte ich an einen kleine Rastplatz und besah die aufgestellte Karte ("Sie befinden sich hier"). Na also, links die Straße rauf, immer geradeaus, und schon bin ich wieder auf der Route und bereits nahe am Ziel.
Dann stand ich vor der Baustelle. Vollsperrung. Kein Weiterkommen in gerader Richtung. Notgedrungen bog ich in die Irrgänge einer Neubausiedlung ein. Nicht nur, daß hier Kurve auf Kurve, Straßeneinmündung auf Straßeneinmündung folgte, es sah auch überall gleich aus, wie die Siedlung selbst auch tausend anderen Neubausiedlungen der letzten zehn, fünfzehn Jahre glich: blitzsaubere Legohäuser mit blitzsauberen Vorgärten an blitzsauberen Straßen, die alle mit blitzsauberen Quadersteinen gepflastert sind, blitzsauber aneinandergefügt. Keine Läden, keine Treffpunkte, fremdartig wirkende Kreaturen in Menschengestalt (falls man überhaupt wen außerhalb Haus oder Auto antrifft), Gartenzwergidylle, Zombie-Ort. Schlagartig war die Orientierung futsch.
Irgendwie habe ich wieder hinausgefunden, bevor mich Panik überwältigte und bevor sich die Anwesenheit eines lebendigen Menschen aus Fleisch und Blut - aus frischem Fleisch und frischem Blut! - hätte herumsprechen und sie die zweifellos vorhandenen, aber gut getarnten Tigerfallen, in denen sie ihre unglückseligen Opfer zu fangen pflegen, hätten aktivieren können. - Schweißgebadet kam ich bei der Freundin an, erzählte von dem Umweg (wie ich es nannte), verschwieg aber den Ort des Grauens. Sie kommt ohnehin nie in diese Gegend, weshalb sie beunruhigen, weshalb mich - innerlich noch zitternd - erinnern!
Wanderer, zu Fuß oder zu Rad, meide die Neubausiedlungen. Sie halten Schlimmeres für dich bereit als dieses harmlose Spottlied ahnen läßt ...
Dicki - am Sa, 16. Juli 2005, 0:20 - Rubrik: Beobachtungen in der Natur
Sport im Fernsehen hab ich mir reingezogen wie Fast Food: im Augenblick scheint es begehrenswert, aber es hinterläßt keinen bleibenden Eindruck. Mit Ausnahme weniger Szenen, und dies ist eine davon:
In einem der großen Tennisturniere stehen sich John McEnroe und ein unbekannt gebliebener US-Neger gegenüber. John hängt sich rein und haut seinem Kontrahenten die Bälle um die Ohren. Auf einmal guckt der Schwatte ihn so über das Netz an, als wollte er sagen: "Du bist große Klasse, du bist ein viel besserer Spieler als ich, du bist vielleicht der beste Tennisspieler aller Zeiten - aber hast du auch Humor?"
Anstatt beim Aufschlag den Ball hoch in die Luft zu werfen und mit Ellenbecker Rundschlag das Teil übers Netz zu dreschen, läßt er den Ball locker auf den flach gehaltenen Schläger prallen, daß er (der Ball) - plop - lasch über das Netz segelt und John McEnroe vor Überraschung nicht einmal den Versuch macht, den Ball zu erreichen. Stattdessen steht er steif da, stiert auf sein Gegenüber, läuft rot an und ist stinkesauer, und zwar ungespielt, der kocht innerlich. Ein erhebende Szene.

Dies ist ein Ersatzbild - das Internet hat kein typisches "ihr seid alle gegen mich!"-Bild von J.M. auf Lager
Für alle, die sich mit Tennis nicht auskennen: das ist ungefähr so, als würde jemand gegen die besten 100-Meter-Läufer der Welt im Rückwärtsgang laufen. Na, das müßte endlich mal einer bringen!
In einem der großen Tennisturniere stehen sich John McEnroe und ein unbekannt gebliebener US-Neger gegenüber. John hängt sich rein und haut seinem Kontrahenten die Bälle um die Ohren. Auf einmal guckt der Schwatte ihn so über das Netz an, als wollte er sagen: "Du bist große Klasse, du bist ein viel besserer Spieler als ich, du bist vielleicht der beste Tennisspieler aller Zeiten - aber hast du auch Humor?"
Anstatt beim Aufschlag den Ball hoch in die Luft zu werfen und mit Ellenbecker Rundschlag das Teil übers Netz zu dreschen, läßt er den Ball locker auf den flach gehaltenen Schläger prallen, daß er (der Ball) - plop - lasch über das Netz segelt und John McEnroe vor Überraschung nicht einmal den Versuch macht, den Ball zu erreichen. Stattdessen steht er steif da, stiert auf sein Gegenüber, läuft rot an und ist stinkesauer, und zwar ungespielt, der kocht innerlich. Ein erhebende Szene.

Dies ist ein Ersatzbild - das Internet hat kein typisches "ihr seid alle gegen mich!"-Bild von J.M. auf Lager
Dicki - am Do, 14. Juli 2005, 0:09 - Rubrik: in eigener Sache
Nach den Anschlägen in London wurden Schaubilder veröffentlicht, die Ort und Zeit der einzelnen Explosionen nannten. Die erste Bombe ging demnach um 8:51 Uhr hoch, die letzte um 9:47 Uhr morgens am 7. Juli 2005. Zwei Tage später berichteten die Medien, die Detonationen seien simultan erfolgt, innerhalb etwa 50 Sekunden. Nanu, fragt denn da niemand nach? Es gab doch jede Menge Augenzeugen, dazu Protokolle von Polizei und Rettungsdiensten, und vielleicht waren einige der Mobiltelefone, mit denen Überlebende und Schaulustige fotografierten, in der Lage, die aktuelle Uhrzeit ins Bild zu kopieren. Es ist also nachprüfbar, welche Version stimmt. Die Medien aber stimmen in den Tenor der einen wie der anderen Version ein, und sie werden auch eine dritte unisono und sotto voce herausposaunen.
Noch bevor die Sprengstoffexperten den verwendeten Sprengstoff ermittelt hatten, wußten die Medien bereits, daß die Bomben nur 10 pound brisante Stoffe enthielten (vermutlich englische pound, also nicht entsprechend 5 Kilogramm). Die Explosivkraft von beispielsweise 10 Pfund Dynamit ist aber eine ganz andere als von 10 Pfund C4, d.h. man muß zunächst die Art des Sprengstoffes kennen. Weshalb fragt niemand nach, was es mit dieser 10-Pfund-Meldung auf sich hat?
Dann wußten sofort alle, daß vermutlich Al Quaida für die Anschläge verantwortlich ist. Klar, diese Vermutung ist - nicht zuletzt aufgrund früherer Berichterstattung - naheliegend, wurde aber mit solcher Vehemenz vorgetragen und verbreitet, daß sie einer Gewißheit gleichkommt und Vermutungen in andere denkbare Richtungen von vornherein ausschließt. Jemand lanciert "Al Quaida", und die Presstituierten blöken es in die Welt; sie brauchen ihre Sensation, wie sie ihr Feindbild brauchen. Und so schreiben sie bereitwillig voneienander ab.
Es gibt hilfreiche Programme, mit denen sich Internetverbindungen verfolgen lassen. Vom eigenen PC über die Knotenpunkte hin zum Server, der die aufgerufene Website "hostet". Auch läßt sich feststellen, wer die Seite betreibt (mit Name, ggf. Firma, und voller Adresse). Man kann auch herausbekommen, was sonst noch auf dem Server läuft und was der Betreiber außerdem am Laufen hat - wenn man will. Den Medien war zu entnehmen, daß eine bisher unbekannte Gruppe der Al Quaida auf einer von Islamisten frequentierten Website sich zu den Anschlägen bekannt hat. Und, liebe Journalisten, habt ihr daraufhin euern Arsch in Bewegung gesetzt und diese Meldung verifiziert, hm? Nein, abgeschrieben habt ihr. Es bedarf keiner Zensur, es gibt nur eine Meinung. Denn eine Recherche findet nicht statt.
Noch bevor die Sprengstoffexperten den verwendeten Sprengstoff ermittelt hatten, wußten die Medien bereits, daß die Bomben nur 10 pound brisante Stoffe enthielten (vermutlich englische pound, also nicht entsprechend 5 Kilogramm). Die Explosivkraft von beispielsweise 10 Pfund Dynamit ist aber eine ganz andere als von 10 Pfund C4, d.h. man muß zunächst die Art des Sprengstoffes kennen. Weshalb fragt niemand nach, was es mit dieser 10-Pfund-Meldung auf sich hat?
Dann wußten sofort alle, daß vermutlich Al Quaida für die Anschläge verantwortlich ist. Klar, diese Vermutung ist - nicht zuletzt aufgrund früherer Berichterstattung - naheliegend, wurde aber mit solcher Vehemenz vorgetragen und verbreitet, daß sie einer Gewißheit gleichkommt und Vermutungen in andere denkbare Richtungen von vornherein ausschließt. Jemand lanciert "Al Quaida", und die Presstituierten blöken es in die Welt; sie brauchen ihre Sensation, wie sie ihr Feindbild brauchen. Und so schreiben sie bereitwillig voneienander ab.
Es gibt hilfreiche Programme, mit denen sich Internetverbindungen verfolgen lassen. Vom eigenen PC über die Knotenpunkte hin zum Server, der die aufgerufene Website "hostet". Auch läßt sich feststellen, wer die Seite betreibt (mit Name, ggf. Firma, und voller Adresse). Man kann auch herausbekommen, was sonst noch auf dem Server läuft und was der Betreiber außerdem am Laufen hat - wenn man will. Den Medien war zu entnehmen, daß eine bisher unbekannte Gruppe der Al Quaida auf einer von Islamisten frequentierten Website sich zu den Anschlägen bekannt hat. Und, liebe Journalisten, habt ihr daraufhin euern Arsch in Bewegung gesetzt und diese Meldung verifiziert, hm? Nein, abgeschrieben habt ihr. Es bedarf keiner Zensur, es gibt nur eine Meinung. Denn eine Recherche findet nicht statt.
Dicki - am Di, 12. Juli 2005, 0:46 - Rubrik: deutsche kenneweiss